[Olympus Mons Bd. 1] Anomalie Eins

Lesezeit circa: 5 Minuten

Mit der „Olympus Mons“-Reihe haben Christophe Bec und Stefano Raffaele eine gewaltige Science-Fiction-Serie ins Leben gerufen. Auch wenn manche Elemente der Reihe an die „Prometheus“-Reihe erinnern, ist „Olympus Mons“ eine wesentlich bodenständigere Erzählung.

Anomalie Eins
© Splitter Verlag

Anomalien auf dem Meeresboden

Im Jahr 2026 entdeckt ein Schiff in der Barentssee drei Anomalien auf dem Meeresgrund, von denen Anomalie Eins die merkwürdigste ist. Die drei Gebilde wirken zu ungewöhnlich geformt, um natürlichen Ursprungs zu sein. Offen bleibt, ob alle drei Anomalien zum selben Objekt gehören oder ob es sich um drei nahe beieinanderliegende Objekte handelt. Sicher ist nur, dass sie eine außergewöhnlich hohe Strahlung aufweisen. Das Forschungsteam „Oceans Pathfinder“ kündigt an, der Sache auf den Grund zu gehen. Nach zwei Tauchgängen zur Anomalie Eins tauchen erste Kriegsschiffe auf.

In Iowa hat der Seher Aaron Goodwin eine Vision von den Anomalien. In dieser Vision taucht er hinab und erkennt, dass es sich um ein Raumschiff handelt, dessen außerirdische Besatzung seit tausend Jahren zu schlafen scheint. Aaron entdeckt eine Botschaft, laut der sich die außerirdischen Besucher mit den Menschen verbrüdern wollten. Ein Countdown ist beim Erddatum 1013 stehen geblieben.

Scheinbar handelt es sich um das Jahr – nach christlicher Zählung – in dem das Raumschiff die Erde erreicht hat. Der Hellseher versteht, dass das „Oceans Pathfinder“-Team versehentlich einen Selbstverteidigungsmechanismus aktiviert hat, als es versuchte, in die Anomalie Eins einzudringen. Da die Technik des Raumschiffs gewaltig genug ist, um die gesamte Erde zu vernichten, nimmt Aaron sofort Kontakt zu den Wissenschaftlern auf, die ihn jedoch für einen „Spinner“ halten.

Berg Ararat und die Arche Noah

Gleichzeitig befinden sich drei Sensationsjournalisten in der Nähe des Berges Ararat, der in an der östlichen Grenze der Türkei liegt. Für ihre Sendung hoffen sie auf dem Berg, der als der Ort gilt, an dem die Arche Noah nach der Sintflut an Land gegangen ist, publikumswirksame Zeugnisse zu finden. Als sie den Berg erklommen haben, versuchen türkische Jagdflieger, die Männer einzuschüchtern.

Olympus Mons – Die Russen erreichen den Mars

Auf dem Mars bahnt sich derweil ein historisches Ereignis ersten Ranges an: Drei russische Kosmonaut_innen erreichen den Mars und es gebührt Captain Jelena Schewtschenko, der einzigen Frau an Bord, als erster Mensch einen fremden Planeten zu betreten. Die Kosmonaut_innen sind bereit, einen großen Preis für ihre Pionierleistung zu zahlen. Denn es steht von vorneherein fest, dass sie niemals zur Erde zurückkehren werden können.

Doch daran denkt zunächst niemand, als Jelena Schewtschenko am Fuße des gewaltigen Berges Olympus Mons steht, der etwa zweieinhalb mal so groß ist wie der irdische Mount Everest. Nachdem ein Basislager errichtet ist, unternehmen die drei Kosmonaut_innen eine erste Entdeckungstour mit einem Mars-Rover. Überraschend zeigen die Instrumente ein Objekt mit rechtem Winkel an. Die Menschen finden daraufhin Gegenstände aus einem seltsamen Metall, die ihnen den Weg zur Spitze des Olympus Mons zu zeigen scheinen.

Was die Kosmonaut_innen dann sehen, ist unglaublich. Ein gewaltiges Raumschiff liegt auf dem Olympus Mons! Da der Sauerstoff ausgeht, muss zunächst die Basis aufgesucht werden. Doch durch einen Fehler in der Stromversorgung reicht der Sauerstoff nur, um eine der drei Personen lebend zurück zur Basis zu bringen …

Historische Szenarien

Natürlich kommt ein guter Christophe Bec-Comic nicht ohne historische Szenarien aus. So beginnt „Anomalie Eins“ mit Christophe Columbus, der 1492 den Atlantik überquert, um neue Länder zu entdecken. Die Stimmung könnte auf den drei Schiffen, die unter dem Kommando des Columbus stehen, kaum schlechter sein. Obwohl man die Kanaren längst hinter sich gelassen hat, kommt einfach kein Land in Sicht. So gerade gelingt es Columbus, seine Besatzung unter Kontrolle zu halten, als mithilfe einer Himmelserscheinung endlich Land zu sehen ist. Als sie am 12. Oktober 1492 auf Indigene treffen, fragen diese die europäischen Entdecker, ob auch sie vom großen roten Berg im Himmel gekommen seien. Gemeint ist offensichtlich der Olympus Mons.

Mein Eindruck von Olympus Mons Bd. 1 „Anomalie Eins“

Wie schon in der Einleitung angeführt stoßen wir in „Anomalie Eins“ auf diverse Elemente, die wir bereits aus Christophe Becs „Prometheus“-Reihe kennen, für die ja auch Stefano Raffaele wiederholt die Bilder beigesteuert hat. So besuchen Außerirdische allem Anschein nach seit mindestens tausend Jahren die Erde und auf dem Meeresgrund befindet sich mindestens ein Raumschiff. (Unterwasserwelten sind ein immer wiederkehrendes Motiv in Christophe Becs Erzählungen.) Vermutlich wird wie in der „Prometheus“-Reihe in historischen Rückblicken gezeigt werden, wie die Außerirdischen in verschiedenen Zeitaltern Kontakt zur Menschheit aufnahmen.

Zwar treten mit dem Berg Ararat und der Arche Noah auch mythologische Themen in Erscheinung, doch scheint mir die Erzählung diesmal eher darauf hinauszulaufen, dass ein Raumschiff auf dem Ararat abgestürzt ist. Ein übernatürliches Element tritt mit dem Hellseher Aaron Goodwill auf. Dennoch scheint es sich bei „Olympus Mons“ um klassischere Science Fiction zu halten als bei „Prometheus“, zumal diesmal auch der Weltraum in Form des Planeten Mars eine Rolle spielt.

Richtig gut gefällt mir, dass es die Russen sind, die den Mars als Erste erreichen. Toll ist auch, dass eine Frau den ersten menschlichen Fuß auf einen fremden Planeten setzt.

Fazit

Das Team Bec/Raffaele funktioniert in „Anomalie Eins“ wieder einmal bestens, was auf eine großartige Comicreihe hoffen lässt. Weiter geht es in der nächsten Woche mit Band 2 „Operation Mainbrace“.

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Michael Kleu

Michael Kleu

Michael ist Jahrgang 1978 und Althistoriker. Er schreibt einen eigenen Blog über die Antikenrezeption in fantastischen Medien.

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