Kann die Serie zum Finale das Blatt wieder wenden? Oder wird die Qualität weiter sinken?
Keine große Erwartung
In Bar Sing Se ändern sich Sachen. Azula (Elizabeth Yu) hat, dank eines Deals mit Long Feng (Chin Han), das Kommando über die Stadt übernommen. Katara (Kiawentiio) und Sokka (Ian Ousley) wurden beide jeweils verhaftet und in den Kerker geworfen. Wo sie auf einige Überraschungen stoßen.
Derweil trifft sich Toph (Miyako) mit ihrer Mutter. Die sie allerdings betäubt und entführt. Weshalb es am Ende auf Aang (Gordon Cormier) drauf ankommt. Der mit Hilfe von Iroh (Paul Sun-Hyung Lee) einen Zugang zum Gefängnis findet, der sich nur von Avataren öffnen lassen kann. Er dringt immer weiter in den Kerker vor und kann am Ende seine Freunde befreien.
Die letzten Episoden von Avatar – Der Herr der Elemente haben nicht wirklich Freude bereitet. Gefühlt hatte die Reihe immer mehr abgebaut. Weshalb die Erwartungshaltung an Etwas Zerbrochenes nicht gerade hoch war.
Positiv enttäuscht
Umso erfreulicher, dass die Episode positiv enttäuschte. Sie war zwar nicht grandios. Konnte aber über weite Teile überzeugen und gefallen.
Der Großteil der Ereignisse dreht sich natürlich um die Vorkommnisse im unterirdischen Gefängnis von Bar Sing Se. Darum, wie der Avatar versucht, seine Freunde zu befreien. Und was ansonsten so alles geschieht.
Dabei gefällt ausgerechnet die Darstellung von Long Feng. Er wird im Laufe der Episode gleich mehrere Male negativ überrascht. Als zum Beispiel Azula, entgegen seiner Absprache, die Generäle der Stadt kurzerhand umbringt. Oder als sie ihm einen General der Feuernation vor die Nase setzt. Da merkt man, dass er den Verlauf so nicht vorgesehen hat. Dass er quasi aufs falsche Pferd gesetzt hat.
Viele erstklassige Momente
Und doch verteidigt er seine Entscheidungen, als er später auf Aang trifft. Er ist immer noch der Auffassung, dass er so verhindert hat, dass seine Stadt in den Krieg gezogen wird. Und zeigt so wunderbar seine Verblendung, dass er nicht sieht, was seine Taten angerichtet haben.
Hier bricht die Reihe mit der Darstellung aus der Zeichentrickserie. Wo Long Feng deutlich skrupelloser dargestellt wurde. Zwar ist er, wie man sieht, auch in der Realserie dies. Aber es geht ihm am Ende nicht wirklich um die Macht, sondern wirklich um die Illusion, dass in Bar Sing Se alles in Ordnung ist. Was es natürlich nicht ist.
Auch die Szenen mit Sokka, Sai, Katara und Zuko sind Spitzenklasse. Weil es sich hier um Charaktermomente handelt, die grandios sind. Wo man wirklich merkt, dass sich hier bemüht wird, die Figuren glaubwürdig weiterzuentwickeln. Und wo man zum einen wieder sieht, wie intelligent Sokka in Wahrheit ist, als er einen Weg hinaus findet. Und wie empathisch Katara ist, als sie sich anscheinend mit Zuko verträgt und ihm sogar anbietet, ihn zu heilen.
Kein glaubwürdiger Plot
Doch im Vergleich zu diesen ist der Toph-Plot nicht überzeugend. Die Änderung, dass es ihre Mutter ist, die sie entführt, wirkt merkwürdig. Es kommt ein wenig sehr aus dem Nichts, auch wenn ihr Auftauchen an sich vorbereitet wurde. Und ihre Motivation scheint… Egoismus zu sein? Die Sorge um den Ruf um ihre Familie? Vermutlich irgend so etwas, aber es wird nie explizit ausgesprochen.
Und der Moment, wo Toph das Metallbändigen lernt, ist auch nicht überzeugend geworden. Sie posaunt ihre Erkenntnis ein wenig zu laut hinaus und gibt zu großspurig. Ansonsten ist ihr Beitrag zum Finale, das sie erst dann hinzustößt, wo alles im Prinzip schon vorbei ist.
Bei Aang selbst wird in einer Rückblende gezeigt, wie er Appa das erste Mal kennenlernte. Das soll so die emotionale Verbindung zu seinem Reittier verdeutlichen. Trotzdem ist der Avatar einen Großteil der Folge auf der Suche nach ihm, weshalb es entsprechend nur kurz auftaucht, um dann für seinen Auftritt in der finalen Szene noch mal kurz zu verschwinden.
Schlechtes CGI
Auch wäre es wünschenswert gewesen, wenn Zukost Kursschwenk auf Aulas Seite besser rübergebracht worden wäre. Hier duellieren sich die beiden Geschwister kurz, ehe sie dann miteinander über ihre gemeinsame Kindheit reden. Und das alles geschieht innerhalb kürzester Zeit. Das hätte man besser vorbereiten können.
Und dann ist da der finale Kampf. Bei dem Aang in den Avatarzustand wechselt, Azula kurz besiegt hat, aber zögert, sie zu töten. Was sie natürlich gnadenlos ausnutzt, um ihn schwer zu verletzen.
Diese Auseinandersetzung hat gleich mehrere Probleme. Eines davon ist, dass man sieht, dass der Kampf in einem Studio gedreht wurde und viel schlechtes CGI drübergeklatscht worden ist. Das andere ist, dass wie Aang in den Avatarzustand überwechselt, zwar optisch grandios ist. Man dann allerdings ebenfalls merkt, dass dieser Zustand in der aktuellen Staffel keine Rolle gespielt hat. Es wurde zwar über ihn geredet. Aber das ist nicht dasselbe, wie ihn ebenso zu zeigen, zu präsentieren! So taucht er auf ein Mal auf und Aang wird in ihm schwer verwundet. Man hört die Warnung, dass wenn er in diesem getötet wird, der Avatarzyklus vorbei ist, und das war es auch schon. Das ist sehr enttäuschend.
Dennoch, bei aller Kritik muss man ebenfalls betonen, dass die Folge überwiegend gefallen hat.
Info
Drehbuch: Christine Boylan & Gabriel Llanas
Showrunner: Christine Boylan, Jabbar Raisani
Regie: Hiromi Kamata
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