Die friedliche Revolution der Tiere gegen den Stier Silvio erfordert immer mehr Opfer.

Kein einfaches Leben
Es ist Winter und die Bewohner des Schlosses müssen zusätzlich zu ihrer bisherigen Arbeit jetzt auch eine Stunde lang im Wald arbeiten, um dort Holz zu fällen. Es ist eine Knochenarbeit, die noch dazu nicht bezahlt wird. Hinzu kommt außerdem, dass die Tiere das gesammelte Holz selber bezahlen müssen, wenn sie es brauchen. Und die Preise sind horrend.
Deswegen erwacht in den Tieren immer mehr und mehr der Widerstandsgeist. Doch sie wollen keinen gewalttätigen Aufstand. Vielmehr setzt sich Miss Bengalore dafür ein, friedlich gegen den Herrscher anzugehen. Was aber zunehmend schwerer wird.
Margeriten im Winter knüpft an die Handlung des Vorgängers an. Die Bewohner des Schlosses hatten einen kleinen aber wichtigen Sieg gegen die Herrschaft von Silvio errungen. Doch dadurch ist das Leben für sie nicht leicht geworden, wie man gut zu Beginn dieses Bandes erkennen kann.
Weitere Charakterisierungen beiderseits
Mühelos gelingt es dem Kreativteam klarzumachen, dass sich die Schlossbewohner neuen Repressalien ausgesetzt sehen. Nicht nur, dass sie kostenlos Holz fällen müssen, sie müssen jetzt auch noch entscheiden, was ihnen wichtiger ist: Essen oder Wärme?
Dabei fokussiert sich die Geschichte nicht nur auf die alten Bekannten, sondern baut auch andere Figuren aus, die bislang nur am Rande aufgetreten sind. So erhalten die Nummer 1 und 2 der Hundemeute deutlich mehr Profil. Nummer 1 gibt nach außen hin den knallharten Anführer der Meute, während er jedoch insgeheim immer wieder gewisse Sympathien für die Bewohner durchblicken lässt. Derweil man bei Nummer 2 seine Familie kennenlernt, um die er sich sorgt und kümmert.
Doch auch Stier Silvio wird weiter charakterisiert. Oder vielmehr lernt man seine Geliebte näher kennen, die oft genug eine kleine Stimme der Vernunft ist. Wobei man merkt, dass sie sehr verwöhnt ist. Der Stier selbst zeigt sich wiederholt als ein Tyrann, der nur dann von einem Befehl abrückt, wenn man ihm erklärt, dass das negative Konsequenzen nach sich zieht. So sieht er davon ab, weitere Tiere an den Pfahl zu binden, als man ihn darauf aufmerksam macht, dass durch den letzten Aufstand schon viele Pfoten abhandengekommen sind.
Jeder Tod geht nahe
Das Album ist einmal mehr ein Wechselbad der Gefühle. Man spürt den Druck der Tiere, sich um die Ihren zu kümmern, für Wärme und Nahrung zu sorgen, was nicht immer einfach ist, derweil die Jahreszeit und die harte Arbeit ihren Tribut fordern und so manches Tier deswegen oder wegen der Konsequenzen davon sterben.
Jeder Tod geht einem dabei nahe. Weil hier Charaktere sterben, die man ins Herz geschlossen hat. Bei denen man weiß, was mit ihrem Ableben alles verlorengeht. Und es ist auch ein Zeichen, dass der Widerstandskampf gegen den Stier trotz gutem Willen nicht ohne Opfer passieren kann.
Im Zentrum von allem steht Miss Bengalore, die tapfere Katze, die sich nicht nur um ihre Kinder sorgt, sondern ebenso um ihren Gast, die Ratte Azelar. Die trotz allem an die Gewaltlosigkeit der Rebellion glaubt und sich für diese immer wieder einsetzt.
Es gibt Tote zu beklagen
Deutlich negativer sieht dies der Hasengigolo Cäsar. Er glaubt nicht daran, dass es gewaltlos bleiben wird. Allgemein glaubt er eher weniger an den Erfolg des Widerstands.
Und am Ende zeigt sich, dass er Recht hat, weil Silvio ein Mal mehr zeigt, wozu er fähig ist, und es wieder einen Toten zu beklagen gilt. Weshalb sogar Miss Bengalore Zweifel hat, ob das, was sie macht, richtig ist.
Es ist wieder ein sehr starkes Album.
Info
Autoren: Xavier Dorison
Zeichnungen: Félix Delep
Farben: Félix Delep und Jessica Bodard
Verlag: Splitter
Sonstige Infos: Produktseite
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