Der Held von Grayskull gilt als der stärkste Mann des Universums.
Kürzlich stieß ich auf eine Aussage in den Kommentarspalten zum neuen Film mit He-Man. Mir gab diese erstmal zu denken. Affig kann ich verstehen, keine Frage. 🙂

Ist He-Man also toxisch maskulin? Und wie es sich für einen richtigen Faktencheck gehört, gehe ich nicht nach dem Bauchgefühl. Man darf nicht vergessen, die Reihe stammt aus den 80ern. Vieles aus dieser Zeit wird heute anders gesehen. Und wir schauen uns deshalb auch genau diese Version an.
Definition
Zuerst müssen wir natürlich erstmal klären, was Toxische Männlichkeit überhaupt ist.
Toxische Männlichkeit (auch „giftige Männlichkeit“, englisch toxic masculinity) ist ein männliches Rollenbild, „das Aggressivität zur Präsentation der eigenen Männlichkeit nahelegt und eine Unterordnung von Frauen befürwortet“. -Wikipedia
Und die KI meint dazu:
Als toxische Maskulinität (oder toxische Männlichkeit) bezeichnet man schädliche Verhaltensweisen und starre Rollenbilder, die an traditionellen Männlichkeitsidealen festhalten. Der Begriff kritisiert nicht Männlichkeit an sich, sondern den Zwang zu Dominanz, Härte und Aggression, der Männern und ihrem Umfeld schadet. [1, 2, 3, 4, 5]
Starre Rollenbilder, schädliche Verhaltensweisen, Aggressivität, Dominanz – das sind Dinge, die wir überprüfen können.
Analyse
Tatsächlich kann man bei Starre Rollenbilder durchaus einen Haken setzen, denn He-Man ist ein Beschützer. Das ist ein typisch männliches Rollenbild. Aber: Er macht nicht alles alleine, er hat Freunde und Helfer, die ihm dabei helfen, Eternia und seine Einwohner zu beschützen.
Der Punkt Schädliche Verhaltensweisen ist relativ einfach. Frauen haben nichts zu sagen und sollen Untertan sein und Männer zeigen nur Emotionen wie Wut, weinen nicht und brauchen keine Hilfe. He-Man begegnet jedem, den er trifft, auf Augenhöhe – sei es ein Freund oder ein Unbekannter. Und er steht zu seinen Emotionen. In der Episode „The Problem with Power“ (Deutsch: Gewissensbisse) legt Skeletor den Stärksten der Starken rein – er denkt, dass er einen Dorfbewohner getötet hat und legt deshalb seine Macht nieder und wirft das Zauberschwert in eine Schlucht. Der Gesichtsausdruck von Adam spricht dabei Bände.
Bei Aggressivität können wir erneut keinen Haken setzen. Ja, He-Man löst viele Konflikte mit Kampf und Gewalt. Wenn man aber genau hinschaut, dann wird ersichtlich, dass die Aggression selten bis nie von ihm ausgeht – er ist überlegen, nutzt diese Stärke aber nie zum dominieren, sondern zur Verteidigung. Er reagiert, er agiert nicht. Oft nutzt er seine Stärke auch nicht gegen seine Gegner, sondern um Wände einzubrechen oder „nicht lebendige“ Gegner wie Roboter oder magisch beschworene Steinmonster. Er schlägt andere Charaktere nicht, er nutzt seine Stärke um bei Trap Jaw den Laser zu verbiegen oder Gegner wegzuschleudern. Er macht sie unschädlich, ohne ihnen zu schaden. Spider-Man und Batman machen ihre Gegner auch unschädlich, aber sie schlagen sie dafür – was definitiv schaden ist.
Dominanz habe ich schon im Absatz davor erwähnt, ich gehe aber auch noch genauer darauf ein. He-Man ist die Hauptfigur von allem. Er hört aber auf seine Freunde und handelt oft selbstlos. Dies sieht man schon in der ersten (produzierten) Folge, als er seine Eltern, Man-At-Arms und die Zauberin aus einer anderen Dimension befreien will – ein Scheitern würde bedeuten, dass er selbst dort gefangen wäre. Er rettet auch das Leben von Mer Man, der ihm selbst gerade noch nach dem Leben trachtete.
All diese Aspekte finden wir auch in späteren Inkarnationen. Der Film von 1987 hatte sogar die Auflage, dass He-Man niemanden töten dürfte. Deswegen sind die Soldaten von Skeletor auch allesamt in Rüstungen gepackt, damit man sie locker als Roboter wahrnehmen kann.
Wenn wir nach toxisch maskulinen Filmfiguren suchen, dann finden wir immer wieder Tyler Durden (Fight Club), Christian Gray (Fifty Shades of Grey) oder Tony Montana (Scarface) – sogar Daniel Hillard (Mrs. Doubtfire) steht auf solchen Listen und wenn ich genauer darüber nachdenke, dann ist sein Verhalten auch sehr unangemessen. Wen wir dort aber nicht finden: He-Man. Und das wohl aus gutem Grund.
Antwort: He-Man erfüllt die Vorrausetzungen für Toxische Männlichkeit nicht einmal im Ansatz.
Fazit
Abschließend kann man sagen, dass He-Man offensichtlich auch einen Onkel Ben hatte, der ihm sagte, dass mit großer Macht auch große Verantwortung kommt. Er verkörpert typisch männliche Bilder der 80er, die man durchaus auch damals kritisieren konnte, aber er ist eher einer Bild für positive Männlichkeit.
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