Das ist kein Sportfilm. Das ist ein Sportfantasydrama zum Wohlfühlen und mit garantiertem guten Gefühl am Ende.
Ein Sportfilm (fast) ohne Sport
Mit Sportfilmen ist es ja so eine Sache. Die meisten von ihnen laufen nach einem grundsätzlich ähnlichen Muster ab: Eine Mannschaft oder ein einzelner Sportler müssen sich einer besonderen Herausforderung stellen und dabei gegen alle möglichen Widerstände ankämpfen bis sie schließlich am Ende triumphieren. Die Spannung wird dadurch erzeugt, dass der Zuschauer nach Möglichkeit mitfiebern soll, als würde er einem echten Sportereignis beiwohnen.
Doch Feld der Träume ist anders, denn dies ist ein Sportfilm (fast) ohne Sport. Er verweigert sich konsequent den gängigen Klischees dieses Subgenres und erschafft dadurch fast so etwas wie ein eigenes Genre: Das des Sportfantasydramas.
Der Farmer Ray Kinsella (Kevin Costner) hört eines Abends bei der Arbeit eine scheinbar aus dem Nichts kommende Stimme, die ihn befiehlt mitten auf seinem Acker ein Baseballfeld zu bauen. Nach einigen Zögern macht er sich, unterstützt von Frau und Tochter, ans Werk. Kurz darauf erscheinen die Geister längst verstorbener Spieler, die sich zum gemeinsamen Training auf dem Feld versammeln. Und dies ist nur der Anfang einer Reihe höchst absonderlicher Ereignisse und Begegnungen: Von weiteren Visionen angeregt nimmt Ray Kontakt mit den zurückgezogen lebenden Schriftsteller Terence Mann (James Earl Jones) auf. Als er mit Mann zusammen ein Baseballspiel im berühmten Stadion Fenway Park in Boston besucht, meldet sich die geheimnisvolle Stimme ein weiteres Mal. Sie sagt Ray, er solle sich gemeinsam mit Mann auf die Suche nach Archibald „Moonlight“ Graham (Burt Lancaster) machen, der in den zwanziger Jahren ganz kurz davor war ein berühmter Baseballspieler zu werden, bevor das Schicksal ihm einen Strich durch die Rechnung machte. Ray glaubt, dass es seine Mission sei, ihm seinen Traum doch noch zu erfüllen. Doch schließlich erkennt er, dass alle bisherigen Ereignisse in Wahrheit mit ihm selbst zu tun haben…
Ein Film zum Wohlfühlen
Für den Nicht-Amerikaner ist die Faszination von Baseball ja nur schwer nachvollziehbar, vor allem natürlich wegen der kaum durchschaubaren Spielregeln. Glücklicherweise ist es nicht notwendig diese zu verstehen, um von der Magie dieses Films gefangengenommen zu werden. Er ist eine einzigartige Liebeserklärung an diesen Sport, der es gelingt auch Menschen, die gar keine Ahnung von dessen Geschichte und den Regeln haben zu vermitteln, dass dies eben mehr ist als einfach nur ein Spiel, bei dem es nur ums Gewinnen oder Verlieren geht. Seine wahre Bedeutung geht weit darüber hinaus. In einem großartigen Monolog, der von dem wie immer ebenso großartigen James Earl Jones vorgetragen wird, wird Baseball gar zur staatstragenden Beschäftigung verklärt, die die amerikanische Nation über all die schwere Zeiten ihrer Geschichte hinweggeholfen hat. Für nicht so sportaffine Zuschauer mag diese Überhöhung zunächst etwas übertrieben erscheinen, aber sie macht deutlich, dass das Spiel in „Feld der Träume“ vor allem ein Symbol für die Erinnerung an eine Vergangenheit ist, die es nicht mehr gibt, und in der noch andere Werte galten als in den als zynisch verschrienen achtziger Jahren in denen der Streifen entstand.
Man merkt ihm an, dass alle Beteiligten mit Herzblut bei der Sache waren, weswegen er ein echter Wohlfühlfilm im besten Sinne des Wortes ist. Dies schlägt sich, nebenbei bemerkt, auch in der Musik von James Horner nieder, der hier ganz anders klingt als man von ihm gewohnt ist, völlig ohne den ohrenbetäubenden Einsatz von Blechinstrumenten. Aber auch die Bilder, in denen Iowa wahrhaftig wie der Himmel aussieht tragen ihren Teil zur märchenhaft-nostalgischen Atmosphäre bei.
Feld der Träume stellt somit eine oft recht sentimentale, aber eben auch wunderschöne Antithese zu den harten Actionkrachern mit Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone oder auch Chuck Norris dar, die seinerzeit so oft in den Kinos zu sehen waren und wie ein Spiegel des Zeitgeistes der Reagan Ära wirkten, in der im Leben vor allem das Streben nach materiellen Reichtum und der Kampf um Macht und Einfluss als Sinn erfüllend angesehen wurde.
Ein gutes Gefühl
Für den Kenner ist in diesen Zusammenhang interessant, dass das Drehbuch Bezug nimmt auf einen der bekanntesten Skandale in der Geschichte der US-Baseballliga: Die Geister der Spieler, die auf Rays Feld erscheinen waren zu ihren Lebzeiten bei den Chicago White Soxs aktiv und wurden während der Saison von 1919 von der Mafia bestochen, um die damalige Meisterschaft mit Absicht zu verlieren. Somit kritisiert der Film auf subtile Weise die Korruption im kommerziellen Sportbetrieb, welche natürlich auch noch in den achtziger Jahren – und auch heutzutage – noch immer präsent war. Doch die Figur des alten Arztes Archibald Graham repräsentiert den eigentlichen Geist des Baseballs, bei dem das Spiel selbst und nicht der Erfolg im Mittelpunkt steht. So erfahren am Ende sowohl Graham als auch die Seelen der einst so gefeierten und dann umso tiefer gefallenen Sportstars ihre Absolution. Und auch Ray begreift am Schluss was im Leben wirklich zählt. Die tiefsten Wahrheiten des Lebens liegen auf dem Spielfeld zwischen dem Werfen und dem Fänger, die alles geben um ihr jeweiliges Team zum Sieg zu führen.
Für jeden, der auf der Suche nach einem Film ist, der ihm Mut macht an seine Träume zu Glauben und mit einem guten Gefühl zurück lässt ist Feld der Träume absolut empfehlenswert, wenn man sich darauf einlässt. Denn verglichen mit modernen Filmen ist die Inszenierung schon sehr ruhig und unspektakulär, was sie für ein Publikum, das es gewohnt ist mit der Geschwindigkeit eines Homeruns durch die Handlung getrieben zu werden manchmal fast etwas langweilig wirken lässt. Doch wer durchhält erlebt einen wirklich magischen Film, dessen Botschaft zeitlos ist und der uns mit einer der schönsten Schlusseinstellungen der Filmgeschichte belohnt.
Info
Originaltitel: Field of Dreams
Regie: Phil Alden Robinson
Drehbuch: Phil Alden Robinson
Produktion: Lawrence Gordon & Charles Gordon
Musik: James Horner
Kamera: John Lindley
Schnitt: Ian Crafford
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