Der Mittelteil der Romantrilogie geht einiges anders an, als sein direkter Vorgängerroman.

Der Mars hat sich geändert
Nachdem die Rebellion gegen die multinationalen Konzerne gescheitert ist, haben sich die Überlebenden der ersten 100 zurückgezogen. Versteckt in einer von Hiroki Ais Geheimbasen, ziehen sie ihre Kinder und Enkelkinder groß. Doch dann zerstört schmelzendes ein solches Versteck, weshalb sie woanders unterkommen müssen.
Derweil verändert sich der Mars immer mehr und mehr. Die Terraformingbemühungen funktionieren, sehr zum Leidwesen der Roten, einer Fraktion von Marsianern, die ihre Heimatwelt möglichst unverändert sehen wollen. Und dann kommt von der Erde jemand, der Teil einer multinationalen Firma, die möchte, dass die Leute der roten Welt sich eine Art Verfassung geben. Derweil der Wissenschaftler Sax Russell sich undercover in einen transnationalen Konzern einschleicht. Wo er allerdings schon bald entdeckt und gefoltert wird.
Roter Mars war schon ein gelungener Auftakt. Ein spannend zu lesender SciFi-Roman mit vielen Figuren, in deren Perspektive Kim Stanley Robinson dann teilweise schlüpfte. Grüner Mars knüpft daran. Wobei der Autor hier den Blickwinkel geringfügig verändert.
Cojote spricht
Denn in diesem Buch schildert er nicht nur das Schicksal der diversen handlungstragenden Figuren. Sondern beschreibt ebenso, wie sich der Mars nach und nach immer mehr verändert. Das geht sogar so weit, dass an einer Stelle zwei seiner Charaktere dank eines nahen Vulkanausbruchs im Freien Sex haben können. Derweil an einer anderen mehrere hunderte Leute mit nur geringem Schutz über mehrere Kilometer laufen müssen.
Als Handlungsträger bietet Kim Stanley Robinson eine enorme Bandbreite an Figuren. So liest man eben nicht nur, wie Maya nach und nach herauskriegt, das Frank Chamlers am Tod von Jim Boole verantwortlich war. Ebenso kriegt man mit, wie zu einer der Anführerinnen des Mars wird. Gleichzeitig gibt es auch neue Protagonisten. Zum ersten Mal kommt Cojote zu Wort und man erfährt, wie er es auf den Mars geschafft hat. Und man lernt Vertreter der nächsten Generation kennen, wie beispielsweise Nirgal, der der Sohn von Hiroko und Cojote ist.
Die vielleicht größte Überraschung ist der Blickwinkel von Art Randolph. Denn der ist kein gebürtiger Marsianer, sondern kommt von der Erde im Auftrag des multinationalen Konzerns Pax. Der die Marsianer bei ihrer Unabhängigkeit unterstützen möchte. Man erlebt dabei, wie sich der Terraner immer mehr und mehr verändert und auf dem Roten Planeten heimisch wird. Derweil er den Ansässigen hilft.
Zwei wichtige Ereignisse
Getragen wird der Roman von zwei großen Ereignissen. Das erste ist, als man liest wie Sax Russel ein neues Gesicht verabreicht wird und er auch seinen gesamten Charakter verändert. All das nur, um undercover bei einem multinationalen Konzern zu arbeiten. Wo er schon bald auf Phyllis Boyle stößt, die sich in ihn verliebt. Bis sie herauskriegt, wer er in Wahrheit ist.
Es ist eine hochdramatische Passage. Bei der man nie weiß, was als nächstes geschehen wird. Am Ende zeigt sich, dass der Zusammenhalt der Marsianer stärker ist, als gedacht. Auch wenn Sax am Ende von der Zeit gezeichnet ist und Maya sich als Racheengel entpuppt.
Der zweite Part ist der, wo die Marsianer zusammenkommen und versuchen, sich eine Art Verfassung zu geben. Hier erhält man das erste Mal einen Einblick in die verschiedenen Gruppierungen und gesellschaftlichen Flüsse, die es auf dem Mars gibt. Man liest den mühsamen Prozess, wie diese versuchen, ihre jeweiligen unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu kriegen. Was nicht einfach ist. Aber am Ende steht ein beeindruckendes Werk.
Wieso wird geholfen?
Ein Werk, bei dem Kim Stanley Robinson zum einen auf die Entwicklung des Mars an sich eingeht. Und zum anderen auch beschreibt, was für Konsequenzen die Langlebigkeit der ersten Siedler hat. Bezüglich des Mars ist gemeint, dass der beschreibt, was sich ökologisch alles verändert, was wirklich sehr interessant. Und bei der Langlebigkeit treten bei einigen von ihnen, unter anderem auch bei Maya, Erinnerungslücken auf. Da letzteres immer wieder am Rande erwähnt wird, dürfte dies im kommenden Roman noch von Relevanz sein.
Es ist eigentlich ein großartiger Roman. Dessen einziges Manko ist, dass die Bemühungen von Pax etwas zu freundlich und friedlich wirken. Angesichts der Tatsache, dass die multinationalen Konzerne bislang immer eher antagonistisch dargestellt werden, ist diese positive Charakterisierung anscheinend ohne Hintergedanken irritierend. Und auch nicht wirklich glaubwürdig.
Dennoch: Das Buch ist immer noch gut zu lesen.
Info
Autoren: Kim Stanley Robinson
Originaltitel: Green Mars
Übersetzung: Winfried Petri, Elisabeth Bösl
Verlag: Heyne
Erschienen: 01/2026
Einband: Taschenbuch
Seiten: 912
ISBN: 978-3-453-32389-6
Sonstige Informationen: Produktseite
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