Faktencheck: Hat sich Star Wars für Disney gelohnt? (Stand: Januar 2020)

Lesezeit circa: 6 Minuten

Enorme 4 Milliarden Dollar hat sich Disney die Rechte an Star Wars kosten lassen. Hat sich das, fast acht Jahre später, (schon) gelohnt?

Kurz vor Halloween 2012 erschüttert eine Meldung die Medienwelt. George Lucas verkauft Star Wars an Disney. Für manche nicht überraschend, für andere ein Schock. 4 Milliarden Dollar. Das ist eine enorme Summe. Ich schaue mir mal an, ob es sich bereits ausgezahlt hat.

Was Disney bisher für Star Wars ausgegeben hat

Zu den 4 Milliarden müssen wir natürlich die Produktionskosten der Filme rechnen.

Das Erwachen der Macht – 245 Millionen
Die letzten Jedi – 220 Millionen
Der Aufstieg Skywalkers – 275 Millionen
Rogue One – 200 Millionen
Solo – 250 Millionen
[Quelle: Wikipedia]

Sind noch einmal 1,348 Milliarden. Damit sind wir hier also bei 5,348 Milliarden US Dollar.

Da würden jetzt die ersten die Einspielergebnisse gegenrechnen. Schauen wir uns diese also mal an.

Einspielergebnisse

Das Erwachen der Macht – 2058 Millionen
Die letzten Jedi – 1320 Millionen
Der Aufstieg Skywalkers – 1001 Millionen (Stand: 16. Januar 2020)
Rogue One – 1050 Millionen
Solo – 384 Millionen
[Quelle: Wikipedia]

In Summe also: 5,813 Milliarden US Dollar. Hat sich also gelohnt, oder? So einfach ist die Sache leider nicht.

Wir vergessen, wenn wir so rechnen, hier nämlich zwei Faktoren. Marketing und die Kinos. Es folgt nun ein kleiner Exkurs in die Filmwirtschaft.

Marketing?

Ja, jeder Film wird ja auch beworben. Das ist nicht umsonst und verschlingt häufig noch mal einen Riesenbatzen an Geld. Es gibt dazu in der Regel keine genauen Angaben und es variiert von Film zu Film. Große Blockbuster verschlingen gerne noch mal 90% oder mehr der Produktionskosten zusätzlich, während kleinere Filme manchmal sogar mit nur 10% auskommen. Die Marketingkosten, wenn man sie in Verhältnis zu den Produktionskosten setzt, sind auch abhängig vom Genre. Effektlastige Filme verschlingen in der Regel mehr Geld in der Produktion wegen der Effekte als z. B. eine Komödie, bei der die Gagen der Schauspieler meistens der größte Faktor sind.

In den Marketingkosten sind auch die Kosten enthalten, die nötig sind, um den Film überhaupt an die Kinos zu verteilen, während die Produktionskosten nur die Kosten sind, die direkt mit der Produktion, also Material und Gagen der Darsteller und Filmcrew, im Zusammenhang stehen.

Da es dort wie gesagt keine genaue Aufschlüsselung gibt, müsste man einen geschätzten Wert annehmen. Stellen wir das also mal hinten an.

Und die Kinos?

Auch diese wollen natürlich einen Teil vom Kuchen haben. Und hier wird es nun besonders schwierig. Die Verträge werden für jeden Film und mit jedem Verleih einzeln ausgehandelt. Nun wird Disney wahrscheinlich nur einen Verleih haben, aber dieser wird sehr wahrscheinlich nicht weltweit agieren.

Dazu kommt, dass die Einnahmen am Startwochenende fast komplett (um die 90%) in die Tasche der Studios gehen und während der Laufzeit auf circa 50% sinken. Auch sind die Einnahmen in den USA anders als in anderen Teilen der Welt, wo häufig nur 40% ankommen. Um die Kinoeinnahmen genau zu berechnen, müsste man also Folgendes wissen: Wann sind die Einnahmen entstanden? Wo sind sie entstanden? Wie sehen die Verträge aus?

Das sind alles Dinge, die sich teilweise recherchieren lassen (siehe verlinkte Statistik bei Wikipedia oben), aber den letzten Punkt werden wir wohl nie erfahren. Ist also auch wieder schwierig, da wir schätzen müssten. Also: hinten anstellen.

Aber: Genau wegen dieser beiden Faktoren gilt Solo als Flop, obwohl das Einspielergebnis 134 Millionen über den Produktionskosten liegt. Und deswegen kostet ein Wasser im Kino 4 Euro.

Aber Heimvideo, da wird doch das Geld gemacht

Jein. Das war früher in der Tat so, ist aber auch wieder vom Genre abhängig gewesen. In der sogenannten Zweitverwertung (Videotheken und Kaufvideo) und Drittverwertung ( TV Ausstrahlung) kommt auch noch mal einiges zusammen. Und dann gibt es da ja noch Disney+…

Manche werden sich nun denken, dass Disney+ hier sicher auch noch mal einiges an Geld reinbringen wird. Und dem wird auch so sein, aber dort läuft eben nicht nur Star Wars und bis auf The Mandalorian wurde bisher noch nichts nur für den Streamingdienst produziert. Würde man dies also mitrechnen, müsste man Disney komplett betrachten, und da dann z. B. auch den Erwerb von Marvel für ebenso 4 Milliarden Dollar mit in die Rechnung nehmen und ebenso die Einnahmen daraus. Zum Glück haben die Kollegen von buffed.de mal einen (sehr oberflächlichen) Blick auf Marvel geworfen.

10 Millionen Abonnenten hatte Disney+ im November 2019. Aktuellere Zahlen sind noch nicht bekannt, ebenso wenig eine Angabe darüber, ob diese nach The Mandalorian oder sogar der Testphase wieder gegangen sind. Bleiben diese alle dabei

Aber Merchandise

Ja, da ist Star Wars wirklich groß drin, keine Frage. Hier müsste man wieder die Verträge genau kennen. In der Branche ist es üblich, dass Lizenzen einmalig bezahlt werden und nicht pro verkauftem Artikel ein Prozentsatz abgeführt wird. Exklusivität kostet dann meistens auch noch mal extra. Es gibt hier leider nur Schätzungen, die von 20 Milliarden Dollar Umsatz seit Episode IV reden. Unklar ist, ob das die Lizenzvergabe beinhaltet oder den Endpreis, den der Fan für seine Figur bezahlt hat.

Hat es sich nun gelohnt oder nicht?

Zu 100% kann man es leider nicht sagen, da uns wie gesagt Daten fehlen. Ich muss also leider schätzen, basierend den Angaben, die ich kenne.

Marketing: Basierend auf der enormen Menge an Trailern, Postern, Sammelkarten und Aktionen in den Kinos gehe ich von 50% der Produktionskosten aus. Sind auf alle 5 Filme also gerechnet 674 Millionen, was die Kosten somit auf 6,022 Milliarden bringt.

Einspielergebnisse: Da hier die Einnahmen stark schwanken, nehme ich einen Mittelwert. 90% Maximum, 40% Minimum waren die Anteile des Studios, der Mittelwert ist also 65%. Bleiben also beim Studio 3,778 Milliarden US Dollar.

Ergebnis: 2,244 Milliarden Dollar fehlen noch, damit die Ausgabe amortisiert ist. Es ist also davon auszugehen, dass es mit Star Wars noch länger weiter geht, denn Disney wird ja irgendwann damit Gewinn machen wollen. Der Clou ist nämlich: Jede neue Serie, jeder neue Film wecken das Interesse von neuen Zuschauern, die sich dann für Disney+ entscheiden oder die DVDs kaufen oder bei Episode X im Kino sitzen.

Zur Zeit hat es sich nicht gelohnt. Aber es ist keine Frage, dass es das wird.

Hier übrigens ein genereller, englischer Artikel über dieses Thema.

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Marco Golüke

Marco Golüke

Marco ist Jahrgang 78 und mit Star Trek, Star Wars, Galaxy Rangers, Babylon 5 und was es nicht noch alles gibt groß geworden. Er ist der Gründer, Chefredakteur und Herausgeber dieses Magazins und kümmert sich somit auch um alles Organisatorische. Nebenbei schreibt der Familienvater auch noch Kinder- und Kurzgeschichten.

2 Gedanken zu „Faktencheck: Hat sich Star Wars für Disney gelohnt? (Stand: Januar 2020)

  • 25. Januar 2020 um 08:57
    Permalink

    „Disney acquired Lucasfilm in December 2012 for $2.2 billion in cash and $1.855 billion in stock“. Die Rechnung sieht somit für Disney gleich viel besser aus… und für George auch. Win-Win.

  • 25. Januar 2020 um 09:25
    Permalink

    Jein. 4 Milliarden sind 4 Milliarden, egal wie man diese bezahlt. Aktien ist quasi Eigenkapital, welches man Lucas gegeben hat. Das wird dann aber jetzt zu kaufmännisch, da bräuchte man sehr viel mehr Einsicht in die Verträge.

    Im Endeffekt wollte ich auch nur aufzeigen, dass man nicht 4 Milliarden + Produktionskosten den Einspielergebnissen gegenüberstellen kann, wie ich es immer wieder sehe. Sogar buffed hat das ja gemacht, falls du dem Link gefolgt imArtikel gefolgt bist.

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