[Prometheus Band 9] In der Dunkelheit

Lesezeit circa: 8 Minuten

Langsam aber sicher nähern wir uns dem Ende des ersten Zyklus von Christophe Becs Prometheus. Werfen wir also einen Blick auf den ersten Teil von „In der Dunkelheit“.

In der Dunkelheit
© Splitter Verlag

Die Welt des Mythos – Perseus und die Medusa

Viele Bände der Prometheus-Reihe beginnen ja entweder mit historischen Rückblicken oder aber mit der Weitererzählung des Erzählstrangs um Prometheus und Hercules. Diesmal kommt etwas Neues.

Ein junger Mann kommt aus dem Himmel auf die Erde geflogen. Als Ort wird Hyperborea angegeben. Der muskulöse Mann trägt einen Lendenschurz, ein Schwert und ein Schild. Aufgrund von Flügeln am Kopf und den Füßen könnte man ihn für den Götterboten Hermes halten. Jedenfalls fliegt er an einem steinernen Riesen vorbei und landet auf einer Ebene, auf der sich mehrere versteinerte Personen befinden.

Ein Rückblick. Wenige Tage zuvor befinden wir uns auf der Insel Seriphos, wo der König der Insel dem jungen Perseus zum Beweis seiner Männlichkeit den Auftrag erteilt, in Hyberborea die Gorgone Medusa zu töten. Perseus weiß, dass dies nur ein Vorwand ist. Denn in Wahrheit möchte der König den jungen Mann nur loswerden, um sich an dessen Mutter heranmachen zu können. Nichtsdestotrotz nimmt ein wahrer griechischer Held eine solche Aufgabe natürlich trotzdem an.

Von den Göttinnen und Göttern erhält Perseus verschiedene Gegenstände, die ihm dem Kampf gegen die Medusa ermöglichen sollen. Zu diesen Gegenständen zählen ein Schild mit spiegelnder Oberfläche sowie die obengenannte Ausrüstung des Hermes. Den Schild braucht Perseus, um die Medusa ansehen zu können, da deren Blick ja bekanntlich alle in Stein verwandelt, die ihn erwidern. So nutzt Perseus den Schild, um die Medusa ungefährdet über ihr Spiegelbild ansehen und enthaupten zu können. Mit dem abgeschlagenen Haupt, das immer noch versteinern kann, kehrt Perseus zu seiner Mutter zurück.

Etwas überraschend finde ich, dass Bec seine Leserinnen und Leser hier zum ersten Mal in der Prometheus-Reihe relativ allein lässt und nicht alle Hintergründe erklärt. Wer den Mythos um Perseus und die Medusa nicht kennt, dürfte ein paar Aspekte nicht von selbst verstehen. Aber vielleicht muss man das ja auch gar nicht. Fest steht jedenfalls, dass „In der Dunkelheit“ mit der Enthauptung der Medusa ziemlich fulminant beginnt.

Historische Rückblicke I – Nachfahren des Lebensbornprogramms

Von der Welt des Mythos kommen wir in die reale Vergangenheit, und zwar ins uns bereits bekannte Basis Camp Hero im Jahr 1969. Hier erfahren wir endlich, was es mit den „arischen“ Kindern auf sich hat, die uns schon in den Bänden zuvor begegnet sind. Diese Kinder stammen von Eltern, die dem Lebensborn-Programm der Nazis entstammten. Über dieses Programm haben die Nazis bekanntlich Vorzeige-Arier züchten wollen. Bec fügt diesem Zuchtprogramm, das es wirklich gegeben hat, eine phantastische Komponente hinzu, indem er dem Lebensborn-Programm außerdem die Aufgabe zuspricht, übernatürliche Fähigkeiten zu fördern.

Ein Wissenschaftler erklärt, dass Kinder und Jugendliche für Experimente mit übernatürlichen Fähigkeiten besonders geeignet seien. Dies gilt natürlich umso mehr für Kinder, die Nachkommen der Lebensborn-Kinder sind, also speziell auch im Hinblick auf übernatürliche Fähigkeiten gezüchtet wurden. Daher haben Forscher solche Kinder durch eines der Spiegelportale ins post-apokalyptische Providence auf Rhode Island geschickt. Über den Stuhl von Montauk, der übernatürliche Fähigkeiten verstärken kann, steht der Professor Carpenter in Kontakt mit den Kindern. Als sie auf Außerirdische stoßen, erfahren sie, dass diese die Welt am 13. Tag vernichten wollen.

Historische Rückblicke II – Das Wow!-Signal

Und wir bleiben in der Vergangenheit. Am 16. August 1977 empfängt ein Wissenschaftler auf der Erde das sogenannte Wow!-Signal. Es steht bis heute zur Diskussion, was es mit diesem Radiosignal aus dem Weltall auf sich hat. Handelt es sich um eine Nachricht von Außerirdischen? Ist es ein irdisches Signal, das umgelenkt und dadurch wieder zur Erde gesendet wurde? Oder handelt es sich vielleicht um ein natürliches Phänomen?

Schwarze Löcher, weiße Löcher, Wurmlöcher und Zeitreisen

Über einen Wissenschaftler erfahren wir anhand von Quantenphysik und Schrödingers Katze auch endlich mehr über das Reisen durch die Spiegel. Dabei geht der Forscher davon aus, dass man über ein schwarzes Loch ein Wurmloch betreten kann und durch ein weißes Loch wieder hinauskommt, was jedoch mit größeren Zeitverschiebungen einhergehen kann.

Nun führen Zeitreisen diverse Probleme mit sich, die uns teilweise bestens aus „Back to the Future“ vertraut sind. Beginnen wir mit dem sogenannten Großvater-Paradoxon. Was passiert, wenn ich in der Vergangenheit etwas anstelle, das meine eigene Zeugung verhindert, indem ich zum Beispiel meinen Großvater töte, bevor dieser Kinder zeugt? Wenn mein Großvater keine Kinder gezeugt hat, kann es mich nicht geben. Wie kann ich dann meinen Großvater getötet haben?

Ein anderes Problem ist das Autoren-Paradoxon. Was passiert, wenn ich ein erfolgreiches Buch mit in die Vergangenheit nehme und dann jemand Berühmtheit erlangt, weil er das Buch abschreibt und als seines ausgibt? Diese Person hätte den Inhalt des Buches nicht geschaffen, sondern nur kopiert. Da das Buch dann aber bereits existiert, kann es nicht mehr vom eigentlichen Autoren geschaffen werden. Wie kann das Buch existieren, wenn es nie geschaffen wurde?

Diese und ähnliche Probleme löst man mithilfe von Paralleluniversen. Wenn ich meinen Großvater töte, bevor dieser Kinder zeugt, erschaffe ich ein Paralleluniversum, in dem ich selbst nicht geboren werde und dementsprechend auch nicht meinen Großvater töten kann. Das ist aber kein Problem, da dies nicht mein Ursprungsuniversum betrifft, in dem ich weiterhin geboren werde.

Weiter erfahren wir, dass man durch Wurmlöcher zwischen solchen Paralleluniversen hin- und herreisen kann. Doch funktioniert ein Wurmloch immer nur in eine Richtung. Wenn ich zurück an meinen Ausgangspunkt möchte, muss ich daher eine neue Verbindung suchen.

Das Nekromanteion

Und genau das versucht ja gerade unsere Gruppe um Hassan Turan, die im post-apokalyptischen Providence, Rhode Island, gelandet war. Wie die Griechen das Nekromanteieon, ein Totenorakel, nutzten, um von der Welt der Lebenden in die Welt der Toten zu reisen, versucht unsere Gruppe nun, wieder in ihre Ausgangszeit zurückzukehren. Also vollziehen die Männer die antiken Rituale, wodurch es ihnen tatsächlich gelingt, ein Portal zu öffnen.

Im Traum erscheint einem der Männer zuvor der Gott Thanatos, der eine Verkörperung des Todes darstellt. Da wir diesem Gott bereits zuvor begegnet sind, dürfte dieser Traum eine gewisse Bedeutung haben.

Im Wurmloch trifft die Gruppe auf andere Reisende wie die „arischen“ Kinder, die Besatzung der USS Eldridge (Philadelphia-Experiment) und ein Schiff mit spanischen Konquistadoren. Am Ende ihrer Reise befinden sie sich vor dem Stuhl von Montauk.

Die Machenschaften der US-Regierung

Der Präsident hat sich die Augen operieren lassen, um durch den umgekehrten Blick – erinnert Ihr Euch an den Schild des Perseus? – vor dem Anblick der Außerirdischen geschützt zu sein. Parallel dazu zwingt er Professor Carpenter, seine Experimente wieder aufzunehmen, von denen wir eben im historischen Rückblick erfahren haben.

Carpenter hatte die Experimente 40 Jahre zuvor aufgegeben, da zu viele der „arischen“ Kinder dabei ums Leben gekommen sind. Als er sich erneut auf den Stuhl von Montauk setzt, bekommt er eine Vision von Raumschiffen, die aus dem Meer emporsteigen, um am 13. Tag die Erde zu vernichten.

Die Reporterin Kellie Lambert geht mit ihrem Wissen um die Machenschaften des Präsidenten und die anstehende Invasion an die Öffentlichkeit, wodurch alle Welt erfährt, was eigentlich los ist.

Die Außerirdischen

Erneut erfahren wir, dass die Menschheit von Außerirdischen erschaffen oder zumindest seit der Katastrophe von Toba 73.000 v.Chr. kontinuierlich von diesen beschützt und gefördert wurde, weshalb sie im Comic mit Prometheus in Verbindung gesetzt werden. Immer wieder erhielt die Menschheit von ihren extraterrestrischen Förderern Hilfe in Form von Wissen.

Doch die Menschen verhielten sich nicht so, wie es die Außerirdischen erwartet hatten. Vielmehr herrschte Neid, Eifersucht und Gier, weshalb das Wissen der Förderer nicht mit allen Menschen geteilt, sondern für egoistische Motive verwendet wurde. Daher soll der Menschheit nun alles wieder genommen werden.

Prometheus und Zeus

Gleich im Anschluss wird ein Gespräch zwischen Prometheus und Zeus gezeigt. Der Göttervater warnt den Titanen vor der Menschheit, doch beharrt dieser darauf, die Menschen zu fördern. Zeus will deshalb das Leben der Menschen zu einem permanenten Kampf gegen alle möglichen Übel machen.

Mein Eindruck von Prometheus Bd. 9: In der Dunkelheit

Wow! Im neunten Band ist richtig die Post abgegangen!

Sehr gut hat mir die Gleichsetzung des umgekehrten Blicks mit dem Schild des Perseus gefallen. Und endlich, endlich bekommen wir mal ein paar vernünftige Antworten. So wissen wir nun endlich, was es mit den „arischen“ Kindern auf sich hat und wie die Spiegel funktionieren.

Unklar bleibt allerdings weiterhin das Verhältnis zwischen der Welt des Mythos und der realen Welt. Sind die olympischen Götter die Außerirdischen? Oder stehen sie nur sinnbildlich für diese?

Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen und richtig heiß auf Band 10.

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Michael Kleu
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Michael Kleu

Michael ist Jahrgang 1978 und Althistoriker. Er schreibt einen eigenen Blog über die Antikenrezeption in fantastischen Medien.

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