Spotlight: Kenny Baker

Lesezeit circa: 6 Minuten

Kenny Baker, der in R2-D2 in sechs Star Wars Filmen steckte, wäre heute 85 geworden.

Leider ist der Star Wars-Star, dem wir heute somit posthum zum 85. Geburtstag gratulieren möchten, seit dem 13. August 2016 nicht mehr unter uns. Kenny Baker, weltberühmt geworden durch seine Rolle als R2-D2 in insgesamt sechs der demnächst elf Star Wars-Filme, verstarb exakt elf Tage vor seinem 82. Geburtstag an einer langjährigen Erkrankung, durch die er während seiner letzten Lebensjahre auf den Rollstuhl angewiesen war. Wie ich schon bei früheren solcher Gelegenheiten schrieb, bin ich felsenfest davon überzeugt, dass es an jenem wunderbaren Ort, zu dem wir alle früher oder später einmal aufbrechen werden, einen ganz besonderen Platz für diejenigen gibt, die uns Freude bereitet haben. Daher denken wir an seinem 85. Geburtstag zurück an den kleinen großen Star, der R2-D2 war.

Ein vielfältiger Künstler

Kenneth George Baker, später unter seinem Spitznamen „Kenny“ bekannt, wurde am 24. August 1934 in Birmingham geboren, der zweitgrößten Stadt des englischen Königreiches. Schon in seiner Kindheit war der angeborene Kleinwuchs des aufgeweckten Burschen deutlich zu erkennen. Im Erwachsenenalter erreichte er lediglich eine Größe von 1,11 Metern. Doch machte Kenny Baker das Beste daraus. Als 16-jähriger trat der von jeher am Showgeschäft interessierte junge Mann einer Schauspieltruppe bei. Mit ihr ging er 3 Jahre lang auf England-Tournee. Danach wechselte er zum damals weit über England hinaus bekannten Billy Smart’s Circus, wo er als Clown und Conferencier arbeitete. Etwa zur gleichen Zeit entdeckte er seine Liebe zur Jazz-Musik und sein Talent für das Harmonika-Spielen, das er zunächst bei seinen Auftritten als Clown einsetzte. Später jedoch erlangte er durchaus einen geachteten Namen in der nordenglischen Jazz-Szene.

Zum Film kam Kenny Baker eher durch Zufall. Billy Smart’s Circus wurde 1959 für die entsprechenden Sequenzen des im Zirkusmilieu spielenden Horrorfilms „Der rote Schatten“ mit dem damaligen Gruselfilmstar Anton Diffring in der Hauptrolle engagiert. Hierbei fiel das Talent des damals 25-jährigen Kenny Baker auf und so erhielt er eine kleine Rolle als „Zwerg“.

Fort mit dem Gerücht

Übrigens soll an dieser Stelle endlich einmal mit einem weitverbreiteten Gerücht aufgeräumt werden. Oftmals ist die Rede davon, dass Kenny Bakers erster Filmauftritt im seinerzeit höchst umstrittenen Horrorfilmklassiker „Freaks“ von Regisseur Tod Browning stattgefunden habe. Die Hauptdarsteller dieses Films waren allesamt mit unterschiedlichen Missbildungen geborene Menschen, welche in der damaligen Zeit als Jahrmarktsattraktionen auf ihre Weise zu Stars geworden waren. Wie der ungemein sympathische und witzige Kenny Baker mir bei einer persönlichen Begegnung auf einer Veranstaltung in den 90er-Jahren mit seinem berühmt gewordenen Feixen im Gesicht erzählte, ist dies jedoch ausgemachter Blödsinn. Der Film „Freaks“ (den Kenny Baker ansonsten jedoch höchst beeindruckend fand) entstand im Jahr 1932 – zwei Jahre vor Kenny Bakers Geburt.

Kenny Baker
R2-D2 in Star Wars Episode 1

1960 schließlich lernte er den ebenfalls kleinwüchsigen Jack Purvis (1937-1997) kennen, mit dem er die Comedy- und Musicalgruppe „The Mini-Tones“ gründete. Diese tourte erfolgreich durch England, Europa sowie den USA, Kanada, Neuseeland und Südafrika, was bis 1976 Kenny Bakers Hauptberuf blieb. Auch Jack Purvis war übrigens in Episode IV bis VI der Star Wars-Saga unter anderem als Jawa, Ugnaught und Ewok zu sehen.

R2-D2

Als George Lucas Mitte der 70er-Jahre an die Vorbereitungen zu Star Wars ging, plante er ursprünglich, dass R2-D2 ein ferngesteuertes Modell sein sollte. Doch letztlich behagte ihm diese Idee nicht. Der kleine Roboter sollte ein vollwertiger, „beseelter“ Filmcharakter sein und kein schlichtes Gimmick in seinem Film. Aus diesem Grund wünschte er sich einen kleinwüchsigen Schauspieler, der in das Innere des Gehäuses steigen und „Artoo“, wie er abgekürzt genannt wird, von innen steuern sollte. Produktionsdesigner John Barry (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Filmmusik-Komponisten) war ein persönlicher Bekannter von Kenny Baker und sprach diesen an.

Baker war anfänglich absolut nicht begeistert von der Vorstellung. Er äußerte, dass er sich im Inneren eines Staubsaugers nicht besonders wohlfühlen würde. Ferner beinhaltete die Rolle keinerlei Text, da sich R2-D2 bekanntlich durch Piep- und Pfeiftöne verständigt. Es kostete Barry und auch George Lucas einiges an Überredungskunst, um Kenny Baker doch noch für die Rolle zu gewinnen, die eine ikonische Filmfigur hervorbringen sollte.

Die Dreharbeiten des ersten Star Wars-Films (der Episode IV der Saga) waren eine mittelschwere Katastrophe für Kenny Baker und seinen Kollegen Anthony Daniels, welcher den humanoiden C-3PO spielte. Während der Aufnahmen in Tunesien stiegen die Temperaturen in den Roboter-Rüstungen auf fast 50 Grad an. Das sorgte dafür, dass Daniels mehrmals sprichwörtlich aus den Latschen kippte. Kenny Baker besaß wenigstens noch eine Lüftung im R2-Korpus. Allerdings hörte der Mime dort die Regie-Anweisungen nicht, weswegen man sich mittels Klopfzeichen mit ihm verständigen musste. C-3POs häufiges „Anklopfen“ an R2-D2 entwickelte sich zu einer Anspielung hierauf.

Andere Rollen

Kenny Vaker
Fidgit in Time Bandits

Neben den zunächst zwei weiteren Star Wars-Filmen von 1980 und 1983 war Kenny Baker in der Folgezeit in mehreren anderen Filmen zu sehen. Darunter das Melodram „Der Elefantenmensch“ von David Lynch, die quietschbunte Adaption von Flash Gordon sowie die Monty Python-Komödie „Time Bandits“. Die Filme entstanden allesamt 1980. Bis zum damals nächsten Star Wars-Film Episode I – Die dunkle Bedrohung wirkte Kenny Baker in Filmen wie Amadeus (1984) und Mona Lisa (1986) mit. Ebenso in „Die Reise ins Labyrinth“ (1986) und „Willow“ (1988), welche beide von Star Wars-Schöpfer George Lucas produziert wurden. Hier spielte er erneut mit seinem Freund Jack Purvis zusammen.

Während dieser Zeit kam auch Kenny Bakers Karriere als Jazz-Musiker in Gang. Häufig spielte er im renommierten Blaydon Jazz Club Harmonika.

Nachdem er in den drei Star Wars-Prequels zwischen 1999 und 2006 erneut in den engen R2-D2-Korpus gestiegen war, begann seine Gesundheit zunehmend zu stagnieren. In Star Wars: Das Erwachen der Macht übergab er seine Rolle deshalb an seinen 1 cm größeren Kollegen Jimmy Vee. Seitdem ist dieser als R2-D2 zu sehen. Kenny blieb jedoch in beratender Funktion im Filmteam, ehe er am 13. August 2016 (noch) 81-jährig verstarb.

Zweifacher Vater

Zwischen 1977 bis zu deren Tod im Jahr 1990 war Kenny Baker mit der ebenfalls kleinwüchsigen Schauspielerin Eileen Baker verheiratet. Das Paar hatte zwei nicht kleinwüchsige Söhne. 1994 fand Kenny Baker bei seiner Schauspielkollegin Valerie Gale ein neues Glück. Mit ihr blieb er bis zu seinem Tode liiert.

Sei eins mit der Macht und die Macht sei mit Dir, Kenny Baker. Star Wars-Fans in aller Welt werden Dich niemals vergessen. Sie werden immer an Deinen Charme, Deinen Witz und Deine freundliche Art auf Conventions und anderen Veranstaltungen zurückdenken. Wir von Warp-Core.de tun dies heute in ganz besonderer Weise.

Kenny Baker in der IMDb.

Thorsten Walch

Thorsten ist Jahrgang 67 und Sci-Fi- und Horror-Experte. Er ist der Star Trek-Spartenredakteur des Corona Magazine und ferner der Autor des Buches Es lebe Star Wars, das im kommenden November im Mülheimer iFuB-Verlag erscheinen wird. Bei www.warp-core.de fungiert er als Star Wars-Fachmann.
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Thorsten ist Jahrgang 67 und Sci-Fi- und Horror-Experte. Er ist der Star Trek-Spartenredakteur des Corona Magazine und ferner der Autor des Buches Es lebe Star Wars, das im kommenden November im Mülheimer iFuB-Verlag erscheinen wird. Bei www.warp-core.de fungiert er als Star Wars-Fachmann.

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