Dies ist ein außergewöhnlicher Roman, sowohl vom Inhalt her, wie auch von der Schreibweise.

Ein „kleiner“ Nachschub
Audrey Camhurst ist Archäologin, die sich auf die Geschichte der Drakeen spezialisiert hat. Eines Tages erhält sie das Angebot des Lord Gleinleigh, für ihn eine Reihe drakoneischen Tafeln zu übersetzen. Deren Inhalt anscheinend die Schöpfungsmythologie jener Spezies darstellt.
Es ist eine umfangreiche Arbeit. Die dadurch erschwert wird, dass der Adelige eine ganze Reihe an Bedingungen gestellt hat. Doch zu ihrem Glück kann sie ihn irgendwann davon überzeugen, dass sie Unterstützung braucht. Die sie dann auch in Form ihres Kindheitsfreundes Kudshayn erhält.
Die Reihe Lady Trents Memoiren ist beendet. Trotzdem schiebt Marie Brennan mit Lady Trents Erbe: Aus der Finsternis zum Licht noch einen Roman hinterher. Der sich aber in jederlei Hinsicht anders gestaltet, als die Hauptreihe.
Fokus nicht auf die Übersetzung an sich, sondern die Übersetzer
Im Prinzip verrät es schon der Titel, mit wem man es dieses Mal zu tun hat. Nicht mehr mit Lady Isabella Trent. Sondern mit ihrer Enkelin Audrey Camhurst. Die jedoch in Sachen wissenschaftlicher Begeisterung und Durchsetzungsfähigkeit ihrer Großmutter in nichts nachsteht.
Man hat es hier ebenfalls mit einer selbstbewussten Frau zu tun, die weiß, was sie will. Die ebenso wie ihre Oma ein enormes Interesse an Drachen geerbt hat. Nur, dass es in ihrem Fall die Zivilisation der Drakoneer betrifft, jenem uralten Volk, dessen Nachfahren ihre Großmutter in ihrem letzten Abenteuer gefunden hat.
Jetzt könnte man meinen, dass die Übersetzung von antiken Schriftstücken nichts ist, was einen ganzen Roman füllen kann. Das weiß auch die Autorin. Weshalb sie den Fokus ihrer Story weniger auf den Übersetzungsvorgang legt. Sondern vielmehr auf der Geschichte, die Audrey und ihr Freund Kudshayn nach und nach entdecken. Wie sie mit dem Entdeckten umgehen, sowie dem, was in ihrem Umfeld geschieht.
Eine vielfältige Story
Doch auch die Präsentation all dieser Facetten ist großartig geworden. Wiederholt baut Marie Brennan unterschiedliche Präsentationsstile ein. Mal schreibt sie Tagesbucheinträge, dann zitiert sie Zeitungsartikel, schreibt Briefe oder gibt das Übersetzte wieder. Wobei sie letztere Passagen auch mit zusätzlichen Anmerkungen der Übersetzer garniert.
Es ist dabei nicht nur Audrey Camhurst, die den Leser begeistert. Ebenso ist da Kudshayn, den man als intelligenten und sehr sensiblen Drakoneer kennenlernt. Der sich der Bedeutung seiner Mission bewusst ist. Und darunter auch ein wenig leidet.
Und doch sind es nicht nur die beiden, die hier eingeführt werden. Lord Gleinleights Enkelin Cora Fitzarthur spielt in diesem Buch ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie dient einerseits als Dienerin, die die beiden Übersetzer unterstützen soll. Anderseits ist sie für ihren Onkel auch Spionin, die für ihn herausfinden soll, was Audrey Camhurst alles schreibt.
Packend und Faszinierend
Und daraus entwickelt sich eine packende und faszinierende Story. Eine, die einen von Anfang bis Ende packt. Eben wegen dieser vielfältigen Geschichte mit all ihren Facetten. Man fiebert auf das nächste Kapitel der Mythologie hin, ist aber auch auf die nächste Entwicklung bei den Protagonisten gespannt. Und der Roman enttäuscht nicht. Er ist von Anfang bis Ende spannend und packend geschrieben.
Es ist ein würdiger, ein sehr guter Abschluss unter der Romanreihe. Es ist eine schöne Geschichte, an derem Ende man glücklich ist und die eine Fortsetzung nicht braucht. Weil sie wunderbar in sich abgeschlossen ist.
Info
Autorin: Marie Brennan
Originaltitel: Turning Darkness into Light
Übersetzung: Andrea Blendl
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 12/2020
Einband: Taschenbuch
Seiten: 400
ISBN: 978-3-96658-321-3
Sonstige Informationen: Produktseite
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