Der dritte Film des Donnergottes aus dem Haus der Ideen sollte vieles verändern.
Einige Rückkehrer
Auch wenn Thor: The Dark Kingdom bei den Kritiken durchfiel, kam er an den Kinokassen durchaus gut an. Womit Marvel Studios gerechnet haben musste, weil schon vor Filmpremiere feststand, dass es eine Fortsetzung geben würde. Damit wie üblich nur die Frage im Raum stand, wer Regie führen würde und wer für das Drehbuch verantwortlich sein würde.
Zumindest letztere Frage wurde zeitnahe geklärt. Denn bereits im Januar 2014 wurde bekannt, dass das Autorenteam von Craig Kyle und Christopher Yost für das Skript verantwortlich sein würde. Kevin Feige sollte erneut Produzent sein und Chris Hemsworth und Tom Hiddleston sollten ihre Rollen als Thor und Loki wieder aufnehmen. Die Filmpremiere wurde für den 28. Juli 2017 angesetzt.
Doch das sollte dieser einige Monate später noch mal nach hinten verlegt werden. Neue Premieretag sollte dann der 3. November 2017 sein und Kevin Feige verkündete dabei auch gleichzeitig, dass im Laufe des Sommers der Name eines weiteren Drehbuchautors, der des Regisseurs sowie die ersten gecasteten Schauspieler genannt werden würden. Bei Letzterem meinte Jaimie Alexander, dass sie ihre Rolle als Sif in einem wichtigen Teil des Films wieder aufnehmen würde.
Wenn der Song einfach passt
Definitiv nicht mehr zurückkehren würde der Regisseur von Thor: The Dark Kingdom. Alan Taylor meinte, dass seine Erfahrungen von den Dreharbeiten an diesem Film für ihn traumatisierend gewesen seien. Speziell meinte er, dass er die absolute Freiheit hatte, seinen eigenen Film zu drehen, nur um dann mitzukriegen, dass dieser in der Post-Produktion in etwas völlig anderes verwandelt wurde.
Natürlich kamen deshalb für die Rolle des Filmemachers viele andere Personen in Frage. Doch am Ende wurde der neuseeländische Regisseur Taika Waititi (5 Zimmer, Küche, Sarg) ausgewählt. Der hatte nämlich ein sogenanntes Sizzle Reel erstellt, wo er seine Vision vom Film vorstellte. Ihm schwebte ein deutlich lockerer Tonfall vor, als bei vielen anderen Marvel-Filmen. Er benutzte dabei den The Immigrant Song von der Rockband Led Zeppelin, was Marvel Studios so gut gefiel, dass sie ihn dann auch für den richtigen Film verwendeten.
In Sachen Cast gab es einige Entwicklungen und Überraschungen. Natalie Portman sollte nach ihren Auftritten in den bisherigen Thor-Filmen nicht wieder auftauchen, was Kevin Feige damit begründete, dass die beiden Charaktere miteinander Schluss gemacht hätten. Stattdessen machte Mark Ruffallo seine Aufwartung als Hulk, womit sein Plot aus Avengers: Age of Ultron wieder aufgegriffen werden sollte. Außerdem wurde Stephany Folsom (Toy Story 4) als dritter Drehbuchautor angestellt, derweil mit der Darstellerin Cate Blanchett die finalen Verhandlungen liefen, damit sie mitspielen sollte.
(Fast) alle sind wieder mit dabei
Was leider Jaimie Alexander nicht machen sollte. Sie spielte in dieser Zeit in der Serie „Blindspot“ mit, weshalb es terminliche Überschreitungen gab, die sie daran hinderten, ihre Rolle als Sif wieder aufzunehmen.
Sie blieb allerdings von den Asgardianern die Einzige, die nicht zurückkehren sollte. Ansonsten sollten Idris Elba, Anthony Hopkins, Tadanobu Asano, Ray Stevenson und Zachary Levi ihre Rollen wieder wahrnehmen. Ebenso konnte man auch Benedict Cumberbatch für einen Gastauftritt von Doctor Strange gewinnen.
Gleichzeitig wurden die Verhandlungen mit Cate Blanchett (Der Herr der Ringe-Trilogie) finalisiert und sie übernahm den Part der Hela. Anders als in den Comics war die Figur im Film jedoch keine Verwandte von Loki sondern die ältere Schwester von Thor, die von Odin gefangengehalten wurde. Jeff Goldblum wurde als Grandmaster gecastet, der Bruder von dem von Benecio del Toro dargestellten Collector. Anders als in den Comics hatte der Charakter im Film keine blaue Hautfarbe, sondern die natürliche des Schauspielers. Und für die Rolle der Valkyrie wurde Tessa Thompson (Creed) gecastet. Ihre Figur basierte auf keiner bestimmten Comicvorlage und die Schauspielerin konzipierte sie als bisexuell. Eine romantische Beziehung zwischen ihr und Thor, die ursprünglich im Skript stand, wurde dann in der Bearbeitung von Stephany Folsom rausgeschrieben und durch PTSD ersetzt. Derweil Karl Urban (Star Trek (2009)) als der asgardianische Krieger Skurge gecastet wurde. Der Schauspieler trainierte sich für die Rolle einen entsprechenden Körper an, auch wenn dieser wegen des Kostüms nicht zu sehen war.
Die Mission: Ragnarök aufhalten
Regisseur Taika Waititi selbst sollte ebenfalls als Schauspieler auftreten. Er stellte das MoCap für den Charakter Korg dar, den er ebenso sprach. Dasselbe tat er auch für den Feuerdämonen Surtur. Es gab außerdem einige überraschende Gastauftritte von Matt Damon, Luke Hemsworth, Sam Neill und Charlotte Nicdao. Sie sollten in einem asgardianischen Theaterstück die Ereignisse des ersten Thor-Films nachspielen. Jedenfalls so, wie sie Loki sah.
Thor ist in Muspelheim, um den Feuerdämon Sutur zu besiegen. Er schlägt dessen Kopf ab und nimmt ihn mit, um so Ragnarök zu verhindern. Doch seine Rückkehr nach Asgard fällt anders aus als gedacht. Denn Loki, der die Gestalt von Odin angenommen hat, hat die Macht übernommen und vieles verändert. So ist Heimdall ist nicht mehr der Wächter des Portals, sondern der Krieger Skurge.
Es gelingt Thor, Loki zu enttarnen und von ihm zu erfahren, wo sich ihr Vater aufhält. Er befindet sich auf Midgard, jedoch nicht dort, wo Loki ihn abgesetzt hat. Nur durch die Hilfe von Doctor Strange finden sie Odin, der ihnen allerdings sagt, dass er stirbt. Kaum ist dies geschehen, öffnet sich ein Portal, durch das Hela kommt, Thors ältere Schwester, von der nichts wusste. Sie will die Macht über Asgard an sich reißen und schafft es dabei problemlos, Thors Hammer zu zerstören. Noch schlimmer ist, dass sie, als Thor und Loki über den Bifröst nach Hause reisen, dafür sorgt, dass die beiden aus ihm herausgeschleudert werden und auf einer fremden Welt landen. Von der sie erstmal einen Weg zurückfinden müssen.
Fast so gut wie James Gunn
Bislang hatte James Gunn mit seinen Guardians of the Galaxy-Filmen das Monopol auf witziger, aber auch spannende und charakterintensive Superheldenfilme. Bislang. Denn Taika Waititi zieht mit seinem Thor: Tag der Entscheidung-Film nahezu gleich.
Es ist wirklich ein Kinofilm, der von der Machart Vergleiche mit den James Gunn-Filmen nicht zu scheuen braucht. Er hat Spannung, er hat jede Menge Humor und vor allem schafft er es, aus seinen Figuren das Beste zu machen. Sogar bislang relativ vernachlässigte Figuren wie Heimdall blühen unter ihm auf, auch wenn dieser „nur“ ein Wächter der normalen Asgardianer ist. Aber selbst in dieser Rolle kann Idris Elba mehr Entwicklung zeigen, als in all seinen früheren Auftritten.
Wobei nicht alle gleichermaßen profitieren. Der Tod der Warriors Three geschieht dann doch zu plötzlich. Und bis auf Hogun kriegt keiner von ihnen noch einen epischen Moment, ehe sie anschließend von Hela getötet werden. Das ist allerdings auch der einzige Wermutstropfen in diesem ansonsten großartigen Film.
Ein passender unpassender Tod?
Gleichzeitig kann man über Odins Tod zwiegespalten sein. Einerseits hat man das Gefühl, dass er sehr plötzlich geschieht und nicht wirklich gut aufgebaut wurde. Aber andererseits macht es dramaturgischen Sinn und er wurde auch gut umgesetzt.
Dabei durchläuft vor allem Thor in diesem Film eine massive Entwicklung. Man sieht ja zu Beginn noch, auf welch vielfältige Art und Weise er seinen Hammer und dessen Fähigkeiten einsetzt. Der Moment, wo Hela diesen zerstört, ist daher ein richtiger Schock, wo man sich auch fragt, wie sich das auf Thors Kampfweise auswirkt. Dabei ist dies die Initialzündung, die er braucht, um sich weiterzuentwickeln. Um sein wahres Potenzial wahrzunehmen. Was er dann zeigt, als er am Ende des Films ohne Waffe nur mit seinen neu gewonnen Fähigkeiten gegen die untoten Armeen von Hela antritt und mit denen den Boden aufwischt.
Doch nicht nur für Thor ist das ein wichtiger Film. Auch bei Loki ist dies der Fall. Seine Beziehung zu seinem Bruder macht einige Entwicklungen durch. Vor allem, weil man dann ebenso sieht, dass er zwar in diesem Film immer noch mehrere Mal egoistisch und hinterhältig agiert. Aber das wirkt nur halbherzig und nicht sonderlich überzeugend. Man spürt, dass er an all diesen Ereignissen, die sich da ereignen, zu knabbern hat. Weshalb er am Ende sogar mit seinem Bruder mehr oder weniger freiwillig zusammenarbeitet, um die Asgardianer zu retten.
Eine großartige Antagonstin
Es ist gut, dass der Film nicht noch einmal versucht, Loki als Antagonisten aufzubauen. Denn er hätte dieses Mal den Vergleich gegen Hela nicht bestehen können. Es ist wirklich unglaublich, wie gut es Cate Blanchett gelingt, die Macht der Göttin nicht nur durch Taten rüberzubringen. Sondern schon allein durch ihr Auftreten. Diese kühle, stille Arroganz, die Art und Weise, wie sie auf die Leute hinuntersieht, die sich ihr in den Weg stellen und die Tatsache, dass sie nur dann positive Gefühle hat, wenn sie mit ihrem untoten Wolf interagiert. All das verstärkt den Eindruck, dass sie nicht normal ist. Was sie auch mit ihren Taten unterstreicht. Nicht nur, wie sie Thors Hammer zerstört. Ebenso, dass sie nur dadurch besiegt wird, dass im Prinzip die Asgardianer bereit sind, den Weltuntergang herbeizuführen, zeigt, dass sie mit die stärkste Antagonistin des gesamten MCUs ist. Es ist schon fast schade, dass sie am Ende stirbt, weil sie eine so unglaubliche Antagonistin ist.
Und dann hat man im zweiten Glied der Darstellerriege zwei Leute, die auf der Suche nach sich selbst sind. Auf der Seite von Thor ist Valkyrie, die immer noch darunter leidet, dass sie als einzige ihrer Art die Begegnung mit Hela vor vielen tausend Jahren überlebt hat. Man sieht, dass sie diesen Kummer mit Alkohol ertränkt, derweil sie als bessere Gehilfin des Grandmasters arbeitet. Es ist dabei eine gute Entscheidung, dass der Film darauf verzichtet, eine Liebesbeziehung zwischen ihr und Thor aufzubauen. Denn das hätte ihren Charakter erheblich geschwächt. So kann wirklich beobachten, wie sie nach und nach und durch die Interaktionen mit Thor und dem Hulk aus ihrem Loch wieder herausfindet und ihre Traumata überwindet.
Auf der Seite von Hela ist da Skurge. Auch er ist auf der Suche nach einer Bestimmung. Zu Beginn meint er diese als Wächter des Bifrösts gefunden zu haben, nur um dann für Hela als Executioner zu arbeiten. Doch wiederholt merkt man, dass es an ihm nagt. Dass er mit seiner neuen Funktion nicht einverstanden ist. Dass er merkt, dass ihm immer noch etwas fehlt. Bis er schließlich am Ende endlich seine wahre Bestimmung findet. Es ist eine gelungene Entwicklung, die wirklich behutsam über den gesamten Film aufgebaut wurde.
Wichtige Außenseiter
Und dann sind da die zwei Außenseiter, der Grandmaster und der Hulk. Jeff Goldblum als Grandmaster ist einfach nur grandios. Ein wunderbarer Exzentriker, der sein Leben liebt und gleichzeitig auch versucht, die Kontrolle zu behalten. Er setzt dabei auf seine Handlanger und macht sich selber nicht die Hände schmutzig. Was sich dann am Ende rächt. Seine Figur ist mehr eine Art gelungener Comedy Relief, ohne dass dies gegenüber dem Darsteller despektierlich gemeint ist.
Mark Rufallo ist in dem Film eine Offenbarung. Weil er es wieder schafft, seiner Rolle eine neue Facette abzugewinnen. Sieht man zu Beginn noch, wie der Hulk endlich glücklich ist, weil er jede Menge smashen kann, machen sich gleichzeitig beim Zuschauer leise Bedenken breit. Weil man erfährt, dass er sich seit seiner Flucht von der Erde nicht wieder in Bruce Banner zurückverwandelt hat.
Diese Rückverwandlung geschieht dann auch, dank eines gelungenen Rückgriffs auf Age of Ultron. Und man sieht einen Bruce Banner, der im Vergleich zu früher muskulöser wirkt. Aber gleichzeitig zunächst darunter leidet, dass seitdem letzten Mal, wo er draußen war, sich so viel geändert hat. Und doch versucht der Film nie, es jetzt so wirken zu lassen, dass er danach nie mehr versucht, zum Hulk zu werden. Im Gegenteil: An einer bestimmten Stelle tut er das sogar bewusst, um zu helfen. Dabei hat man auch allgemein das Gefühl, dass der Hulk intelligenter geworden ist. Jedenfalls ein bisschen. Ist dies ein Zeichen für die spätere Entwicklung zum Professor Hulk-Charakter, der dann in Avengers: Endgame auftrat?
Großartig und sensationell
Es ist ein großartiger Film. Mit jeder Menge grandioser Momente, die sich einem einprägen. Dabei werden die diversen Welten, in denen die Story unterwegs ist, wirklich super zum Leben erweckt. Vor allem Sakaar, die Welt des Grandmasters, wirkt im positiven Sinne anders.
Ein sensationeller Film.
Info
Regie: Taika Waititi
Drehbuch: Eric Pearson, Craig Kyle, Christopher L. Yost
Produktion: Kevin Feige
Musik: Mark Mothersbaugh
Kamera: Javier Aguirresarobe
Schnitt: Joel Negron, Zene Baker
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
Warpskala
Warpskala- Thor: Tag der Entscheidung (2017) - 5. Juni 2026
- Der Affenkönig (Silverio Pisu, Milo Manara) - 5. Juni 2026
- Devil May Cry – 12 – Eine Grube der Schlangen - 4. Juni 2026

