Eine der ältesten Geschichten dieser Welt wird von einem der prominentesten Comickünstler adaptiert.

Eine vielfach adaptierte Sage
Eines Tages gebar ein Ei einen Affen. Dieser verneigte sich in alle vier Himmelsrichtungen, wodurch ein Lichtstrahl entstand, der den Jadekönig hoch im Himmel in der Nase kitzelte. Es sollte nicht das einzige Mal bleiben, dass dieser aberwitzige Affenkönig die hohen Herren herausfordert.
Denn auch, wenn er selbst ein Paradies erschaffen hat, langweilt ihn dies. Er will raus, er will ein Gott werden, er will unsterblich werden. Weshalb er seine heile Welt schon bald verlässt, um sich einen Meister zu suchen, der ihn beim Erlangen seiner Ziele unterstützen kann.
Die Reise nach Westen ist eine weltbekannte chinesische Sage, die schon vielfach umgesetzt und adaptiert wurde. Das geschah mal mehr, mal weniger werksgetreu. Zu der Gruppe der Leute, die die Vorlage eher frei interpretieren, kann man auch den Autor Silverio Pisu und Milo Manara hinzuzählen. Denn die beiden haben die Story in ihrem Album Der Affenkönig adaptiert.
Lose
Wobei man allerdings betonen muss, dass der Comic jetzt nicht so neu ist. Die Geschichte kam ursprünglich 1978 in Frankreich heraus und wurde dann auch einige Jahre später in Deutschland veröffentlicht, im Verlag Schreiber & Leser. Jetzt gibt es eine Neuauflage im Splitter-Verlag, im Rahmen ihrer Gesamtausgabe der Werke des Künstlers
Milo Manara ist heutzutage ein sehr bekannter Künstler, der vor allem durch seine erotischen Werke wie Privatvorführung oder Click berühmt geworden ist. Silverio Pisu war ein Multitalent, der nicht nur Autor, sondern auch Musiker und Schauspieler war. Er ist leider 2004 in Italien verstorben.
Wie bereits erwähnt baut die Geschichte von Der Affenkönig nur lose auf der berühmten Vorlage auf. Es werden zwar einige Elemente und wichtige Storyplots übernommen. Doch sind diese nur Eckdaten, um die herum das Kreativteam seine eigene Story spinnt.
Ein übertriebener Humor
Der titelgebende Affenkönig ist kein strahlender Held. Er wird allein von dem Wunsch getrieben, unsterblich zu werden. Und legt sich dafür mit alles und jedem an. Wenn sich ein armer Wurm ihm in den Weg stellt, und sei es nur aus Versehen, dann kann es schnell passieren, dass er am Ende mit gespaltenen Schädel da liegt.
Das klingt alles heftiger, als es in Wahrheit ist. Es ist am Ende auch Teil des übertriebenen Humors, den dieser Comic hat. Dieser anarchistische, absurde und überdrehte Humor, aus dem eben solche Sachen entstehen. Oder aus der Tatsache, dass Zeit hier keine große Bedeutung hat. Mal vergehen mehrere tausend Jahre, mal einige hunderte, mal nur wenige. Die Auswirkungen sind immer unvorhersehbar. Mal geschieht nichts, mal hat sich einiges verändert.
Dabei erlebt der titelgebende Affenkönig teilweise die absurdesten Abenteuer. Wie beispielsweise, als er lernt, seine Gestalt zu verändern. Oder wenn er mal wieder einem der Götter auf die Füße tritt und auf Grund seiner eigenen Frechheit das unbeschadet übersteht.
Jede Menge Anspielungen
Allerdings merkt man der Geschichte an, dass sie ursprünglich 1978 erschienen ist. Es wimmelt hier nur so vor zeitgenössischen Anspielungen. Die aber dem durchschnittlichen Zuschauer, der die Historie jetzt nicht so im Kopf hat, entgehen. Oder der damit nichts anfangen kann. Hier wären redaktionelle Anmerkungen nicht verkehrt, damit man vor allem das Ende gut nachvollziehen kann. Stattdessen gibt es „nur“ einige Pinups und einen exklusiven Kunstdruck.
Die Geschichte wird in Schwarz/Weißen-Zeichnungen präsentiert. Wo man zwar einerseits merkt, wieso Milo Manara ein Experte der erotischen Kunst ist. Die meisten Frauen in seiner Geschichte sind entweder nackt oder entblättern sich gerade. Ebenso wird gerne mal Geschlechtsverkehr angedeutet. Allerdings werden die Frauen auch wunderschön dargestellt und sind ein wahrer Augenschmaus. Anderseits merkt man aber ebenfalls, dass der Künstler ein Händchen für Karikaturen hat. Nicht gerade wenige Figuren, vor allem die Männer, werden übertrieben clowneresk dargestellt. Es sind häufig Idioten, die sich auf sich selber was einbilden. Und damit im Grunde auf ganzer Linie scheitern, weil sie dann vom Affenkönig vorgeführt werden.
Es ist ein interessanter Comic, der zu Recht von den Zeichnungen Manaras lebt.
Info
Skript: Silverio Pisu
Zeichnungen: Milo Manara
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
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