Als Die Verschollenen auftauchen, hat Miles Flint alle Hände voll zu tun.

Miles Flint 01: Die Verschollenen
Cover © Bastei Lübbe

Auf der Flucht vor dem Gesetz

In der Zukunft ist die Menschheit weit ins All vorgestoßen und ist dort auf außerirdisches Leben getroffen. Es wurden Verträge geschlossen und Gerichte gegründet, bei denen es um die Einhaltung der jeweiligen Gesetze geht. Deren Strafen sind allerdings von Volk zu Volk und je nach Tat sehr unterschiedlich und stellenweise nach menschlicher Perspektive brutal.

Wohl auch deshalb wurden die sogenannten Verschwindedienste eingerichtet, die die Opfer solcher Gesetze verschwinden lassen. Doch dann tauchen auf dem Mond die toten Körper von Menschen auf, die eigentlich untergetaucht sein sollten. Die Ermittlungen in diesem Fall bringen die Polizisten Miles Flint und Noelle DiRicci schon bald in schwierige Situationen.

Kristine Kathryn Rusch ist hierzulande keine unbekannte Autorin. Sie hat diverse Bücher verfasst, darunter auch in bekannten Franchises wie Star Wars oder Star Trek. Die Miles Flint-Reihe, auf Englisch Retrieval Artist, ist jedoch ihre eigene Erfindung. Die Verschollenen war der Auftaktband zur Serie.

Sympathien auf Seiten der Menschen

Es ist eine interessante Welt, die die Autorin hier vorstellt. Es ist ein Nebeneinander vieler verschiedener Aspekte. Einerseits ist es eine SciFi-Welt, in der die Menschheit weit ins All vorgedrungen ist, in der es außerirdisches Leben gibt und der Mond, sowie andere Teile des Sonnensystems menschliche Kolonien besitzen. Aber andererseits sind da diese teils drastischen außerirdischen Gesetze, in denen die Strafen von Kidnapping bis hin zu Verstümmelung reicht.

Die Sympathien in Die Verschollenen liegen dabei klar auf der Seite der Menschen. Zu drastisch, zu heftig wirken die Strafen der Außerirdischen. Die Autorin bemüht sich auch nicht wirklich um mäßigende Argumente. Sie beschreibt zwar, was für Straftaten die Verurteilten begangen haben, doch gleichzeitig werden sie sympathisch charakterisiert, derweil die meisten Aliens fremdartig und unsympathisch wirken.

Wohl auch deshalb kann man die Existenz der sogenannten Verschwindedienste nachvollziehen. Wenn die einzige Möglichkeit, den drastischen Maßnahmen zu entgehen, das Verschwinden, das absolute und radikale Kappen des früheren Lebens ist, dann bleibt einem nichts anderes übrig. Auch hier sind die Sympathien eindeutig verteilt.

Eine exzellente Darstellung

Das ist die Ausgangslage, auf der der Roman Die Verschollenen basiert. Und die Autorin bastelt daraus eine spannende und unvorhersehbare Geschichte. Sie beschreibt verschiedene Schicksale, die eines eint: Der Verschwindedienst, der für sie gearbeitet hat, wurde verkauft und der neue Eigentümer verdient nochmal Extra-Kohle damit, indem er nach und nach die Existenz der Verschwundenen an die Aliens verrät.

In diese Situation stoßen die Polizisten Miles Flint und Noelle DiRicci, beides Partner im Morddezernat, die unterschiedlicher nicht sein können. Er hat eine tragische Vergangenheit hinter sich und ist hochintelligent. Sie ist in der Mondpolizei nicht hochangesehen, verbeißt sich allerdings in den Fall und versucht den Beschuldigten zu helfen.

Kristine Kathryn Rusch stellt die beiden Polizisten und die Opfer in Die Verschollenen exzellent dar. Es ist ein wahrer Thriller, wenn man liest, wie alle Beteiligten versuchen, das Schlimmste abzuwenden. Und es nicht immer schaffen, die Leute zu retten. Hier beschreibt die Autorin dann einfühlsam, wie es sich anfühlt, wenn eine der Betroffenen sich freiwillig dazu entscheidet, sich den Aliens zu stellen, wohlwissend, dass das ihr Todesurteil ist.

Nie den Erwartungen entsprechend, zum Glück

Dabei gefällt vor allem, wie sehr die beiden Protagonisten sich in den Fall verbeißen und hierbei unterschiedlich vorgehen. Sie versuchen, die Menschen zu retten, und nutzen alle Tricks, die ihnen zur Verfügung stehen, um dies zu erreichen. Vor allem weil man miterlebt, wie sie anfangen, gegenseitig Respekt füreinander zu kriegen. Was sich auch auf den Leser auswirkt.

Bis zum Ende schraubt die Autorin an der Spannungsschraube. Bis zum Ende bleibt vollkommen offen, wie es ausgehen wird. Und als dann der Roman zu Ende ist, hat man als Leser eine Geschichte hinter sich, die sich nie den Erwartungen entsprechend entwickelt hat. Genial!

 

Info

Autorin: Kristine Kathryn Rusch
Titel: Miles Flint 01 – Die Verschollenen
Originaltitel: The Disappeared
Übersetzer: Frauke Meier
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 12/2006
Einband: Taschenbuch
Seiten: 414
ISBN: 978-3-404-23303-8

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