Peggy Carter erhält ihre eigene Serie. Und der Auftakt ist schonmal nach Maß geworden.
Großes Vorvertrauen
Die Marvel One Shots waren kleine Kurzfilme, die recht kurzweilig waren. Doch keiner war im Nachhinein so wichtig, wie der vierte, in dem Peggy Carter wieder zurückkehrte. Die von Hayley Atwell dargestellte Agentin, die ihren Erstauftritt in dem Captain America-Film hatte, konnte damals anscheinend nicht nur die Zuschauer überzeugen. Sondern ebenfalls den Fernsehsender ABC. Der, basierend auf dem One Shot, 2014 direkt eine ganze Staffel orderte, ohne vorher einen Pilotfilm als Test drehen zu lassen. Das zeigte, dass der Sender viel Vertrauen in die Figur und das Konzept hatte.
Natürlich sollte Hayley Atwell ihren Charakter wieder darstellen. Ihr zur Seite gestellt wurde James D’Arcy (Broadchurch), der Howard Starks Butler Edward Jarvis schauspielen sollte. Chad Michael Murray (One Tree Hill) konnte man als den chauvinistischen SSR-Agenten Jack Thompson bewundern. Enver Gjokaj (Dollhouse) kriegte den Part des kriegsversehrten Agenten Daniel Sousa. Derweil Shea Whigham (Boardwalk Empire) den Part des führenden Kopfes der SSR Roger Dooley erhielt. Showrunner wurden Tara Butters, Michele Fazekas und Chris Dingess.
Amerika im Jahr 1946: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kommen immer mehr und mehr Männer zurück nach Hause. Von den Frauen, von denen einige ihre Arbeit gemacht haben, wird erwartet, dass sie sich widerstandslos ins zweite Glied zurückziehen oder gleich ganz wieder Hausfrauen werden.
Frauen zurück an den Herd
Vor allem für Peggy Carter ist dies hart. Denn sie hat im Zweiten Weltkrieg als Geheimagentin großartige Arbeit geleistet. Doch ihre neuen Mitarbeiter und ihr Vorgesetzter beim SSR sehen sie nur als Frau, die im aktiven Dienst nichts verloren hat. Allerdings wird dann ausgerechnet Howard Stark verdächtigt, seine Geheimnisse an die Gegenseite verkauft zu haben, weshalb er gesucht wird. Doch der Gesuchte kontaktiert Peggy, beteuert seine Unschuld und bittet sie, diese zu beweisen. Dafür stellt er ihr seinen Diener Edward Jarvis zur Seite. Und schon bald findet die Agentin einen Hinweis darauf, wer in Wahrheit für die Taten verantwortlich ist.
Das ist nicht das Ende ist ein Auftakt nach Maß. Diese Folge hat alles, was es zu einem gelungenen Start braucht. Gute Charakterisierungen, viele Mysterien und auch ein gutes Maß an Action. Humor darf dabei natürlich nicht vergessen werden.
Dabei wird zu Beginn der Folge noch mal auf das Ende des Captain America-Films zurückgegriffen, wo man den Absturz von Steve Rogers sieht und wie Peggy Carter das mitkriegt. Die ganze Episode über merkt man, dass sie ihm immer noch nachtrauert. Dass sie seinen Tod immer noch nicht verarbeitet hat.
Eine intelligente und gefährliche Frau
Und doch wird die Figur nicht über den bekannten Superheld definiert. Stattdessen liegt der Fokus auf der Tatsache, dass sie eine Frau ist. Die einen Beruf ausübt, den zu dieser überwiegend Männer ausgeübt haben. Derweil man von ihrem Geschlecht erwartet, dass sie hübsch aussehen und ansonsten dem „starken“ Geschlecht jeden Wunsch von den Lippen ablesen und ohne Widerrede akzeptieren.
Dass das eine starke Frau, wie es eben Peggy ist, wurmt, ist offensichtlich. Man merkt die ganze Zeit, wie es in ihr kocht, wie sehr sie am liebsten den Herren der Schöpfung zeigen möchte, was sie drauf hat. Stattdessen beschränkt sie sich darauf, über Umwege und mit Hilfe diverser Tricks ans Gewünschte zu kommen. Hier zeigt sich sehr schön, wie intelligent sie ist.
Derweil man im Laufe der Episode aber auch gleichzeitig ihre Geistesgegenwart sowie Gefährlichkeit im Kampf sehen kann. Als Howard Stark sie auf eher ungewöhnliche Weise kontaktiert, beweist sie ihre Zielgenauigkeit. Ebenso, wie sie dann später, als sie überrascht wird, ihren Gegenüber ko schlägt.
Der perfekte Gegenpart
Dabei kombiniert die Reihe Zeitkolorit mit Spionagedrama. Teilweise wirkt die Folge dann wie James Bond-Action, nur dass dies eben nicht die 1960er Jahre sind, sondern die 1940er. Trotzdem kommen hier jede Menge Gagdets zum Einsatz, wie beispielsweise ein Lippenstift, der bei einem Kuss den Gegenüber bewusstlos macht. Oder eine Armbanduhr, mit der sich ein Safe knacken lässt.
Das Mysterium um Howard Starks gestohlen Erfindungen und die Tatsache, dass er der Tat verdächtigt wird, ist dabei ein guter Aufhänger. Der sich auch im Laufe der Folge auf wunderbar unvorhersehbare Art und Weise entwickelt.
Gleichzeitig wird Peggy mit Edward Jarvis auch ein wunderbare Gegenpol zur Seite gestellt. Er ist servil und in geheimdienstlichen Dingen eher unerfahren. Es zeigt sich, dass er strikte Regeln hat und seine Frau über alles stellt. Was zu einer gelungenen Szene führt, als Peggy ihn anruft, als er gerade für seine Ehefrau ein versprochenes Soufflee macht.
Der Name sagt mir was
Doch gleichzeitig wird ebenfalls ein interessanter neuer Antagonist eingeführt, dessen Leute anscheinend absolut loyal sind. Derweil im selben Atemzug die Serie auch Charaktere und Konzepte einführt, die fürs spätere MCU wichtig sind. So hilft ein gewisser Anton Vanko mit seinem Wissen. Aufmerksame Kenner des MCUs kennen den Namen natürlich aus Iron Man 2.
Es ist ein grandioser Auftakt zu einer hoffentlich ebenso großartigen Reihe.
Info
Drehbuch: Christopher Markus & Stephen McFeely
Showrunner: Tara Butters, Michele Fazekas & Chris Dingess
Regie: Louis D’Esposito
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