Das Imperium Teixcalaan steht Am Abgrund des Krieges mit einer fremden Spezies.

Es herrscht Krieg

Eine fremde Spezies ist in den Gebieten der Raumstation Llsel aufgetaucht. Im Kampf gegen diese Wesen hat die Station schon mehrere Piloten verloren. Weshalb die Botschafterin Mahit Dzmare das teixcalaanische Imperium davon überzeugen konnte, in den Krieg gegen diese fremde Rasse zu ziehen.

Womit sie den Plan einiger der Machthaber ihrer Heimat erfüllen konnte, die dies nämlich wollten, so dass am Ende sich sowohl die anderen, wie auch das Imperium, das Llsel gefährlich nah gekommen war, gegenseitig auslöschen. Allerdings wird Mahit Dzmare wieder in den Einsatz gerufen. Dieses Mal soll sie  zwischen den beiden kriegsführenden Parteien vermitteln, was gar nicht so einfach ist, wie es klingt. Denn es gibt nicht nur in ihrer Heimat Fraktionen, die ihre eigenen Pläne haben, die den öffentlichen nicht entsprechend.

Nachdem Arkady Martine mit Im Herzen des Imperiums einen grandiosen Erstlingsroman ablieferte, der zu Recht den Hugo Award gewann, liegt jetzt mit Am Abgrund des Krieges die Fortsetzung vor. Dabei baut die Autorin auf das auf, was sie im vorherigen Teil einführte. Es gibt ein Wiedersehen mit bekannten Charakteren und Konzepten. Doch ruht die Schriftstellerin sich nicht auf den Lorbeeren aus, sondern präsentiert eine Erzählung, die einen von Beginn an in ihren Bann schlägt.

Nichts ist so, wie es scheint

Dabei verlagert sie den Haupthandlungsort ihrer Geschichte. Es geht vom Inneren des teixcalaanischen Imperiums an dessen Außengrenzen. Wo eine kleine Flottille unter dem Kommando von Neun Hibiskus versucht, den Feind zu stellen und gleichzeitig auch seine Heimat zu finden. Und zunächst lässt es Arkady Martine einfach erscheinen: Sie lässt die außerirdischen Wesen Gräueltaten verüben, die sie eindeutig im schlechten Licht dastehen lassen.

Doch dann beginnt sie in Am Abgrund des Krieges dieses Bild aufzubrechen. Nach und nach lässt sie ihre Protagonisten, allen voran Mahit Dzmare und ihre Geliebte Drei Seegras, diverse Mühen überwinden, um zunächst die fremdartige Sprache dieser anderen Wesen und dann deren Mentalität zu verstehen. Sie schildert somit einem mühevollen Weg zur Verständigung.

Das Schöne ist, dass sie das Fremdartige der anderen Wesen nicht verändert. Sie bleiben merkwürdig. Nicht nur von ihrem Aussehen her, sondern, was besonders wichtig ist, von ihrer Mentalität und Biologie her. Und bei Letzterem gibt es einige Überraschungen.

Überall Intrigen

Doch Am Abgrund des Krieges dreht sich nicht nur um diesen bevorstehenden Konflikt. Arkady Martine vergisst auch Llsel und das Herz des teixcalaanischen Imperiums nicht. Man liest hier viele Charakterinteraktionen, und es wird klar, dass ein Großteil der handlungstragenden Charaktere meistens etwas anderes vorhaben, als sie sagen.

Besonders in der teixcalaanischen Handlungsebene wird dies deutlich. Hier steht der Sohn des toten Imperators Acht Gegengift im Mittelpunkt des Geschehens. Er wird von der Imperatorin Neunzehn Breitaxt mit einer zunächst scheinbar harmlosen Mission beauftragt. Die dann allerdings zunehmend eskaliert.

Besonders hier merkt man ein Thema von Am Abgrund des Krieges. Dass nämlich nahezu alle, vor allem die hohen Entscheidungsträger, immer etwas im Schilde führen. Es werden hier viele Intrigen gesponnen, Leute manipuliert und das immer mit Vorhaben, die der scheinbar einfachen Zielsetzung des Krieges, den Feind besiegen, nicht unbedingt entsprechen. Selbst Mahit wird beeinflusst, wenn auch mit einem für sie positiven Ausgang.

Einfach nur großartig

Der Roman ist von der ersten bis zur letzten Seite großartig. Man merkt, dass sich die Autorin Gedanken gemacht hat, was sie wiederverwendet und was nicht. Kombiniert mit dem Szenario des drohenden Krieges und den vielen gegensätzlichen Interessen daran hat man es hier mit einem Page-Turner zu tun.

Am Ende stellt man sich die Frage, ob es eine Fortsetzung von Am Abgrund des Krieges geben wird. Anders als noch beim ersten Roman existieren dieses Mal keine offensichtlichen Cliffhanger. Es gibt zwar einen Plot, der auf einen weiteren Teil hindeuten könnte. Doch gleichzeitig wirkt er so geschrieben, als ob man mit seinem aktuellen Ende ebenfalls zufrieden sein kann.

Das Buch ist grandios! Und was auch immer Arkady Martine als Nächstes schreiben wird: Man freut sich jetzt schon drauf.

Am Abgrund des KriegesAutor: Arkady Martine
Titel: Am Abgrund des Krieges
Originaltitel: A Desolation called Peace
Übersetzer: Bernhard Kempen
Verlag: Heyne
Erschienen: 08/2022
Einband: Taschenbuch
Seiten: 695
ISBN: 978-3-453-31994-3
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  • Ein fantastischer Roman
  • Eine fremdartige Spezies bleibt fremdartig
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Götz Piesbergen
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