Review: Space 2063 11 – Wer überwacht die Vögel?

Lesezeit circa: 9 Minuten

Diese Episode, mit der die Serie ins Jahr 1996 startete, wird auf drei Zeitebenen erzählt und der Haupthandlungsstrang kommt komplett ohne Dialoge aus.

Wer überwacht die Vögel?Who monitors the birds?
Staffel 1 – Folge 11

Zur Handlung

Zusammen mit dem Scharfschützen Major Colquitt (Dale Dye) befindet sich Cooper Hawkes (Rodney Rowland) auf einer streng geheimen Mission. Nach Ausführung des Auftrags geraten sie auf dem Rückzug in einen Hinterhalt. Colquitt stirbt. Für Hawkes beginnen bange Stunden eines Überlebenskampfes und des Hoffens auf Rettung. Immer wieder erinnert er sich an Dinge aus der unmittelbaren Vergangenheit und an Dinge, die schon Jahre zurückliegen.

Die unmittelbare Vergangenheit: Colquitt wählt Cooper Hawkes als besten Schützen seiner Einheit für eine Geheimmission aus. Bei dieser Mission geht es darum, einen hohen General der Chigs zu töten, der angeblich auch den Angriff auf Vesta geleitet haben soll. Colquitt präsentiert Hawkes als Gegenleistung für die Teilnahme an dem lebensgefährlichen Auftrag ein Dokument, das ihm bescheinigt, aus dem Marine Corps nach Erledigung des Auftrags entlassen zu werden, sollte er den Einsatz überleben. Mitten in der Nacht schleicht sich Hawkes aus dem Quartier der Wild Cards davon.

In Coopers Gegenwart: Im Einsatz muss Cooper alle Register seines Könnens ziehen, um zu überleben, denn die Chigs scheinen überall zu lauern. Darüber hinaus erscheint ihm immer wieder ein albtraumhaftes weibliches Wesen; die Hure des Todes! (Gespielt von Christen Cloke in gruseliger Maske.)

In mehreren Flashbacks erfährt das Publikum mehr aus Coopers Vergangenheit. Mit 18 Jahren wird er aus einem In-Vitro-Tank geboren. Zusammen mit anderen künstlich gezeugten Frauen und Männern bildet man ihn in einer In-Vitro-Erziehungs- und Ausbildungsanstalt zum Einzelkämpfer aus. Weil Hawkes neugieriger ist als die übrigen, wird er als „fehlerhaft“ eingestuft und soll getötet werden. Kurz bevor man ihn abholt, warnt ihn einer der anderen In-Vitros aber. Im OP tötet Cooper seinen Aufseher und entkommt mit dessen Identifikations-Karte aus der Anstalt.

In Coopers Gegenwart: Am Ende der Episode gelingt es Cooper, von dem düsteren Planeten zu entkommen. Zuvor zerreißt er das Dokument, das ihm die Entlassung aus dem Corps zugesichert hätte. Bei den Wild Cards hat er sein erstes wirkliches Zuhause gefunden.

Wer überwacht die Vögel?

Interessante Details der Folge Wer überwacht die Vögel?

Der Planet, auf dem die Haupthandlung dieser Episode spielt, heißt Ticros. Diese Welt hat zwei Monde.

Die verwundbarste Stelle der Chigs ist knapp unter der linken Schulter. Auf der Chig-Zielscheibe des Schießstands gibt es jedenfalls die höchste Punktzahl (20), wenn man diesen Bereich trifft.

Die Koordinaten, von denen Hawkes und Colquitt evakuiert werden sollen, lauten 20888.4. Die Evakuierung soll um 0.43 Uhr erfolgen. Nach dem Hinterhalt wird Hawkes nach 20188.2 umgeleitet und er hat bis 2.15 Uhr Zeit, diesen Punkt zu erreichen. Hawkes gerät aber unter Beschuss und muss dann noch einen Tag und eine Nacht überleben, bis er endlich gerettet werden kann.

Coopers Geburtsdatum ist der 15. Mai 2058, auch wenn auf dem Display des Tanks das Jahr 2053 aufleuchtet. Im Unterricht wird jedenfalls erwähnt, dass die In-Vitros am 1. Januar 2059 seit acht Monaten auf der Welt sind. War auf dem Display die letzte Ziffer zur Hälfte defekt und zeigte statt 8 nur eine 3?

Den In-Vitros wird beigebracht, dass es 687 Methoden gibt, einen Menschen zu töten.

Nach der Episode Kopf oder Zahl gibt es zum zweiten Mal eine Lenk-Granate in der Ausrüstung der Marines.

Die „Hure des Todes“ erscheint Cooper viermal und kommt ihm jedes Mal näher. Bei jeder Erscheinung ist seine Situation besonders aussichtslos. Einmal steht er unter Artillerie-Beschuss, dann nähern sich ihm von mehreren Seiten Chig-Patrouillen und schließlich zeigt sie ihm im Mondlicht kreisende Chigschiffe. US-Soldaten, die in Vietnam gekämpft haben, erzählten davon, ähnliche Visionen gehabt zu haben.

Zum ersten Mal ist das „Schmatzen“ zu hören, mit dem sich die Chigs scheinbar verständigen.

Die Sniper-Gewehre von Colquitt und Cooper sind in Wirklichkeit Heckler & Koch G3-Sturmgewehre. Das war lange Zeit die Standardwaffe der Bundeswehr. Das G3 hat das NATO-Kaliber 7,62 x 51 Millimeter. Das Magazin fasst 20 Patronen. Der Hebel, den Cooper in einer Szene mit dem rechten Daumen betätigt, ist der Sicherungshebel. Hebel oben = gesichert; Hebel waagerecht = Einzelfeuer; Hebel nach unten gekippt = Feuerstöße. Im Feuerstoß-Modus hat das G3 eine Feuergeschwindigkeit von 600 Schuss pro Minute. Die Anfangsgeschwindigkeit einer abgefeuerten Kugel beträgt 800 Meter pro Sekunde. Das heißt, das Projektil schlägt ein, bevor das Opfer den Schuss hören kann.

Wer überwacht die Vögel?

Interessantes für den Filmfan

Regisseur dieser Episode war Wilrich Kolbe, ein echter Fernseh-Veteran. Er inszenierte bereits diverse Folgen der Science-Ficton-Serie Kampfstern Galactica. Darüber hinaus war er ein hochbeschäftigter Star Trek-Regisseur. Zu seinen Regieaufträgen gehörten der Pilotfilm von Star Trek: Voyager und der Voyager-Zweiteiler Kampf ums Dasein, der den Übergang von der zweiten zur dritten Staffel bildet. Er arbeitete unter anderem auch für die Serien Knight Rider, Millennium und 24 – Twenty Four. Winrich Kolbe starb 2012.

Dass Cooper einst einen Menschen töten musste, um in der In-Vitro-Anstalt nicht liquidiert zu werden, scheinen die Serien-Entwickler Glen Morgan und James Wong schon lange vor Wer überwacht die Vögel? so festgelegt zu haben. Dieser Sachverhalt wird bereits sechs Folgen früher in Hexenjagd erwähnt.

James Wong über die Episode Wer überwacht die Vögel?: „Sie ist unübertroffen. Glen kam eines Tages hoch zu mir und sagte: ,Ich möchte mal eine Folge drehen, in der niemand redet!’ Ich sagte: ,Du bist verrückt!’ … und nachdem wir es getan hatten, kamen die Fox-Verantwortlichen und meinten: ,So etwas macht ihr nie wieder!’“

Interessante Filmmontage: Wie schon in Gedenket der Toten sind Vergangenheit und Gegenwart in der Montage miteinander verbunden. Darüber hinaus weiß man immer genau, wie eine Erinnerung ausgelöst wird. 1. Cooper erinnert sich an den Schießstand, als die Chigs auf Major Colquitts Leiche feuern. 2. Cooper erinnert sich an seine Geburt, als er in einem Fluss untertaucht und nicht mehr atmen kann. 3. Die Blitze der Artillerieeinschläge erinnern ihn an das Flimmern eines Diaprojektors. 4. Ein Vogel über Ticros erinnert ihn an einen Vogel, den er aus einem Fenster der In-Vitro-Anstalt beobachtete. Der Anblick dieses Vogels, zu dem einer der Chigs ebenfalls aufsieht (was Cooper in diesem Augenblick mit seinem Feind verbindet), veranlasst Cooper, Mitleid mit seinem Feind zu zeigen und ihn nicht zu töten.  5. Ein Blick auf die Uhr zeigt 1.45 Uhr. Hawkes kommt eine andere Nacht in der In-Vitro-Anstalt in Erinnerung, in der er um diese Zeit von einem Aufseher abgeholt wurde, um getötet zu werden. In einer anderen Szene geschieht der Sprung zwischen den Zeitebenen genau andersherum. In einer Rückblende wird gezeigt, dass die In-Vitros gelernt haben, mit bloßer Hand zu töten. Genau diese Fähigkeit kommt Cooper ins Gedächtnis, als er gezwungen ist, ohne Waffe gegen einen Chig zu kämpfen.

Am Ende der Episode folgt auf eine Sequenz mit Coopers Flucht aus der In-Vitro-Anstalt sofort Coopers Flucht von Ticros.

Interessante Kameraeinstellung: Am Anfang der Folge sind die zwei Monde von Ticros zu sehen. Plötzlich wird das Bild verzerrt. Es handelt sich nur um die Spiegelung der zwei Monde auf einer Wasseroberfläche.

Die Idee zu den künstlich gezeugten In-Vitros, die aufgezogen werden, um zu kämpfen und zu töten, könnte von den Replikanten im Science-Ficton-Klassiker Blade Runner inspiriert sein. Von natürlich geborenen Menschen werden die Replikanten als Bedrohung angesehen. Und der Umstand, dass der Blade Runner Rick Decker (Harrison Ford) sie jagen und töten soll, zeigt, dass man die Replikanten nicht als vollwertige Menschen betrachtet. In der Serie Space wurden die In-Vitros ursprünglich erschaffen, um als Soldaten gegen die Silikanten zu kämpfen. Genetisch verbesserte Supersoldaten sind wiederum ein Motiv aus dem Science-Fiction-Film Star Force Soldier (Soldier) von 1998 mit Kurt Russell in der Hauptrolle.

Die Musik zu dieser Folge ist besonders markant. Es gibt drei Motive, die verschiedene Situationen untermalen. Nummer 1 ist ein sehr düsteres Thema, wenn Hawkes im Licht der zwei Monde durchs Gelände pirscht. Der erste Ton dieses Stückes ist der Klang eines sehr tief angeschlagenen Flügels. Nummer 2 ist ein sehr sanftes Stück, das versöhnliche oder traurige Szenen unterlegt. Zu hören ist es zum Beispiel, als Cooper dem besiegten Chig die Erkennungsmarke zurückgibt. Kurz zuvor hatte er den getöteten Chig wiedererkannt. Er war mit ihm schon einmal zusammengetroffen und sie beiden entschieden sich einvernehmlich, nicht zu kämpfen, sondern getrennte Wege zu gehen. Motiv 3 wird von einer kreischenden E-Gitarre dominiert. Dieses unheimliche und aggressive Stück begleitet die jeweilige Erscheinung der „Hure des Todes“.

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Eric Zerm

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