Die Brut des Teufels
|

Review: Die Brut des Teufels (1975)

Lesezeit circa: 8 Minuten

Mit Die Brut des Teufels geht ein Abschnitt der Godzilla-Filmhistorie zu Ende.

Ein alter Bekannter auf dem Regiestuhl

Seit 1954 stapft Godzilla schon durch diverse Filmabenteuer. Es waren Jahre mit vielen Auf und Abs, in der sich die Darstellung der Kreatur genau wie die Tonart seiner Abenteuer munter veränderte. Doch in den 1970er Jahren begannen sich Dinge zu verändern. Es kamen immer weniger Zuschauer in die teilweise jährlich produzierten neusten Erlebnisse der Riesenechse. Was unter anderem daran lag, dass Monsterfilme allgemein immer weniger die Leute anzog.

Doch Toho wollte dem entgegensteuern. Man besann sich wieder mehr auf alte Tugenden, was man bereits schon an King Kong gegen Godzilla bemerken konnte. Und bei Die Brut des Teufels ging man 1975 sogar einen Schritt weiter. Denn auf dem Regiestuhl nahm niemand Geringeres als Ishiro Honda Platz, für den dies das neunte Godzilla-Abenteuer war, bei dem er involviert war.

Es war allerdings schon ein Weilchen her, dass er das letzte Mal Regie führte. Das war 1973, als er einige Folgen der Reihe Zone Fighter drehte. Sein letzter Godzilla-Film lag sogar noch länger zurück, nämlich im Jahr 1969 Attack all Monsters. Weshalb sich natürlich die Frage stellte, ob der Altmeister noch in der Lage sein würde, unterhaltsame Action zu Stande zu bringen.

Sehr motiviert

Immerhin konnte man ihm alles mögliche vorwerfen, nur nicht, dass er nicht motiviert gewesen war. Im Gegenteil: Glaubt man der Aussage von Chief Assistant Director Kensho Yamashita, dann wurde Die Brut des Teufels ganz alleine von Honda selbst gedreht. Eigentlich hätte er Teile des Drehs auch an seinen Assistenten abtreten können, doch tat er das nie, vermutlich weil er froh und glücklich darüber war, nach verhältnismäßig langer Abstinenz wieder Regie führen zu können.

Es war nicht das Einzige, womit er glücklich war. Auch mit dem Skript der Drehbuchautorin Yukiko Takayama war er sehr zufrieden. Das durchlief in der Vorbereitung mehrere Phasen, bei dem allerdings nicht so viel geändert wurde. So gab es im originalen Drehbuch gleich zwei Monster, die anschließend in der finalen Fassung in einer Kreatur zusammengefasst worden waren. Auch hätte die finale Auseinandersetzung in Tokyo stattgefunden, wurde dann aber in der endgültigen Version aufs Land verlegt. Hauptgrund für all die Veränderungen waren Budgetgründe.

Und Ishiro Honda war nicht die einzige Person, die zu Godzilla zurückkehrte. Ebenso machten in Die Brut des Teufels Akihiko Hirata als verbitterter Wissenschaftler Dr. Shinzo Mafune und Kenji Sahara als General Segawa ihre Aufwartung. Beides erfahrene Veteranen des Franchises, die schon oft in den früheren Abenteuern der Riesenechse in unterschiedlichsten Rollen auftraten. Gorō Mutsumi nahm wieder seine Rolle als Mugal, Anführer der Black Hole Aliens, auf. Und ansonsten gab es jede Menge neue Schauspieler. Die Hauptrolle übernahm Katsuhiko Sasaki, der zu Akira Ichinose wurde. Tomoko Ai schlüpfte in die Rolle von Katsura Mafune, der Tochter des von Akhihiko Hiratas dargestellten Wissenschaftlers. Katsumasa Uchida wurde zu dem Interpol-Agenten Jiro Murakoshi. Abgerundet wurde das Ensemble durch Toru Ibuki, der zu dem Black Hole Lieutenant Tsuda wurde, und durch Tadao Nakamaru, den Chef von Interpol Tagawa.

Ein neues Monster

Nach den Ereignissen von King Kong gegen Godzilla sucht Interpol nach den Überresten von Mechagodzilla. Doch dabei werden sie von einem anderen Ungeheuer mit dem Namen Titanosaurus angegriffen. Dieses Wesen vernichtet hierbei das Interpol-U-Boot und hinterlässt keine Überlebenden.

Mit Hilfe des Marinebiologen Akira Ichinose finden sie eine Spur, die zu dem isoliert lebenden Wissenschaftler Dr. Shinzo Manafune führt. Doch laut seiner Tochter Katsura ist er vor einiger Zeit gestorben, und sie hat sämtliche seiner Notizen zerstört. Was Interpol allerdings nicht weiß, ist, dass dies eine Lüge ist und der Doktor in Wahrheit mit den Black Hole Aliens zusammenarbeitet. Gemeinsam wollen sie die Menschheit vernichten.

Eine schrecklich schwache Figur

Es ist gefühlt lange her, seitdem ein Godzilla-Film wirklich rundherum begeistern konnte. Abgesehen von dem letzten Filmabenteuer King Kong vs. Godzilla geschah dies zuletzt im Jahr 1968, in Frankenstein und die Monster aus dem All. Doch Die Brut des Teufels schafft es problemlos qualitätstechnisch an eben jenes Werk anzuschließen.

Dabei ist der Film im Vergleich zum Vorgänger wesentlich weniger brutal. Es fließt kein Blut, noch werden irgendwelche Gliedmaßen oder Organe in Mitleidenschaft gezogen. Was dieses Filmabenteuer allerdings deswegen jetzt nicht schlecht macht.

Im Gegenteil: Dadurch kann sich Ichiro Honda auf die Charaktere besinnen. Denn die sind es, die in Die Brut des Teufels den Film am Laufen halten und ihn auch abwechslungsreich machen. Getragen wird dabei die Story vor allem von der Liebesgeschichte zwischen Akira Ichinose und Katsura Manafune.

Letztere ist leider einer der wenigen Kritikpunkte dieses Films. Denn man hat es hier mit einer schwach dargestellten Frau zu tun, die die meiste Zeit passiv bleibt, stets schutzbedürftig wirkend und ohne einen eigenen Willen. Erst am Ende wird diese Charakterisierung aufgebrochen, was dann aber auch daran liegt, dass die Figur eine massive Veränderung durchmacht.

Geniale Darstellungen

Aber in jedem Fall merkt man sofort, wie verschossen der Meeresbiologe in die Frau ist. Eine Liebe, die in Die Brut des Teufels auf Gegenseitigkeit beruht, soviel wird klargemacht. Die Szenen, in denen die beiden zusammen sind, sind von enormer Zuneigung und gegenseitigem Mitgefühl gekennzeichnet.

Faszinierend ist dabei die Darstellung der Gegenseite. Akihiko Hirata als verbitterter Wissenschaftler Dr. Shinzo Mafune ist eine wahre Offenbarung. Er stellt diesen alten Mann nicht übertrieben dar, sondern mit der nötigen Portion Wut. Wut auf die Wissenschaftswelt, die ihn verlacht und vertrieben hat. Sowie Wut allgemein, was ja auch die Black Hole Aliens ausnutzen.

Hier muss übrigens erwähnt werden, dass die lächerliche Affenmaske vom letzten Teil dieses Mal in Die Brut des Teufels nicht nochmal vorkommt. Stattdessen gibt es nur eine Szene, in der man das wahre Antlitz der anderen Wesen sieht. Und da sieht ihr Gesicht eher entstellt aus, was dem Film enorm gut tut.

Ein kompliziertes Verhältnis

In jedem Fall ist die Allianz zwischen dem Wissenschaftler und den Aliens zunächst eine auf Augenhöhe. Bis der Doktor zu selbstbewusst und eigenständig agiert, und dadurch die gesamte Mission gefährdet. Wonach sich viel in der Art, wie sie zusammenarbeiten, verändert.

Interessant ist in Die Brut des Teufels ebenfalls das Verhältnis zwischen Vater und Tochter. Es ist einerseits von gegenseitiger Zuneigung und Liebe gekennzeichnet. Aber andererseits ist sie für ihn nur ein Instrument, um seinen Willen durchzusetzen, um seinen Rachedurst zu stillen. Und sie ist dies im wahrsten Sinne des Wortes, da im Film gleich zwei Mal gezeigt wird, dass sie nicht wirklich menschlich ist, sondern eher ein Cyborg.

Die Black Hole Aliens spielen dabei in diesem Film eine im Vergleich zu ihrem ersten Auftritt eher geringere Rolle. Sie sind da, sie sind eine Gefahr, werden allerdings nicht weiter dargestellt. Sie sind existent und das ist für diesen Kinofilm mehr als ausreichend.

Eine Szene, bei der man ein Auge zudrücken kann

Ein Highlight von Die Brut des Teufels sind natürlich die anderen Monster. Während Mechagodzilla gewohnt Klasse ist, ist der Titanosaurus eine großartige neue Kreatur. Sein Design, sein Auftreten, ja, seine ganze Charakterisierung präsentiert hier ein Wesen, das auf Augenhöhe mit Godzilla agiert und gleichzeitig voller Überraschungen steckt. Vor allem, als man den Zusammenhang mit Dr. Shinzo Mafune erfährt.

Und Godzilla selbst? Ist einmal mehr in seinem eigenen Film ein Gastdarsteller. Er taucht nur sporadisch auf und dann vor allem im großen Finale, wo er sich eine gigantische Keilerei mit den anderen Monstern liefert. Keine Spur von Monster Island oder irgendwelchen anderen Kreaturen, die ihn unterstützen: Dieses Mal ist er es alleine, was dem Kinofilm verdammt guttut

Was übrigens auch für die Darstellung der Reaktionen auf den finalen Angriff der Monster gilt. Chaos und Panik und überall Zerstörungen von Gebäuden. Es ist zu lange her, dass man so eine Reaktion der Bevölkerung gesehen hat. Da verzeiht man sogar, dass zwei Jungen vollkommen begeistert von dem Auftauchen von Godzilla sind. Es ist eine Konzession an die Tatsache, dass die Riesenechse halt mittlerweile als Held gilt, auch wenn dies ansonsten nicht großartig thematisiert wird.

Der beste und erfolgloseste Film seit Langem

Die Brut des Teufels ist ein Klassiker, der beste Godzilla-Film, der in der Showa-Ära seit Langem herauskam. Und leider auch der letzte, da die Kartenverkäufe damals deutlich unter den Erwartungen von Toho blieben. Es sollte erstmal keine weiteren Filme mit der Kreatur geben. Wobei der Produzent es weiterhin probierte, doch sollte viel Zeit vergehen, ehe die Riesenechse wieder die Kinoleinwand eroberte.

Leider war dies auch der letzte Film von Ishiro Honda, der sich danach vom Filmemachen zurückzog. Es sollte sein Freund Akira Kurosawa sein, der ihn Ende der 1970er überzeugte, noch ein Mal zurückzukommen und als dessen rechte Hand in seinen letzten fünf Filmen mitzumachen. Doch mit Godzilla selbst hatte er nach seinem achten und letzten Werk nichts mehr zu tun.

warpshop

Warpskala

Warpskala
9 10 0 1
9/10
Total Score

Positiv

  • Der beste Godzilla-Film seit langem
  • Ishiro Honda wieder auf dem Regiestuhl
  • Die Charaktere

Negativ

  • Darstellung von Katsura Manafune
  • Jubelszene beim Auftritt von Godzilla
Götz Piesbergen
Letzte Artikel von Götz Piesbergen (Alle anzeigen)

Ähnliche Beiträge

Kommentar verfassen