Review: Die Dämonischen (1956)

Lesezeit circa: 7 Minuten

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Die Dämonischen – Invasion of the Body Snatchers
USA 1956
80 Minuten

Handlung

Dr. Miles Bennell (in der deutschen Synchro „Peter“) kommt von einem medizinischen Kongress in seine Heimatstadt Santa Mira zurück. Einige Patienten berichten, dass sich Familienangehörige verändert hätten, dass es gar nicht mehr ihre Ehepartner:innen oder Eltern seien.

Ist es eine Massenpsychose? Zusammen mit seiner Jugendliebe Becky Driscoll (in der deutschen Synchro „Mary“) versucht er, Licht in das Mysterium zu bringen. Ein befreundetes Ehepaar zeigt ihnen schließlich eine Art halbfertigen Menschen, den sie in ihrer Wohnung gefunden haben. Bennell vermutet, dass irgendwie Doppelgänger geschaffen werden, die dann die Originale ersetzen.

Die McCarthy-Ära verändert die USA

Die Dämonischen1950 hielt der republikanischen Senator Joe McCarthy vor dem Republican Women‘s Club eine Rede, welche die USA verändern sollte. „Ich habe hier in der Hand eine Liste von 205 …  – eine Liste von Namen, die dem Außenminister als Mitglieder der Kommunistischen Partei bekannt sind und die dennoch im Außenministerium tätig sind und die Politik gestalten.“ Heute würde man dies als Fakenews bezeichnen, denn eine solche Liste gab es nicht. McCarthy machte sich aber durch seine Kommunistenhatz einen Namen.

Es war eine Zeit, in der in den USA jeder schnell in Verdacht geraten konnte, ein Kommunist zu sein. Vor allem Intellektuelle und Künstler:innen mussten sich in der Zeit von 1950 bis 1954 vor dem „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ für ihre Gedanken verantworten. Oft wurden diese Verhöre sogar im Fernsehen übertragen. Man spricht von der sogenannten „McCarthy-Ära“.

1954 veröffentlichte der Krimi- und SF-Autor Jack Finney seine Geschichte The Body Snatchers zunächst in drei Teilen in einem Magazin. 1955 erschien sie dann in Buchform.

Als 1956 der Film entstand, war die McCarthy Ära-schon vorbei, aber dem Film wurde oft vorgeworfen, diese Hetzjagd zu rechtfertigen, indem er versucht, eine Welt zu zeigen, in der die „gefühllosen und seelenlosen Feinde der Freiheit“ gerade dabei sind, eine Kleinstadt zu übernehmen, wobei anstelle der Kommunisten nun außerirdische Pflanzen treten.

Dieser Plot ähnelt übrigens sehr stark dem Plot des Kinderfilms Invasion vom Mars von 1953. Dort werden zwar keine Körper ausgetauscht, sondern die Körper der Menschen von Marsianern übernommen, aber auch diese fallen durch kaltes unmenschliches Verhalten auf. Auch diesem Film wurde vorgeworfen, die Hetze durch McCarthy zu rechtfertigen.

Regisseur Don Siegel selbst meinte später: „Der politische Bezug zu Senator McCarthy und Totalitarismus drängte sich natürlich auf, aber ich habe versucht, ihn nicht zu sehr zu betonen, weil ich der Meinung bin, Filme sollen in erster Linie unterhalten, und predigen wollte ich nicht.“ Allerdings wird Siegel nachgesagt, politisch rechts gestanden zu haben und frauenfeindlich gewesen zu sein. Viele seiner Filme sind sehr umstritten. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen heute Nur noch 72 Stunden, Ein Fressen für die Geier, Dirty Harry und Flucht von Alcatraz. Er selbst sagte von sich, dass Clint Eastwood (mit dem er sehr viele Filme drehte) der Konservative und er der Liberale sei.

Trotz dieser Kritik gehört Die Dämonischen heute zu den wichtigsten SF-Filmen der Filmgeschichte. Er schwimmt in einer Welle diverser Invasionsfilme der 50er Jahre mit. In gewisser Weise sagt man allen Invasionsfilmen dieser Zeit nach, sinnbildlich für die Bedrohung durch die Sowjetunion zu stehen.

Die Idylle der Kleinstadt

Die DämonischenWie in vielen Filmen dieser Zeit beginnt alles in einer friedlichen Kleinstadt, in der jede:r jede:n kennt. Miles Bennell war einige Zeit auf einem Kongress und hofft jetzt, wieder ohne nennenswerte Störungen sein langweiliges Leben fortsetzen zu können. Auch seine Jugendliebe kommt nach mehreren Jahren zurück in den Ort ihrer Kindheit. Diese Art Kleinstadt begegnet uns in zahlreichen SF-Filmen der 50er Jahre. Das Leben in einer Kleinstadt war in den USA schon immer das Sinnblild für eine behütete konservative Idylle. Eine Störung dieser Idylle war gleichbedeutend mit einem Angriff auf das anständige Amerika.

In Die Truman Show und Pleasantville, beide von 1998, wird diese bürgerlich-konservative Kleinstadt persifliert. Im ersteren ist eine solche Kleinstadt die Kulisse für eine Dauersendung, in der Schauspieler:innen einem einzigen ahnungslosen Menschen, gespielt von Jim Carrey, diese heile Welt vorspielen. Eine Gruppe von Gegner:innen dieser Show helfen ihm, dieser falschen Kleinstadt zu entkommen, die Show wird abgesetzt, die Kleinbürgerlichen sind besiegt worden. In Pleasentville gerät der Fan einer 50er-Jahre-Serie (Tobey Maguire), zusammen mit seiner Schwester (Reese Witherspoon) in diese Serie wortwörtlich hinein. So sehr er auch Fan dieser heilen Welt war, erkennt er, dass hier jede Individualität fehlt. Er beginnt „Farbe“ in die Serie zu bringen und allmählich verändert sich die Welt, in der die Bürger:innen aus ihren Charakterrollen ausbrechen können.

In beiden Filmen wird die Zerstörung der Idylle positiv bewertet, es ist das Ziel der handelnden Personen, eine andere, freiere Welt zu erschaffen oder zu erreichen. Ganz anders bei den Dämonischen. Hier ist die Veränderung der Einwohner eine Bedrohung und führt nicht zur mehr Freiheit und Individualität, sondern zum Gegenteil: zur Gleichschaltung.

Im Remake von 1978 ist Phillip Kaufman ganz bewusst in die Großstadt San Francisco gegangen. Er wollte, kurz nach der Watergate-Affäre, nicht die Bedrohung einer kleinbürgerlichen Gesellschaft, sondern mehr eine Verschwörungsgefahr durch die Mächtigen darstellen.

Siegel hielt Die Dämonischen für seinen besten Film, und das, obwohl das Studio ihn beinahe „zerstört“ hätte: Eigentlich sollte das Ende des Films eher düster aussehen. Wenn Bennell auf die Straße läuft und lautstark vor der Gefahr warnt, sollte er eigentlich von den Fremden erschossen werden. Das Studio bestand aber auf ein optimistisches Ende, also wurde eine Rahmenhandlung aufgepfropft, sodass nun am Schluss die Außerirdischen erkannt werden und man sie wohl bekämpfen wird. Im Roman verlassen die Außerirdischen schließlich selbst die Erde, aber vom Ende abgesehen ist der Film recht nahe am Buch.

Am Ende des Films gibt es einen Plothole, der alles bisher gesagte über die Außerirdischen ignoriert. Im Film geschieht die Übernahme der Menschen durch die Außerirdischen dadurch, dass eine Pflanzenschote die Gestalt eines schlafenden Menschen annimmt und dann dessen Rolle einnimmt. Am Ende schläft Becky für einen kurzen Moment ein und wacht als Alien wieder auf. Es gibt keine Pflanzenschote, die zu Becky heranwächst.

Hauptdarsteller Kevin McCarthy ist vor allem als Gaststar in diversen Fernsehserien bekannt. Eine Hauptrolle hatte er in der kurzlebigen Seifenoper Flamingo Road. Er ist nicht verwandt mit dem hier schon erwähnten US-Senator Joe McCarthy, obwohl er einen Cousin hatte, der zur gleichen Zeit demokratischer Politiker war.

Inzwischen gibt es drei weitere Verfilmungen des Buches. 1978 entstand der schon erwähnte Film Die Körperfresser kommen mit Donald Sutherland und Leonard Nimoy. Kevin McCarthy hat in diesem Film einen Cameo-Auftritt und stirbt endlich den Tod, den er im alten Film hätte sterben müssen, wenn es nach dem Regisseur Don Siegel gegangen wäre. Body Snatchers – Angriff der Körperfresser, eine eher unbedeutende Produktion, wurde 1993 in Szene gesetzt. Die Hauptfigur ist ein Mädchen und das Ganze spielt in einer Militärbasis. 2007 kam der Film Invasion heraus. Dort ist Dr. Bennell eine Frau und wird von Nicole Kidman gespielt. An ihrer Seite steht Daniel Craig.

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Dirk Wilkens-Hagenkötter
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