Review: DSN 095 – Die Abtrünnigen

Lesezeit circa: 6 Minuten

Die Abtrünnigen sorgen für eine ungewohnte Koalition.

Eine ungewöhnliche Allianz

Die Defiant kommt nach einem Einsatz zurück zur Raumstation Deep Space Nine. Doch die Station wurde in ihrer Abwesenheit von Jem’Hadar überfallen und schwer beschädigt. Es gibt Tote und Verletzte, weshalb sich Captain Benjamin Sisko (Avery Brooks) gemeinsam mit Odo (René Auberjonois), Jadzia Dax (Terry Farrell), Worf (Michael Dorn) und Miles O’Brien (Colm Meaney), sowie anderen Offizieren an eine Verfolgung der Angreifer macht.

Doch unterwegs begegnen sie einem Jem’Hadar-Schiff. Dessen Besatzung, unter dem „Kommando“ des Vortas Weyoun (Jeffrey Combs), ist ebenfalls auf der Suche nach den Angreifern, die anscheinend abtrünnig geworden sind. Gleichzeitig erzählt der Vorta Benjamin Sisko auch das wahre Ziel der anderen Jem’Hadar. Diese sind auf ein Portal der Iconianer gestoßen, welches sie für ihre Zwecke nutzen wollen.

Auf Grund dieser Information willigt Benjamin Sisko schließlich ein, eine Allianz mit dem Vorta und dessen Jem’Hadar einzugehen. Wobei klar ist, dass Animositäten auf beiden Seiten herrschen, weshalb dieses Bündnis äußerst fragil ist. Gleichzeitig lernen beide Seiten überraschende Infos übereinander und es entwickelt sich stellenweise so etwas wie Respekt. Doch ob sie deshalb zusammenarbeiten können, muss sich erst noch zeigen.

Wiedersehen macht Freude?

In Die Abtrünnigen gibt es etliche Wiedersehen. Erneut taucht nach Der Plan des Dominion ein Vorta auf und wieder begegnet man den Jem’Hadar, von denen man welche zuletzt in Der Hippokratische Eid gesehen hat. Nur, dass es dieses Mal andere Umstände sind, unter denen man diese Wesen sieht. Dieses Mal sind sie weniger Feind als vielmehr eine Art Freund.

Und das ist eine geniale Idee der Macher dieser Folge. Denn auf diese Weise werden die Gegenspieler humanisiert, ohne dass sie ihren bisherigen Schrecken verlieren. Sie wirken immer noch sehr fremdartig und faszinierend, was durch die erhaltenen Infos nur noch verstärkt wird.

Dabei ist Die Abtrünnigen eine Folge, die sowohl Humor als auch Spannung hat. Wiederholt werden kleine Momente eingestreut, in denen die Stimmung aufgeheitert wird. Sei es, al Worf wortlos Julian Bashir (Alexander Siddig) dazu bringt, dass dieser seinen Stammplatz freiräumt, oder als einer der Jem’Hadar darauf reagiert, als er erfährt, dass Jadzia Dax bei ihrem Alter bei 300 Jahren aufgehört hat zu zählen. Diese Szenen wirken nicht fehl am Platz, sondern sind perfekt in die Episode eingebaut, ohne dass sie dominieren.

Viele krasse Gegensätze

Für Spannung sorgt schon allein der Umstand, dass die Föderation und die Jem’Hadar zusammenarbeiten müssen, um Die Abtrünnigen einzufangen. Im Laufe der Folge wird klar gemacht, dass diese Allianz sehr fragil ist, vor allem deshalb, weil die Mentalitäten der jeweiligen Seiten so verschieden sind. Bei den Truppen des Dominions dreht sich alles um den Kampf und den Tod. Dafür sind sie gezüchtet, dafür leben sie, dafür existieren sie! Bei der Föderation gibt es auch noch andere Existenzgründe. So sieht man beispielsweise bei Miles O’Brien, dass er schon fast routinemäßig einen Abschiedsbrief an seine Familie verfasst hat, für den Fall, dass er stirbt. Und das, obwohl er sich vorher darüber beschwert hat, dass seine Tochter Molly aktuell sehr anstrengend ist. Dies ist ein Zeichen dafür, wie viel ihm seine Familie bedeutet und wieso sie der Grund ist, weshalb er in den Kampf zieht. Was die Jem’Hadar natürlich nicht nachvollziehen können, da sie keine solche zwischenmenschlichen Bindungen haben und auch keine Frauen. Ein genialer Gegensatz, der in dieser Folge gut eingebaut wird.

Der krasse Kontrast zu den ernsten und sehr fokussierten Jem’Hadar ist der Vorta Weyoun. Wie bereits gesagt, ist dies nicht das erste Mal, dass man einem solchen in der Serie begegnet. Aber es ist das erste Mal, dass man mehr darüber erfährt, was ihre Funktion im Dominion ist. Sie sind quasi die Priesteranführer, die die Macht der Götter, der Gestaltenwandler, innerhalb der Jem’Hadar symbolisieren und als solche auch für die Verteilung des Ketracel Whites verantwortlich ist, sowie in vielen Sachen das letzte Wort haben.

Dabei ist Weyoun in Die Abtrünnigen jemand, dem man nicht vertrauen darf. Er ist ein lächelnder, freundlicher Charakter, der es aber faustdick hinter den Ohren hat und den man zu keinem Zeitpunkt unterschätzen darf. Hier muss man die darstellerische Arbeit von Jeffrey Combs wirklich loben, weil er es schafft, diese Doppelzüngigkeit seiner Figur glaubwürdig rüberzubringen.

Die Vergangenheit lässt grüßen

Sehr nett ist übrigens, dass mit dem Portal der Iconianer ein Rückgriff auf die TNG-Folge Die Iconian-Sonden geschieht. Das in Kombination mit der Erinnerung von Worf an die damaligen Ereignisse führt dazu, dass hier wirklich ein Gefühl der Kontinuität auftaucht. Vor allem, weil dieses Tor nur erwähnt wird, aber ansonsten nicht Haupthandlungsgegenstand der Episode ist.

Die Abtrünnigen ist eine super Folge, die von Anfang bis Ende Spaß macht, wobei insbesondere das Finale sehr überraschend daherkommt. Aber es ist Grund dafür, wieso diese Episode so gut ist.

Im Englischen hat sie übrigens den Titel To the Death. Dabei handelt es sich um einen Teil des Schwurs der Jem’Hadar, mit dem sie ihre Treue und ihre Lebensaufgabe beschwören. Es ist eine gute Namensgebung, wobei der deutsche Episodenname ebenfalls nicht zu verachten ist.


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Götz Piesbergen
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