Review: Marvel – Eternals

Lesezeit circa: 9 Minuten

Die Eternals beschützen die Erde bereits seit einer Million Jahren. Doch nach einem Gedächtnisverlust müssen sie sich selbst neu entdecken.

EternalsHandlung

Mark Curry arbeitet als angehender Mediziner in einem Krankenhaus. Schon lange wird er von seltsamen Träumen über ein anderes Leben geplagt, die noch zunehmen, nachdem ihm ein mysteriöser Fremder offenbart hat, dass er ein unsterbliches Wesen sei. Zunächst glaubt Mark dem komischen Blondschopf kein Wort und fühlt sich von ihm gestalkt. Nachdem der Fremde jedoch nach einem Bombenattentat als Patient in seinem Krankenhaus landet, bemerkt Curry seltsame Veränderungen an sich selbst.

Dennoch überantwortet er seinen Patienten zwei Männern, die sich als seine Vorgesetzten ausgeben. Es handelt sich jedoch um dieselben Herren, die den blonden Mann ins Krankenhaus befördert haben. Nun wollen sie ihn töten, denn in Wirklichkeit handelt es sich bei den beiden um Deviants und bei dem Fremden um einen Eternal namens Ikaris.

Die Deviants und Eternals wurden einst von den Celestials erschaffen, um die Erde zu bevölkern. Während die Zahl der menschenähnlichen Eternals auf nur 100 begrenzt wurde, vermehrten sich die grauenhaft entstellten Deviants rasend schnell. Die Celestials nutzten sie als Nahrung, doch einer von ihnen entwickelte Sympathien für die Monster. Der goldene Celestial wurde dafür von seinen Artgenossen hart bestraft und am Standort des späteren San Francisco lebendig begraben, wo er seit Äonen schläft. Die Deviants verehren ihn seither als Gott und wollen ihn wiedererwecken.

Dies könnte das Ende der Menschheit bedeuten, welche ebenfalls von den Celestials erschaffen wurde. Die Aufgabe der Eternals ist es nun, die Apokalypse zu verhindern. Dazu müssen sie sich aber alle erst mal wieder daran erinnern, wer sie sind. Auf einer Party in der Botschaft der ehemaligen Sowjetrepublik Krownistan erwachen jeweils vier von ihnen zum gleichen Zeitpunkt.

Mark, der eigentlich Makari heißt, entdeckt, dass er sich plötzlich mit unfassbarer Geschwindigkeit bewegen kann. Diese Fähigkeit erweist sich während eines Anschlags auf die Party als nützlich, da er alle abgefeuerten Kugeln auffangen und die Söldner entwaffnen kann. Weniger hilfreich ist dagegen, dass er von Ikaris telepathischen Botschaften abgelenkt wird, welcher gerade von den Deviants zu Tode gefoltert wird.

Sersi, die die Party organisiert hat, entdeckt derweil, dass sie Materie transformieren kann. Sie verwandelt Waffen in Blumen und später Wasser in Wein. Ihre Identität als Eternal lehnt sie jedoch strikt ab. Der krownistische Senator Druig nutzt seine Kraft der geistigen Manipulation dagegen nur allzu gern, um in seiner Heimat die Macht zu übernehmen. Den Anschlag auf die Party hatte er heimlich geplant, um amerikanische Wissenschaftler zu entführen. Dabei wurde er jedoch von einem Kollegen hintergangen, weshalb er sich nun an allen Verrätern rächt.

Unter den entführten Wissenschaftlerinnen befindet sich wiederum Thena, die für Tony Stark arbeitet. Aus der Gefangenschaft kann sie sich dank ihrer Kräfte zwar selbst befreien, dennoch ruft sie Iron Man als Verstärkung, um die restlichen Entführungsopfer zu retten. Ikaris stirbt unterdessen und wird in der geheimen Stadt Olympia auf Antarktika neu erschaffen, womit er als Erster seine komplette Erinnerung zurückerhält.

Um seine Erlebnisse zu verarbeiten, reist Mark Curry nach San Francisco, wo er sich mit dem Kinderstar Sprite trifft. Dieser ist ebenfalls ein Eternal, der seit einer Million Jahre als 11-Jähriger auf Erden wandelt. Er lockt Mark in den Golden Gate Park, wo er ihn den begrabenen Celestial wecken lässt. Warum, wieso, weshalb, wird nicht ganz klar. Sprite hat es jedenfalls satt, unsterblich zu sein und wie sich herausstellt, steckte er auch hinter dem Gedächtnisverlust aller anderen Eternals.

Zu denen gehören unter anderem Ajak, der seine Erinnerungen bereits zurückerhalten hat, und Zuras, der sein Dasein als obdachloser Alkoholiker fristet. Nachdem Ajak Zuras zurückgebracht hat, haben die Eternals endlich wieder einen Anführer. Zusammen versuchen sie, den goldenen Celestial aufzuhalten und konfrontieren dabei Iron Man und Hank Pym mit ihrer Existenz. Doch weder den Eternals noch den Superhelden gelingt es, den Celestial vom Erwachen abzuhalten. Dieser kündigt an, in Kürze über das Schicksal des Planeten zu richten.

In der Zwischenzeit versucht Tony Stark vergeblich, Sersi für die Avengers zurückzugewinnen, während die Deviants auf Olympia vorrücken. Obwohl Druig und Ikaris die Deviants angreifen, kann Makari deren Feldherrn überzeugen, nach einem gewonnenen Duell die feindlichen Truppen abzuziehen. Eigentlich sollte dieser Konflikt einen negativen Einfluss auf die Entscheidung des Celestial haben, doch der lässt sich mit seinem Urteil Zeit und der Comicband endet mit den Worten „Der Anfang …“.

Rezension von Eternals

Bei dem vorliegenden Band handelt es sich um eine Neuauflage der Eternals, die einst von Jack Kirby († 1994) erdacht worden sind. Die ursprüngliche Reihe brachte es nur auf 19 Ausgaben und Marvel versuchte zweimal erfolglos einen Neustart. Neil Gaiman ist dieser mit dem vorliegenden Band schließlich doch gelungen. Der Einstieg ist dabei hervorragend gewählt. Die Eternals können sich nicht an ihre wahre Identität erinnern und müssen sich erst selbst entdecken. Dadurch  brauchen die Leser keinerlei Vorwissen und begeben sich gemeinsam mit den Charakteren auf deren Selbstfindungsreise.

Die gesamte Vorgeschichte wird detailliert geschildert und die verschiedenen Eternals reagieren ganz individuell auf die für sie neuen Erkenntnisse. Um die Eternals in das größere Marveluniversum einzubinden, haben Iron Man, Yellow Jacket und Wasp Gastauftritte. Die erste Hälfte des Bandes ist dabei spannend geschrieben und gipfelt zu Beginn der zweiten Hälfte in die Erweckung des goldenen Celestials.

Leider nimmt der Handlungsverlauf ab da eine nicht nachvollziehbare Wende. Der Celestial erklärt, dass er sein Urteil über die Erdbevölkerung bis Einbruch der Dunkelheit fällen wird. Eigentlich mehr als genug Zeit für ein gottgleiches Wesen, zumal er bereits den gesamten irdischen Nachrichtenverkehr sowie das Internet aufgesogen hat. Dabei sollte er genügend Wissen erworben haben, um die Menschheit zu verdammen. Erst recht die Deviants, die nicht nur alptraumhaft aussehen, sondern sich ebenso verhalten.

Kurioserweise passiert dann nichts dergleichen, das Urteil des Celestials bleibt aus. Stattdessen beginnen die Deviants ihren Krieg gegen die Eternals von Neuem. Und das in dem Wissen, dass die Eternals unsterblich sind und dank ihrer Superkräfte auch haushoch überlegen. Im Ergebnis sterben zahlreiche Deviants einen sinnlosen Tod, doch die Lage beruhigt sich trotz der Eskalation wieder schnell.

Das alles macht so wenig Sinn wie die Enthüllung, dass Ajak die zwei Deviants beauftragt hat, Ikaris zu Tode zu foltern, damit dieser von Grund auf neu hergestellt wird. Getoppt wird dies jedoch durch das irrationale Verhalten von Sprite, der eigentlich nur ein normales Leben als Sterblicher will. So weit das zu verstehen ist, hat er dieses inzwischen längst, weshalb es umso krasser ist, dass Zuras ihn schlussendlich tötet.

Die Verfilmung wird von dieser Story glücklicherweise erheblich abweichen und nur die grundlegende Mythologie übernehmen. Doch auch bei dieser gibt es Veränderungen. So gehört in den Comics Thanos zu den Eternals, im MCU jedoch nicht. Die Deviants werden in der Kino-Interpretation derweil wohl nicht ganz so gewalttätig wie im Comic, der streckenweise überhaupt nicht für Kinder geeignet ist.

Der Zeichenstil ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Während die menschlichen Charaktere und Eternals zwar etwas grob ausgeführt, aber dennoch wiedererkennbar sind, wirken die Deviants einfach nur alptraumhaft hässlich. Der größte Pluspunkt sind die Hintergründe. Die Stadtansichten von News York und San Francisco sind sehr detailliert und perspektivisch gelungen.

Farblich ist der Großteil des Comics sehr bunt gehalten und es mangelt an Licht- sowie Glanzeffekten. Dadurch fehlt den Bildern ein gewisser Realismus. Dieser tritt kurioserweise umso mehr hervor, je dunkler die Stimmung ist. Glanzeffekte gibt es derweil erst ab der zweiten Hälfte auf dem goldenen Celestial und teils auch beim Iron Man-Anzug. Insgesamt ist die Optik okay, wenn auch nicht herausragend.

Die Cover weichen im Stil extrem vom Inhalt der Comichefte ab. Sie wirken wie Aquarelle, was teilweise eine gewisse Faszination aufkommen lässt, andererseits aber alles eher unscharf wirken lässt. Für die Handlung selbst wäre der Stil ungeeignet gewesen, aber das Cover darf ruhig aus dem Rahmen fallen, da sich die Hefte darüber verkaufen.

Als Bonus gibt es im hinteren Teil des Bandes, neben alternativen Coverentwürfen, einen Artikel über die Hintergrundgeschichte der Eternals. Das ermöglicht sowohl Einblicke in die Comichistorie als auch in die Absichten von Jack Kirby. Dieser hatte zuvor einige Comichefte zu 2001: Odyssee im Weltraum fertiggestellt und wollte für das Marvel-Universum eine eigene Schöpfungsgeschichte der Menschheit. Die Götter werden dabei als Außerirdische präsentiert, wobei es kein Zufall ist, dass die Namen der Eternals denen griechischer Gottheiten ähneln. (Zuras=Zeus, Thena=Athena, Makari=Merkur, Sersi=Circe, Ikari=Ikarus usw.)

Ebenso wie von 2001 beruhen die Eternals damit auf der Präastronautik und als Vorlage werden dabei sogar explizit die Theorien von Erich von Däniken genannt. Wie man im Vorwort darauf kommt, dass die Präastronautik „esoterisch“ sei, ist allerdings erklärungsbedürftig. Esoterisch wäre es, wenn Außerirdische in Wahrheit Götter wären und nicht umgekehrt.

Ein weiterer Artikel ist Neil Gaiman und dessen Neuinterpretation der Eternals gewidmet. Auch hier gibt es Wissenswertes zu erfahren und man bekommt endlich mal ein Bild des Autors. Damit treten die Menschen hinter den Comics ein Stück weit aus der Anonymität.

Fazit

Der Einstieg in die Neuauflage ist durchaus gelungen und ermöglicht den Lesern, ohne Vorwissen in die Materie einzutauchen. Leider verliert sich die zweite Hälfte des Bandes in wirren Nebenhandlungen und lässt die Leserschaft mit einem offenen Ende zurück. Die Erwartungen an den Kinofilm dürften dabei höher sein als auf die Comicfortsetzung. Erschienen ist Eternals u.a. als hochwertige Hardcover-Ausgabe mit der Nr. 51 in der Marvel-Comic-Sammlung

Bewertung: 8/15

Text: Neil Gaiman
Zeichnungen: John Romita jr.
Farben: Matt Hollingsworth & Paul Mounts
Verlag: Marvel / Panini
Sonstige Informationen:

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