Review: Perry Rhodan NEO 252 – Kampf um SENECA

Lesezeit circa: 6 Minuten

SENECA droht der Absturz – mit verheerenden Folgen

Perry Rhodan Neo 252 Kampf um SENECATitel: Kampf um SENECA
Autorin: Susan Schwartz
Titelbild: Dirk Schulz/Horst Gotta
Erschienen: 14. Mai 2021

Zur Handlung

An Bord der CREST II wird von SENECA fehlerhaft der Gefechtsalarm ausgelöst. Die Situation kann zunächst folgenlos geklärt werden, doch Donna Stetson bleibt aufgrund der immer regelmäßiger auftretenden KI-Aussetzer missßtrauisch. Sud’s Intarsium reagiert auf die Kontaminierung durch den F’Atkor, die Zwillinge Bumipol und Sianuk na Ayutthaya erleiden bei Testversuchen einen kurzzeitigen Herzstillstand. Rufus Darnell und Donna Stetson finden heraus, dass SENECA mit injizierten Nanomaschinen sabotiert wurde. Nach erneutem Fehlalarm antwortet die Positronik nicht mehr und bringt die Besatzung der CREST II in Lebensgefahr. SENECA deaktiviert den Schiffsantigrav und das Schiff droht, auf die akonische Millionenstadt Konar zu stürzen und den Planeten Drorah zu verwüsten, wo sich gerade eine terranische Delegation unter Leitung von Gabrielle Montoya zu Besuch aufhält. Donna, Bumipol und Sianuk gelingt es letztendlich mit vereinten Kräften, die Bordpositronik von ihren psychischen Fesseln zu befreien und die drohende Katastrophe abzuwenden. Das akonische Ratsmitglied Thatos von Abessos wird als Verräter überführt, bei der Bordinspektion der CREST II gelang es seinen Handlangern, die Positronik zu infizieren. Bei der Instandsetzung des akonischen Schutzschirms gelingt dem Terraner Merle van Leeuwen und der Akonin Pinar von Rohan in Zusammenarbeit der erwünschte Durchbruch, auf einem Umlenksatelliten können sie das System wieder instand setzen.

Gedanken zu Kampf um SENECA

Die Rückblende ins Blaue System unterbricht die ungemein spannende Handlung hinter der Dunkelwolke. Nach dem Actionfeuerwerk im Vorgängerroman werden etwas leisere Töne angeschlagen. Im Mittelpunkt der Ereignisse stehen bei Susan Schwartz die Bordpositronik SENECA und ihr Psychologenteam aus den Zwillingen Bumipol und Sianuk na Ayutthaya. Liest eigentlich noch jemand ständig “Blumenkohl”, wenn von diesen beiden Spezialisten die Rede ist?! Das ging mir schon bei Honda … äääääh Hondro so. Wie dem auch sei, jedenfalls gelingt es dem Trio in einem spannenden Endspurt, den Absturz der CREST II zu verhindern und damit der aufkeimenden Freundschaft zwischen Akonen und Terranern kein frühzeitiges Ende zu bescheren. Das anfangs zarte Band zwischen den “Therapeuten” und ihrem Patienten sollte nach den Vorkommnissen zu einem stählernen Seil angewachsen sein, SENECA dürfte wohl künftig unter Kontrolle sein.

Die verunsicherte Bordpositronik bildlich als kleinen, eingeschüchterten Jungen darzustellen, war für mich eine anschauliche und emotionale Achterbahnfahrt. Zum einen wollte ich SENECA wegen seiner nervigen Zickereien gründlich die Leviten lesen, zum anderen tat er mir einfach leid, da er durch Fremdeinfluss in die Bredouille gebracht wurde. Bereits im vorhergehenden Band konnte man erahnen, dass die akonische Delegation nicht nur ihren arroganten Gesamteindruck an Bord hinterlassen hatte, sondern noch ein kleines Mitbringsel in Form von codierten Nanomaschinen. Die Auflösung im aktuellen Roman war deswegen keine große Überraschung, das Ende war etwas vorhersehbar.

Was mich am Roman aber absolut begeistert hat, war die Botschaft der Autorin. Susan Schwartz hält unserer Gesellschaft den Spiegel vor, mit vertauschten Rollen. Wie viel können wir im Verhalten der Akonen in uns selbst wiedererkennen, wie hätten wir persönlich gehandelt? Wie reagiert eine fremde Spezies, wenn ihr plötzlich eine riesige Menge an Fremdwesen vor die Haustüre gesetzt werden?  Können wir den Protagonisten nachfühlen oder sind wir vielmehr entsetzt über ihr Verhalten? Aus verschiedenen Sichtweisen schildert sie Probleme, die beim Aufeinandertreffen von zwei Spezies entstehen können. Wie bei NEO üblich, wird hier über den Tellerrand hinausgeblickt und eine hochaktuelle und ebenso brisante Thematik geschildert. Wie die Autorin dies geschickt in eine Geschichte verpackt hat, mit stilechtem Happy End, nötigt mir Respekt ab. Chapeau!

Ein paar Fragen bleiben dennoch weiterhin offen. Warum eigentlich ist NATHAN bisher komplett außen vor? Über die Superintelligenz wurden kaum mehr als zwei Sätze verloren, seit der Fall Laurin so fürchterlich in die Hose gegangen ist. Kein Dialog mit SENECA, kein Einmischen in die aktuelle Situation. Auch nicht mit irgendwelchen unerklärbaren Vorgängen, die von ihm ausgelöst werden und vermuten lassen können, dass NATHAN den Transfer einigermaßen unbeschadet überstanden hat. Von ihm gibt es null Feedback nach einem Ereignis mit einer solchen Tragweite, das ist mir unverständlich.

Mir fehlt auch die erzählerische Einbindung der Erde. Nach dem Transfer ins akonische System ist nur die Terranische Union in die Handlung integriert worden, vom Chinesischen Block ist überhaupt nicht die Rede. Ich hätte mir einige Reaktionen und Schilderungen vom größten Gegenspieler der TU gewünscht. Stattdessen findet man eine kurze – wenn auch unterhaltsame – Episode aus der chilenischen Provinz vor. Das wurde auf Drorah mit einem toll geschriebenen Beziehungsdrama und den Schilderungen des anfänglichen Bevölkerungswiderstands dagegen sehr ausführlich umgesetzt.

Aprospos, was ich unter anderem so toll an der chilenischen Episode fand? Einen kurzen, ungemein lustigen Dialog. Et voilà: “Und ich bleibe hier, wo ich immer war. Bis das Bier ausgeht!” “Und dann?” “Dann steige ich auf Schnaps um!” In diesem Sinne – Salud!

Fazit

In ein zeitgemäß modernes Gewand gewickelt beschreibt die Autorin die Ängste und Sorgen aus der Sicht von zwei, sich sehr ähnlichen, Spezies. Und die Vorteile, die sich daraus entwickeln können, wenn alle bereit sind, ihre persönliche Komfortzone zu verlassen und neue, unbekannte Wege gemeinsam zu beschreiten. Die Nichteinbindung des Chinesischen Blocks und die fehlende Interaktion mit NATHAN sind ein kleiner Minuspunkt in einem ansonsten sehr unterhaltsamen Roman.


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