Star Trek Discovery
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Review: Star Trek DSC 043 – Kobayashi Maru

Lesezeit circa: 5 Minuten

Captain Michael Burnham lernt in Kobayashi Maru die Grenzen ihres Könnens kennen.

Wiedersehen mit Hindernissen

Mehrere Monate, nachdem die Ursache des Brands herausgefunden und die Gefahr, die von der Quelle dieses Phänomens ausging, beseitigt wurde, normalisiert sich alles soweit wieder. Die Föderation wächst und streckt die Hand aus, um allen möglichen Welten zu helfen, ohne Bedingungen. Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) und die Discovery spielen dabei eine große Rolle.

Doch dann erreicht das Föderationshauptquartier ein Notruf. Eine Reparaturstation ist durch ein unerklärliches Phänomen ins Trudeln geraten. Die Discovery macht sich auf den Weg, um zu helfen. Wobei es am Ende ein Wettlauf gegen die Zeit wird, bei der nicht nur das Leben der Stationsbewohner gerettet werden muss, sondern auch das von den Discovery-Crewmitgliedern, die vor Ort unterstützen.

Mit Kobayashi Maru gibt es endlich ein Wiedersehen mit der Star Trek – Discovery-Serie. Wobei es eine Zeitlang danach aussah, als ob Fans außerhalb von Amerika in die Röhre gucken, weil überraschenderweise Paramount die Reihe von Netflix abzog. Nach erheblichem Protest wurde schließlich bekanntgegeben, dass sie auf dem eher unbekannten werbefinanzierten Streamingdienst Pluto.tv laufen würde.

Ein guter Start

Die Folge findet einige Monate nach dem Finale der dritten Season, Ein Zeichen der Hoffnung Teil II, statt. Michael Burnham ist jetzt Captain der Discovery, Saru (Doug Jones) ist auf seiner Heimatwelt Kaminar und die Gefahr durch den Brand ist gebannt. Dementsprechend widmet sich der Beginn der Folge der Darstellung davon, wie die Föderation sich wieder erholt, wieder wächst und auch den Welten hilft, die mit ihr erstmal nichts zu tun haben wollen.

Es ist ein guter Start, eben weil man hier in Kobayashi Maru sieht, dass nur, weil der Brand jetzt nicht mehr existiert, nicht sofort alles auf den früheren Status Quo zurückgeht. Es ist ein guter Anfang, mit vielen kleinen positiven Momenten. Wie etwa, wenn man sieht, wie Admiral Charles Vance (Oded Fehr) seiner Familie das Föderationshauptquartier zeigt. Oder wenn man mitkriegt, dass die Sternenflottenakademie nach 125 Jahren wieder eröffnet wird.

Doch natürlich können Dinge nicht auf Dauer glatt laufen. Weshalb die Einführung der Anomalie als „Gegenspieler“ viel Potential verspricht. Bislang wirkt diese nur wie eine verrückt spielende Weltraumanomalie, die im Laufe dieser Folge eben nicht nur die Raumstation zerstört, sondern ebenso die Heimatwelt von Booker (David Ajala), Kweijan. Dabei fragt man sich natürlich, was dies für eine Macht ist, die einen Planeten über mehrere Lichtjahre hinweg transportieren kann.

Der Fokus liegt auf den Charakteren

In jedem Fall ist die Einführung dieser neuen Bedrohung in Kobayashi Maru gelungen. Und sie wird auf mehrfache Art und Weise persönlich gemacht. Booker verliert nicht nur seine Heimatwelt, sondern ebenso seine Familie. Und Michael Burnham muss einsehen, dass sie nicht jeden retten kann. Etwas, was ihr sichtlich nicht passt.

Doch der Fokus der Serie liegt auch auf anderen Figuren. Man sieht, wie Saru es mit wenigen Worten schafft, seine Heimatwelt davon zu überzeugen, sich wieder der Föderation anzuschließen. Und man sieht, wie der frischgebackene Lieutenant Tilly (Mary Wiseman) sich zwar wegen ihres neuen Rangs unsicher ist, dann aber doch später beweist, dass sie diese Beförderung mehr als verdient hat und dass sie auf Grund ihrer Erfahrungen als Nummer 1 in der dritten Staffel gelernt hat, wie man kommandiert. Etwas, was Adira Tal (Blu del Barrio), die dank Michael Burnham inzwischen Kadett ist, noch lernen muss. Wobei dey sich aber eher auf Wissenschaft und Wissen spezialisiert, worauf dey „Vater“ Paul Stamets (Anthony Rapp) sichtlich stolz ist.

Diese Szenen und auch die Momente, wo Charaktere drankommen, die bislang eher wenig Fortentwicklung hatten, sind Beweise dafür, dass die Macher von Discovery versuchen, einem früheren Kritikpunkt an der Reihe entgegenzuwirken. Denn mit Kobayashi Maru soll gezeigt werden, dass man sich bemüht, auch Figuren Entwicklungsspielraum zu geben, die bislang eher am Rande vorkamen. Dass der Fokus eben nicht nur auf Charakteren wie Michael Burnham oder Saru liegt, sondern man auch sieht, wie Charles Vance seine Familie wiedersieht oder wie Lieutenant R. A. Bryce (Ronnie Rowe Jr. ) etwas mit seinem Kollegen Christopher (Orville Cummings) herumflachst.

Wieso so agressiv?

Die Folge ist ein guter Auftakt, aber kein absolut gelungener. So ist es schade, dass Paul Stamets sichtbare Nicht-Freude über Michael Burnhams Beförderung nicht wieder aufgegriffen wird. Stattdessen scheint hier wieder alles im Reinen zu sein, ohne dass man erfährt, ob und wie es zu einem klärenden Gespräch zwischen den beiden kam.

Doch was am meisten in Kobayashi Maru stört, ist diese passiv-aggressive Art und Weise, in der Michael Burnham mit der Föderationspräsidentin Laira Rillik (Chelah Horsdal) umgeht. Es ist klar, dass der Captain der Discovery mit der Politikerin an Bord nicht glücklich ist. Aber es wird nie geklärt, warum dem so ist, woher ihr Unbehagen, ihre Antipathie rührt. Es lässt die Protagonistin der Serie in keinem guten Licht dastehen, sie sogar arrogant wirken. Und das, obwohl die Präsidentin wiederholt beweist, dass sie durchaus praktische Erfahrungen hat und einfühlsam reagieren kann. Hoffentlich wird auch diesbezüglich irgendwann eine Erklärung nachgeliefert.

Dennoch ist dies ein guter Staffelauftakt, der Lust macht auf mehr.

Götz Piesbergen

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