Im Staffelfinale von Star Trek – Picard wird sehr viel Abschied genommen.

Leergewischt

Die Zeit drängt. Bald wird Renée Picard (Penelope Mitchell) ins All aufbrechen und Adam Soong (Brent Spiner) wird vermutlich etwas unternehmen, um genau dies zu verhindern. Aus diesem Grund teilen sich die Zeitreisenden auf. Rafi (Michelle Hurd), Seven (Jeri Ryan) und Cristobal (Santiago Cabrera) brechen in das Labor des Wissenschaftlers ein, derweil Jean-Luc (Patrick Stewart) und Tallinn  (Orla Brady) am Abschussort das Schlimmste verhindern wollen.

Doch es könnte sein, dass sie zu spät sind. In seinem Zuhause werden nur Drohnen vorgefunden, die abfliegen, ehe die Kontrolle über sie erlangt werden kann. Und wiederum beim Startort der Raumschiffsmission nutzt Soong seinen Einfluss, um zu den Astronauten vorgelassen zu werden. Wo er Renée mit einem Neurtoxin umbringt. Es scheint so, als ob alles vergebens sei. Oder?

Mit Abschied macht die Picard-Serie Tabula Rasa. In ihr verabschieden sich viele Charaktere, darunter auch einige Figuren, die man schon seit langer Zeit her kennt. Dabei sind diese Verabschiedungen nie komplett gleich, sondern extrem unterschiedlich. Manche sind heldenhafte Tode, andere, weil eine lebensverändernde Entscheidung getroffen wurde, und bei weiteren waren schon seit Ewigkeiten bekannt, dass da was kommen würde.

Abschied

Ein Opfer für eine gute Zukunft

Zuallererst fokussiert sich die Episode darauf, Renée Picard und die Europa-Mission zu retten. Dies ist auch der gelungenste Teil der Folge. Die Macher der Serie bauen hier einiges an Spannung auf, was vor allem daran liegt, dass Adam Soong den Serien-Protagonisten immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Er lässt eine Tonaufnahme spielen, als die Zeitreisenden in sein Labor einbrechen, und er nutzt einen Moment der Vertrautheit, um anscheinend die Pilotin und Vorfahrin von Jean-Luc zu vergiften.

Natürlich gelingt es, alles zum Guten zu wenden. Doch nur unter einem großen Opfer. Und hier muss man Abschied wirklich loben, weil dieser Tod einem nahe geht. Hier stirbt jemand, der sein Leben bewusst dafür geopfert hat, dass die Zukunft wieder der normalen Star Trek-Zeit entspricht.

Interessant ist, dass Adam Soong am Ende der Gelackmeierte ist. Er hat im Prinzip alles verloren, was ihm etwas bedeutet. Und es wird angedeutet, wieso er eine Tochter erschaffen hat, beziehungsweise was ihn dazu inspiriert hat. Es ist ein schöner Querverweis zu einer berühmten TOS-Folge.

Überraschung!

Interessant ist ebenfalls, was mit seiner Tochter Kore (Isa Briones) geschieht. Hier gibt es einen überraschenden Auftritt von Will Wheaton, der auch diesen Plot zu einem runden Abschluss bringt. Viele Fans hatten ihn schon oft gefragt, ob und wann er in Picard auftreten würde. Mit Abschied erhalten sie jetzt ihre Antwort.

Womit der nächste Teil der Folge beginnt. Es geht um Q und dessen bevorstehenden Tod. Dieser Part der Episode lässt einen allerdings etwas unzufrieden zurück.

Das liegt weniger an der Schauspielleistung der Beteiligten. Im Gegenteil: Die ist sensationell. Vor allem die von John De Lancie, der hier das erste Mal im Laufe der Reihe wieder das übernatürliche Wesen spielt, wie man es von TNG her kennt: Nervig, aber auch irgendwie „verspielt“. Endlich erfährt man, was sein Ziel war, wieso er Picard und die anderen manipuliert, bzw. sie überhaupt erst in die alternative Zeitlinie geschickt hat.

Abschied

Warum so freundlich?

Allerdings werden längst nicht alle Fragen bezüglich Q und seiner Pläne in Abschied geklärt. Und so schön es auch ist, dass er vom Verhalten her wieder der Alte ist, so erklärt das nicht, wieso er teilweise vorher so antagonistisch agiert hat. Ebenso scheint sein Plan übertrieben komplex zu sein, um zu überzeugen.

Ehe es schließlich ins Finale geht, verabschiedet sich das nächste Castmitglied. Auch diese Verabschiedung ist emotional gelungen. Dieses Mal klingt allerdings keine Trauer mit dabei, sondern Freude für dieses eine Mitglied, weil es anscheinend endlich etwas gefunden hat, was es so lange vermisst hat.

Und dann ist man am Ende von Abschied angekommen. Leider muss man sagen, dass dieser Teil komplett schwächelt. Zwar gibt es ein Wiedersehen zu feiern. Aber anschließend taucht auf einmal eine Bedrohung auf, die wirkt, als ob die Macher noch irgendwie Zeit füllen mussten. Oder es ist eine Vorbereitung für die dritte Staffel. Die dann allerdings sehr lahm wirkt.

Ein schwächelnder Abschluss

Auch das Wiedersehen mit einer alten Bekannten kann nicht überzeugen. Einfach, weil es unglaubwürdig wirkt, dass sie die ganze Zeit auf diesen einen Moment gewartet hat, wo sie aktiv geworden ist. Das passt schon mit ihrem Schiff nicht zusammen, das eindeutiger Hinweis darauf ist, dass sie mit dem Universum interagiert haben muss. Was wiederum Spuren, Gerüchte oder ähnliches hinterlassen haben muss. Sorry, aber das wirkt einfach zu kurz gedacht.

Am Ende von Abschied und der zweiten Staffel feiern die Hinterbliebenen die Familie. Man erfährt noch ein paar kleine Details und dann endet die Season mit einem Picard, der aus Fehlern der Vergangenheit anscheinend gelernt hat. Die finalen Momente sind super inszeniert, täuschen aber nicht darüber hinweg, wie schwach diese letzte Folge insgesamt war und dass immer noch Fragen offen sind.

Warpskala

Warpskala
7 10 0 1
7/10
Total Score

Positiv

  • Jede Menge guter Abschiede
  • Erster Teil der Folge
  • Q wieder der Alte

Negativ

  • Letzter Teil der Folge
  • Antagonistisches Verhalten von Q wird nicht erklärt
Götz Piesbergen
Ein Gedanke zu „Review: Star Trek Picard 020 – Abschied“

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