Ein Teil der Enterprise-Crew hält sich Unter den Lotusessern auf.

Merkwürdig

Ein gemütliches Abendessen von Christopher Pike (Anson Mount) und Captain Bartel (Melanie Scrofano) endet in Missstimmung, als der Kommandant der Enterprise vorschlägt, etwas Distanz voneinander zu halten, nachdem seine Geliebte eine ersehnte Promotion zum Commander vermutlich auf Grund ihrer Beziehung zu ihm nicht erhält. Viel Zeit zum Trübsal blasen bleibt ihm allerdings nicht: Das Sternenflottenkommando beordert ihn nach Rigel VII, wo er vor vielen Jahren eine Expedition anführte, die schieflief. Es gibt Hinweise auf eine kulturelle Kontamination, die er bitte schön beheben soll, da sie vermutlich eben wegen jenem früheren Unternehmen entstanden ist.

Als der Captain gemeinsam mit Dr. M’Benga (Babs Olusanmokun) und Lieutenant Noonien-Singh (Christina Chong) mit dem Shuttle auf der Planetenoberfläche landet, stellt sich schon bald heraus, dass mit dieser Welt etwas nicht stimmt. Denn nachdem sie sich eine Zeitlang auf ihr aufgehalten haben, werden sie zum einen gefangengenommen und zum anderen verlieren sie ihr Gedächtnis. Letzteres Phänomen bleibt allerdings nicht auf die Planetenoberfläche beschränkt, sondern greift ebenso auf die Enterprise über, die sich im Orbit der Welt aufhält.

Unter den Lotusessern ist eine merkwürdige Episode. Die von der aus dem Litverse bekannten Autorin Kirsten Beyer mitgeschriebene Folge deutet zunächst an, dass hier endlich Lieutenant Erica Ortega im Mittelpunkt des Geschehens steht. Nur um anschließend einen Schwenk auf andere Charaktere zu machen, die dann stattdessen die Handlung tragen.

 

Wenn der Fokus umgelegt wird

Es ist eine ungewöhnliche Entscheidung. Denn von allen Figuren, die die SNW-Enterprise bevölkern, ist Lieutenant Ortega die bislang Einzige, die kaum ausführlicher charakterisiert worden ist. Das war ja schon in der ersten Staffel ein wichtiger Kritikpunkt, weshalb die Hoffnung mit dem Auftakt dieser Episode groß war, dass dies endlich diejenige ist, die dem Charakter das dringend benötigte Profil gibt.

Es ist in Unter den Lotusessern in der Tat so, dass ihre Figur weiter ausgebaut wird. Aber das, was dabei rumkommt, reicht nicht aus, um den Zuschauer komplett zufrieden zu stellen. Man erfährt, dass sie eine großartige Pilotin ist, die sich viel auf ihre Fähigkeit einbildet und daraus auch einiges an Ego bezieht. Das bemerkt man vor allem am Ende der Folge, als sie ihre Begabung als Pilotin gleich mehrere Male unter Beweis stellen kann. Aber anders als bei einer La’an oder einer Christine Chapel weiß man nichts über das, was ihre Persönlichkeit sonst ausmacht, eben abgesehen davon, dass sie eine großartige Pilotin ist.

Ein Großteil dieser Folge widmet sich den Erlebnissen der Expeditionsmannschaft von Captain Christopher Pike. Sehr schön wird die Bedrohung von Rigel VII aufgebaut. Es entsteht, nicht zuletzt dank der Lichteffekte, eine unheimliche Atmosphäre, die noch dazu verstärkt wird, als die ersten Gedächtnisprobleme auftauchen. Und als die Außencrew sämtliche Erinnerungen, außer den festen, wie Atmen oder Reden, verlieren, wird die Episode auch sehr interessant.

Wenn die Erinnerungen verloren gehen

Denn ein Großteil des Dramas auf Unter den Lotusessern entsteht aus der Frage, wie die Leute reagieren, wenn sie das Wissen über ihre Vergangenheit verlieren. Werden sie immer noch wie sie selbst agieren? Oder als jemand völlig anderes?

Die Episode gibt eine eindeutige Antwort, als nacheinander klar wird, dass den jeweiligen Sternenflottenoffizieren ihre Berufung quasi in Fleisch und Blut übergegangen ist. Captain Christopher Pike ist der Anführer, der sich um andere kümmert. Doktor M’Benga – der übrigens wegen seiner Nahkampferfahrungen Teil der Expedition ist, was ein interessanter Aspekt ist – kümmert sich um die Verletzten und will niemanden verlieren. Und La’an Noonien Singh verteidigt Leute.

Wenn man deren Verhalten in Unter den Lotusessern mit dem der Leute an Bord der Enterprise vergleicht, dann fällt einem auf, dass die Betroffenen an Bord des Raumschiffes wesentlich stärker auf die Auswirkungen dieses merkwürdigen Phänomens reagieren als die Außencrew. Man sieht ja später, wie sich einige Leute in den Gängen des Schiffs in eine Ecke verkriechen, weil sie von dem Gedächtnisverlust und der „neuen“ Umgebung, in der sie sich wegen des Verlusts wiederfinden, überfordert sind. Einzige Ausnahme sind dabei Spock und Ortega.

Potential nicht genutzt

Sehr schön ist allerdings auch der alte Mann, Luq, der von Reed Birney wirklich großartig dargestellt wird. Er ist ein Verfechter des Gedächtnisverlusts und damit ebenfalls das Regierungssystems. Er findet es gut und hat dafür seine guten Gründe. Denn, so erfährt man später, er versucht schmerzhafte Erinnerungen von früher zu vergessen. Eine interessante Perspektive, die von dem Schauspieler fantastisch rübergebracht wird.

Am Ende von Unter den Lotusessern muss natürlich wieder alles rückgängig gemacht werden. Sprich: Die Erinnerungen müssen wieder zurückkommen. Nur wie das geschieht, das erklärt die Folge sehr unbefriedigend, bzw. überhaupt nicht. Auf ein Mal ist das Verlorene wieder zurück, ohne dass klar wird, wieso auf einmal alle Betroffenen sich erneut an früher erinnern.

Unterm Strich kann man nur sagen, dass dies keine herausragende Folge war. Sie hatte Potential, aber kleinere Fehler haben den Gesamteindruck getrübt.

 

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Warpskala

Warpskala
6 10 0 1
6/10
Total Score

Positiv

  • Erste zaghafte Charakterisierungen von Lieutenant Ortega
  • Wie reagieren die Leute auf Gedächtnisverlust?

Negativ

  • Lieutenant Ortegas Charakterisierung geht nicht über ihre Rolle als Pilotin hinaus
  • Es wird nicht klar, wodurch die Leute ihr Gedächtnis zurückkriegen
Götz Piesbergen
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Ein Gedanke zu „Review: Star Trek Strange New Worlds 14 – Unter den Lotusessern“

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