Q sorgt dafür, dass Riker in einen moralischen Konflikt gerät.

Rikers Versuchung – Hide & Q
Staffel 1 – Episode 10
Regie: Cliff Bole
Story: C.J. Holland; Buch: C.J. Holland und Gene Roddenberry

Inhalt:

Die Enterprise befindet sich auf einer Rettungsmission zu der Bergbaukolonie Sigma III. Unterwegs wird sie von Q aufgehalten, der die Brückencrew, mit Ausnahme von Captain Picard, auf einen unbekannten Planeten transferiert. Q zeigt ein auffälliges Interesse an Commander Riker und macht ihm ein außergewöhnliches Geschenk: Der Erste Offizier erhält dieselben Kräfte wie Q. Riker verspricht Picard, seine neugewonnen Macht niemals einzusetzen, doch als sie auf Sigma III ankommen und er hilflos mit ansehen muss, wie ein kleines Mädchen stirbt, stürzt dies Riker in einen schweren Konflikt, sowohl mit der Crew als auch mit sich selbst …

Kritik:

Diese Folge präsentiert uns das zweite Zusammentreffen zwischen der Enterprise-Crew und dem allmächtigen Q nach dem Pilotfilm Mission Farpoint. Und einmal mehr zeigt sich, warum Q bei den Fans so beliebt ist. Es macht John deLancie sichtlich Spaß, diese Figur mit Leben zu erfüllen, und dieser Spaß überträgt sich auch auf die Zuschauer. In Rikers Versuchung wirkt er mehr den je wie der Teufel, der die Menschen vor eine schwere Herausforderung stellt, indem er mit Picard eine Wette eingeht. Wenn Riker die Macht des Q nicht einsetzen wird, wird Q in Zukunft nie wieder die Wege der Menschen kreuzen. Man fragt sich, was es mit Riker macht, als er eine nahezu gottähnliche Macht erhält. Zunächst behauptet er zwar Picard gegenüber, klug genug zu sein sie nicht einzusetzen, doch ist bereits zu diesem Zeitpunkt klar, dass es für ihn nicht leicht sein wird, dieses Versprechen auch einzuhalten, was natürlich auch Q weiß.

So lautet die Moral dieser Episode auch, das absolute Macht absolut korrumpiert, denn schon bald sieht Riker auf seine Crewkameraden herab und erfüllt ihnen mit gönnerhafter Geste ihrer größten Wünsche. Erst dann wird Riker klar, worauf er sich eingelassen hat, als er Qs Angebot annahm.

Die Folge weist gewisse Gemeinsamkeiten zum zweiten Pilotfilm der Originalserie Spitze des Eisbergs auf, in der ein Crewmitglied der alten Enterprise ebenfalls gewaltige geistige Kräfte erhält und damit nicht umgehen kann, was schließlich zu seinem Untergang führt. Für Riker endet es natürlich nicht ganz so schlimm, doch dafür lernt er am Ende der Episode eine Lektion fürs Leben.

Interessant ist das Ende auch für Q. Es erweckt den Anschein, als ob seine Artgenossen ziemlich wütend auf ihn sind und ihn für sein gemeines Spiel mit den Menschen bestrafen. Dadurch wird angedeutet, dass nicht alle Q gleich sind. Leider wird in den späteren Folgen, in denen Q auftaucht, nicht mehr direkt darauf eingegangen, wie diese Bestrafung aussah, aber anscheinend hatte sie keinen großen Eindruck auf ihn gemacht, denn bereits bei seinem nächsten Auftritt in Zeitsprung mit Q ist er wieder ganz der Alte.

In Hinblick auf die Optik wirkt Rikers Versuchung leider wie für die erste Staffel üblich recht billig. Die Oberfläche des Planeten ist einfach zu offensichtlich nur eine Studiokulisse und erinnert dadurch sehr an alte TOS-Zeiten.

Was die Leistungen der Schauspieler betrifft, sticht neben deLancie hier Jonathan Frakes heraus. Er spielt die Wandlung, die Riker durchmacht, nachvollziehbar und deutet dadurch bereits an, wie facettenreich seine Figur im Lauf der Serie noch werden wird.

Großartig sind hier auch die Wortgefechte zwischen Q und Picard, der hier als rhetorischer Sieger hervorgeht. Picard gehört aber leider auch die aus heutiger Sicht sonderbarste Szene der Folge: Als er Tasha tröstet und ihr im mitfühlenden Ton sagt, dass man auf der Brücke der Enterprise ab sofort auch weinen darf, wirkt er so väterlich nie – ein wenig zu sehr für eine Autoritätsperson wie ihn.

Dennoch bleibt Rikers Versuchung eine sehenswerte Folge, die zu den besseren der ersten Staffel gehört, in denen sich die Serie ja noch nicht vollständig gefunden hat, weswegen man ihr einen gewissen Trashappeal hinsichtlich ihrer Machart verzeihen kann.

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Sven Wedekin

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