Naniten übernehmen die Kontrolle über die Enterprise.

Die Macht der Naniten – Evolution
Staffel 3 – Episode 1

Buch: Michael Piller
Regie: Winrich Kolbe

Inhalt

Wesley Crusher (Wil Wheaton) führt ein wissenschaftliches Experiment mit mikroskopisch kleinen Robotern, sogenannten Naniten, durch, welches außer Kontrolle gerät, als einige von ihnen entkommen, sich vermehren und schließlich die Kontrolle über den Schiffscomputer übernehmen. Dadurch wird auch eine Mission des Föderationswissenschaftlers Dr. Paul Stubbs (Ken Jenkins) gefährdet, der bereit ist, zur Not die Sicherheit der Besatzung der Enterprise zu riskieren, um die Naniten zu stoppen …

Rezension

Der Auftakt der dritten Staffel kommt leider recht konventionell daher und vermag nur bedingt Neugierde auf den Fortgang der Serie zu wecken, welche jedoch nach der durchwachsenen zweiten Staffel einige interessante Neuerungen für die Fans parat hält. Abgesehen von einigen Änderungen an den Kulissen und den Kostümen ist da natürlich Gates McFaddens Rückkehr als Dr. Beverly Crusher, die ein Jahr lang ausgesetzt hatte. Nachdem die Fans mit Dr. Pulaski nie wirklich warm geworden sind (vor allem ihr respektloser Umgang mit dem überaus beliebten Data stand in der Kritik), beschlossen die Produzenten, die weniger bärbeißige Dr. Crusher wieder zurückzuholen.

Die bedeutendste Veränderung hinter den Kulissen stellte aber der Eintritt des Produzenten Michael Piller dar, der The Next Generation im Grunde ganz neu erfand, indem er der Serie mit seinen kreativen Ideen seinen eigenen Stempel aufdrückte. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass das gesamte Star Trek-Franchise dem inzwischen leider verstorbenen Piller sehr viel zu verdanken hat. Die Nachfolgeserien Deep Space Nine und Voyager hätte es ohne sein Engagement ganz sicher nie gegeben. So war es Piller, der das Franchise in seine Zukunft führte und die Weichen dafür stellte, dass Star Trek auch heute noch lebendig ist.

Die Macht der Naniten

Doch zurück zur Folge: Diese leidet, trotz Michael Pillers positivem Einfluss, leider noch unter gewissen Schwierigkeiten. Die Idee mit den außer Kontrolle geratenen Maschinen, welche das Schiff in Gefahr bringen, ist nicht sehr originell und vermag daher nicht allzu sehr zu fesseln.

Interessanter ist da schon Wesleys Rolle in der Episode. Während er in der Vergangenheit allzu oft als das Wunderkind dargestellt wurde, welches das Schiff rettet, ist es hier er selbst, der es durch sein fahrlässiges Verhalten überhaupt erst in Gefahr bringt. Durch seinen verhängnisvollen Fehler wirkt Wesley menschlicher als je zuvor.

Auch sein Verhältnis zu Dr. Stubbs ist spannend. Stubbs entwickelt einen gewissen Respekt vor Wes, da er in ihm eine Art jüngere Version von sich selbst zu erkennen glaubt. Und tatsächlich: In mancher Hinsicht zeigt die Figur des engstirnig nur auf seinen Erfolg fixierten Dr. Stubbs, was aus Wesley schlimmstenfalls werden könnte, gäbe es nicht seine Mutter, die verhindert, dass ihr Sohn zu sehr abhebt.

Stubbs hingegen erfüllt das Klischee des ebenso genialen wie fanatischen Wissenschaftlers, wie er auch schon früher in der Originalserie nur allzu oft gezeigt wurde, man denke nur an den brillanten Kybernetiker Dr. Richard Daystrom. Es hätte der Episode definitiv gutgetan, wäre diese Figur etwas differenzierter gezeichnet worden.

Die Naniten selbst sind als Bedrohung ebenfalls eher austauschbar und wirken nie bedrohlich genug, um echte Spannung aufkommen zu lassen. Einzig, dass sie zur Aufgabe gezwungen werden, indem man mit ihnen kommuniziert, anstatt sie einfach auszulöschen, ist mal wieder Star Trek in Reinkultur und rundet eine ansonsten eher durchschnittliche Episode doch noch ab.

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Sven Wedekin
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