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Mit Chafa fängt die neue MCU-Serie Echo an.

Das Echo kehrt zurück

Maya Lopez (Alaqua Cox) ist taub und hat bei einem Unfall in ihrer Kindheit nicht nur ein Bein, sondern ebenso ihre Mutter verloren. Gemeinsam mit ihrem Vater (Zahn McClarnon) zog sie nach New York, wo sie lernte, tough zu sein und sich verteidigen zu können. Schon bald wurde sie zu einer wichtigen Helferin für den Kingpin (Vincent D’Onofrio), ehe eine Begegnung mit Hawkeye (Jeremy Renner) sie dazu bringt, ihr Leben zu überdenken und ihren einstigen Herren und Meister auszuschalten.

Fünf Monate später kehrt sie in ihre Heimat zurück. Sie trifft auf lauter Leute aus ihrer Kindheit. Dabei verfolgt sie ein wichtiges Ziel: Sie will das Machtvakuum, das das Verschwinden des Kingpins ausgelöst hat, ausnutzen und selber Königin des Verbrechens werden.

Maya Lopez aka Echo wurde in der dritten Hawkeye-Episode, Echos, eingeführt. Diese und die finale Folge der Serie Ist es Weihnachten? dienten vor allem als Grundlage, damit die Echo-Reihe jetzt ausgestrahlt werden konnte. Wobei Marvel bei dieser von seinem normalen Veröffentlichungsschema abgewichen ist. Anstatt jede Woche eine Episode herauszubringen, wurden direkt am Premierendatum, dem 9. Januar 2024, alle fünf Folgen auf ein Mal herausgebracht. (Bei uns am 10. Januar 2024.)

Extensive Rückblenden

Die Serie firmiert dabei unter dem Marvel Spotlight-Banner, welches hiermit auch seine MCU-Premiere feiert. Damit sind Reihen gemeint, die sich mehr bodenständig und charakterfokussiert geben und die weniger für den großen übergreifenden MCU-Plot wichtig sind. So soll man kein Vorwissen aus anderen MCU-Serien mitbringen müssen, um die Handlung nachvollziehen zu können.

Dabei feiert in Chafa nicht nur Alaqua Cox ihre Wiederkehr, sondern ebenso erlebt man die Rückkehr von Vincent D’Onofrio als Wilson Fisk aka Kingpin und Zahn McClarnon als ihr Vater William Lopez. Der Rest des Casts setzt sich aus Schauspielern zusammen, die mit dieser Reihe ihr MCU-Debüt feiern. Chaske Spencer spielt Mayas Onkel Henry „Black Crow“ Lopez, derweil Tantoo Cardinal ihre entfremdete Großmutter Chula darstellt. Devery Jacobs wurde zu ihrer Cousine Bonnie, derweil Cody Lightning zu ihrem gutmütigen Cousin Biscuits wurde und Graham Greene den Part ihres großväterlichen Freundes Skully übernahm.

Die Auftaktfolge verwendet dabei viel Zeit auf Rückblenden. Man erfährt endlich, wie Maya ihr Bein verloren hat, wie sie dem Kingpin begegnet ist, wie sie im Kampf ausgebildet worden ist und wie sie nach einer Begegnung mit Ronin ihr Leben überdenkt. Die Szenen mit dem Alter Ego von Clint Barton wurden übrigens aus der Hawkeye-Serie entnommen, es handelt sich um Archiv-Material und nicht um neue Aufnahmen.

Überraschender Gastauftritt

In diesen Rückblenden gibt es in Chafa übrigens auch einen Auftritt von Charlie Cox, der in dieser Episode einmal mehr nach seinen Szenen in She-Hulk in seine Paraderolle als Daredevil schlüpft. Dieses Mal trägt er sein aus den Netflix-Serien bekanntes rotes Outfit und liefert sich einen packend inszenierten Kampf mit ihr, bei dem beide sich gegenseitig nichts schenken. Es ist dabei eine jener Szenen, mit der seine Serie im MCU fest verankert wird.

Dabei nehmen die Rückblenden einen Großteil der Folge ein. 30 bis 40 Minuten dauern sie schon. Sie sind wichtig, damit die Serie auch wirklich dem Anspruch des Marvel Spotlight-Banners gerecht werden kann, nämlich, dass man keine Vorkenntnisse braucht, um die Handlung zu verstehen. Was ihr gelingt.

Doch gleichzeitig hat man das Gefühl, dass die Macher es übertreiben. Dass sie sich zu extensiv in Chafa auf das Vergangene fokussieren und die eigentliche Haupthandlung darüber an den Rand drängen, wodurch dieser natürlich Laufzeit fehlt. Denn so wichtig die Rückblenden sein mögen, weniger wäre am Ende mehr gewesen. So wirken diese wie aufgebläht.

Ein Gesichtsausdruck muss reichen

Hinzu kommt dann ebenfalls noch, dass man zwar einiges über Mayas Vergangenheit erfährt und ebenso einige Familienmitglieder vorgestellt werden, doch als anschließend die Handlungsgegenwart anfängt, werden auf einmal andere Teile der Familie präsentiert, die man vorher nicht kennenlernen durfte. Eigentlich hätte man erwartet, dass man ihre Großmutter sehen würde und ihre Cousine nicht nur aus der Entfernung zu sehen ist. Stattdessen lernt man einen Cousin und einen Onkel kennen, die vorher nicht zu sehen waren.

Und es stört, dass Alaqua Cox die meiste Zeit nur mit einer verschlossenen Mine durch Chafa läuft. Nur selten zeigt sie einen anderen Gesichtsausdruck als todernst. Das kann natürlich auch an den Umständen liegen, daran, dass sie niemandem vertrauen kann oder will. Aber auf Dauer wirkt dadurch ihr Charakter Maya Lopez nicht sehr interessant, sondern eher abweisend und ablehnend.

Es ist nicht alles an dieser Episode schlecht. Es gibt zwar einige Merkwürdigkeiten, wie beispielsweise, dass Maya zu Beginn der Handlungsgegenwart eine Schusswunde hat, von der man nicht weiß, woher sie kommt. Aber vermutlich und hoffentlich wird dies im Laufe der Serie ebenso noch geklärt werden, wie auch ihre anderen Verwandte, die man ja in der Vergangenheit gesehen hat, noch auftauchen werden. Ebenfalls fehlt noch das Auftauchen von Wilson Fisk selbst, der bislang nur in den Rückblenden auftauchte und am Ende der Folge anscheinend aus einem Koma erwacht.

Gelungene Actionszenen

Wo sich Echo definitiv nicht zu verstecken braucht, sind die Actionszenen. Hier haben sich die Macher deutlich von Daredevil inspirieren lassen. Solche geerdeten Kampfszenen gab es im MCU schon lange nicht mehr.

Chafa ist kein gelungener Auftakt. Es gibt viele Fehler, aber auch viel Potential. Mal sehen, wohin die Reise mit der Serie gehen wird.

 

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Götz Piesbergen
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