John Hurt

Spotlight: John Hurt

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John Hurt wurde von vielen als einer der besten, wenn nicht sogar der beste britische Schauspieler angesehen.

Ein Mann der vielen Welten

Wie nur wenige Schauspieler sonst war John Hurt jemand, der, egal in welcher Rolle er zu sehen war, es scheinbar problemlos schaffte, sich in dauerhaft ins Gedächtnis der Zuschauer zu spielen. Ohne Schwierigkeiten pendelte er zwischen ernsten und lustigen Filmen, zwischen Science-Fiction und Fantasy, zwischen Real- und Trickfilm hin und her.

Geboren wurde er am 22. Januar 1940 unter dem Namen John Vincent Hurt in Chesterfield, Derbyshire. Seine Mutter Phylis war eine Ingenieurin und einmalige Schauspielerin, derweil sein Vater Arnold Herbert Hurt Mathematiker war, der zu einem Geistlichen der anglikanischen Kirche wurde und unter anderem als Vikar an der Holy Trinity Church in Shirebrook, Derbyshire, arbeitete.

Als John Hurt acht Jahre alt war, wurde er auf die anglikanische St. Michael’s Preparatory School in Otford, Kent geschickt. Dort entwickelte er seine Leidenschaft für die Schauspielerei. Anlass war dabei eine Darstellung als Mädchen in einer Schulaufführung des Stückes The Blue Bird. Leider hatte er nicht nur gute Erinnerungen an die Zeit, da der Senior Master der Schule ihn und andere Schüler regelmäßig misshandelte.

Keine guten Schulerinnerungen

Die Zeit an der Schule ging allerdings irgendwann vorbei und er wechselte im Alter von zwölf an die Lincoln School. Ursprünglich hätte er auf dasselbe Bildungsinstitut wie sein Bruder gehen sollen, doch bestand er den Einstiegstest nicht. Und auch an seiner neuen Schule war nicht alles in Ordnung, weil der Direktor über seine Pläne, als Schauspieler zu arbeiten, lachte.

Interessanterweise war in seiner Familie das Kino verpönt, wogegen das Theater in Ordnung ging. Seine Eltern unterstützen seine Zukunftspläne allerdings nicht wirklich, sondern wollten eher, dass er Schauspiellehrer wird. Immerhin konnte er im Alter von 17 Jahren an der Grimsby Art School Kunst studieren. 1959 gewann er ein Stipendium für die Saint Martin’s School of Art in London, wo er auf ein Art Teacher’s Diplom lernen konnte. Doch auch, wenn dieses Geld beisteuerte, war das tägliche Überleben immer noch schwierig genug, weshalb er sich mit Nacktporträts, die er zeichnete, über Wasser hielt. 1960 erhielt er das Stipendium für die Royal Academy of Dramatic Arts in London, wo er zwei Jahre lernen konnte.

Wie bei vielen anderen Schauspielern auch war der Anfang bei John Hurt klein. Es war ein Auftritt in der britischen Fernsehserie Probation Officer 1961. Es folgten weitere geringere Rollen in verschiedenen anderen Fernsehreihen und Filmen, darunter 1966 in Ein Mann zu jeder Jahreszeit. Der Kinofilm gewann unterschiedliche Preise, doch für keinen von denen kam er in Frage. 1972 in Der Rattenfänger von Hameln hatte er ebenfalls einen eher kleinen Part.

Legendäre Rollen

Es dauerte bis 1976, als er endlich seinen Durchbruch feiern konnte. Denn in der Miniserie Ich, Claudius, Kaiser & Gott trat er in fünf Episoden als Caligula auf. Er konnte in dieser Rolle restlos überzeugen, womit seine Karriere langsam aber sicher Fahrt aufnahm.

Es war das Jahr 1978, dass er in mehreren Filmen auftrat, die heute legendär sind. Er sprach in dem Zeichentrickfilm Watership Down die Hauptfigur, den Hasen Hazel. In demselben Jahr gab er in der Trickfilmadaption Der Herr der Ringe Aragorn. Übrigens diente dieser Trickfilm unter anderem als Inspiration für Peter Jacksons Adaption der legendären Romantrilogie. Einer seiner ikonischsten Auftritte war 1979 in Alien. Er spielte dort Kane, jenes unglückliche Schiffsmitglied, das durch den Chestburster umgebracht wurde. Was einer der legendärsten Filmmomente überhaupt war und ist.

Unvergessen auch seine Darbietung 1980 in Der Elefantenmensch, wo er den Titelcharakter darstellte. Für diese Leistung wurde er für den Oskar als bester Hauptdarsteller nominiert und gewann den BAFTA Award in derselben Kategorie. Nach all diesen ernsten Filmen brauchte John Hurt eine Abwechslung, weshalb er in Mel Brooks Komödie Die verrückte Geschichte der Welt als Jesus mitwirkte.

Abwechslung ist wichtig

1984 war in 1984 in der Hauptrolle zu sehen. Der Kinofilm basierte auf George Orwells berühmten SciFi-Roman. Drei Jahre später erfolgte dann eine weitere Zusammenarbeit mit Mel Brooks. Dieses Mal in der Star Wars-Parodie Spaceballs – Mel Brooks‘ verrückte Raumfahrt. Er spielte sich selbst. In demselben Zeitraum kehrte er auch wieder ins Fernsehen zurück. Denn in Jim Hensons Geschichten war er der Storyteller, der den Rahmen für diese Erzählungen bildete.

John Hurt blieb dem Phantastischen auch im neuen Jahrzehnt weiter verbunden. Denn 1990 hatte er in Roger Corman’s Frankenstein die Hauptrolle inne. Er stellte Buchanan dar. Er blieb allerdings ebenfalls anderen Genres treu, wie etwa 1995, als er in dem Historiendrama Rob Roy Montrose darstellte.

Es war 1999, als er wieder mit Watership Down in Verbindung trat. Es war eine Zeichentrickserie, die bis 2001 lief und wo er in sieben Episoden General Woundwort spielte. 2001 war auch das Jahr, wo er in einer großen Filmserie auftrat. Die Rede ist von Harry Potter und der Stein der Weisen, wo er den Zauberstabmacher Ollivander darstellte. Er sollte diesen Charakter auch später wieder darstellen.

Keine guten Erinnerungen

Unvergessen auch sein Auftritt in Hellboy (2004) wo er den Ziehvater des Titelhelden Trevor „Broom“ Bruttenholm schauspielte. Leider überlebte John Hurts Figur den Film nicht. Eine weitere Comicverfilmung, wo er zu sehen war, war 2005 V wie Vendetta. Dort spielte er den Filmschurken Adam Sutler. 2007 nahm er in dem Zeichentrickfilm Hellboy Animated – Blut & Eisen wieder seine Rolle aus der Realverfilmung auf, genauso wie 2008 in Hellboy 2.

Auch in Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels war er zu sehen. Wobei er zu dem Auftritt meinte, dass es ihm keinen Spaß gemacht hatte. 2013 hatte er eine großartige Rolle. Zur Feier von 50 Jahren Doctor Who wurde ein Special mit dem Namen The Day of the Doctor gedreht, wo er eine vergessene frühere Inkarnation des Titelhelden darstellte, den sogenannten War Doctor. Gemeinsam mit seinen späteren Inkarnationen, die von David Tennant und Matt Smith geschauspielert wurden, erlebte er ein Abenteuer in Raum und Zeit. Mit dazu gehörten übrigens ebenso Miniauftritte in den Folgen The Night of the Doctor und The Name of the Doctor. 2017 war seine letzte Rolle in dem Thriller Die Damaskus-Verschwörung – Spion zwischen den Fronten.

John Hurt war einen Teil seines Lebens Alkoholiker, ehe er sein Alkoholproblem lösen konnte. Er hat einen älteren Bruder, der ein katholischer Mönch wurde, und eine Adoptivschwester mit dem Namen Monica. Der Darsteller selbst war vier Mal verheiratet und hatte zwei Partner.

Ein bewegtes Leben

Seine erste Ehe war mit der Schauspielerin Annette Robertson von 1962 bis 1964. Danach hatte er seine längste Beziehung mit dem französischen Modell Marie-Lise Volpeliere-Pierrot. Diese ging von 1967 bis 1983. Die beiden redeten wiederholt darüber, zu heiraten, doch dann endete ihre Liebesgemeinschaft tragisch, als sie einen Pferdeunfall erlitt, an dem sie auch schon sehr bald verstarb. Er selbst war bei dem Unfall zugegen. Seine nächste Hochzeit war mit der amerikanischen Darstellerin Donna Peacock von 1984 bis 1990. In demselben Jahr ehelichte der die amerikanische Produktionsassistentin Joan Dalton, mit der er seine beiden einzigen Kinder zeugte, zwei Söhne. Sie ließen sich 1996 voneinander scheiden. Es folgte eine siebenjährige Beziehung mit der irischen Moderatorin Sarah Owens. Zuletzt war er mit der Werbefilmproduzentin Anwen Rees-Meyers verheiratet, für die er das Rauchen und Trinken aufgab.

Am 16. Juni 2015 gab John Hurt öffentlich bekannt, dass er an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war. Am 12. Oktober schien es so, als ob die medizinische Behandlung anschlagen würde und die Krankheit im Rückzug begriffen war. Doch der Krebs kam zurück und John Hurt starb am 25. Januar 2017, drei Tage nach seinem Geburtstag.

John Hurt im Web

Götz Piesbergen
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