L’Rell erzählt Voq die Hintergrundgeschichte von T’Kuvma.
Handlung
„Die Schlacht am Doppelstern ist vorbei. T’Kuvma ist tot.“ So fasst der Comic kurz und bündig zusammen, wie die Pilotepisode von Discovery ausgegangen ist. Ausgehend von dieser Situation erzählt L’Rell dem neuen Anführer Voq die Lebensgeschichte von T’Kuvma. Dieser wuchs als Kind des geschmähten Hauses Girjah auf, welches seinen Sitz im Hohen Rat verloren hatte. Seine Eltern waren bereits beide tot, von seinen älteren Brüdern kassierte er nur Prügel und sein versoffener Onkel versuchte das wenige zusammenzuhalten, was der Familie noch geblieben war.
Der einzige Rettungsanker für T’Kuvma war seine Schwester J’ula, die mit den einstigen Dienern des Hauses heimlich daran arbeitete, das Wrack des Sarkophag-Schiffes zu restaurieren. Sein eigener Lebensweg führte ihn dann erst einmal nach Boreth, wo er alle Prüfungen bestand und Visionen eines hellen Lichtes hatte. Dies interpretierten die Mönche als Vision von Kahless.
Eines Tages erreichte T’Kuvma dann eine Einladung zur Hochzeit seiner Schwester, die sich zu seinem Entsetzen sehr gewandelt hatte. Auf den eigenen Vorteil bedacht heiratete sie in das Haus Mo’Kai ein. Ihr Mann D’Lor metzelte T‘Kuvmas Brüder dahin und verlangte von diesem, vor ihm niederzuknien oder das Schicksal seiner Familie zu teilen. Dies verweigerte er zwar, doch verzichtete er auf seinen Familiensitz. Seine Schwester verschonte sein Leben und überließ ihm als einziges Erbe das Sarkophag-Schiff und die Gebeine seiner Ahnen.
Mit den einstigen Dienern seines Hauses machte sich T’Kuvma auf die Suche nach dem Licht von Kahless und stieß dabei auf ein Kommunikationsrelais der Föderation. Weiterhin befreite er zahlreiche Sklaven und unterdrückte Klingonen, wodurch seine Anhängerschaft wuchs. Er legte sich gar mit dem Hohen Rat an, der ihn jedoch verhöhnte. Keiner glaubte daran, dass die Föderation eine ernsthafte Bedrohung sei oder er das Licht von Kahless je finden würde und im Prinzip sollten seine Gegner recht behalten. Sein treuer Anhänger Khel schnitzte allerdings eigenhändig eine Bake, die am Rande des Föderationsraums platziert wurde. Als sich ein Föderationsschiff näherte, ließ T’Kuvma das Leuchtfeuer aktivieren und löste damit einen großen Krieg aus.
Rezension von Das Licht von Kahless
Obwohl der Comic die klingonische Geschichte umschreibt, ist die Handlung dennoch interessant. Sogar um einiges interessanter als die Discovery-Serie, da sie einen völlig anderen Blick auf Voq und T’Kuvma wirft und dabei keine Michael Burnham rein grätscht. Voq ist nach dem Tod seines Idols unsicher, ob dessen Anhänger auch ihm folgen werden. Als Albino ist er nicht gerade beliebt, denn diese gelten in der klingonischen Kultur als minderwertig. So minderwertig, dass T’Kuvmas Schwester J’ula einst ihren erstgeborenen Sohn tötete, weil dieser mit weißer Haut zur Welt kam.
L’Rell versucht Voq aufzumuntern, indem sie ihm die Lebensgeschichte ihres toten Anführers aus einer neuen Perspektive erzählt. Woher sie diese hat, bleibt allerdings unklar, denn sie kam zusammen mit Voq auf das Sarkophag-Schiff und sollte daher nicht viel mehr wissen als er. Zumal er T’Kuvmas Fackelträger war. Was sie zu erzählen hat, kann jedoch weitgehend überzeugen.
Wie Voq war T’Kuvma einst ein Außenseiter von niederer Geburt. Er musste sich mühsam in einem korrupten System hocharbeiten, in welchem es den meisten hohen Häusern nur noch um Selbstbereicherung statt Ehre ging. Die Werte von Kahless waren lediglich Fassade. In der eigenen Familie hat T’Kuvma nur Gewalt und Verrat erfahren. Erst auf Boreth blühte er auf und wollte eigentlich überhaupt nicht von dort weg.
Die Prüfungen sind teilweise etwas an den Haaren herbeigezogen und markieren einmal mehr den Verlust der wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit, unter der Star Trek seit dem Kino-Reboot und Discovery leidet. Allen voran sitzen die Adepten in einer Lavahöhle auf schmalen Sockeln, wo sie nackt ausharren müssen. Selbst einen kräftigen Klingonen würden die Hitze und die giftigen Dämpfe eher früher als später umbringen. Ganz davon abgesehen, dass die Lava die Fundamente der Steinsäulen ziemlich schnell schmelzen und selbige zum Einsturz bringen würde.
Etwas glaubwürdiger ist da schon die Prüfung im Schneesturm an der Oberfläche des Planeten, welche die Anwärter ebenfalls nackt absolvieren müssen. Überhaupt scheint Nacktheit bei den Neoklingonen voll in Mode zu sein, denn an späterer Stelle müssen auch zwei weibliche Gladiatoren nackt in einer Arena kämpfen. Wie gut, dass T’Kuvma bei ihrer Befreiung gerade so mit den Händen herumfuchtelt, dass ihre Nippel dabei überdeckt werden.
Jedenfalls zeigt sich T’Kuvma bereits auf Boreth solidarisch, indem er seine Mitbewerber vor dem Schneesturm rettet. Nach seiner Rückkehr auf Qo’noS und dem Verrat seiner Schwester avanciert er zu einem Befreiungshelden gegen ein korruptes System – quasi der klingonische Che Guevara. Seine Anhängerschaft wächst dadurch derart stark an, dass er sogar den Hohen Rat einschüchtern kann. Die Ratsmitglieder erniedrigen ihn zwar, wagen es aber nicht, ihn anzugreifen. Vielmehr hoffen sie darauf, dass er das Licht von Kahless niemals findet und damit wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwindet.
Warum T’Kuvma auf der anderen Seite eine Bedrohung vor der Föderation herbei fantasiert, ist weit weniger nachvollziehbar. Aus einem Kommunikationsrelais leitet er gleich Spionage und die Vorbereitung einer Invasion ab. Es ist zwar nachvollziehbar, dass er dem klingonischen Reich wieder zu Ehre durch ruhmreiche Schlachten verhelfen will. Doch wie ruhmreich ist schon das Anzetteln eines Krieges durch die Verbreitung falscher Verdächtigungen? Und dann fälscht sein Diener Khel auch noch die Bake von Kahless, womit er seine Anhänger wie auch Gegner betrügt. Nicht gerade ehrenhaft.
L’Rell interpretiert das natürlich anders. Sie legt es so aus, dass T’Kuvma selbst das Licht von Kahless sei und alles so vorherbestimmt war. Das macht gerade in Bezug auf Boreth durchaus Sinn, denn ähnlich argumentieren die dortigen Mönche auch in der TNG-Episode Der rechtmäßige Erbe, nachdem sie Kahless geklont haben. Wer kann schon sagen, dass Kahless die Ankündigung seiner Reinkarnation nicht genau so gemeint hat?
Jedenfalls schmälert der sinnlose Krieg gegen die Föderation den sonst ehrenvollen Eindruck von T’Kuvma. Er hätte lieber eine Revolution nach innen anführen sollen. Vielleicht würde er dann sogar noch leben und als weiser Imperator über das Reich herrschen. Aber da waren die Autoren von Discovery leider weit weniger anspruchsvoll als jene dieses Comics.
Das Schlechte gut umgesetzt
Die Neoklingonen sehen einfach fürchterlich aus! Allerdings stand dieses Design nun einmal fest und wird vom Zeichner konsequent umgesetzt. Einschließlich der Logikfehler. So wird in Discovery später behauptet, dass sich die Klingonen nur in Kriegszeiten traditionell die Haare abrasieren. Und warum tragen die Klingonen ein Jahrhundert später während des Dominion-Krieges ihre wallenden Mähnen zur Schau? Oder warum hat schon der junge T’Kuvma eine Glatze, obwohl er da noch in Friedenszeiten lebt?
Was Kurtzman und Orci da verbrochen haben, ist leider nicht mehr rückgängig zu machen. Also zumindest nicht im vorliegenden Comic, denn in Strange New Worlds sehen die Klingonen ja doch wieder wie früher aus. Die grafische Umsetzung ist jedenfalls ganz objektiv betrachtet gelungen, egal was man von den Neoklingonen und ihren stacheligen Rüstungen halten mag. Der Detailgrad ist einfach atemberaubend! Der Faltenwurf der Kleidung ist ebenfalls perfekt und die Perspektiven sind interessant gewählt.
Die Umgebungen sind meist ebenfalls sehr detailreich gestaltet, nur bei Landschaften und dem Sarkophag-Schiff bricht der Stil und wird etwas vage. Etwas obskur ist außerdem, dass der Hohe Rat in einer Maya-Pyramide tagt, die absolut nicht der klingonischen Architektur entspricht. Ein dem aus TNG gewohnten Rat ähnliches Gebäude gibt es an anderer Stelle zu sehen, aber in anderer Funktion.
Die Farben sind gut gewählt und entsprechend der Stimmung meist düster. Die Farbverläufe sind den Oberflächen angepasst, der Lichteinfall und Leuchteffekte sind gut. Bei den Oberflächen in der Umgebung ist leider mit teils unpassenden Füllfiltern gearbeitet worden. So ist zum Beispiel ein Holztisch gesprenkelt statt marmoriert. Bei Steinwänden wirkt die Sprenkelung schon natürlicher.
Fazit: Eine überraschend gute Lektüre
Es gibt viele Gründe, Discovery nicht zu mögen. Die Neoklingonen sind einer davon. Nichtsdestotrotz bietet Das Licht von Kahless eine spannende Handlung, die weitgehend überzeugen kann. Noch besser würde sie natürlich wirken, wenn die Klingonen und ihre Raumschiffe wie in den alten Serien aussehen würden. Immerhin bei der Architektur gibt es einige Anleihen aus TNG und Enterprise. Der Zeichenstil holt zudem das Beste aus der Vorlage heraus. Auch wenn man das neue Klingonen-Design nicht mag, steht das Talent des Zeichners außer Frage.
Info
Autoren: Kirsten Beyer & Mike Johnson
Zeichner: Tony Shasteen
Farben: J. D. Mettler
Verlag: Cross Cult
Sonstige Informationen: Produktseite
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Story7/10
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Zeichenstil9/10
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Kolorierung8/10
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