[Star Wars] Die Thrawn Trilogie – Die bessere Star Wars Fortsetzung?

Lesezeit circa: 7 Minuten

Zwischen 1991 und 1993 veröffentlichte Timothy Zahn die Thrawn Trilogie, die Star-Wars-Fans endlich die langersehnte Fortsetzung zu den Episoden IV, V und VI bot. Im Folgenden werden wir uns ansehen, um was es in den Büchern geht. Dabei werde ich nur die grobe Rahmenhandlung wiedergeben, um nicht zu sehr zu spoilern. Abschließend wage ich ein kurzes Urteil darüber, ob Zahns Trilogie vielleicht eine bessere Star-Wars-Fortsetzung gewesen wäre als die Disney-Episoden VII, VIII und voraussichtlich IX.

Die Großadmiral Thrawn Trilogie

Die Trilogie begann 1991 mit dem Roman „Heir to the Empire“ (Erben des Imperiums), der 1992 mit „Dark Force Rising“ (Die dunkle Seite der Macht) fortgesetzt wurde. 1993 schloss „The Last Command“ (Das letzte Kommando) die Reihe schließlich ab. Die Geschichte um den neuen Oberbösewicht Großadmiral Thrawn und viele weitere spannende Charaktere wie z.B. die machtbegabte Mara Jade erwies sich als voller Erfolg und führte zu einer Wiederbelebung des Star-Wars-Franchise. Die Handlung der Erzählung setzt etwa 5 Jahre nach „The Return of the Jedi“ (1983) ein, sodass die Fans endlich erfuhren, wie es mit ihren Heldinnen und Helden nach dem Sieg über das Imperium weiterging. Mit Timothy Zahn nahm sich ein durchaus erfahrener Autor der Geschichte an, der gekonnt Altbewährtes mit Neuem zu vermischen verstand.

Erben des ImperiumsHeir to the Empire (Erben des Imperiums)

Mit „Heir to the Empire“ ging die Star-Wars-Saga 1991 endlich in die nächste Runde. Wir befinden uns fünf Jahre nach dem Sieg der Rebellen über Imperator Palpatine. Die neue Republik bekämpft die Reste des Imperiums, als sich plötzlich ein dunkler Schatten erhebt: Großadmiral Thrawn, der mit Aufgaben am Rande der bekannten Galaxie beauftragt war, ist zurückgekehrt und schart die Überbleibsel der imperialen Truppen um sich. Da er ein brillanter Taktiker und Stratege ist, erweist er sich für die junge Republik als tödliche Gefahr.

Han Solo und Prinzessin Leia haben derweil geheiratet und erwarten Zwillinge. Luke Skywalker fungiert als Lehrmeister Leias und soll auch deren Zwillinge in der Macht unterweisen. Dabei erweist es sich als suboptimal, dass er selbst sozusagen im Eilverfahren zum Jedi wurde. Denn als letzter Jedi-Ritter stehen ihm keine Ansprechpartner zur Verfügung, die seine zahlreichen Fragen beantworten könnten. Oder gibt es vielleicht doch noch Jedi-Ritter in den Tiefen des Universums? Und wenn ja, auf wessen Seite stehen sie?

Mara Jade ist zwar keine ausgebildete Jedi, doch ist die Macht auch stark in ihr. Durch Zufall kreuzen sich die Wege einer Schmugglerorganisation, für die sie arbeitet, sowohl mit der neuen Republik als auch mit den Überresten des Imperiums. Dadurch rückt ein alter Todfeind zurück ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit und soll nun endlich für alles zahlen, was er ihr angetan hat. Sein Name ist Luke Skywalker.

Die dunkle Seite der MachtDark Force Rising (Die dunkle Seite der Macht)

Der Titel dieses Bandes ist im Englischen zweideutig, was sich leider nicht in der deutschen Übersetzung widerspiegelt. Denn natürlich geht es um die dunkle Seite der Macht. Diese nimmt in Form eines Jedis Gestalt an, der bisher im Verborgenen lebte, aber nun von Großadmiral Thrawn aufgespürt wird. Wird es diesem Vertreter der dunklen Seite gelingen, Luke Skywalker auf seine Seite zu ziehen und die Ausbildung von Han und Leias Kindern zu übernehmen?

Währenddessen gelingen Großadmiral Thrawn diverse Schläge gegen die Neue Republik. Auch kommt Mara Jade ihrem Ziel immer näher, Rache an Luke Skywalker zu nehmen.

Han Solo und Lando Calrissian versuchen gleichzeitig herauszufinden, ob es im Rat der neuen Republik einen Verräter gibt. Dabei stoßen sie auf eine längst vergessene Flotte, die als „The Dark Force“ bezeichnet wird. Somit hat der Titel des Romans eine zweite Bedeutung, die im Deutschen ausgeklammert wird.

Das letzte KommandoThe Last Command (Das letzte Kommando)

Im letzten Teil der Trilogie kommt es zum großen Showdown. Großadmiral Thrawn hat im geheimen Palast des toten Imperators dessen Vorrichtungen zur Erschaffung von Klonkriegern gefunden, was für die Republik zur tödlichen Gefahr wird. Nur wenn alle republikanischen Gruppierungen interne Konflikte beiseite legen, besteht die Chance, gegen Thrawn bestehen zu können. Das Zünglein an der Waage spielt dabei auch eine Koalition aus unabhängigen Schmugglern, die Han Solo auf die Seite der Republik ziehen soll.

Natürlich kommt es auch zum finalen Aufeinandertreffen von Luke Skywalker und dem dunklen Jedi. Und wie wird Mara Jade in den Konflikt eingreifen? Wird sie versuchen Luke Skywalker zu töten oder stellt sie sich doch auf die Seite der Republik?

Bewertung der Thrawn Trilogie

Timothy Zahns Fortsetzung der ursprünglichen Star-Wars-Trilogie ist in meinen Augen ein voller Erfolg. Endlich trifft man alle wichtigen Charaktere aus den drei Filmen wieder, wobei sich bei manchen von diesen ganz neue Seiten zeigen. Dabei gelingt es Zahn hervorragend, immer wieder direkte Bezüge zu den Ereignissen der Episoden IV, V und VI herzustellen, wodurch sich Leserinnen und Leser sehr schnell wieder zuhause fühlen. Auch die neuen außerirdischen Völker bieten sehr interessante neue Erzählstränge. Mit den neuen Charakteren Großadmiral Thrawn, Mara Jade und dem Schmuggler Talon Karrde sind Zahn darüber hinaus neue Figuren gelungen, die vielen Fans sehr eng ans Herz gewachsen sind.

Aus heutiger Sicht wirkt die Trilogie teilweise ein wenig angestaubt. Auch hat mir nicht jede neue Idee 100%ig gefallen. So weiß ich zum Beispiel nicht, warum Zahn unbedingt Kakao als neues Getränk bei Star Wars einführen musste.

Insgesamt betrachtet können die kleineren Kritikpunkte die große Begeisterung, die die Trilogie bei mir bis heute auslöst, kaum schmälern. Auf einer Skala von 0 bis 10 würde ich der Reihe 8 bis 9 Punkte zusprechen.

Und dann kam Disney

Seit Star Wars vom Disney-Konzern aufgekauft wurde, zählt die Thrawn-Trilogie nicht mehr zum sogenannten „Expanded Universe“ (erweitertes Universum). Sie wurde in die Rubrik „Legends“ (Legenden) verbannt. Somit sind die Bücher nicht mehr Bestandteil des offiziellen Kanons. Die Star-Wars-Fortsetzung, die vielen Fans seit 1991 eng ans Herz gewachsen ist, wurde also schlichtweg für ungültig erklärt, damit die darin erzählten Geschichten nicht den neuen Erzählsträngen im Wege stehen. Da man Timothy Zahns Buch aber weiterhin verkaufen möchte, erklärte man die Trilogie eben zur Legende.

Doch waren viele von Zahns Ideen einfach zu gut, um sie im Bereich der Legenden versauern zu lassen. So schrieb Zahn kürzlich ein neues Buch zu Großadmiral Thrawn, das an die Disneys Version von Star Wars angepasst ist und daher zum offiziellen Kanon zählt. Es wird sich zeigen, ob wir vielleicht auch andere liebgewonnene Charaktere wie Mara Jade bald im offiziellen Universum wiedertreffen werden.

Zahn vs. Disney: Wer schuf die bessere Fortsetzung?

Die Star-Wars-Fortsetzung von Timothy Zahn ist eine sehr logische Fortsetzung, die wenige Jahre nach Episode VI einsetzt und die Geschichte sehr glaubwürdig weitererzählt. Dabei wird das Original in Ehren gehalten, ohne aber für die neue Geschichte zur Belastung zu werden. Es handelt sich schlichtweg um eine gelungene Fortsetzung.

Die Episoden VII und VIII vermitteln diesen Eindruck bisher nicht. Zu viele grundlegende Fragen der Hintergrundhandlung wurden noch nicht beantwortet, sodass sich im kommenden Winter zeigen wird, ob Disney hier noch die Kurve bekommt oder ob eine glaubwürdige Geschichte schlichtweg egal ist, solange der Rubel rollt und die Leute weiterhin in Scharen ins Kino strömen.

Zum jetztigen Zeitpunkt ist für mich die Großadmiral-Thrawn-Trilogie die wesentlich gelungenere Fortsetzung. Vielleicht wird sich das mit Episode IX ändern. Das würde mich allerdings sehr überraschen.

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Michael Kleu

Michael ist Jahrgang 1978 und Althistoriker. Er schreibt einen eigenen Blog über die Antikenrezeption in fantastischen Medien.
Michael Kleu

Michael Kleu

Michael ist Jahrgang 1978 und Althistoriker. Er schreibt einen eigenen Blog über die Antikenrezeption in fantastischen Medien.

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