Es zeigt sich, das Charisma alleine auf lange Sicht nicht hilft, alle zusammenzuhalten.

Mehr als nur eine Fortsetzung
Drei Monate sind seit den Angriffen der Freien Navy auf das Sonnensystem vergangen. Die Gruppierung, die überwiegend von dem Charisma ihres Anführers Marco Inaros zusammengehalten wird, versucht ihre Macht zu verfestigen, in dem es unter anderem Kolonieschiffe überfällt und den Kontakt zu den neuen Kolonien unterbindet. Alles scheint super zu sein, doch in Wahrheit rumort es im Inneren dieser Gruppierung.
Unterdessen ist Chrisjen Avasarala die neue UN Generalsekretärin geworden. Als solche muss sie nicht nur einen Gegenangriff planen. Sondern ebenso die Betroffenen der ersten Angriffe versorgen. Zum Glück hat auf prominente Unterstützung. Denn James Holden und die Crew der Rosinante ist wieder zusammen. Und hat vor, bei der Rückeroberung des Sonnensystems zu helfen.
Babylons Asche ist mehr als die Fortsetzung von Nemesis Spiele. Es ist gleichzeitig ebenfalls eine Art Gegenteil dieses Romans. Denn dieses Mal sind die Protagonisten nicht zersplittert und im Hintertreffen. Dieses Mal ist die Situation anders. Auch wenn sie zu Beginn aus einer Position des Nachteils handeln müssen.
Die Narben sind noch da
Gemeint ist, dass Mars und Erde zwar dieses Mal zusammenarbeiten. Aber die Narben der Angriffe der freien Navy sind immer noch zu spüren. Und jene Flotte hat den Vorteil, dass sie über mehr Schiffe verfügt, ebenso, wie sie mit Marco Inaros über einen gewitzten Strategen verfügen.
Doch ausgerechnet dessen Nimus erhält im Laufe der Handlung immer mehr Kratzer. Im Prinzip zeigt sich, dass er anscheinend immer mehr den Kontakt zur Realität verliert und auch nicht einsieht, dass er Fehler macht. Stattdessen beschuldigt er andere, darunter ebenso seinen leiblichen Sohn Filip. Dass so etwas dann früher oder später Konsequenzen hat, ist klar.
Dabei hat man durchaus Mitleid mit Filip. Er, der ja schon seine Mutter „verloren“ hat, wünscht sich nichts mehr, als endlich von seinem Vater Anerkennung zu kriegen. Die dieser ihm jedoch ein ums andere Mal versagt, aus diversen Gründen. Und das wirkt sich auf den Jungen aus, so das er am Ende einen folgenschweren Schritt macht.
Ein Best Off!
Babylons Asche ist dabei auch eine Art Best Off-Roman. Weil hier viele Figuren, die schon zuvor in den The Expanse“Bänden eine wichtige Rolle gespielt haben, erneut auftauchen. Damit ist nicht nur Avasarala gemeint, die in diesem Buch ständig hofft, dass ihr Mann überlebt hat. Sondern auch Prax, der auf Ganymed eine wichtige Entdeckung macht oder Clarissa Mao, die in diesem Band eine erstaunliche Wandlung durchmacht.
Dabei wird auch ein Thema behandelt, dass den Leser insgeheim die ganze Zeit beschäftigte. Bei einer Crew von vier Leuten, ist damit die Besatzung der Rosinante nicht etwas dünn aufgestellt? Es wird eine Antwort auf diese Frage geliefert, die dann am Ende auch sehr zufriedenstellend ausfällt. Weil man das Gefühl hat, dass für einige Figuren damit eine Entwicklung, die über die letzten Romane stattfand, ihren Abschluss findet.
Und gleichzeitig wird auch eine Bedrohung für die kommenden Bücher aufgebaut. Man weiß ja mittlerweile, dass der marianische Admiral Winston Duarte Marco Inaros insgeheim unterstützt hat. In diesem Roman erfährt man dann nebenbei, dass er mit seinen Gefolgsleuten ins Lacona-System geflogen ist und seitdem jeden Kontakt verweigert. Was genau er jetzt vorhat, ist unklar. Aber vermutlich hat der Admiral den Kommandanten der Free Navy dazu genutzt, um das Sonnensystem für was auch immer zu schwächen. Das dürfte dann noch interessant werden.
Es ist wieder ein Spitzenklasse Roman.
Info
Autoren: James Corey
Originaltitel: Nemesis Games
Übersetzung: Jürgen Langowski
Verlag: Heyne
Erschienen: 11/2019
Einband: Taschenbuch
Seiten: 624
ISBN: 978-3-453-32045-1
Sonstige Informationen: Produktseite
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