Damals wurde der Film von der Kritik und dem Fandom nicht sonderlich gut bewertet.
Wirklich so schlecht?
Seit ich damals Marcos Kritik zu Transformers: The Movie (Oder wie er in Deutschland heißt: Transformers: Der Kampf um Cybertron) gelesen hatte, stellte ich mir ständig die Frage, ob er damit richtig lag. Ob der Film wirklich so schlecht war, wie er es meinte. Also beschloss ich, auf das 40-jährige Jubiläum zu warten und mir dann meine eigene Meinung zu bilden.
Vorab: Wer mehr über die Entwicklung und Hintergründe des Films wissen möchte, den verweise ich an dieser Stelle auf Marcos Rezension, denn in dieser hat er dies ausführlich niedergeschrieben.
Wenn aus einem Misserfolg ein Kultfilm wird
Seit Jahrmillionen herrscht auf dem Planeten Cybertron ein Bürgerkrieg zwischen den Autobots mit ihrem Anführer Optimus Prime (Peter Cullen) und den Decepticons, angeführt von Megatron (Frank Welker). Der Konflikt ist in den Jahren auch auf die Erde übergeschwappt, wo die Menschheit von den Autobots beschützt wird.
Doch dann ändern sich Dinge. Es kommt auf der Erde zu einem wilden Kampf, in dessen Verlauf beiderseits Transformers sterben. Die prominentesten Opfer sind bei den Autobots Optimus Prime, der tödlich verletzt wird, als Megatron einen Moment der Ablenkung nutzt. Und auch Megatron selbst wird schwer verwundet, weshalb die Decepticons fliehen müssen. Unterwegs werden die Verwundeten ins All geworfen, wo sie von dem planetenverschlingenden Monster Unicron aufgespürt und verwandelt werden. Ihr neuer Auftrag lautet, die Matrix der Führerschaft zu finden und zu vernichten.
Diese wurde inzwischen von dem sterbenden Optimus Prime an seinen Nachfolger Ultra Magnus übergeben. Der, als Galvatron (Leonard Nimoy), der frühere Megatron, wieder Autobot City angreift, mit den anderen Autobots fliehen muss. Die Gruppe wird aufgesplittet und muss jeweils ihren Weg nach Cybertron finden. Es ist die Zeit für neue Helden, darunter auch den jungen Hot Rod (Judd Nelson), die über sich hinauswachsen müssen.
Transformers – Der Kampf um Cybertron wurde damals von Fans und Kritikern ziemlich zerrissen. Doch seit jener Zeit hat sich vieles getan und aus einem Misserfolg ist ein Kultfilm geworden, dessen Einfluss auf das Franchise man besser nicht unterschätzen sollte.

Ein Film mit Material für die Zukunft
Denn er führte gleich mehrere Konzepte ein, die auch heute noch Bestand haben, bzw. immer wieder neu interpretiert oder verwendet worden sind. Das fing schon mit der ersten richtigen Transformers-Nachfolgeserie, Beast Wars an, in der der Geist von Starscream in einer Episode wichtig sein sollte. Oder die Unicron-Trilogie, bestehend aus den Serien Armada, Energon und Cybertron. Oder, oder, oder … Selbst in den Bayformers-Filme werden Elemente aus dem allerersten Kinofilm übernommen.
Das heißt also im Prinzip auch, dass der Film so schlecht nicht sein kann, oder? Es kommt darauf an, wie man die einzelnen Kritikpunkte ansieht. Was die vielen neuen Transformers angeht, die einfach so auftauchen, erinnere ich mich gerne an die zweite Staffel der ersten Zeichentrickserie, wo ebenfalls gleich zu Beginn einfach so viele neue Bots eingeführt wurden. Von denen erhielten einige dann später auch nur eine einzige Folge, wo sie zur Geltung kamen und ansonsten zu Hintergrundfiguren wurden. Viele der Transformers, die gleich zu Beginn des Films starben, sind außerdem Figuren, die nach ihrem prominenten Auftritt nicht mehr sonderlich großartig eingesetzt wurden. Weshalb man auch einfach zynisch sagen muss, dass es hier welche getroffen hat, um die im Prinzip nur ihre jeweiligen Hardcore-Fans trauern.
Anders sieht es bei Optimus Prime aus. Sein Ableben ist natürlich ein Schock, ein Fanal. Schließlich war er der Held, die Identifikationsfigur der Autobots. Kein Wunder also, dass sein Ableben Kontroversen auslöste, weshalb er später in der dritten Staffel wieder zurückgeholt wurde. Was unter anderem deshalb funktionieren konnte, weil sein Nachfolger Rodimus Prime in jener Season nicht gerade hervorragend dargestellt wurde.
Besser auf Englisch gucken
Und ja, die deutsche Synchro ist grottig. Deshalb ist es besser, auf das englische Original zu wechseln, wenn man es kann, da man dort Stimmen von Orson Welles, Leonard Nimoy oder auch Peter Cullen hören kann, die natürlich einen deutlich besseren Job machten.
Und trotz der Mankos macht der Film Spaß. Weil hier zum einen die Lore der Transformers ausgebaut wird. Bislang war es eher so, dass eben diese eher rudimentär vorhanden war. Es gab zwar vereinzelt Episoden, wie beispielsweise die Rückblende, wo man erfuhr, wie aus Orion Pax Optimus Prime wurde. Aber überwiegend verfuhren jene Folgen nach dem Schema Done in One und es wurde sich nicht wirklich bemüht, eine kohärente Hintergrundstory auszuarbeiten. Was sich mit diesem Film änderte.
Auch die Abenteuer, die die Autobots in diesem Film erleben, sind exzellent. Vor allem deshalb, weil hier relativ subtil angedeutet wird, dass Hot Rod der eine Auserwählte ist, der wahre Nachfolger von Optimus Prime. Und man sieht, wie der Junge im Laufe der Handlung über sich selbst hinauswächst, sich um die anderen kümmert und sich dabei auch als ein guter Krieger erweist. Was dann vor allem im Finale wichtig wird.
Jeder (Autobot) erhält seine Szene
Die anderen neuen Autobots werden zwar nicht ganz so ausführlich charakterisiert wie er, kriegen aber ebenfalls genügend Szenen, damit sie eine Identität erhalten. Sei es Arcee, die sich zwar einerseits um den menschlichen Jungen Daniel kümmert, doch andererseits in einer Szene auch Hot Rod deutlich das Leben rettet. Kup ist der Veteran, der schon vieles gesehen hat und zu allem eine Story hat. Springer ist der Nüchterne, derweil Ultra Magnus versucht, sich der Bürde als neuer Anführer der Autobots würdig zu erweisen. Für Comedy Relief sorgen die Dinobots, die Junkions und Wheelie. Was in zwei von drei Fällen auch funktioniert, denn Wheelie geht einem mit seinem Gereime sehr schnell sehr stark auf die Nerven.
Auf der Gegenseite wird vor allem Galvatron ausführlich dargestellt. Die anderen Decepticons erhalten zwar einige Momente, in denen sie sprechen dürfen, doch ansonsten ist es der frühere Megatron, der hier glänzt. Er ist derjenige, der am meisten unter der Knute Unicrons leidet und deshalb nach einem Weg sucht, diese abzuschütteln. Derweil er weiterhin skrupellos agiert und nicht zögert, seinen Nachfolger Starscream mal eben zu töten.
Der Film ist spannend und abwechslungsreich. Und er hat einen der besten Filmsoundtracks, die ich jemals gehört habe. Vince DeColas Score ist phänomenal. Und wenn beim finalen Kampf auf einmal Stan Bushs „Touch“ ertönt, kriege ich noch heute eine Gänsehaut. Die Lieder des Musikers mögen für sich genommen kitschig klingen, aber im Kontext des Films sind sie perfekt. Kein Wunder also, dass er und seine Lieder von den Fans am meisten gemocht werden.
Nicht perfekt!
Transformers – Kampf um Cybertron ist nicht perfekt. Aber er ist auch kein schlechter Film. Dass er sich seitdem zum Kultfilm entwickelt hat, zu dessen 40-jährigen Jubiläum Rechtebesitzer Hasbro eine „Apology“-Tour veranstaltet und der außerdem immer wieder neu in die Kinos kommt, ist dafür bezeichnend. Ebenso, dass passend zum runden Geburtstag der Soundtrack von neuen Künstlern nochmal neu eingespielt wurde.
Meiner Meinung nach ein Kultfilm, den ich mir gerne jederzeit nochmal anschaue. Zumindest ist dieser besser geworden, als die Bayformer-Filme.
Info
Regie: Nelson Shin
Drehbuch: Ron Friedman
Produktion: Joe Bacal, Tom Griffin
Musik: Vince DiCola
Kamera: Masatoshi Fukui
Schnitt: David Hankins
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