[Perry Rhodan 3062] Zeut

Lesezeit circa: 9 Minuten

Die Topsider greifen an – Leben wird wiedergeboren.

Zeut
© Pabel-Moewig Verlag KG

Titel: Zeut
Autor: Christian Montillon und Susan Schwartz
Titelbild: Arndt Drechsler
Erschienen: 24.04.2020

Zur Handlung

Im Dyo-Solsystem entbrennt die Schlacht, die Topsider greifen an und über Tausend Einheiten warten auf ihren Einsatz. Über zwei Tage ziehen sich die Gefechte, bis Perry mithilfe Ricos und Iwáns den Topsidern trotz Hyperimpedanz funktionale Transformkanonen vortäuschen und fünf Feindschiffe zerstören kann. Davon beeindruckt lassen die „Echsen“ die Waffen ruhen und die Gelegemutter selbst lädt Perry nach Beteigeuze zur Unterredung.

Bis dahin ist hier noch existenter Zeut das Ziel, wo zum nächsten Mal das Leben neu erwacht, es unterirdisch aber wie auf Terra auch auffällig rumort. Bei Erkundungen wird Perrys Zellaktivator förmlich entleert, gleichzeitig die Lebewesen bis zur Raserei munter. Nach weiteren Untersuchungen kann man inmitten der Erdkruste einen Verursacher für mutmaßlich beide Phänomene verorten. Um mehr herauszufinden, macht sich ein Team auf, im ersten Einsatz des dafür konstruierten Gäonautikums bis in 63 km Tiefe vorzustoßen …

Die Drei Ultimaten Beobachtungen

1. Vier Romane – zwei Autoren

Im PROC-Interview von und zum Roman berichtet Susan Schwartz zur Zusammenarbeit beim zweiten Dyoversum-Vierteiler der Nummern 3062-3065:

„Bei den Exposés 1-3 war die Aufteilung vorgegeben, sodass ich mich gleich auf meinen Part konzentrieren konnte, wobei die Grenzen der Aufteilungen schnell aufweichten, da wir manche Sequenzen tauschten oder der Focus sich verschoben hat. Bei Band 4 haben wir uns abgesprochen, wer gern was machen möchte.“

Wer de facto was gemacht hat, verrät sie nicht. Ich bin mir dessen aber ziemlich sicher. Ich deduziere daher:

Die erste Hälfte rund um den Konflikt mit den Topsidern stammt von Monsieur Monti höchst selbst. Verräterisch gleich in Kapitel 1 „gerast“: „Topsidische Schiffe rasten ins Solsystem“. Wenn jemals wo gerast wird, dann ist Monti stets dabei. Zugegeben, danach keine Raserei mehr. Da „jagten“ nur noch Energiestrahlen oder „rastete“ die Rachegöttin Alecto niemals. Also nur eine dürre Spur. Indirekt, dass umso gehäufter „gerast“ worden wäre, als in zweiter Romanhälfte Perry und Homer in Raumjägern um Zeut herumgerast sind resp. es bei Monti sicher wären, hier aber nicht sind. Und das, obwohl sie vor lauter diensteifriger Raserei bis zur Erschöpfung aktiv waren.

Indizienreicher Teil 2, der m.E. von Susan stammen muss: Hatte sie bereits monströse Fauna beim Auftakt des Iya-Fünfteilers in 3017 „Terra Incognita“ und 3018 „Welt der fünf Augen“ geschildert, so kriechen, fleuchen und schwimmen auch hier kolossale Kreaturen angriffslustig umher. Susan Schwartz also eine anerkannte Expertin für solcherlei ungeheuerliches Ungetüm. Was für Haustiere sie wohl hat?

“»Wie sagte der Hangartyp doch so schön bei unserem Aufbruch in die Zerozone?«, flachste Yaradua. »Systemausfall und Hüllenbruch! Das passt auch hier, finde ich.«“

„Systemausfall und Hüllenbruch“ ist ein Selbstplagiat von der Autorin, das sie so erstmals in 3049 „In der Zerozone“ als guten Wunsch aussprechen ließ und hier (Kap. 11) wieder aufgreift. Und schließlich:

“Vor allem Dorksteiger amüsierte sich darüber, erinnerte es sie doch an »alte Zeiten« während ihrer Ausbildung mit ihrem Rivalen und späteren Geliebten Fyrt Byrask.“

Eine Anspielung ganz nebenbei zurück in die tiefste Biographie Sichu Dorksteigers.
Und wenn jemand diese kennt, dann diese eine Autorin, die die Figur Sichu Dorksteiger in die Serie hat schreiben dürfen.

Ich kombiniere: Für sich zu wenige Indizien in Teil 1 deuten auf Monti, da ausreichend viele Indizien aber Susan Schwartz bei Teil 2 überführen, ist die Verteilung bestimmt.

2. Alte Tricks

PROC-Reporter Roman fühlt sich bei Perrys Transformkanonen-Trick aus Band 399 „Alarm für die Galaxis“ erinnert, als wäre es erst gestern gewesen. Diese „Hommage an sich selbst“ hatte ich nicht parat und gegenwärtig. Daher kam mir das spektakelnde Schauspiel, das Perry den angriffswütigen Topsiderinnen hier vorspielt, auch nicht nostalgisch, vielmehr im Hauruckverfahren nur gewollt statt gekonnt vor. Ja, mangels warmer Gefühle an die wilden alten Zeiten, als ein Dolan noch ein Dolan war, war ich eher befremdet darüber, dass sich die Topsiderinnen derart überrumpeln lassen.

Auch wenn ich mich weiterhin nicht als Military-SF-Fan verstehe, ist die überlebenswichtige Schlacht ums Solsystem doch mit ziemlich wenigen Strichen kaum ausgemalt worden. Dabei gibt es zahlreiche Zahlen bzgl. Flottenstärken, aus denen man mehr hätte machen können. Stehen den Dyo-Galaktikern 3000 Einheiten insgesamt zur Verfügung, jedoch verteilt auf 30 Koloniesysteme, hat man nur 900 davon bei Sol stationiert. 300 zur direkten Bewachung von Terra und Co., rund 550 beweglich zwischen den Planeten.

Das über 200 Sonnensysteme herrschende Sternengelege hingegen verfügt über 30000 Raumschiffe, wovon gleich zu Beginn 1000 für die Schlacht bereitfliegen. Bei nur 150 Schiffen pro System im Schnitt ist das Sechsfache im Kampfeinsatz schon der Zahl nach eine Kriegserklärung. Nach 2 Tagen und 50 Gefechten stoßen weitere 800 hinzu und lassen das Verhältnis der Flotten auf zwei zu eins zugunsten der Topsider kippen.

Keine Panik – das war’s an buchhalterischen Zahlen. In jedem Fall zeigen diese, welche militärischen Vorteile nebst besserer und wesentlich dyoversal angepassterer Technik das Sternengelege hatte und wie sehr sie alles hätten diktieren können. Doch mit in Ricos neuatlantischer Technikschmiede produzierten „Transformbomben“, die von Iwán/Iwa in schmerzhaft zehrenden Wehgängen weit vorab in die Zielraumschiffe transportiert worden sind, kam es dann zum alles wendenden Feuerwerk: Just als kriegspsychologisch präparierten Raumer der spontan erfundenen ALECTO-Klasse vor den Topsidereinheiten auftauchen und kurz funken, explodieren „Iwáns Bomben“. Was der Verlust von fünf Schiffen bewirkt, finde ich dann schon erstaunlich. Klar, zerstörerisch scheint diese neue Waffe zu sein, aber dass man nicht einmal eine zweite Welle versucht und sofort auf den Bluff eingeht …

3. Trommeln in der Tiefe

Dass es in der erdverkrusteten Tiefe des guten alten Terras rumore, hatten wir am Rande bereits gelesen. Nun aber auch auf Zeut, der als fünfter der Planeten im Zweiten Zweig immer noch seine Bahn um Sol dreht und ganz ohne PEW-Metall auskommen muss. Entsprechend gibt es hier kein planetares Bewusstsein, das entstanden wäre.

“Dyo-Zeut unterschied sich zumindest äußerlich nur unwesentlich von seinem Zwilling. Er war mit 10.177 Kilometern Äquatorialdurchmesser etwas kleiner und hatte eine geringfügig kürzere Umlaufdauer von 277 Jahren. Sein sonnennächster Punkt betrug 130 Millionen Kilometer, sein sonnenfernster hingegen neun Milliarden Kilometer – Zeut reiste also noch über die Bahn des Pluto-Gestänges hinaus. Kein Wunder, dass er die meiste Zeit über im tiefsten Winterschlaf in Düsternis lag. Ohne Schnee und Eis, die das Sternenlicht reflektierten, wäre es dort stockdunkel.“

Und alle 277 Jahre erwacht für 15 Jahre die kolossale Flora und Fauna der Welt – so auch 2046NGZ, als Perry vorbeischaut. Das aber vorzeitig, was man mit dem Rumoren im Planeteninneren in Verbindung bringt.

Und als dann Perrys ZAC ausgesaugt wird und offensichtlich genau dadurch die umgebende Fauna aggressiv zum aufmunternden Lebensquell strebt, verdichten sich die Zusammenhänge: Ein auch lebendes oder doch nur technisches Etwas kann umständlich ausgemacht werden.

“»Das Zentrum der Phänomene, und das schließt das Rumoren ein, liegt weit unterhalb des Meeresbodens. Und zwar dreiundsechzig Kilometer tief. Das ist nicht weit von der unteren Grenze der Kruste entfernt, schon fast im Oberen Mantel der Planetenschale.«“

Was da in der Tiefe trommelt und sich mit allzu menschlichem Rumoren geologisch bemerkbar macht, wirkt hinaus. Denn

“rund um den Planeten existiert ein Phänomen, das wir als Hyper-Exhaust-Effekt bezeichnen. … Der Planet trinkt Hyperkristalle gewissermaßen aus. Je näher man der Oberfläche kommt, umso schneller geht es – bis die Kristalle jede Energie verloren haben. Es beginnt bei einem Abstand von 437,7 Kilometern von der Planetenoberfläche. Oder besser … es begann. Direkt nach eurer Ankunft mit der TESS hat sich der Wirkungsradius verschoben. Auf 444,1 Kilometer erweitert.“

Ganz wie auf Kolonien des Solaren Imperiums geht auf Zeut daher technisch recht wenig, man hilft sich teils mit echter Mechanik aus und kommt gut klar zu Lande, Wasser und Luft. Das wirkt urig, kernig und schon deshalb grundsympathisch. Offensichtlich ist all das aber fremderzwungen und lässt Übles schwanen: Denn das hier Hypertechnik stillliegt, als würde sie im Dyoversum bei höchster Hyperimpedanz allzu gut funktionieren, könnte sich bei gleichartigem Rumoren schlimmstenfalls jederzeit auch auf Terra ausdehnen. Wenn denn beides direkt zusammenhängt, von einer gleichartigen Quelle ausgeht.

Da kann man für Perry nur hoffen, dass er rechtzeitig Anfang 2047NGZ den Termin bei Beteigeuze wird wahrnehmen können und nicht irgendwo im Nirgendwo unter Tage verschütt geht. Denn das mal höchst kritisch: Der feine Herr setzt sich über die Bedenken seiner Gattin ebenso hinweg wie über die Anweisung der Ersten Terranerin Orfea Flaccu, die ihn auf keinen Fall auf den unterirdischen Einsatz geschickt wissen will. „Sollst du nicht!“ „Kann ich aber wohl!“ Mag schon sein, Perry, ist aber energiereiches Futter für die Vanothen, die – spätestens wenn es im Chaos enden sollte, ein Lied von des Rhodans widerspenstigen Eigensinns singen werden – sehr disharmonisch.

Fazit zu „Zeut“

Der Auftakt zum zweiten Viererblock im „zweiten Zweig“ am Stamm des multiversalen Lebensbaumes ist gemacht. Und die neuen Rätsel bleiben für mich auch noch gänzlich nebulös. Wer oder was da einen vitalenergiefressenden Rumorer sowohl in Zeuts als auch wohl in Terras Erdkruste verpflanzt hat, erahne ich nicht. Langzeitpläne? Aber von wem denn bitte, wenn es laut NATHAN doch gar keine langzeitplanenden höheren Wesenheiten geben soll. Deplatzierter als Rumor jedoch der Exopsychologe Pierran Longat, angeblich spezialisiert auf die Psyche der Topsiderinnen. Doch zu was er eigentlich am Start war, bleibt mir schleierhaft.

„Die Aufbauten der TENWAFER-Jets sahen verwirrend aus; seltsam asymmetrisch.“ Ein wenig optisch installierte Asymmetrie auf sein Geheiß und sogleich sind die Echsen zutiefst verschreckt? Mehr nicht? Und ob dem überhaupt je so war, bleibt unkommentiert. Bzw. die Botschafterin schlottert dann nicht wegen dieser grausigen Kampfraumer, als sie das Angebot der Gelegemutter persönlich vorträgt, Perry möge zu einem Treffen nach Beteigeuze kommen. Genau genommen las ich nirgendwo Furcht heraus, die die Topsider befallen hätte.

Davon ab bin ich nichtsdestotrotz erneut Transformkanone bei Fuß, um zu erfahren, wie es sich weiter entwickelt. Denn:

„So viel möchte ich schon einmal verraten: Es gibt nicht auf alle Fragen sofort eine Antwort …“

Genau genommen noch gar keine Antwort, sondern nur Fragen!

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Dominic Schnettler
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Dominic Schnettler

Dominic ist Jahrgang 1985 und unterstützt unser Perry Rhodan Team mit Rezensionen zur aktuellen Perry Rhodan-Erstauflage. Darüber hinaus sucht er die Antwort nach allem, dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest, grokt bisher aber nichts. Liest dafür aber stetig neuentdeckte SF-Klassiker und ist in den unendlichen Weiten ganz zufrieden

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