[Perry Rhodan 3065] Beteigeuze

Lesezeit circa: 8 Minuten

Der Terraner und die Gelegemutter – retten Diplomaten die Zukunft?

Beteigeuze
© Pabel-Moewig Verlag KG

Titel: Beteigeuze
Autor: Susan Schwartz und Christian Montillon
Titelbild: Dirk Schulz
Erschienen: 15.05.2020

Zur Handlung

Auf Vurayur (Beteigeuze4) finden sich die Diplomaten und Oberhäupter des topsidischen Sternengeleges sowie der Liga freier Dyo-Galaktiker ein, um einen Frieden zwischen den beiden Parteien auszuhandeln. Das auf dem Boden der indigenen Yura, deren Primrat als dritte Macht zur Diplomatie und Gewaltfreiheit mahnt.

Dies ist bitter nötig, denn kaum ist die Delegation um Rhodan vor Ort, gibt es den ersten mehrerer Anschläge auf den Terraner, seine Begleiter*innen wie Farye und Sichu und die Residentin. Mit einem überzeugten Vanothen kann Rhodan sich austauschen, insgeheim trifft er sich sogar mit der Gelegemutter Bun-Akkbo, doch während die Diplomaten um Inhalte ringen, muss Phylax die Leute seines Herrchens Donn mehrfach retten. Als die Residentin vom terranischen Sicherheitschef Odai Krimmer entführt wird, greift Iwán psikräftig ein und kann dessen hintertreibende Machenschaften beenden. Nachdem dieser sabotierende Fundamentalist dingfest gemacht werden konnte, kann am 05.01.2047NGZ ein Frieden für die neu ausgerufene Orion-Allianz Ochiu verkündet werden!

Die Drei Ultimaten Beobachtungen

1. Wunderbare Sichu

Chefwissenschaftlerin der LfG, militärisch geschult, als Ator aus fernster Galaxie stammend, größer als alle ZAC-Kerle inklusive Atlan und ihrem Göttergatten. Mir gefällt Sichu immer und hier hat sie – obwohl überhaupt nicht zentral – mehrfach schöne Auftritte, die ich hiermit würdigen möchte!

»Und eine kurze Recherche hat ergeben, dass du Sichu Dorksteiger sein musst, die Chefwissenschaftlerin der anderen Liga und ganz nebenbei Ehefrau des berühmtesten aller Terraner.«

»Ich weiß nicht, ob nebenbei die korrekte Bezeichnung ist«, sagte Sichu. »Keine Ahnung, welcher Job anstrengender ist.«

Rhodan verkniff sich ein Lachen. Offenbar war Sichu bester Laune.

Und wenn man das aus dem Kontext von Kapitel 5 reißt, dann meint man sich fast in der Serie geirrt zu haben:

“Es klopfte, während Sichu duschte.

Eine unruhige Nacht lag hinter Rhodan.

Das Gespräch in der Bar hatte ihn weitaus mehr mitgenommen als die Attacke der Poyiden. Er ging zur Tür und öffnete, statt die Positronik zu fragen, wer draußen wartete.“

Frisch geduscht musste sie dann nur ihren eigensinnigen Mann aushalten, der auf risikoreiche Diplomateneinsätze heimlich geht und sich mit fremden Frauen trifft; musste sie Frontalangriffe von Poyiden, Yura-artiger Raubtiere kämpferisch abwehren, nachdem sie mit ihrem Mann besten Wein gelitert hatte. Ist schon nicht leicht mit diesem Endloslebenden, wie die Topsider relativ Unsterbliche bezeichnen.

2. Zum Sternengelege

“Das Sternengelege ist militärisch, es breitet sich aus und ist zugleich heimatverbunden; die Topsider sind kriegerisch, aber im Privaten an Kunst und Dichtung interessiert.
Sie denken anders als wir – die Differenzen beschränken sich nicht auf Äußerlichkeiten. Nehmen wir als Beispiel nur eine der Grundlagen des Lebens – die Bindung an ihre Nachkommen. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man Kinder austrägt oder Eier in ein Nest legt. …“

So referiert Chefdiplomat Nevio Torwesten über die Topsiderinnen. Und wir erfahren mehrere weitere Details über das echsenartige Volk. Für mich erst überraschend, dass die sogenannte Gelegemutter nicht wie die Königin bei Ameisen oder Bienen tatsächlich als eierlegende Mutter ihres Geleges lebt. Genau genommen legt sie gar keine Eier, bleibt notwendig kinderlos und ist somit nur symbolisch die Mutter des Topsidervolkes im wie ein Gelege umsorgten Staat.

Und so zentralistisch das Reich auch geführt wird, die Nachfolge kann folglich nicht erblich sein, kann sich also nicht zu einer Erbmonarchie verfestigen. Vielmehr bekommt die Gelegemutter ihre vier Nachfolgerinnen – ebenfalls notwendig kinderlos – vorgesetzt, gewählt „aus der Mitte“ aller weiblichen Topsider. Durch Adoption wird eine von diesen dann symbolisch als Kind in den Rang der Amtsfolgerin aufgestuft. Diese Details finde ich allemal spannend, weil damit schnell deutlich wird, dass das Sternengelege sicherlich nicht der Hort des diktatorisch Bösen ist.

Und auch der Standpunkt der Topsider wird klarer, wie ihn Bun-Akkbo höchst selbst formuliert: »Für uns ist die Liga in unsere vertraute Welt als das Fremde geworfen worden.« Und: »Das Gefüge ist aus dem Gleichgewicht geraten«, denn obendrein übersinnliche „Akteure gefährden das kosmische Gleichgewicht.“

“»Ganz abgesehen davon, dass solche Wesen widernatürlich sind. Es ist anzunehmen, dass diese Übersinnlichen künstliche Schöpfungen von Wesenheiten sind, die ihr Superintelligenzen nennt. In unserem Universum gibt es solche höheren Mächte nicht. Durch diese Geschöpfe verschieben sich die Kräfteverhältnisse und können Katastrophen ungeahnten Ausmaßes auslösen.“

Kosmische Einsichten, die die Echsen hier als „Fakten“ vermitteln. Umso überraschender, dass die Hüterin einer solchen Ordnung bereitwillig und sogar angetan mit Iwa schmerzensteleportiert und das für sich als gewinnbringende Erfahrung anerkennt.

3. Simulierter Irrsinn

Rhodanautenkollege Mario liest sich zum wiederholten Male durch die perryversale Anfangszeit und zerrt hierbei so manches ans Licht, das ohne nostalgische Verklärung doch recht düster scheint. Da gab es so manches fragwürdiges Handeln Rhodans, unbedachtes Vorgehen im Hauruckverfahren, kollateralschädenreiche Experimentalkommandos und Kommandoeinsätze… Wenn man also ingrimmig will, könnte man Rhodans Vorgehen im Großen und Ganzen bis zum Ende des solaren Imperiums vieles nachweisen, was für ihn als Figur und Handlungscharakter heutzutage undenkbar wäre und was das Gros der Leserschaft so auch nicht mehr lesen wollte.

Ja, die Anfangszeit war wesentlich mehr geprägt von Military-SF-Elementen unter der Regie des gerade deshalb auch so genannten »Kanonen- bzw. Handgranaten-Herbert« Scheer. Ja die besorgtesten unter den Argwöhnischen wussten sogar, dass Perry Rhodan als Figur und Serie als ein „gottgleicher Führer“ und als „Hitler des Weltalls“ auftrete und derlei Woche für Woche als Heft verkörpere.

Das im Hinterkopf kann ich den sogenannten Sicherheitschef Odai Krimmer in diesem Heft nur als überzeichnete Verkörperung all der Vorwürfe gegen Figur und Serie Perry Rhodan lesen. Mithilfe von Simulationen einer offensichtlich miserabel programmierten KI (in den Protokollen festgehalten) ertüchtigt sich Krimmer für diesen machthungrigen, diktatorischen Rhodan und glaubt sich ihm gegenüber gerüstet. Damit erweist er sich als radikaler Irreversibilist im Tarnmantel des lokalen, rührselig um Ordnung besorgten Sicherheitschefs, der gewillt mit Yura und Topsiderinnen zusammenarbeitet. Was offenbleibt, ist, ob er als „einsamer Wolf“ handelte, der sich in der Simulation stetig aufputschte oder ob nicht doch andere ihm halfen, an bspw. die Impulsgeber für die lokale Raubtier-Fauna zu gelangen.

Höchst interessant jenseits seiner zerrütteten Wirrnisse und realitätsentrückten Ängste vor Rhodan ist an Odai Krimmer jedoch sein hautkontaktfreudiges Küsschen-Geben. Keiner war vor ihm sicher, selbst Sichu konnte ihn nur dank militärischer Ausbildung und mindestens einem halben Kopf Größenvorteil abwehren, was Topsidern und Yura nicht immer gelang. Stellt sich heraus: Er ist ein – wenn auch schwacher – Kontakt-Mutant, der durch Speichelübertragung die (nicht von einer Muse) Geküssten für sich gewinnen und beeinflussen kann. Eine Art Kontakt-Suggestor. Und das enthüllt sich uns, nicht lange nachdem die Topsiderinnen noch furchtsam von einem durch Rhodan bewirkten Ungleichgewicht geraunt hatten, was ins Dyoversum mitgebrachte Mutanten wie Donn oder Iwán erzeugen.

Psikräfte seien Nebenwirkungen von Superintelligenzen, die es im Dyoversum nicht gebe, ergo auch keine Mutantenfähigkeiten. Ist Krimmer nun der schlagende Gegenbeweis, die Widerlegung, dass das Dyoversum psilos ist? Oder ist das nur ein Erbe psibegabter Terraner, das über 400 Jahre später noch reaktiviert werden kann? Wird noch wichtig, wie denn nun kosmologisch das Dyoversum tickt und was dort nun eigentlich alles möglich ist. Vermute, da gibt es noch manch Entzauberung für die Echsen, denn Donn und Iwán können ihre Begabungen jederzeit genauso gut wie im ersten Zweig ausführen, ohne dass es ihnen an irgendetwas hierzu mangelt.

Fazit zu „Beteigeuze“

»Der Terraner ist kein träumerischer Visionär, sondern ein Visionär des Handelns, der letztlich immer versucht, den Frieden voranzubringen und zu einer Einigung mit allerlei galaktischen Fremdvölkern zu kommen.« So fasst ganz im Gegensatz zu Odai Krimmer KNF die Wesenszüge und die Grundhaltung von Perry Rhodan zusammen, die – finde auch ich – hier ganz wunderbar rüberkommt!

“Und mit den »Protokollen« gibt es ein Handlungselement, das mir sehr gut gefallen hat, das ich originell fand und das sich auch auf dem Titelbild von Dirk Schulz widerspiegelt.“

So originell und einnehmend fand ich die Protokolle nicht bzw. kann ihnen erst etwas abgewinnen, als mir klar geworden ist, wer (Krimmer) da was (Rhodans Charakter) simuliert und wie dermaßen fehl das geht.

Kann mir gut vorstellen, dass es für viele hier zu ruhig zu ging trotz der Anschläge. Ich fand den Roman dank all seiner schönen Details zu Beteigeuze 4, den Yura und ihrer Lebenswelt inklusive der vielfach dort hineinbrechender mörderischer Fauna, den Verhaltens- und Denkweisen der Topsiderinnen hingegen sehr gehaltvoll. Im Übrigen auch mal schön, dass es mit der Orion-Allianz Ochiu (topsidisch für Zuversicht) ein visionäres, vereinendes Projekt gibt, das Gutes verheißt und hoffen lässt. Nicht immer nur heuchlerische Friedensbünde a la Cairaner mit tödlichen endlosen Straßen oder in einem fort sich hintertreibende gezinkte Kartenspieler. Einfach auch mal einen – jenseits der Anschläge – ein Sieg des Lebens, das leben will, inmitten von Leben, das leben will!

Im allerersten Live-Video-PROC-Interview erfahren wir sodann auch, dass es nicht der letzte Viererblock zum Dyoversum von diesem Duo scriptorale gewesen sein wird; dass Susan Schwarzt in Wahrheit Phylax Herrin ist und ihn „sprechen“ lässt. Von ihr daher auch die Szenen mit kampfwütiger Fauna, die von Phylax erst geräuschvoll „befriedet“ werden muss. Sehr sicher von Monti, aber die Protokolle („rast“ und „rasen“ als Hinweise) und die Szenen mit dem vanothischen Wirt – denn hier tritt ein Monti-typischster skurriler Roboter auf (Kap.5).

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Dominic Schnettler
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Dominic Schnettler

Dominic ist Jahrgang 1985 und unterstützt unser Perry Rhodan Team mit Rezensionen zur aktuellen Perry Rhodan-Erstauflage. Darüber hinaus sucht er die Antwort nach allem, dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest, grokt bisher aber nichts. Liest dafür aber stetig neuentdeckte SF-Klassiker und ist in den unendlichen Weiten ganz zufrieden

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