Die Kristallbaronien zwischen mächtigen Feinden – die Abwehrflotte ist führungslos.

Arkons Admiral
© Pabel-Moewig Verlag KG

Titel: Arkons Admiral
Autor: Kai Hirdt
Titelbild: Swen Papenbrock
Erschienen: 22. November 2019

Zur Handlung

Krieg um Thantur-Lok. Im Inneren sabotierte und sich zersetzende Sternenbaronien, wogegen sich ein auf- und zielstrebiger junger Admiral stellt. Doch gerät er gerade wegen seines entschiedenen Einsatzes während wichtiger Erkundung feindlicher Militärmanöver in Gefangenschaft und kann nicht zu Arkons Admiral aufsteigen. Mit Hilfe der USO als verdeckter Einsatz in Thantur-Lok geplant, gerät nicht mehr so junger Atlan da Gonozal in die Mühlsteine von Intrigenspiel und Kriegsparteien.

Er muss angesichts der Bedrohung seiner alten Heimat unverhofft und ungewollt die vom geistig zunehmend zerrütteten Baron da Ariga angetragene Bürde militärischer Führung annehmen und als Mascant in die Verteidigungsschlacht für Arkon ziehen. Erste Erfolge gegen zahlenmäßig übermächtige, von seinem doch noch lebenden Vorgänger Jarak da Nardonn befehligte Flotte aus Naats und Ladhonen verkommen zu eventuell bloßem Pyrussieg: denn Nardonn verheißt eine verlockende friedliche Zukunft mit einem durch cairanische Hilfe wiedererrichteten Arkonsystem mit den Drei Planeten, wenn denn Arkons Admiral ausgeliefert werde…

Die Drei Ultimaten Beobachtungen

1. Karriere in einer Woche:

Admiral Markul del Fermi stand gar nicht im Exposé und nimmt als Charakter dennoch sechs von 18 Kapiteln ein. Und das mit Fug und Recht: mit ihm erleben wir eine desorganisierte bzw. gezielt gelähmte Admiralität Arkons, die sich zu wenig um veränderte Gegebenheiten kümmert und so sehenden Auges in den aufziehenden Sturm gerät. Die Sternenbaronien, in denen uralte tradierte  Adelstitel mehr zählen als Tatkraft, Inhalte und Kompetenz und wo Rangniedrigere wie bloß ein „del“ (Adliger Erster Klasse aus dem Mittleren Adel) daher ignoriert werden. So ergeht es del Fermi, der sich dennoch über seinen Rang hinwegsetzt und im Dienste und zum Wohle der Baronien handelt.

Am Ende hintertrieben vom vermeintlichen Freund, als Fermi in den nutzlosen, weil missgönnten Hochadel aufgestiegen ist, landet er tragisch in Gefangenschaft. Von dort aus kann er nicht mehr in den Kampf um Thantur-Lok (M13) eingreifen, sondern muss mit ansehen, wie 25.000 Einheiten aus Naats und Ladhonen unter Befehl des Renegaten Jarak da Nardonn die Verhältnisse umstürzen wollen.

Mit ihm bekommen wir vorgeführt, wie es um die in sich zerrissenen Baronien bestellt ist, die kaum noch vom handlungsunschlüssigen Baron da Ariga gegen die intrigierenden Kristallgetreuen zusammengehalten werden können. Und dann noch die Verheißung eines Neubeginns im Alten unter Nardonns Führung. Ein Spiel um Macht und den Thron im Kristallpalast auf Zalit. Destabilisierung, Intrigen, Verrat, Sabotage – all das entspinnt sich um denjenigen, der doch nur zum Besten Arkons vehement und ideell eintritt.

Das finde ich außerordentlich treffend und packend geschildert, der ich aber auch großer Fan und Freund Arkons bin. Daher bin ich an Entwicklungen rund um die Arkoniden besonders interessiert und bekomme hier ein schillerndes Panorama um Traditionen und Auferstehung alter Zeiten ringender Arkoniden durch die Augen zielstrebigen Fermis geboten – toll!

2. Paranoider Beuteterraner und Rangabzeichensammler:

Arkons Admiral, das wird doch sicherlich dieser Atlan, wie kann es anders werden. Doch dann scheint es – und ich hätte es ihm gegönnt – rangaufgestiegener Markul agh Fermi bis zu seiner Gefangenschaft zu werden… Doch einstiger Admiral Arkons zu Zeiten des Methankrieges, Kristallprinz und späterer Imperator Gonozal VIII ist weiterer Titel nicht müde.

Aus guten Gründen zweifelt und zaudert er zwar mit Baron da Arigas Angebot, um in sich zuspitzender Lage wie einst auf Traversan zum Admiral der Sterne aufzusteigen. Angereist, um unauffällig mit bester UMBRA-Technik an Bord der RATBER TOSTAN die Lage insgeheim auszukundschaften, wird Atlan vom Sog der Ereignisse mitgerissen und reißt diese als Mascant sogleich an sich und in eine neue Richtung. Schon in früheren Heften ist Atlan ein Zauderer mit den neuen Verhältnissen und kann den Zeitsprung von 500 Jahren mit am Schwersten überwinden, der er doch allein auf Erden so oft solche Zeitsprünge durchlebt hat.

Nahezu paranoid misstrauisch gegenüber alten Freunden wie allen voran Bull mit chaotarchisch geprägtem Zellaktivator, ist es inmitten des Sturms er, Atlan, der Altes auferstehen lässt: er benennt sein neues Flaggschiff nach altem Mentor TARTS und führt in erster Schlacht gegen zahlenmäßig klar überlegene Ladhonen ein Manöver dieses alten Methankriegsveterans erfolgreich durch. Atlan wird zum Arkoniden alter Schule, der sich für seine alte Heimat offen einsetzt. Und nun muss er als Erbe von Jahrtausenden damit umgehen, dass sein Kriegswidersacher das Erbe des Kristallimperiums aufleben lassen will. Und vor allem soll Arkon und seine Tiga Ranton wieder an die Stelle der bleiernden Bleisphäre treten und so die gute alte Zeit auferstehen.
All das sehr überzeugend, insbesondere wie er das auch noch mit seinem Extrasinn ausficht, der obendrein noch in Höchstform ist.

3. Nichts geht über eine Stampede zu passender Zeit:

Vom Titelbild blickt sie uns bereits entgegen, die Unitherin Chaunna im Dienst der USO. Eigentlich soll sie nur garstig hastspießige Barniter durch M13 eskortieren, wie es Monkey auf Hovcai mit den Cairanern ausgehandelt hatte. Hauptberuflich gilt es freilich, für die USO stetig neue Informationen einzuholen. Doch erst wird sie zur Beobachterin einer der ersten Scharmützel zwischen Arkoniden und Naats und hält sich aus diesem weitestgehend heraus: “Nicht unser Kampf.“ Als Zeugin gerät sie dann doch vollends in die weiteren Ereignisse dieser rüssellos kurznäsigen Humanoiden.

Ich stelle mir ihre beherzte, wildwüste Stampede gewaltig vor, mit der sie später im Kristallpalast auf Zalit den Weg für die fliehenden da Ariga, Dancer, Schlafner und Co. durch bedrohlich im Wege stehende Putschisten hindurch bahnbricht . Eine taffe, rigoros handelnde USO-Kommandantin, die mit allen Wassern ihren Rüssel gewaschen hat. Und als Lohn muss sie dann nicht nur mit besagten, sehr nervenden Barnitern weiterreisen, sondern hat nach gewagten Fluchtmanövern auch noch Baron und Begleitung als Ehrengäste an Bord. Hoffentlich erleben wir sie nochmal, wie sie diesen rotznäsigen Stummelnäslern erneut aus der Patsche hilft!

Fazit zu „Arkons Admiral“

Kaum ist die Mission SOL beendet, erscheint nur eine Woche später Kai Hirdts erst zweiter Beitrag zum laufenden Zyklus – und der hat es in sich. Kein ruhiger Beginn zurück auf der Milchstraßenhandlungsebene, nein! GoTeske galaktopolitische Zuspitzungen im Brennpunkt Thantur-Lok. Kristallimperial gesinnte Traditionalisten um ehemaligen Mascant da Nardonn greifen im Bündnis mit Naats nach der Macht. Das angeblich auch gegen äußere, vor allem aber innere Feinde. Dabei gehen ihnen Ladhonen direkt zur Hand und Cairaner führen im Hintergrund Fäden in den Außenhänden.

Anfangs drei Handlungsebenen, die Kai Hirdt gekonnt zusammenführt und uns inmitten eines heißen Krieges aus dem Heft entlässt. Atlan mitnichten undercover unterwegs, sondern zurück in Amt, Würde und noch mehr Bürde. Er kann nun Arkons Verteidigungsflotte dirigieren, das aber gegen einen sichtbar übermächtigen Gegner mit der Spontan Punktierungs-Transformkanone als verheerender neuer Waffe und unsichtbaren Strippenziehern dahinter.

Oder sollten Cairaner in der Lage sein, die Bleisphäre (etwa mittels dem sagenhaften Sternenrad) zu entfernen und durch ein normales Sonnensystem zu ersetzen? Werden die kaum bekannten Shenpadri hierbei dienlich sein? Und welche Hermetische Botschaft aus einer mehr als 100 Jahre zurückliegenden Zeit bekommt er just nun überreicht, als ultimativ die Auslieferung des „Atlan-Darstellers“ verlangt wird und der weitere Kriegsverlauf auf Messers Schneide steht?

Seit einer Fleischpfanne von Mitautor Leo Lukas gehen die Worte mit Kai Hirdt nur so durch und er hat für mich hier einen grandiosen, mitreißenden, packenden und vielschichtigen Roman abgeliefert. Tolle Charakterzeichnungen von Fermi und Chaunna in nur wenigen Kapiteln. Und Atlan mit mitreißenden Wendepunkten, die aber vielmehr als “katalytischer Held, der sich selbst wenig ändert, sondern Veränderungen in denen um ihn herum auslöst.“

Exposévorgaben, Setting, vor allem aber Kai Hirdts Schreibe im Detail sind zusammen und in Summe allerbestens. Arkon resp. Thantur-Lok als Westeros des Perryversums, wo sich niemand niemandem sicher sein darf. Mehr davon, öfter von ihm, der bis zur Fortführung einer Mission SOL noch gut 4 Monate Zeit hat, um mit weiteren Feuerwerken aufzuwarten.

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Dominic Schnettler
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2 Gedanken zu „[Perry Rhodan 3040] Arkons Admiral“
  1. Von KNFs Blog, das ich an der Stelle auch verlinkte. Demnach hat sich Kai Hirdt Fermi hinzugedacht, vermutlich um aus etwas außenstehenderer Perspektive erzählen zu können.

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