Der Film ist eine Wucht. Wobei sich die Frage stellt, ob er nicht im Kino noch wuchtiger gewesen wäre?
Ein bitterer Beigeschmack
Als Fan des Avatar-Franchise müsste man aktuell eigentlich voller Freude sein. Zum einen, weil jetzt endlich der lange angekündigte Film herausgekommen ist. Und zum anderen, weil im Oktober mit Seven Havens die nächste Serie endlich herauskommen wird.
Doch bei aller Euphorie mischt sich auch ein bitterer Beigeschmack mit rein. Denn das Franchise wurde zuletzt von Paramount alles andere als liebevoll behandelt. Das Studio hatte nämlich ursprünglich versprochen, den Film in die Kinos zu bringen, rückte allerdings von seinem Versprechen ab. Stattdessen sollte Avatar Aang: Der Herr der Elemente exklusiv auf dem Streamingdienst Paramount+ herauskommen. Verschlimmerst wurde diese Situation dann noch im Frühling dieses Jahres, als der Film online geleakt wurde. Was die Stimmen all jener, die nach einem Kinorelease fragten, nur noch verstärkte. Doch Paramount hielt an ihrem Plan fest.
Allerdings wiederum nicht so wirkliche. Denn um für bestimmte Filmreise in Frage zu kommen, sollte der Film einen limitierten Release in gewissen Kinos kriegen. Was natürlich für die Fans einem Schlag ins Gesicht gleichkommt.
Netflix sei dank
Doch der Reihe nach: Denn ursprünglich sah es nicht danach aus, als ob Avatar-Franchise jemals wiederbelebt werden würde. Denn die Schöpfer und Verantwortlichen dahinter, Michael Dante DiMartino und Bryan Konietzko, hatten im Jahr 2020 die Produktion der Live Action-Adaption von Avatar: Herr der Elemente auf Grund kreativer Differenzen verlassen. Doch dann sollte ihr Franchise durch den Release der beiden Serien auf Netflix einen Boom erfahren. Weshalb Paramount sich mit den zweien wieder versöhnen sollte.
Weshalb sie anschließend dem 2021 gegründeten Avatar Studio als kreative Berater beitraten. In dieser Zeit wurde dann auch der Film angekündigt, der nach den damaligen Plänen, wie gesagt, noch in die Kinos kommen sollte. Als Regisseurin wurde im Juni 2022 Lauren Montgomery vorgestellt, die bei der allerersten Serie als eine der Storyboard-Künstler tätig war und bei Die Legende von Korra eine der Produzenten war. Kurz darauf wurde auch bekannt, dass der Film sich auf die Gang, also auf Aang und seine Freunde, als Handlungsträger fokussieren würde. Im April 2023 wurde auf Grund eines Sneak Peeks bekannt, dass diese mittlerweile junge Erwachsene sein würden, derweil im April 2024 William Mata als Co-Director neben Lauren Montgomery präsentiert wurde. Der finale Cut wurde im März 2026 fertiggestellt und dem gesamten Cast und Crew vorgestellt. Der Film sollte am Ende Avatar Aang: der Herr der Elemente lauten und ein Budget von 80 Millionen US Dollar haben.
Beim Cast sollte bis auf eine Ausnahme niemand von den originalen Sprechern wieder zurückkehren. Stattdessen wurden Leute gecastet, die eher der Ethnie der Figuren entsprachen. Das war eine Reaktion auf eine Entwicklung, die in den Jahren zuvor stattfand, wo es nicht gerade wenig Shitstorms gab, wenn mal wieder ein Charakter mit einem Nicht-Weißen aussehen von einem Weißen gesprochen wurde.
Ein Gefühl von Hoffnung
Und so wurde der amerikanische K-Pop-Sänger Eric Nam zu Avatar Aang, während Dava Bautista (Guardians of the Galaxy) als der uralte Luftbändiger Taga gecastet wurde. Die Kandierin Jessica Matten (Dark Winds) übernahm die Rolle der Katara, derweil ihr Filmbruder Sokka von Román Zaragoza (Ghosts) gesprochen werden sollte. Als Toph konnte man Dionne Quan (Rugrats) hören, die genau wie ihre Figur blind ist. Steven Yeun (The Walking Dead) erhielt den Part von Feuerlord Zuko und Taiki Waiki (Thor: Tag der Entscheidung) wurde zu dem Geist Gorillavark. Der einzige, der vom originalen Cast zurückkehren sollte, war niemand Geringeres als Dee Bradley Baker, der einmal mehr Appa und Momo eine Stimme geben sollte.
13 Jahre sind vergangen, seit dem Aang und seine Freunde den hundertjährigen Krieg beendet hatten. Der Avatar hat seitdem einen verlassenen Lufttempel wieder aufgebaut und ist auf der Suche nach uralten Artefakten. Eines Tages wird er von einer Gruppe angegriffen, die sich die Zurückgebliebenen nennen. Es handelt sich um Nicht-Bändiger, die im Krieg viele ihrer Freunde und Verwandten verloren haben. Sie können mit einer bislang gut versteckten Schriftrolle davon kommen, die zu einem uralten Artefakt führt.
Aang nimmt daraufhin später Kontakt zu seinen früheren Inkarnationen auf, wo er erfährt, dass das Artefakt ein Stab ist, der zu der verschollenen Avatar Sonam gehört. Damit lässt sich Energie aus der Geisterwelt kanalisieren und kontrollieren. Der Avatar trommelt daraufhin seine Freunde zusammen und sie machen sich auf dem Weg zu dem letzten Ort, wo Sonam gesehen wurde. Doch sie finden nicht sie dort vor, sondern einen Luftbändiger, der genau wie Aang in Eis eingeschlossen ist. Sein Name ist Taga und er hat vor über mehreren tausenden Jahren gelebt. Für Aang ist dies Anlass zur Hoffnung, dass er die Luftbändiger wiederbeleben kann.
Eine enorme Erwartungshaltung
Die Erwartungshaltung an Avatar Aang: der Herr der Elemente war enorm. Die Fallhöhe entsprechend ebenso. Wie würde der Film es schaffen, sowohl an die Serie anzuschließen und gleichzeitig auch zu verhindern, dass es Elemente einbaut, die der Nachfolgereihe Die Legende von Korra zu widersprechen. Würde der Streamingfilm eine genauso komplexe Handlung haben, wie die Reihe? Oder würde er simpler sein?
Das gute ist, dass der Film es schafft, Widersprüche zu vermeiden. Stattdessen werden hier und da Grundlagen aufgebaut, für Elemente, die chronologisch gesehen später Korra definieren sollten. Dazu gehört der Ausbau von Republika (Gegründet in einem der Comics), aber ebenso dann die Gründung des Lufttempels außerhalb der Stadt. Es sind eben kleine Elemente, die jedoch gleichzeitig dafür sorgen, dass der Film gut in die Kontinuität eingebettet worden ist.
Genauso, wie es auch die kleinen Anspielungen sind, die für Spaß sorgen. Man hat wieder den Mann, aus Die Kriegerinnen von Kyoshi der beim Anblick des Avatars verzückt und mit Schaum vorm Mund zusammenbricht. Nur, dass er dieses Mal nicht alleine ist, sondern er einen Sohn hat, die es ihm gleich tut. Derweil seine schwangere Frau das Geschehen genervt mitkriegt. Auch der Kohlköpfemann ist wieder da und bangt um seine geliebte Ware. Hier merkt man, dass Leute am Werk waren, die Serie lieben und wussten, was der Zuschauer erwartet.
Es ist nicht alles lockerfröhlich
Doch der Tonfall ist eben nicht nur lockerfröhlich. Er ist auch mitunter ernst. Denn Aang trägt immer noch die Last mit sich herum, dass er der letzte Luftbändiger ist. Ebenso, wie er jetzt eine gewisse Überlebensschuld mit sich herumschleppt, weil er damals geflohen ist, ehe die Feuernation seine Heimat niederbrannte. Es zeichnet ihn allerdings aus, dass ihn das zwar rumtreibt. Ihn aber nicht absolut bestimmt.
Dennoch kann man nachvollziehen, wieso der Anblick von Taga ihn so erfreut hat. Ein weiterer Luftbändiger, noch dazu einer, der genauso wie er über längere Zeit eingefroren war. Und Taga weiß auch, wie er den Avatar zu neuen Spitzenleistungen antreiben kann.
Taga selbst wird als jemand dargestellt, der im Prinzip genauso wie Aang von einer Überlebensschuld angetrieben wird. Nur, dass er diese noch besser versteckt, als der Avatar. Erst am Ende erfährt man, was ihn antreibt, wieso er überhaupt so handelt, wie er es tut. Dabei wird er die ganze Zeit als intelligent charakterisiert. Als jemand, der sich nur dann in die Karten blicken lässt, wenn er es quasi selber erlaubt. Was selten genug passiert.
Nicht jeder wird gleich behandelt
Das Auftreten der Gaang ist natürlich mit ein Highlight in diesem Film. Vor allem, wenn man zu Beginn sieht, wie sie sich geändert haben. Sokka ist jetzt im südlichen Wasserstamm jemand, der durch seinen Erfindungsreichtum und Begegnungen mit dem Avatar profitieren kann. Katara leitet Republika und ist immer noch die Stimme der Vernunft. Toph hingegen führt eine Metallbändigerschule, wobei ihre Schüler von ihr regelmäßig im Kampf besiegt werden, was sie auf Dauer langweilt. Und Zuko selbst ist als Feuerlord mit der Bürokratie seines Reiches beschäftigt und froh, als die Nachricht von Aang ihn aus seinem grauen Alltag befreit.
Allerdings gibt es eine klare Hierarchie, was die Darstellungen angeht. Katara kriegt von allen am meisten zu tun, weil sie sich um Aang sorgt und Taga zu Recht misstraut. Die anderen kriegen zwar ebenfalls einige gute Szenen, in denen sie glänzen können. Aber wer hier erwartet, dass sie ähnlich viel beitragen können, wie in der Zeichentrickserie, der wird enttäuscht sein. Hier merkt man den gewaltigen Unterschied zwischen Film und Serie. Der Film hat weniger Zeit zur Verfügung und hat sich deshalb vor allem auf Aang konzentriert. Es wird zwar versucht auch den anderen Gelegenheit zu geben, zu glänzen, zu begründen, wieso sie da sind. Aber es sind eben überwiegend „nur“ Nebenfiguren, keine Hauptcharaktere. Womit man klar kommen muss. Denn um allen Figuren wirklich gerecht zu werden, hätte er nochmal eine halbe Stunde länger sein müssen. Und es wird ja sogar bei den Vergessenen zumindest das nötigste getan, um sie unterscheidbar und glaubwürdig wirken zu lassen.
Immerhin hat der Film ein hohes Handlungstempo, derweil er gleichzeitig auch das Mysterium um Taga und den verschwundenen Avatar weiter ausbaut. Ebenso bemüht er sich um eine gute Balance zwischen Humor und Spannung, was ihm sehr gut gelingt. Selbst in den düstersten Momenten gibt es kleine Aufheller, die einen zum Lachen animieren. Wie etwa, als die Gang im letzten Akt in der Geisterwelt ist und dort auf den exzentrischen Geist Gorillavark trifft.
Wird es eine Fortsetzung geben?
Man merkt dem Film im positiven Sinne an, dass er ein hohes Budget hatte. Die Animationen sehen spektakulär aus, vor allem die Kampfszenen. Auch das Design der Figuren sieht großartig aus und ist eine Augenfreude. Wobei man sich hier fragt, ob er nicht auf Kinoleinwand eine noch größere Wucht entwickelt hätte, als jetzt auf dem Fernseher oder wo auch immer man ihn jetzt schaut. Eine Antwort wird es vermutlich hier in Europa nicht geben. Und das ist verdammt schade.
Es ist ein grandioser Film, der viel Spaß macht. Und wer weiß? Vielleicht gibt es, wenn er erfolgreich ist, sogar irgendwann eine Fortsetzung? Das Interesse dürfte vorhanden sein.
Info
Regie: Lauren Montgomery
Drehbuch: Tim Hedrick, Christopher Yost
Story: Bryan Konietzko, Michael Dante DiMartino, Tim Hedrick, Kenneth Lin
Produktion: Maryann Garger, Latifa Ouaou, Bryan Konietzko, Michael Dante DiMartino
Musik: Jeremy Zuckerman
Kamera: Damon O’Beirne
Schnitt: Michelle Mendenhall
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
Warpskala
Warpskala- Die Legende von Korra – 04 – Die Stimme in der Nacht - 30. Juli 2026
- Avatar Aang: Der Herr der Elemente (2026) - 29. Juli 2026
- Roter Mars (Kim Stanley Robinson) - 29. Juli 2026
