[Prometheus Band 18] Die Sandkorntheorie

Lesezeit circa: 6 Minuten

Mit dem 18. Band von Christophe Becs „Prometheus“ – Reihe sind wir beim letzten der bisher erschienenen Teile angekommen. Zwei weitere Bände sollen noch in diesem Jahr folgen.

Die Sandkorntheorie
© Splitter Verlag

Wird „Die Sandkorntheorie“ uns das Warten erleichtern, indem der Band offene Fragen beantwortet? Und ist Jean Diaz ein guter Ersatz für Stefano Raffaele, der die meisten der bisherigen Teile der Reihe gezeichnet hat? Sehen wir es uns an!

New York nach der Apokalypse

Die zwei Elitesoldaten, die in Band 17 an Bord eines Raumschiffes gegangen sind, fliehen in „Die Sandkorntheorie“ mit ihrem außerirdischen Gastgeber vor einem angreifenden Raumschiff der anderen Partei ins Meer. Durch einen Hinterhalt gelingt es ihnen, das feindliche Raumschiff zu besiegen. Zurück über dem Meeresspiegel verschwindet das Raumschiff mit den beiden Soldaten an Bord in einem Luftstrudel.

England 1838

Teki Turan verfolgt weiterhin im England des 19. Jh. einen Außerirdischen. Endlich erfahren wir, weshalb er beschlossen hat, den Menschen des 19. Jh. von den Außerirdischen zu berichten, statt sie weiter an ein Monster glauben zu lassen. Denn Teki sieht in dem Raumschiff des Außerirdischen seine einzige Chance, zurück in seine eigene Zeitlinie zu gelangen. Und wieder sehen wir bisher unbekannte Puzzleteile des Aufeinandertreffens Tekis mit dem Golfer Tim Scott. Christophe Bec bleibt hier also seiner ungewöhnlichen Erzählweise treu.

Auf offener See gelingt es Teki und der Polizei jedenfalls, den flüchtigen Außerirdischen zu stellen. Alle Menschen sterben bei der Konfrontation. Einzig Teki überlebt wegen des Eingriffs, den Tim Scott an ihm durchgeführt hat.

Syrakus 414 v. Chr.

Tekis Sohn Hassan Turan befindet sich weiterhin mit seinen Gefährten im Syrakus des Jahres 414 v. Chr. Der athenische Feldherr Nikias, der die Stadt belagert, glaubt an keinen Sieg in einer Feldschlacht und lässt deshalb Befestigungsanlagen bauen und setzt auf die Überlegenheit seiner Flotte. Dennoch gelingt ein Sieg zu Lande über die Truppen des spartanischen Feldherren Gylippos. Doch gelingt den Syrakusanern und Spartanern kurz darauf ein Gegenschlag, der das Ende der athenischen Belagerung bedeutet.

Da unsere Zeitreisenden diese Ereignisse detailreich vorhergesagt hatten, glauben ihnen die Syrakusaner nun, dass sie aus der Zukunft stammen. Auch nehmen die Zeitreisenden außerirdische Aktivitäten wahr und versuchen Kontakt zu dem jungen Mann aufzunehmen, der von Außerirdischen entführt worden und mit dem Mechanismus von Antikythera zurückgekehrt war.

Doch gilt es nun eine Entscheidung zu treffen, die folgenreicher nicht sein könnte. Die Zeitreisenden vermuten, dass es kein Zufall ist, dass sie sich im Syrakus des Jahres 414 v. Chr. befinden. Wollen die Außerirdischen, dass die Männer aus der Zukunft Athen zum Sieg über Syrakus und somit über Sparta ermöglichen? Dann würde es womöglich statt eines Römischen Reiches ein athenisches Imperium ohne Christentum geben. Die Menschheitsgeschichte würde völlig anders verlaufen und womöglich nicht in der Vernichtung des Jahres 2019 münden.

„Das Dorf“ und Washington

Im Dorf kommt der außerirdische Gefangene wieder zu sich. Es zeigt sich, dass es die Außerirdischen enorm ermüdet, mentalen Einfluss auf Menschen zu nehmen. So bleibt dem Gefangenen nichts anderes übrig, als sich auf einen Deal einzulassen. Im Gespräch ergibt sich, dass die Außerirdischen Millionen Jahre älter sind als die Menschheit. Vermutlich weil er einen Teil der Menschen um sich herum manipuliert hat, gewinnt der Außerirdische seine Freiheit.

Area 51

In der Area 51 gelingt es Wissenschaftlern, die Pläne der Außerirdischen für die Menschheit zu entschlüsseln. Als der ehemalige Präsident der USA, der nun als Gründervater bezeichnet wird, die Area 51 verlässt, erwartet ihn dort zur Warnung eine außerirdische Armee aus Bodentruppen und Raumschiffen. Hat sich der Präsident wirklich durch die Ereignisse geändert? Allem Anschein nach ja, doch stellt sich seine Frau nun gegen ihn.

Memphis 1959

German Denton gerät mit seinen Native American-Freunden in einen gewaltsamen Konflikt mit weißen Amerikanern. Bei den schweren Auseinandersetzungen tötet German versehentlich einen der Angreifer, was ungeahnte Folgen für das Raum-Zeit-Kontinuum haben kann. German ergreift die Flucht. Aufgrund seines wiederholt unvorsichtigen Verhaltens sind ihm seine Verfolger nun dicht auf den Fersen.

Mein Eindruck von „Die Sandkorntheorie“

Wie krass ist das denn? Wird Christophe Bec tatsächlich die Athener den Peloponnesischen Krieg gewinnen lassen und durch diese kontrafaktische Geschichte eine völlig neue Welt schaffen? Das habe ich nicht kommen sehen und wäre wirklich ein Brüller.

Etwas gemein ist, dass die Wissenschaftler in „Die Sandkorntheorie“ die neuen Gesetze und Regeln, die die Außerirdischen für die Menschen entwickelt haben, zwar entschlüsseln konnten, uns aber nichts zum Inhalt mitgeteilt wird. So wissen wir nicht mehr, als dass es deswegen zum Bruch zwischen dem ehemaligen Präsidenten der USA und seiner Frau zu kommen scheint.

Weiterhin offen bleibt, weshalb es zwei außerirdische Fraktionen gibt, die unterschiedliche Pläne mit der Menschheit verfolgen.

Der Zeichnerwechsel von Stefano Raffaele auf Jean Diaz ist mir nur auf der ersten Seite ganz kurz aufgefallen. Insgesamt betrachtet bleibt Diaz dem bisher gewohnten Stil treu, weshalb der Comic auch optisch voll überzeugen kann.

Ein kleiner Wermutstropfen sind – für Freund_innen der Antike – mal wieder die Übersetzungen. Im Band 17 wurde z.B. die Peloponnes etwas ungewöhnlich in einen deutschen Satz eingebaut. Probleme mit griechischen Begrifflichkeiten bleiben leider auch in Band 18 „Die Sandkorntheorie“ bestehen, wenn eingangs etwa von „Thucydide“ statt von Thukydides die Rede ist und es auf Seite 9 statt Lokroi Locri heißt. Man könnte weitere kleine Fehler wie diese aufzählen. Das ist natürlich alles nicht gravierend, aber wenn ein Comic dermaßen prominent in der griechischen Antike handelt, könnte man da ein bisschen besser drauf achten.

Fazit

Die Erzählung bleibt auch in „Die Sandkorntheorie“ gewaltig und ich kann das Erscheinen von Band 19 (Artefakt) und Band 20 (Die Zitadelle), die im Juli bzw. Oktober 2020 erscheinen sollen, kaum erwarten.

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Michael Kleu

Michael Kleu

Michael ist Jahrgang 1978 und Althistoriker. Er schreibt einen eigenen Blog über die Antikenrezeption in fantastischen Medien.

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