[DSC 012] Blindes Verlangen

Lesezeit circa: 8 Minuten

Herrscht wirklich Blindes Verlangen in der 12. Star Trek – Discovery-Episode?

Sehnsucht

Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) und Gabriel Lorca (Jason Isaacs) sind unterwegs zur Charon, dem Schiff, auf dem sich der Imperator befindet. Dabei informiert sie ihn darüber, was sie und die Mannschaft der Discovery in der letzten Zeit herausgefunden haben. Gleichzeitig gesteht sie aber auch, dass sie sich vor einer Begegnung mit Philippa Georgiou (Michelle Yeoh) fürchtet, weil sie es nicht schafft, diese mental von dem mütterlichen Mentor zu unterscheiden, unter dem sie im normalen Universum gedient hat. Ehe beide allerdings noch weiter über dieses Thema sprechen können, kommen sie am Ziel an.

Zur gleichen Zeit irrt Stamets (Anthony Rapp) gemeinsam mit seinem Spiegel-Ich durchs Myzel-Netzwerk. Sie werden dabei von einer Korruption verfolgt, bis sie in den Maschinenraum fliehen können. Dort sprechen beide miteinander und vergleichen ihren jeweiligen Wissensstand. Doch dann sieht er seinen Ehepartner Culber (Wilson Cruz) und folgt diesem, obwohl sein Spiegel-Gegenstück meint, dass der nur eine Illusion wäre.

Saru (Doug Jones) wurde derweil auf die Krankenstation gerufen. Es geht Ash Tyler (Shazad Latif) immer schlechter. Deshalb beschließt der Kelpi mit L’Rell (Mary Chieffo) zu reden, die er überreden kann, ihm zu helfen. Aber sie verlangt von ihm, dass sie die notwendige Operation zur Rettung durchführt und niemand sonst.

Der Tod ist überall

Michael Burnhams Begegnung mit dem Imperator verläuft alles andere als glatt. Immer wieder geschehen ihr kleinere Schnitzer, die am Ende Georgiou klar machen, dass sie nicht ihr geliebter Schützling ist. Weswegen sie von ihr zum Tode verurteilt wird.

Stamets hat derweil Culber gefunden. In ihrem gemeinsamen Quartier reden sie miteinander und der Lieutenant erfährt vom Arzt, dass es die Präsenz seines Gegenstücks ist, die das Netzwerk korrumpiert. Mit einem letzten Hinweis seines geliebten Ehemannes erwacht er wieder an Bord der Discovery und geht als erstes zum Sporenwald, nur um entsetzt zu entdecken, dass dieser abgestorben ist.

L’Rell führt an Ash Tyler die Operation durch. Sie entfernt Voqs Geist, sodass die Persönlichkeit des Sternenflottenoffiziers überbleibt und es diesem wieder besser geht. Sie selbst schreit in diesem Moment los.

Ein Wendepunkt

Michael Burnham beschließt, dem Imperator die volle Wahrheit zu sagen. Entsetzt sieht sie, wie diese im Anschluss nahezu alle potenziellen Mitwisser auf einen Schlag eliminiert. Und erfährt anschließend von dieser, dass sie einen Deal mit ihr eingehen möchte. In einem späteren Gespräch äußert der Imperator ihr gegenüber die Vermutung, dass Gabriel Lorca in Wirklichkeit aus dem Spiegel-Universum stammt. Das löst in Michael Burnham eine Assoziationskette aus, wodurch sie am Ende ebenfalls zu derselben Erkenntnis gelangt.

Gabriel Lorca gelingt derweil die Flucht aus seiner Zelle. Skrupellos tötet er dabei den Gefängniswärter. Und es zeigt sich, dass die Vermutung des Imperators richtig war: Er stammt wirklich aus dem Spiegeluniversum!

Blindes Verlangen ist eine Folge, die einen Wendepunkt in der ersten Staffel von Star Trek: Discovery markiert. Hier werden viele Handlungsfäden so weiterentwickelt, dass es bei den kommenden Episoden interessant sein wird, wie diese damit umgehen werden. Auf diese Weise sorgt die Serie schon jetzt für jede Menge Spannung und Erwartungshaltung.

Achtung, Warnung!

Mit die wichtigste Entwicklung ist die Handlung um Ash Tyler. Wie es scheint, hat L’Rell die Persönlichkeit von Voq geopfert, um den Körper ihres Geliebten zu retten. Eine interessante Entscheidung seitens der Klingonin, bei der man auf die Begründung gespannt sein darf. Wäre es nicht besser gewesen, sie hätte das Umgekehrte getan und das Ich des Sternenflottenoffiziers entfernt? Aber vermutlich ging es nicht anders.

Immerhin haben die Macher der Folge ein wenig Kontinuität eingebaut. Als L’Rell sieht, dass Voq nicht mehr ist, brüllt sie. Da kommen natürlich Erinnerungen an TNG und spätere Star Trek-Serien auf, wo dies die klingonische Tradition war, um das Totenreich vorzuwarnen, dass es einen Krieger aufnehmen wird.

Der beste Plot von Blindes Verlangen ist allerdings das Geschehen mit und um Stamets. Die Handlung wirkt zunächst mysteriös, als die beiden Versionen des Lieutenants von der Korruption verfolgt werden. Und wird dann melancholisch, als der Stamets aus dem bekannten Universum seinem Ehemann wieder begegnet und sich daran erinnert, wie diesem von Ash Tyler das Genick gebrochen wurde.

Vorhersehbar

Gleichzeitig wird hier erneut bestätigt, dass Stamets schon vor der Ankunft der Discovery mit dem Spiegel-Universum in Kontakt stand. Was vermutlich die Reise des Schiffes mit beeinflusste. Die Interaktion mit seinem Spiegel-Ich ist übrigens wunderbar gelungen. Anthony Rapp spielt seinen Konterpart mit einer herrlich übertriebenen Arroganz und Hinterhältigkeit. Hier wird es in den kommenden Folgen interessant zu sehen sein, wie sich das Erwachen der beiden auf ihrem jeweiligen Schiff auf den weiteren Verlauf der Handlung auswirken wird. Denn der Spiegel-Stamets weiß ja von der Existenz der Reisenden aus dem anderen Universum. Ein Wissensvorsprung, den er, wie es bei Leuten aus dem Spiegeluniversum üblich ist, sicherlich zu seinem eigenen Vorteil nutzen wird.

Im Vergleich zu diesen beiden Plots fällt die Handlung rund um Michael Burnham und Philippa Georgiou ab. Und das, obwohl ein Großteil der Folge darauf entfällt zu zeigen, wie sich das Verhältnis zwischen den Zweien entwickelt. Wie Burnham immer wieder kleinere Fehler unterlaufen, die am Ende dazu führen, dass der Imperator sie verhaften und hinrichten lassen möchte.

Das Problem ist, dass diese Plot-Entwicklung doch sehr vorhersehbar war. Und die Macher von Blindes Verlangen sind dabei eben auch nicht subtil vorgegangen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wieso es ausgerechnet erst Georgiou auffällt, dass da etwas nicht stimmt, und den anderen Offizieren nicht. Eine Erklärung wäre sicherlich die Nervosität Burnhams. Doch dieses Argument stellt nur geringfügig zufrieden.

Ein gelungener Plot Twist

Wie auch immer: Die Reaktion des Imperators auf die Enthüllung sorgt wieder für Interesse. Sie tötet sicher nicht umsonst nahezu alle anderen Offiziere. Sie hat einen Hintergedanken, der ein weiterer Grund dafür ist, wieso man als Zuschauer gespannt ist, wie es weitergehen wird.

Blindes Verlangen endet mit der Enthüllung, dass Gabriel Lorca in Wahrheit aus dem Spiegeluniversum kommt. Indizien dafür gab es bereits in vorherigen Folgen. Vor allem seine Skrupellosigkeit und Kaltblütigkeit waren sichere Anzeichen dafür, dass da etwas mit ihm nicht stimmte. Dennoch ist dieser Plot Twist gelungen und das Interesse des Zuschauers an den kommenden Episoden ist weiter geweckt. Denn man möchte wissen, wie er jetzt vorgehen wird.

Blindes Verlangen ist leider ein unpassender Titel für die Folge. Denn das Einzige, was darauf zutreffen könnte, wäre die Beziehung zwischen Stamets und Culber, die aber hier nicht so intensiv wirkt, wie es der Name vermuten lassen könnte. Besser passt da der englische Folgenname Vaulting Ambition, was übersetzt ungefähr “Hochtrabende Ziele” oder “Enormer Ehrgeiz” bedeutet. Dieser Name ist insofern die bessere Wahl, da die angedeuteten Vorhaben von Georgiou und Lorca zu der Bedeutung passen.


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Götz Piesbergen
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