Der Nachfolgefilm eines absoluten Klassikers zu werden, stellt eine besondere Herausforderung dar.
Eine Fortsetzung mit Vorgeschichte
Goldfinger war und ist ein absoluter Klassiker und einer der besten James Bond-Filme aller Zeiten. Weshalb es natürlich umso spannender war, welches Filmabenteuer 007 als Nächstes erleben würde. Und wie dieses am Ende qualitativ ausfallen würde.
Feuerball war jedoch keine bloße Fortsetzung. Denn ursprünglich hätte dies der allererste James Bond-Film werden sollen, ehe es allerdings zu einem Rechtsstreit zwischen Kevin McClory und Jack Whittingham auf der einen und dem James Bond-Erfinder und Autor Ian Fleming auf der anderen Seite kam. Hintergrund war, dass das Duo der Auffassung war, das Letzterer den Roman auf einem fehlgeschlagenen Drehbuch, denn das Trio zuvor geschrieben hatte, basiert hatte. Der Prozess wurde am Ende außergerichtlich beigelegt und Kevin McClory erhielt gewisse Rechte an dem Plot, der Struktur und den Figuren.
Als dies geschah, war James Bond bereits ein voller Erfolg geworden. Und die Produzenten der Reihe, Harry Saltzman und Albert R. Broccoli befürchteten, dass McClory selber einen 007-Film drehen könnte, den sie nicht kontrollieren könnten. Weshalb sie ihm bei der Verfilmung des Romans die alleinige Produzenten-Nennung gaben, derweil sie selbst in den Credits „nur“ als Executive Producer gelistet wurden. Ebenso wurde er auch als einer der Drehbuchautoren gelistet. Konkret wurde aufgeführt, dass der Film auf einer originalen Story von Kevin McClory, Jack Wittingham und Ian Fleming basieren würde.
Die Rückkehr eines alten Bekannten
Trotzdem sollten die Befürchtungen von Saltzman und Broccoli Jahrzehnte später wahr werden. Denn in den 1980er Jahre wurde die Story erneut verfilmt. Sag niemals nie war dabei ein James Bond-Abenteuer, dass nicht von Eon produziert wurde. Und das mit der Rückkehr von Sean Connery in die Rolle glänzen sollte, die ihn einst berühmt gemacht hatte. Dabei ist diese Verfilmung nicht Teil der offiziellen James Bond-Filmreihe.
Nachdem diese Problematik geklärt worden war, war es Zeit, die Produktion zu starten. Und das fing schon mit der Wahl des Regisseurs an. Ursprünglich wurde Guy Hamilton gefragt, ob er nach Goldfinger wieder bei einem James Bond-Film Regie führen würde. Doch er lehnte ab, weil ihn die Arbeit an jenem Filmabenteuer zu sehr angestrengt und kreativ ausgelaugt hatte. Also wurde Terence Young angefragt, der schon bei den ersten beiden Filmen der Reihe auf dem Stuhl des Filmemachers saß. Und der sagte auch zu. Jahre später meinte er sogar, dass der Kinofilm genau zur richtigen Zeit gedreht wurde, da eine Low Budget-Produktion, wie es Dr. No war, nicht mehr funktioniert hätte.
Natürlich kehrten Sean Connery, Bernard Lee, Desmond Llewelyn und Lois Maxwell in ihre Rollen zurück. Als Filmantagonist Emilio Largo, Nummer zwei in der PHANTOM-Organisation, wurde der Italiener Adolfo Celi gecastet. Wobei im Original seine Stimme von Robert Rietty stammte. Als Bondgirl Domino wurde die Französin Claudine Auger gecastet, deren Stimme im Englischen Original wiederum erneut von Nikki van der Zyl stammte. Ursprünglich hatten die Produzenten versucht Raquel Welch für die Rolle zu begeistern, allerdings wurde daraus nichts. Luciana Paluzzi wurde zu der PHANTOM-Attentäterin Fiona Volpe. In der Romanvorlage war diese Rolle Irländerin, doch für die Adaption wurde sie extra für die Darstellerin zu einer Italienerin, genau wie sie selber. Die Rolle des Felix Leiter wurde dieses Mal von dem Amerikaner Rik Van Nutter dargestellt. Es sollte das einzige Mal bleiben, dass er den Kontaktmann des CIAs darstellen sollte.
Die Schwierigkeit, Erstklassigkeit fortzusetzen
PHANTOM hat einen gefährlichen Plan. Die Organisation zwei Atombomben zu stehlen und somit von der NATO Geld zu erpressen. Zu diesem Zweck tauschen sie einen der Piloten eines Transports der Bomben mit einem ihrer Leute aus. Ordnungsgemäß baut er eine Bruchlandung in den Bahamas, wird dann allerdings getötet, weil zu gierig geworden war und mehr Geld verlangt hatte.
James Bond selbst wird über Umwege in den Fall verwickelt. Zunächst trifft er indirekt auf Personen, die in den Plan involviert sind. Und lässt sich dann später in die Bahamas versetzen, wo er vorhat Domino, die Schwester des ursprünglichen Piloten, kennenzulernen. Allerdings ist sie mit Emilio Largo zusammen, der die Nummer zwei von PHANTOM ist und auch für das Vorhaben zuständig ist. Ein Katz- und Mausspiel entsteht.
Es ist natürlich schwer, auf einen erstklassigen Film wie Goldfinger zu folgen. Die Erwartungshaltung ist enorm, dass der Nachfolger das Niveau mindestens halten wird, wenn nicht sogar toppen wird. Leider enttäuscht „Feuerball“ diese Erwartungen. Es ist am Ende zwar kein schlechter James Bond-Film. Aber zur damaligen Zeit war er der bis dato schlechteste.

Wenn das letzte bisschen Charisma fehlt
Adolfo Celi macht eine großartige Arbeit, die Nummer zwei von PHANTOM zum Leben zu erwecken. Man lernt hier jemanden kennen, der sich ungern überraschen lässt, der auf seine Pläne vertraut und darauf, dass er die richtigen Leute an dem richtigen Platz hat. Das und seine Faszination für die Unterwasserwelt, vor allem für Haie lassen ihn interessant wirken.
Und auch die Interaktion mit James Bond direkt ist gelungen. Die Szene, wo er diesen zu einem Tontaubenschießen einlädt und 007 „aus Versehen“ alle Tontauben ohne Probleme abschießt, ist genial. Das sind die Augenblicke, in der die Figur auflebt.
Aber gleichzeitig muss man auch sagen, dass ihm das letzte bisschen nötige Quantum Charisma fehlt, um wirklich in bester Erinnerung zu bleiben. Es fehlt ihm das Bissige eines Auric Goldfingers oder das Geheimnisvolle eines Dr. No. Er ist ein guter Antagonist, aber kein überragender. Da haben die vorherigen Filme die Messlatte eben sehr hoch angelegt.
Eine Femme Fatale im wahrsten Sinne des Wortes
Dafür können die weiblichen Hauptrollen begeistern. Domino ist eine wahre Augenweide, die genau weiß, was sie will. Die zwar auch dem Charme eines James Bonds verfällt. Aber nicht sofort, sondern sich da Zeit gelassen wird. Wo gezeigt wird, dass sie mehr ist, als ein nettes Anhängsel von Emilio Largo.
Und doch steht sich auch ein wenig im Schatten von Fiona Volpe. Denn diese ist eine wahre Femme Fatale. Die in einem Moment mit ihrem Ziel schläft, nur um ihn anschließend im nächsten eiskalt umzubringen. Die mit Männern auf Augenhöhe verhandelt, nur um dann quasi hinterrücks für ihren Tod zu sorgen. Die ihren Gegenspieler anscheinend immer einen Schritt voraus ist, ehe sie einen fatalen Fehler macht, der sie am Ende selber das Leben kostet. Sie braucht den Vergleich zu einer Pussy Galore nicht zu scheuen. Beide Frauenfiguren sind vor allem für damalige Zeiten sehr, sehr stark. Und es tut einem schon fast leid, dass sie dann am Ende stirbt.
Doch auch Rik van Nutters Felix Leiter ist großartig. Zunächst einmal wirkt er vom Aussehen her wie ein Schönling, mit seiner grandios gestalteten Haartolle und seinem immer guten Aussehen. Seine Darstellung hat etwas Vergnügliches, so, als ob der Darsteller wirklich Spaß an den den Dreharbeiten hatte. Von allen bisherigen Schauspielern dieser Figur ist er der bis dato beste.
Da hätte ruhig etwas wegkommen können
Sehr schön ist außerdem, wie hier das gegenseitige, freundschaftliche Gestichel zwischen James Bond und Q weiter ausgebaut wird. Auch hier merkt man, dass die beiden Darsteller ihren Spaß an der Sache hatten. Es ist aber ebenfalls genial, wie 007 wiederholt bei der Vorstellung des neusten Gadgets den Vertreter der Abteilung Q wiederholt triggert. Für mich sind diese Momente eine der schönsten der gesamten „James Bond“-Reihe. Auch wenn sich die Dynamik natürlich im Laufe der Jahre ändert, dadurch bedingt, dass Desmond Llewelyn immer älter wurde, derweil die 007-Darsteller irgendwann deutlich jünger waren als er.
In Sachen Cast macht der Film nahezu alles richtig. Vor allem, weil auch die Nebendarsteller gut zur Geltung kommen und so manche Szene erhalten. Wie etwa der Atomwissenschaftler, der am Ende sein Gewissen entdeckt und James Bond und Domino in höchster Not rettet.
Doch das ändert nichts daran, dass der Film Zeit braucht, bis in die Gänge kommt. Der gesamte erste Akt, mit James Bonds Aufenthalt in dem Sanatorium, wo er auf die ersten Ausläufer von Largos Plänen stößt, beginnt sich sehr schnell sehr zu ziehen. Hier wäre es besser gewesen, die eine oder andere Volte weniger einzubauen. Notfalls hätte ebenso der Charakter Graf Lippe gestrichen werden können, auch wenn er am Ende mit dafür verantwortlich ist, das Volpe als gefährliche Frau wahrgenommen werden kann. Aber ansonsten trägt er nicht wirklich viel zur Handlung bei.
Zu viele Unterwasseraufnahmen
„Feuerball“ glänzt außerdem mit vielen Unterwasseraufnahmen. Die teilweise auch gefährlich zu drehen waren, da stellenweise mit lebendigen Haien gearbeitet wurde. Die dann manchmal den provisorischen Abgrenzungen entkamen, was dazu führte, dass die Schauspieler schnell zusahen, aus dem Wasser zu kommen.
Doch diese Unterwasseraufnahmen nehmen irgendwann überhand. Weshalb vor allem der finale Kampf, der komplett unter Wasser stattfand, schnell beginnt, zu langweilen. Es wird zwar alles probiert, um diesen spannend zu machen. Aber so recht will der Funke nicht überspringen.
Für den Titeltrack konnte niemand Geringeres als Tom Jones gewonnen werden. Die Anekdote will es, dass er, als er den Titelsong einsang, beim Singen der letzten Note ohnmächtig wurde. Weil er diese nämlich sehr lange halten muss. Es ist ein guter Titelsong, besser als der von From Russia with Love. Aber nicht so gut wie Goldfinger.
Am Ende ist dies der bis dato schlechteste „James Bond“-Film, auch wenn er aus heutiger Sicht immer noch gut unterhält. Aber es kam das Gefühl auf, als ob die Reihe bereit mit dem vierten Film Ermüdungserscheinungen aufwies. Konnte das wirklich sein?
Meine persönlichen Top 10 James Bond-Filme:
1. James Bond 007 – Goldfinger
2. James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau
3. James Bond – 007 jagt Dr. No
4. James Bond – Feuerball
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Meine persönlichen Top 10 James Bond-Titellieder:
1. Shirley Bassey – Goldfinger
2. Matt Monro – From Russia With Love
3. Tom Jones – Thunderball
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Info
Regie: Terence Young
Drehbuch: Richard Maibaum, John Hopkins,
Originales Drehbuch: Jack Whittingham
Story: Kevin McClory, Jack Whittingham, Ian Fleming
Produktion: Kevin McClory
Musik: John Barry
Kamera: Ted Moore
Schnitt: Peter Hunt, Ernest Hosler
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