Die Ursache fürs Scheitern des Films durfte man in der Postproduktion suchen.
Mutig
Dass ein Film scheitert, kann viele Ursachen haben. Häufig darf man diese schon in der Entstehungsphase suchen. Das entweder diese sich über Jahre hinwegzog, sich die Regisseure oder Drehbuchautoren gegenseitig die Klinge in die Hand gaben. Oder dass dann in der eigentlichen Produktion sich Leute in die Dreharbeiten einmischten, die dies besser nicht hätten tun sollen.
Doch im Falle von Justice League durfte man die Ursache eher nicht so sehr in der eigentlichen Produktionsphase suchen. Vielmehr entstanden die Gründe für den Flop des Kinofilms vor allem in der Postproduktionsphase. Und Ausgangspunkt war ein tragisches Ereignis.
Aber der Reihe nach. Zu sagen, dass die Idee, einen Justice League-Film zu drehen, mutig war, ist noch milde ausgedrückt. Schließlich umfasste das DC Cinematic Universe zu diesem Zeitpunkt erst vier Filme. Und nicht jeder vorherige Teil war auch erfolgreich. Man of Steel ging noch, Batman v Superman war eine Beleidigung der Zuschauerintelligenz, Suicide Squad wurde zwischen Studio und Regisseur zerrieben und nur Wonder Woman konnte begeistern. Vier Filme innerhalb von fünf Jahre als Basis für einen Teamfilm war… ambitioniert. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Marvel fünf Kinofilme vor Avengers hatte und auf diesen konsequent von Anfang an hinarbeitete. Was DC erst ab „Batman v Superman“ machte und dies auch nicht immer durchhielt.
Erste Probleme tauchen auf
Dazu muss man außerdem wissen, dass das nicht der erste Versuch war, einen Justice League-Film zu drehen. Doch alle bisherigen Ansätze, die es in diesem Jahrtausend bislang gab, sollten aus diversen Gründen scheitern. Weshalb es jetzt eben Zack Snyder richten sollte, der zuvor ein Erfolgsgarant war, egal wie die Kritiken ausfielen.
Und dieser machte sich dann auch an die Arbeit. Das Drehbuch sollte dieses Mal Chris Terrio (Argo) stammen, derweil Zack Snyder verkündete, dass die Basis für die Story des Films die New Gods-Comics von dem legendären Comickünstler Jack Kirby sein sollten. Außerdem sollte Justice League zwei Teile umfassen, die allerdings jeweils für sich alleine stehen würden. Teil zwei sollte zwei Jahre nach dem ersten Film herauskommen. Doch diese Pläne sollten sich im Laufe der Zeit radikal ändern.
Das fing schon damit an, dass es bereits in der Produktionsphase Probleme gab. Im Mai 2016 wurde bekannt, dass der Comicautor Geoff Johns und Jon Berg Produzenten des Justice League-Films werden würden, ebenso, wie sie zukünftig das DC Extended Universe leiten würden. Also eine ähnliche Funktion, wie sie auch Kevin Feige im MCU hatte. Die Story des Kinofilms sollte dabei einfacher sein und deutlich optimistischer und hoffnungsvoller sein.
Ein trauriger Grund
Das führte allerdings dazu, dass Geoff Johns das Skript des Films immer wieder umschrieb, was für Reibungen mit dem eigentlichen Drehbuchautor Chris Terrio und Warner Bros. sorgte. Und als ob das noch nicht genug wäre, wurde auch eine Treffen für Drehbuchautoren veranstaltet. Zu dem unter anderem Allan Heinberg, Drehbuchautor von Wonder Woman, Joss Whedon, Seth Grahame-Smith (Abraham Lincoln, Vampire Hunter) und Andrea Berloff (Straight Outta Compton) kamen. Was ebenfalls zu Überarbeitungen des Drehbuchs führen sollte. Dennoch sollten die eigentlichen Dreharbeiten rechtzeitig im Oktober 2016 fertig sein. Womit der Ärger erst so richtig anfangen sollte. Denn all das, was zuvor geschehen war, war vergleichsweise ein Kinkerlitzchen.
Dabei war der Ausgang, für alles was kam, eher traurig. Zack Snyder trat im Mai 2017 von seinen Pflichten beim Film zurück, da sich kurz zuvor seine Tochter Amber selbst umbrachte. Verständlicherweise wollte er dies erst mal verarbeiten.
Womit Joss Whedon seine Pflichten übernahm. Was für Warner Bros. eigentlich ein Coup war, weil man den Namen immer noch mit dem allerersten Avengers-Film in Verbindung brachte und nicht so sehr mit dem eher missglückten Avengers: Age of Ultron. Und ehe er loslegen konnte, wurde bekannt, dass WB ihm für die Nachdreharbeiten insgesamt 25 Millionen US Dollar gab. Also deutlich mehr als die sonst üblichen 10 Millionen US Dollar die für diese Arbeiten Standard waren.
Auf Links gedreht und ohne Rücksicht auf Verluste
Und Joss Whedon muss sich wie die sprichwörtliche Axt im Walde aufgeführt haben. Er krempelte den Film vollständig um, so das von dem bereits gedrehten Filmmaterial nur wenig in seiner Version auftauchte. Er fügte dem Drehbuch 80 Seiten eigen geschriebenes Material hinzu, wofür er dann auch gemeinsam mit dem ursprünglichen Drehbuchautoren Chris Terrio in den Credits für das Skript genannt wurde. Interessanterweise erhielt er nicht die Nennung als Regisseur, da war immer noch Zack Snyders Name zu lesen.
Hinzu kam dann noch die Vorgabe von Warner Bros., dass der Film unter oder gleich 2h lang sein und rechtzeitig in die Kinos kommen sollte. Hintergrund war, das Warner Bros. kurz davor stand, mit AT&T zu verschmelzen und die Vorstandsmitglieder unbedingt vorher noch ihren Bonus kriegen wollten. Beides wurde erfüllt, denn am Ende wurde Justice League exakt zwei Stunden lang.
Drehbuchautor Chris Terrio war hingegen so unzufrieden mit dem Kinofilm, dass er versuchte, zu verhindern, dass sein Name in den Credits genannt wurde. Leider erfolglos.
Die Gerüchteküche kocht
Und dann, einige Monate nach Release des Films, tauchten die ersten Gerüchte auf. Zum einen, dass Warner Bros. Zack Snyder gefeuert haben sollte, weil angeblich sein Cut unansehnlich war. Doch laut dem Publisher von DC Comics, Jim Lee, war an diesem Gerücht nichts dran.
Doch der Höhepunkt war, dass dann im Jahr 2020 Ray Fisher an die Öffentlichkeit ging und Joss Whedon unprofessionellen Verhaltens beschuldigte. Was anschließend dazu führte, dass nach und nach ähnliches Verhalten von seinen früheren Produktionen bekannt wurde. Schauspieler wie Charisma Carpenter und auch Gal Gadot unterstützten nach und nach die Aussagen ihres Kollegen.
In Sachen Musik sollten ursprünglich Junkie XL den Soundtrack übernehmen. Doch dann wurden sie von dem Veteranen Danny Elfman ersetzt, der für seinen Score unter anderem sein Batman-Theme aus den 1990er Jahren und das Superman-Theme von John Williams einsetzte.
Viele bekannte Gesichter
Noch ein paar Worte zum Cast:
Überwiegend sollte sich dieser aus Rückkehrern zusammensetzen. Ben Affleck, Gal Gadot und Henry Cavill sollten die prominentesten Schauspieler sein. Ezra Miller, Jason Momoa und Ray Fisher sollten ihre Cameoauftritte aus Batman V Superman als Flash, Aquaman und Cyborg wieder aufnehmen. Amy Adams, Jeremy Irons, Diane Lane, Connie Nielsen und J. K. Simmons waren beim zivilen Cast die Rückkehrer. Der Superschurke Steppenwolf wurde von dem Iren Ciarán Hinds (Road to Perdition) dargestellt. Er war mit dem finalen Cut nicht zufrieden, weil hier sehr viel Hintergrunddetails seiner Figur weggelassen wurden. Amber Heard (All the Boys Love Mandy Lane) und Joe Morton (Terminator 2) sollten jeweils als Mera und Silas Stone den Cast abrunden.
Superman ist tot und damit ist der Menschheit ein Symbol der Hoffnung abhandengekommen. Zeitgleich greift das gottgleiche Wesen Steppenwolf mit seinen Paradämonen die Erde an, um nach und nach die drei Mutterboxen zu sammeln. Mit denen will er die Einheit herstellen und so die Welt zu einer Kopie seiner Heimatwelt machen.
Batman und Wonder Woman haben etwas dagegen. Sie versammeln weitere Helden: Den superschnellen Flash, den Unterwassermenschen Aquaman und den überwiegend mechanischen Cyborg. Gemeinsam wollen sie Steppenwolf aufhalten, ehe es zu spät ist. Doch dann erkennt Bruce Wayne, dass sie ihn alleine nicht besiegen können. Sie müssen es irgendwie schaffen, Superman wiederzubeleben. Und zwar, ehe es zu spät ist.
Große Pläne, groß gescheitert
Warner Bros. hatte große Pläne mit Justice League. Es sollte für sie der zentrale Film werden, ihr „Avengers“. Was auch mit der Grund sein dürfte, wieso sie Joss Whedon an die Nachproduktion nachließen. Denn wer könnte für sie besser einen Avengers-artigen Film herstellen, als der Regisseur dieses Kinohits an sich?
Doch das Ergebnis dürfte ihren Hoffnungen nicht entsprochen haben. Bei einem angeblichen Budget von 300 Millionen US Dollar spielte er nur 661,30 Millionen ein. Ein Kassenschlager, ein Blockbuster sah anders aus. Wohlgemerkt stand dieses Einspielergebnis schon fest, ehe die ganzen Anschuldigungen gegenüber Joss Whedon Whedon überhaupt erst anfingen.
Und dennoch konnte man Joss Whedon nicht gänzlich frei von jeglicher Schuld an diesem Debakel sprechen. Im Gegenteil: Er war maßgeblich mit dafür verantwortlich. Denn er drehte im Grunde genommen einen Marvelesken Film in einem Universum, dass zuvor bewusst kein MCU war. Die bisherigen DC-Filme waren im Vergleich düster und dramatisch. Humor war zwar auch vorhanden. Aber er war nicht das bestimmende Element.
Hahaha, ist das lustig, nicht
Deshalb wirkte es auch wie ein Fremdkörper, wenn Bruce Wayne Aquaman ständig damit aufzog, ob er mit den Fischen redet. Oder wenn man die Oneliner von Flash hört, die noch nicht mal ansatzweise lustig waren. Es wirkte im Vergleich zu den anderen Filmen wie eine plötzliche 180 Grand-Wende, wie ein Wagnis, das noch nicht mal ansatzweise aufging.
Gleichzeitig merkt man aber auch, dass der Film vieles erreichen will. Er will ein Team bilden, er will die neuen Mitglieder charakterisieren, er will die alten nicht vernachlässigen, er will eine gigantische Bedrohung aufbauen, er will Superman zurückholen und gleichzeitig die Basis für künftige Abenteuer bilden. Das alles innerhalb von zwei Stunden Laufzeit zu erreichen ist… mutig. Und mit ein Grund, wieso er scheiterte.
Das Gute ist, dass er den jeweiligen Teammitgliedern, die von Anfang am Leben sind, gerecht wird. Die Dynamik zwischen Bruce und Diana passt wunderbar. Man merkt, dass die beiden gute Freunde geworden sind. Auch Jason Momoas Aquaman ist grandios. Er wirkt wirklich wie ein ruhender Sturm, der jederzeit bereit ist auszubrechen. Derweil Ezra Millers Flash der Neue ist, der mit offenen Augen alles bestaunt und alles kommentiert und dabei oft genug den falschen Tonfall trifft.
Was für eine Clownsshow
Doch ausgerechnet bei Cyborg versäumt es der Film, aus der Figur mehr als nur einen Plotdevice zu machen. Er wirkt fast die ganze Zeit nur unterkühlt, zeigt nur selten Emotionen. Er interagiert zwar mit seinen Kameraden. Aber es fehlt hier der direkte Draht, die Chemie, die die anderen auszeichnen. Das mag vielleicht wirklich daran liegen, dass Ray Fisher sich am meisten von Joss Whedon gegängelt gefühlt hat und sich dies auf seine Performance auswirkt. Doch um das richtig einzuordnen, muss man die Version sehen, wie sie sich Zack Snyder ausgedacht hat.
Und doch hat Ray Fisher es immer noch besser getroffen, als Henry Cavill. Sein Tod in Batman v Superman war schon damals lachhaft. Doch dieses Mal ist es noch schlimmer. Denn seine Rückkehr gerät zu einer einzigen Clownsshow.
Das fängt schon damit an, dass man ihn im Intro des Films sieht. Diese Szenen wurden zu einem Zeitpunkt gedreht, als der Schauspieler gerade bei den Dreharbeiten zu Mission Impossible Fallout aktiv war. Für seine Rolle in diesem Film hatte er sich einen Schnurrbart wachsen lassen. Bei dem dessen Regisseur Christopher McQuarrie anfänglich weigerte, die Erlaubnis zu geben, dass er sich für die paar Szenen, die gedreht werden mussten, abzurasieren. Dann verlangte er drei Millionen US Dollar als Entschädigung, ehe schließlich Paramount, die den Mission Impossible Film produzierten, komplett ein Verbot aussprach. Mit der Konsequenz, dass der Schnurrbart digital entfernt werden musste und man dies auch deutlich sah.
Zum Vergessen
Ansonsten war die Rolle nur existent. Dafür, dass er ein Symbol der Hoffnung sein sollte und seine Wiederbelebung den Wendepunkt bilden sollte, ging er im Film komplett unter. Es half auch nicht, dass seine Wiedererweckung eine Nullnummer war. Dass er sich, weil vollkommen verwirrt, zunächst mit der Justice Leauge eine Prügelei lieferte, nur um dann von Lois Lane wieder zu Sinnen gebracht zu werden, was einfach nur lächerlich inszeniert wurde. Und auch danach wirkte er wie ein Fremdkörper in dem Film. Es fehlte die Verbindung zu den anderen, oder dass mehr auf sein Ableben eingegangen werden würde.
Und dann ist da noch Steppenwolf. Der wie ein Muttersöhnchen daherkam, weil er ständig von Mutter redete. Er sollte eigentlich die große Bedrohung sein. Kam aber mehr wie ein billiger CGI-Effekt daher. Zwar wurde vieles getan, um ihm eine Vergangenheit zu geben. Doch konnte man diese gefühlt vergessen.
Wobei es den Supporting Cast am schlimmsten getroffen hat. Es tauchen viele bekannte Gesichter auf, darunter auch Amy Adams Lois Lane. Doch die bekannten und die neuen Gesichter teilen ein und dasselbe Schicksal: Sie werden sträflichst vernachlässigt. Sie kriegen ein paar hingeworfene Zeilen und ansonsten dienen sie nur dazu, den Hauptplot weiter zu treiben. Wodurch sie wie Abziehbilder wirken.
Eine Lachnummer
Immerhin kann der Soundtrack von Danny Elfman überzeugen. Die Tatsache das und wie er die bekannten Themes einsetzt, ist großartig. Eines der wenigen Highlights dieses Films.
Der aber ansonsten eine komplette Lachnummer ist. Für das DC Extended Universe war es ein schlechtes Zeichen, dass der Film so gefloppt war. Dennoch sollte es sich erst mal weiterentwickeln, mit neuen Kinofilmen und Fortsetzungen. Allerdings war es schon ein erstes Warnsignal, wohin am Ende die Reise mit diesem Kinoversum gehen sollte…
Und Zack Snyder? Sollte Jahre später seine Chance kriegen, seinen eigenen Cut zu schneiden. Von dem so mancher sagt, dass der im Vergleich deutlich besser sei.
Kurzum: Ein ambitionierter Film, der an vielen Fronten krachend gescheitert ist.
Info
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Chris Terrio, Joss Whedon
Story: Chris Terrio, Zack Snyder
Produktion: Charles Roven, Deborah Snyder, Jon Berg, Geoff Johns
Musik: Danny Elfman
Kamera: Fabian Wagner
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