Review: Zack Snyder: Justice League (2021)

Lesezeit circa: 6 Minuten

Lange haben die Fans auf die Zack Snyders Version von  Justice League warten müssen.

Der Film ist im IMAX-Format gedreht, also in einem Seitenverhältnis von 1,37 zu 1. Das ist ungewohnt, aber nach ein paar Minuten fällt es nicht mehr auf. Zack Snyder: Justice League ist momentan exklusiv auf HBO Max, bzw. in Deutschland bei Sky zu sehen, ohne Mehrkosten.

Und um es kurz zu machen: der generelle Plot hat sich nicht geändert. Nach wie vor stellt Bruce Wayne (Ben Affleck) nach dem Tod von Superman ein Team zusammen, da er davon ausgeht, dass die Gefahr noch nicht vorüber ist. Wonder Woman (Gal Gadot) ist die erste, die sich ihm anschließt, ihr folgen auch Barry Allen (Ezra Miller) und Victor Stone (Ray Fisher). Lediglich Arthur Curry (Jason Momoa) ziert sich anfangs, kommt aber dann doch zur Hilfe. Aber um Steppenwolf und seinen Meister Darkseid aufzuhalten, brauchen sie Superman (Henry Cavill).

Doppelte Laufzeit

Was bekommt man, wenn man die Laufzeit eines Filmes erhöht? Nun, wenn ich an einige Kommentare in den sozialen Medien denke, doppelt so viel Mist. Das ist hier aber nicht der Fall. Snyder macht in seiner Version keinen anderen Film, oder einen Extended Cut mit zusätzlichen Szenen, er gibt den Figuren und der Handlung Raum. War z.B. Steppenwolf im Whedon-Cut recht eindimensional als Gegenspieler, bekommt er hier Hintergrund, Motivation und Tiefe. Das wertet den Film auf, vor allem, da er nicht die einzige Figur ist, die eine solche Behandlung erfährt. The Flash, Cyborg, Aquaman – sie alle bekommen zusätzliche Szenen, die einfach mehr Tiefe bringen. Das ist gut für jeden Film und definitiv etwas, was  der alten Version fehlte. Die Laufzeit kommt allerdings auch von Snyders Affinität zu Zeitlupen.

In manchen Szenen absolut genial eingesetzt, stören sie in anderen Szenen wie einem Footballspiel dann doch ein wenig. Der Humor wurde deutlich zurückgefahren, ist aber noch präsent, was dem Werk einen ernsteren Touch verleiht ohne zu ernst zu werden. Generell ist der Filmdunkler gehalten und Steppenwolf bekam eine digitale Überarbeitung – jetzt sieht er um einiges bedrohlicher aus.  Vier Stunden sind trotzdem eine Hausnummer und für die Leute, die weniger Sitzfleisch haben, ist der Film praktischerweise in Kapitel eingeteilt. Zeit für Cameos war übrigens auch. Marc McClure, der in den Superman-Filmen mit Christopher Reeve den Fotografen Jimmy Olsen spielte, hat ebenso wie in der Version von 2017 ein kleines Cameo.

Justice League
©Warner Media

Ein Finale für Fans

Sieht man sich diese Version an, merkt man, wie ein DC-Filmuniversum aussehen könnte. Nicht nur der Weg zum Endkampf ist deutlich ausgearbeiteter und damit länger, sondern auch der Kampf selbst. Da wir hier auf Spoiler weitestgehend verzichten wollen, sei nur so viel dazu gesagt: Der Kampf dauert wesentlich länger und ist wesentlich anstrengender. Und Clark sieht in Schwarz einfach top aus.

Die aus der Kinofassung bekannte Midcreditscene entfällt, was logisch ist, denn sie ist ein Gag auf etwas, was hier gar nicht passiert. Dafür gibt es die Postcreditscene in einer anderen Form und noch weitere, unter anderem mit einem Auftritt von Jared Leto als Joker und dem Martian Manhunter. Im Film selbst werden Fortsetzungen angedeutet, zu denen es wohl jetzt nicht mehr kommen wird. Sehr schade.

Der einzige große Kritikpunkt am Snyder Cut ist der gleiche, den ich auch schon bei Man of Steel und Batman v Superman: Dawn of Justice hatte. Zack scheint seine Figuren nicht zu kennen, oder er versucht einfach seine Version durchzudrücken. Das ist für Comicfans natürlich schade. Der bessere Film ist es aber trotzdem.

Justice League
©Warner Media

Persönliche Gründe

Snyder zog sich damals vom Film zurück, nachdem seine Tochter Autumn Selbstmord beging. Diese Tragödie war zu viel für den Regisseur, der obendrein auch mit den Vorgaben von Warner nicht einverstanden war. Joss Whedon, der für Marvel die ersten beiden Avengers-Filme inszenierte übernahm, verwarf etliches Material und drehte neu. Als die Fans lautstark nach dem Snyder Cut riefen, bekam der Regisseur nach eigenen Angaben vollkommen freie Hand. Seine Version ist seiner Tochter gewidmet. Es gibt darauf auch einen kleinen Hinweis: An einer Wand ist eine Werbung der American Foundation for Suicide Prevention zu finden. Einer non-Profit Organisation die Menschen hilft, nicht diesen Weg zu gehen. In Deutschland ist die Telefonseelsorge unter 0800 1110111 eine gute Anlaufstelle. Also, solltet ihr einmal solche Gedanken haben, bitte ruft dort an.

Fazit

Wer hier einen gänzlich anderen Film erwartet hat, der wird enttäuscht sein. Snyder hat hier lediglich die Story runder gemacht. Das gelang ihm aber außerordentlich gut. Ob diese Version dem Zuschauer mehr gefällt als die Whedon-Version von 2017, hängt maßgeblich davon ab, ob man den generellen Stil von Snyder mag. Wer Man of Steel und Batman v Superman aber gut fand, wird hier sicherlich auch auf seine Kosten kommen. Von mir gibt es auf jeden Fall eine Empfehlung, auch für die Fans, die mit der alten Version nicht viel anfangen konnten. Für mich steht auch fest: Wenn es doch noch zu einem Kinorelease kommt, dann schaue ich den auch mal auf der großen Leinwand.

Zack Snyder's Justice League (2021) on IMDb


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