[Kolumne] Perry Rhodan – Film oder Serie?

Lesezeit circa: 5 Minuten

Wieso gibt es eigentlich keinen neuen Film oder eine Serie im Perry Rhodan Universum?

Kein Monat vergeht, in dem nicht ein Leser im Forum oder auf Facebook fragt, wieso die größte SF-Serie der Welt eigentlich nicht verfilmt wird.
Ok, einen Film gab es ja bereits. Perry Rhodan – SOS aus dem Weltall. Der mit der Heftserie erstens wenig zu tun hatte und zweitens wirklich schlecht ist. Also echt wirklich schlecht. Nicht kultig schlecht, sondern schlecht schlecht. Schweigen wir lieber darüber. Wer es möchte, kann sich allerdings bei Ben Calvin Hary auf Youtube den Beitrag dazu ansehen.

Rechnen und schätzen

Widmen wir uns mal den Grundlagen: Wie viele potenzielle Zuschauer hat denn ein solcher Film?
Gehen wir mal davon aus, dass die Zahlen des Verlages in etwa stimmen und es in Spitzenzeiten mehrere Hunderttausende Hefte je Woche gab, die auch verkauft wurden. Heute liegen diese Zahlen weit unter 100.000 und dank immer älter werdender Leserschaft kann man sich als potenzielle Zuschauer aus dem Leserkreis dann vielleicht etwa 300.000 Leute denken. In Deutschland.
Nehmen wir das Ausland mit seinen Lizenzausgaben hinzu könnten wir vielleicht – wenn es sehr gut läuft – mit 2 Millionen Zuschauern rechnen.
Kino scheidet damit schon mal eher aus.

Für Netflix und Co. könnten sich solche Zahlen aber lohnen. Oder? Eher nicht. Man darf Kinozahlen nicht mit Streamingzahlen gleichsetzen. Streaming bedarf eines Abos, welches die Foren- und Social-Media-aktiven Fans vielleicht noch haben, Otto Durchschnittsleser eher tendenziell nicht.
Da dürfte sich die potenzielle Zuschauerzahl stark verringern.
Und damit dürfte sich eine Serie so auch eher nicht rechnen.

Perry Rhodan SOS aus dem Weltall
Titelbild der Verfilmung

Teure Produktion

Das Problem sind speziell die Produktionskosten. Hochwertige Serien und Filme sind hoch im Kurs. Deutsche Produktionen erfüllen in der Regel diesen Anspruch nicht. Star Trek und Co. setzen dort Maßstäbe und dort kostet eine Episode bis hin in den Millionenbereich. Um einen Vergleich zu geben: In Staffel 1 von Picard kostete eine Folge zwischen 8,0 und 8,5 Millionen US-Dollar. Die Zahlen sind wie üblich gut geschätzt und keine offiziellen Angaben. Und auch Rechteinhaber CBS soll das Budget erhöht haben. Damit könnte die Serie in Bereiche kommen, in denen der The Mandalorian operiert – hier soll eine Folge um die 10 Millionen US-Dollar gekostet haben.

Bliebe CGI oder Anime. Beides sind allerdings hierzulande immer noch eher Nischenprodukte. Außerdem sind auch hier die Kosten teilweise extrem. Als Beispiel dient mir hier Interstella 5555: The 5tory of the 5ecret 5tar 5ystem von DAFT PUNK, gezeichnet von Studio TOEI. Ja, das waren die, die damals schon Captain Future gemacht haben. Der Film hat Daft Punk ca. 6 Millionen Dollar gekostet. 2003. Heute dürften diese Stunde Film mehr kosten, weit mehr. Natürlich geht es auch billiger. Dies aber würde man sehen und der geneigte Zuschauer dürfte wohl eher abwinken. Auch hier haben hochwertige Produktionen die Messlatte schlichtweg sehr sehr hoch gelegt.

Die Meinung der Fans

Erschwerend kommt hinzu: die Leser. Man schaue sich nur einmal all die Meinungen an, die Leser haben, wenn es um das Aussehen von Perry Rhodan oder Gucky geht. Vielen wird es gefallen, manchen nicht – und diese sind meistens das Problem. Man konnte es anlässlich des neu gestalteten Konterfeis von Perry Rhodan auf Band 3000 sehen. Ja, auch für mich passte es eher nicht. Aber es gab dort wie in jedem Fall einen Teil Leser, der sich derart penetrant lautstark deklamierend meldete, dass Außenstehende abgeschreckt wurden.

Damit eine Serie oder ein Film aber Erfolg hat, braucht man Fans, die hinter dem Projekt stehen. Schlechte Publicity durch (vielleicht zu Recht) enttäuschte Fans dürfte aber wieder abschreckend wirken und dem Projekt einen schlechten Start geben.

Eines der größten Probleme dürfte aber die internationale Unbekanntheit sein. Und der Umstand, dass es aus Deutschland kommt. Der internationale Markt ist heute wichtiger denn je, wenn es um die Verwertung in Kino und TV und Streaming geht. Deutsche Filme tun sich dort – oft zu Recht – schwer. Wenn es sich dann noch um ein eher unbekanntes Produkt handelt, dürften einige der wichtigsten Zielmärkte (USA als Beispiel) ausscheiden.

Diese Überlegungen sind natürlich mit einigem WENN und ABER gesegnet, daran möchte ich erinnern. Jedoch dürften viele Gedankenspiele von möglichen Investoren ebenso gesehen werden. Investoren wollen natürlich mit ihrem Produkt Geld verdienen. Verständlich. Doch wenn eine Serie oder ein Film von Beginn an eher zweifelhafte Erfolgsaussichten haben, lassen diese Investoren gerne die Finger davon.

Lösung Crowdfunding?

Bliebe also nur der Ausweg, an der Qualität zu sparen und so von Anfang an ein Debakel zu provozieren. Crowdfunding fällt auch eher flach. Man mache sich bitte erst einmal bewusst, wie viele Menschen denn jede Woche Perry Rhodan kaufen. Das sind geschätzte 50.000 Käufer, wenn man den dürftigen Angaben des Verlages glaubt und ein wenig Hochrechnung zum ebook-Bereich betreibt.

Wir entsinnen uns, GUT gemacht bedeutet Millionen. Postulieren wir einmal, dass ein ordentlicher Film um die 10 Millionen kosten dürfte. Iron Sky kostete etwa 7,5 Millionen Euro und konnte davon knappe 1 Million (aufgerundet) per Crowdfunding erreichen.
Bei 50.000 Käufern und etwa 1,5 Millionen durch Crowdfunding hieße: 30 Euro pro Kopf. Komplett per Crowdfunding wären es sogar 200 Euro pro Leser. Alleine 30 Euro dürften vielen Lesern schlichtweg weit zu viel sein.

Und es bleibt bis hierher noch unberücksichtigt, wie schwer bis unmöglich es sein dürfte, aus dieser extrem langlebigen und komplexen Serie ein Drehbuch zu wursteln, welches nicht gleich Massenproteste der Leser nach sich zieht.

Schlussendlich ist es wohl bei allem Fansein besser, das Projekt Serie oder Film zu beerdigen.

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Mario Staas

Mario Staas

Mario ist Jahrgang 1974 und seit Ewigkeiten Perry-Rhodan-Leser. Er liest die komplette Reihe gerade zum dritten Mal und lässt uns daran teilhaben.

Ein Gedanke zu „[Kolumne] Perry Rhodan – Film oder Serie?

  • 21. Mai 2020 um 20:54
    Permalink

    Nur ein kurzer Denkanstoß zum Thema Rechnen und Schätzen.
    Wieviele Leute gab es denn 1978 die Star Wars kannten?
    Ich denke mal keinen. Das ist also kein Todschlagargument. Wenn aber eine Serie wie Perry Rhodan gedreht und vorher entsprechend promoted würde, wäre das binnen kurzer Zeit in aller Munde.

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