Ein Vater findet über Roboterboxkämpfe Zugang zu seinem entfremdeten Sohn.
Als Vater ein Totalausfall
Charlie Kenton (Hugh Jackman) war einst Boxer, doch wurden 2020 sämtliche Sportler durch Roboter ersetzt. Charlie versucht, damit Schritt zu halten. Leider ohne Erfolg, denn seine Kampfmaschinen landen ausnahmslos auf dem Schrottplatz, weswegen er nun Schulden hat. Zu allem Elend erfährt er, dass seine Ex verstorben ist und ihm einen Sohn hinterlassen hat. Eigentlich ist er ganz froh, dass dessen Tante Debra (Hope Davis) ihn adoptieren will. Deren reicher Ehemann Marvin (James Rebhorn) ist sogar bereit, Geld dafür zu zahlen, dass Charlie auf das Sorgerecht verzichtet.
Kenton verlangt 100.000 Dollar, wovon er die Hälfte sofort erhält. Allerdings soll er sich noch ein paar Tage um Max (Dakota Goyo) kümmern, während Debra und Marvin Urlaub in Europa machen. Wiederwillig nimmt er seinen Sohn in seinem Truck auf, wo dieser in einem Regal schlafen muss. Die Kohle versenkt er sofort in einen neuen japanischen Kampfroboter, den er kurz darauf im Ring wieder verliert.
Als Kenton mit seinem Sohn einen Schrottplatz plündert, findet dieser durch Zufall einen alten Boxroboter namens Atom. Da sein Vater kein Interesse daran hat, muss Max ihn alleine bergen. Anschließend bringen sie das Wrack zu Charlies Ex-Freundin Bailey Tallet (Evangeline Lilly), die dabei hilft, ihn wieder in Form zu bringen. Max besteht darauf, dass sein Vater ihm einen Kampf verschafft. Den Underground Fight gewinnt Atom überraschend, sodass er sich langsam hocharbeiten kann.
Schließlich bekommt Atom sogar einen Vorkampf in der Oberliga angeboten. Farra Lemcova (Olga Fonda), die den ungeschlagenen Champion Zeus managt, will dem jedoch zuvor kommen. Sie bietet den beiden 200.000 Dollar für Atom, um diesen als Sparringbot zu verheizen. Charlie will darauf eingehen, doch Max lehnt ab und Atom gewinnt seinen nächsten Kampf. Im Anschluss fordert Max Zeus vor jubelndem Publikum heraus.
Kurz darauf wird Charlie von Ricky (Kevin Durand) und dessen Schlägern aufgemischt, der das Preisgeld einkassiert, um Kentons Schulden zu decken. Da er offenkundig nicht für seinen Sohn sorgen kann, ruft Charlie dessen Adoptiveltern an und lässt ihn abholen. Dabei verzichtet er sogar auf die restlichen 50.000 Dollar. Erst Bailey kann ihn überzeugen, zu seinem enttäuschten Sohn zurückzukehren, um mit ihm den Kampf in der Champions League zu führen. Dieser endet zwar faktisch unentschieden, doch sprechen die Punktrichter Zeus den Sieg zu. Atom ist jedoch der Publikumsfavorit.
Over the Top mit Sci-Fi-Setting
Wenn man den Kultfilm Over the Top (1987) mit Sylvester Stallone in ein futuristisches Setting packen und Armdrücken durch Roboter-Boxkämpfe ersetzen würde, käme Real Steel dabei heraus. Doch Moment mal – genau das hat man hier gemacht! Ein Mann, der seine Frau verlassen und als Vater komplett versagt hat, muss sich plötzlich um seinen Sohn kümmern und führt diesen in die Welt seines Lieblingssports ein. Beide Väter leben noch dazu in einem Truck. Die Parallelen sind dermaßen offensichtlich, dass man Real Steel schon direkt als Remake von Over the Top bezeichnen könnte.
Natürlich gibt es auch einige Abweichungen, die jedoch minimal sind. So ist Max’ Mutter zu Beginn des Films bereits tot, wohingegen Michaels totkranke Mutter anfangs noch lebt und ihm daher noch telefonisch auf den Weg geben kann, dass die Versöhnung mit seinem Vater ihr letzter Wunsch ist. Während Michael von seinem stinkreichen Großvater beansprucht wird, der ihn sogar entführen lässt, ist es bei Max die Tante, deren viel zu alter Lebensgefährte ebenso stinkreich ist. Allerdings gewähren Debra und Marvin Max eine gemeinsame Zeit mit seinem Vater und treten danach in den Hintergrund.
Der größte Unterschied zwischen beiden Filmen ist das Verhalten des Vaters. Während Lincoln Hawk in Over the Top um das Sorgerecht für seinen Sohn kämpft und diesem über Jahre zahlreiche Briefe geschrieben hat, die vom Großvater versteckt worden sind, kümmert sich Charlie Kenton einen Dreck um seinen Sohn, der ihm entgegen schmettert, wie enttäuscht er darüber ist, dass dieser nicht um ihn kämpft. Hat Hawk das angebotene Geld von Michaels Großvater abgelehnt, verkauft Charlie seinen Sohn regelrecht an dessen Onkel.
Stallones Rolle zeigt aufrichtige Reue und bemüht sich, seinen Sohn für sich zu gewinnen, wohingegen Hugh Jackmans Figur durchaus den Titel „Schlechtester Vater des Jahres“ verdient hat. Er bringt ihn sogar in Lebensgefahr, als er mit ihm auf einen Schrottplatz einbricht und Max dort beinahe abstürzt. Als sein Sohn einen intakten Kampfroboter findet, lässt er ihn dann auch noch allein zurück, sodass der Junge den Fund alleine aus dem Matsch graben und abtransportieren muss. Übrigens: Wie hat der Junge das tonnenschwere Ding ganz allein auf einen Wagen gewuchtet und dann auch noch einen steilen Abhang hochbekommen? Offenkundig ein gewaltiger Logikfehler, der kurzerhand kaschiert wird, indem man nichts davon zeigt.
Natürlich finden Vater und Sohn auch am Ende dieses Films zusammen, wobei der Sport das Einzige ist, was sie verbindet. Und selbst dabei muss der Sohn dem Vater Lehren erteilen, womit die Rollen im Vergleich zu Over the Top restlos umgekehrt werden. Immerhin kann Charlie im finalen Kampf noch einmal sein einstiges Boxtalent aufleben lassen, indem er Atom über eine Shadow-Funktion steuert, nachdem sich die Sprachsteuerung verabschiedet hat. Während Hawk die Meisterschaft im Armdrücken am Ende gewinnt, wird Kenton dieser Sieg jedoch verwehrt. Mehr als ein Publikumsapplaus bleibt ihm und Max nicht vergönnt, da die Punktrichter offenkundig korrupt sind und dem bisherigen Champion den Sieg zugestehen, obwohl dieser komplett versagt hat.
Die Marvel-Connection
Hauptdarsteller Hugh Jackman ist dem Publikum selbstverständlich aus den X-Men- sowie Wolverine-Filmen bekannt. Während seine dortige Titelrolle durchaus kantig ist, lässt sich sein Charakter in Real Steel nur mit Schimpfworten beschreiben, so unfassbar unsympathisch kommt er rüber. Dessen Sohn Max wird von Dakota Goyo verkörpert, welcher zuvor die junge Version von Thor (2011) im gleichnamigen Marvel-Film gespielt hat.
Damit nicht genug, wird Charlies Love Interest Bailey von Evangeline Lilly gemimt, welche als Wasp aus den Ant-Man-Filmen sowie Avengers: Endgame (2019) bekannt ist. Außerdem war sie auch schon bei der DC-Konkurrenz in vier Episoden von Smallville dabei. Kevin Durand, der in Real Steel den Schuldeneintreiber Ricky gibt, stand in X-Men Origins: Wolverine (2009) sogar schon direkt mit Hugh Jackman vor der Kamera. Stargate-Fans dürften ihn zudem als Lord Zipacna aus Kommando SG-1 kennen.
Weiterhin ist Anthony Mackie in einer Nebenrolle als Charlies Freund Finn dabei, der bei Marvel als Falcon ebenfalls in einer Nebenrolle anfing, bis er seine eigene Serie mit dem Winter Soldier bekam und darin schließlich zum neuen Captain America avancierte – zuletzt als Hauptdarsteller in Captain America: Brave New World (2025). Als Sahnehäubchen wäre da schlussendlich noch eine weitere Nebenfigur, die sich Kingpin nennt, allerdings nichts mit der gleichnamigen Marvel-Figur gemein hat. Regisseur Shawn Levy hatte zu diesem Zeitpunkt übrigens noch keinen Bezug zu Marvel, drehte aber später tatsächlich Deadpool & Wolverine (2024), in dem natürlich wieder Hugh Jackman mit von der Partie sein sollte. Der Kreis schließt sich.
Eine lockere Verbindung zu Over the Top gibt es ebenfalls. Max’ Onkel Marvin wird von James Rebhorn (1948-2014) gespielt, der in Independence Day (1996) als Minister Albert Nimzicki mitwirkte. In diesem war auch Robert Loggia als General William Grey (1930-2015) dabei, welcher in Over the Top die Rolle von Michael Großvater Jason Cutler hatte. Da sich die beiden Rollen bis zu einem gewissen Grad ähneln, ist das schon ein interessanter Zufall.
In Over the Top selbst gibt es ebenfalls eine Verbindung zu einem anderen Science-Fiction-Klassiker. Michael Cutler wurde von David Mendenhall gespielt, der zuvor den Jungen Peter in Space Raiders (1983) verkörperte. In diesem wurde er vom Weltraumpiraten Hawk (Vince Edwards) aufgenommen und beschützt. In Over the Top heißt seine Vaterfigur ebenfalls Hawk und nimmt sogar symbolisch eine Falkenfigur vom Kühler seines alten Trucks mit, als er diesen verkauft. Ob das auch noch Zufall ist?
Fazit zu Real Steel: Ist das Schrott oder kann das weg?
Wer Over the Top kennt, wird Real Steel sicherlich mit anderen Augen sehen als jemand, dem die Parallelen gänzlich unbekannt sind. Ist das Sci-Fi-Remake nun schlechter oder hat es ebenfalls das Zeug zum Klassiker? Das kommt darauf an, worauf man den Fokus legt. Hugh Jackmans Vaterrolle ist ein moralischer Totalausfall und macht einen richtig wütend. Die Roboterkämpfe sind hingegen spannend inszeniert, sodass man durchaus mitfiebern kann. Die Spezialeffekte können dabei überzeugen. Mit Unterhaltungswert auf der einen und Logikfehlern auf der anderen Seite, kann man den Film eine mittlere Bewertung geben. Die Blu-Ray gibt es selbstverständlich im passenden Steelbook mit Prägung.
Info
Story: Dan Gilroy & Jeremy Leven
Drehbuch: John Gatins
Regie: Shawn Levy
Musik: Danny Elfman
Kamera: Mauro Fiore
Schnitt: Dean Zimmerman
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