Babylon 5

Review: Babylon 5 028 – Freiheit für den Mars

Lesezeit circa: 6 Minuten

Ein programmierter Toter soll den Frieden verhindern.

Staffel 2 – Folge 6
Freiheit für den Mars / A Spider In The Web

Die Handlung

Die marsianische Lokalpolitikerin Amanda Carter und der Unternehmer Taro Isogi treffen sich auf Babylon 5, um über gemeinsame Projekte zu verhandeln. Isogi ist ein Freund von Talia Winters und sie ist bei den Verhandlungen dabei. Aber eine geheimnisvolle Gruppe namens “Büro 13” will verhindern, dass ein Abkommen zustande kommt. Ein Agent wurde auf die Station eingeschleust, der Isogi vor den Augen von Talia Winters mit den Worten “Freiheit für den Mars” tötet. Er will auch die Zeugin beseitigen, da blitzen ihm Bilder in seinem Kopf auf, die Talia als Telepathin auch sieht. Sie sieht, wie der Mann bei einem Weltraumkampf gestorben ist.

Garibaldi kann feststellen, wer der Mann ist: Abel Horn, der als marsianischer Terrorist tatsächlich bei einem Raumkampf ums Leben kam. Offenbar hat man den toten Körper wiederbelebt und ihm eine zweite Persönlichkeit aufgepfropft.
Abel Horn sucht Amanda Carter auf, denn auch sie gehörte einst zu “Freiheit für den Mars”. Er will durch Amanda zum Mars gebracht werden. Als Talia kommt, bringt er sie in seine Gewalt und sie erklärt ihm, dass er vom PSI Corps in diese Marionette verwandelt worden ist. Was Talia nicht verrät: Die Frau, die sie in Abels Gedanken sieht, erkennt sie als ihre einstige Mentorin beim PSI Corps.

Freiheit für den Mars

Rezension

Aufgrund der Inhaltsangabe mag man gar nicht denken, dass es sich hier um eine der schlechten Folgen der Serie handelt. Es scheint doch um Geheimnisse des PSI Corps zu gehen, die nach einer Fortsetzung schreien. Und diese Fortsetzung gibt es nicht. Aber der Reihe nach.

Die Folge schwächelt schon beim Drehbuch, denn es gelingt dem Drehbuchautor Lawrence G. DiTillio nicht, die Gäste der Folge den Zuschauer:innen so nahe zu bringen, dass man an den persönlichen Schicksalen Anteil nimmt. Einzig bei Talias Trauer fühlt man mit, was aber nicht nur an Andrea Thompson liegt, sondern an Jerry Doyles Szene mit ihr zusammen. Die beiden Schauspieler hatten sich bei den Dreharbeiten zur ersten Staffel näher kennen gelernt und waren jetzt ein Paar. Sie konnten besonders gut zusammen in Szenen spielen, gerade wenn es um Annäherungsversuche von Garibaldi ging.

Freiheit für den Mars

Zum anderen hat das Drehbuch aber auch Probleme mit der Kontinuität zur Gesamtserie.
Die Versuche Cyberimplantate in Menschen einzuoperieren, damit diese einen bestimmten Zweck erfüllen, können nicht so schwierig und problematisch sein, dass man sie nur an gerade Verstorbenen ausführen kann. Denn wir hatten in der Serie bereits Menschen mit Cyberimplantaten, die quicklebendig wirkten. Da war der Vicker aus Die Todesbringerin, (Vicker steht für VCR – VideoCassetteRecorder für die Jüngeren) und auch die Technomagier:innen dürften teilweise Cyberimplantate gehabt haben.
Das kann man zwar damit erklären, dass die Technik der Technomagier:innen und des Vickers keine irdischen Technologien sind, aber das hätte in der Folge klargestellt werden können. Viel schwerwiegender ist aber der Widerspruch zu einer späteren Folge, wo ebenfalls eine Figur eine Schläferpersönlichkeit in sich trägt, die regelmäßig aktiv wird. Und diese Person ist ganz und gar nicht gestorben, sie trägt nicht mal ein Implantat für diese Schläferpersönlichkeit.

Eine weitere Diskontinuität ist das Büro 13. Es taucht nämlich in der weiteren Serie nicht mehr auf. Auch die geheimnisvolle Frau namens “13” wird nie wieder erwähnt.
Der Grund war, dass es ein Rollenspiel namens “Bureau 13” gibt, was aber keiner der Verantwortlichen kannte. JMS hat dann kurzerhand entschieden, dass das Büro 13 künftig nicht mehr vorkommen sollte.

John Sheridan sagt in dieser Folge, dass er sich für Geheimnisse und Verschwörungen interessiert. Aus heutiger Sicht wirkt das etwas befremdlich und will gar nicht zu Sheridan passen. Gerade in einer Zeit, wo ganz unterschiedliche Verschwörungsmythen herumgeistern, von den Coronaleugnern über die Trump-Anhänger, die an eine Wahlfälschung bei den Präsidentschaftswahlen 2020 glauben, bis hin zu dem Klassiker der gefälschten Mondlandung stößt diese Charaktereigenschaft unangenehm auf. Auch wenn Sheridan in diesem Fall einer im B5 Universum realen Verschwörung auf der Spur ist, so haben in der Realität Verschwörungsmythen weder Hand noch Fuß und kommen eher aus einer politischen Richtung, die mit ihren Behauptungen Misstrauen und Ausgrenzungen in der Gesellschaft bewirken wollen.
Als die Folge gedreht wurde, war das noch etwas anders. Zur gleichen Zeit, als Babylon 5 lief, waren Fernsehserien über Verschwörungen sehr beliebt. Dazu zählen Akte X und Dark Skies. Aber selbst in echten SF-Serien ging es um Verschwörungen, wie z.B. in Earth 2. Und selbst in Star Trek – Deep Space Nine kam es zu einer Doppelfolge über eine Verschwörung in der Sternenflotte.
In Babylon 5 spielen Verschwörungen aber auch Fake News eine große Rolle. Wir kommen da in späteren Folgen noch drauf zurück.

Freiheit für den Mars

In dieser Folge sehen wir zum ersten Mal Jeff Conaway als Zack Allen, dem späteren Stellvertreter von Garibaldi. Seine Rolle ist hier noch sehr klein, immerhin spricht ihn Sheridan schon mit Namen an. Der 1950 geborene Schauspieler hatte schon in den 70er-Jahren verschiedene Gastauftritte in Fernsehserien. 1978 spielte er eine größere Rolle im Filmmusical Grease als Sidekick von John Travolta. In Babylon 5 tauchte er anfangs nur gelegentlich als Angehöriger der Stationssicherheit auf. Als seine Figur immer öfter auftauchte, wurde er schnell zu Garibaldis Stellvertreter. B5 war die längste Serie, in der er mitspielte. Danach sah man ihn wieder nur gelegentlich als Gaststar in verschiedenen Serien. Er starb 2011.

Amanda Carter wird in der Folge als Urenkelin des Astronauten John Carter vorgestellt, der das erste Kolonistenschiff zum Mars geflogen hat. Dies ist eine Anspielung auf John Carter, dem Helden von Edgar Rice Burroughs Mars Serie. 2012 wurde der erste Roman der Reihe unter dem Titel John Carter – Zwischen zwei Welten verfilmt.


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Dirk Wilkens-Hagenkötter
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