Review: DSN 126 – Entscheidungen

Lesezeit circa: 5 Minuten

Es werden Entscheidungen getroffen, die über Leben und Tod entscheiden.

Interessant

Captain Sisko (Avery Brooks) und seine Leute bauen mit dem beschädigten Jem’Hadar-Schiff eine Bruchlandung auf einem fremden Planeten. Schnell stellt sich heraus, dass sie dort nicht alleine sind. Denn ein schwer verletzter Vorta (Christopher Shea) befindet sich mit seinen Jem’Hadar ebenfalls auf dieser Welt. Und schon bald könnte es zu einer schwerwiegenden Konfrontation zwischen diesen beiden Gruppen kommen.

Auf Deep Space Nine sitzt Kira Nerys (Nana Visitor) zwischen allen Stühlen. Sie versucht, einerseits zwischen den Bajoranern und dem Dominion zu vermitteln. Doch ihr Volk ist mit der aktuellen Lage alles andere als glücklich und eine Vedek appelliert an sie, mehr gegen die neuen Machthaber zu tun. Allerdings will sie dies nicht tun, bis eine Verzweiflungstat ihre Meinung ändert.

Entscheidungen ist eine interessante Folge. Denn abgesehen von dem Kira Nerys-Subplot und dem Anfang dieser Episode, steht sie einerseits für sich alleine, kann aber gleichzeitig in den Kontext der übergeordneten Story, dem Dominionkrieg, eingeordnet werden.

Ein Gegner wird sympathischer

Dabei wird der Fokus eben nicht nur auf die Sternenflottenoffiziere gelegt, sondern ebenfalls auf die Gegenseite, auf die Jem’Hadar. Mit dieser Episode werden diese Gegenspieler etwas besser charakterisiert, ohne dass sie ihren Schrecken verlieren. Man erfährt viel über die Soldaten des Dominions und ihre Beziehung zu den Vorta.

Vor allem der Dritte Remata’Klan (Phil Morris) ist es, von dem man einiges über seine Spezies und deren Mentalität mitkriegt. Er ist einer, der offen und ehrlich mit seinen Gegnern, der Föderation, umgeht. Der stets weiß, was wirklich geschieht. Und der am Ende sich anscheinend bewusst dagegen entscheidet, sich aus den Fängen seiner Konditionierung zu befreien.

Er ist eine tragische Figur, einer, der schnell die Sympathien der Zuschauer von Entscheidungen gewinnt. Was eben mit dazu beiträgt, dass diese Folge so gut gefällt. Denn sie schafft insgesamt, dass man trotz aller positiven Empfindungen nie vergisst, dass die Jem’Hadar die Antagonisten sind.

Exzellente Charaktermomente

Die außergewöhnlichen Umstände, in denen sich die Gruppe um Captain Benjamin Sisko befindet, werden auch dazu genutzt, um einige exzellente Charaktermomente einzubauen. So sieht man zu Beginn, wie Nog schier daran verzweifelt, dass die Technik nicht so will, und wie er deshalb flucht. Nur um deswegen von Miles O’Brien  (Colm Meaney) zurechtgewiesen zu werden. Oder wie die Überlebenden des Absturzes in Gelächter ausbrechen, als der Chief seine zerrissene Hose bemerkt. Oder wie die Spannungen zwischen Garak (Andrew Robinson) und Nog  (Aron Eisenberg) thematisiert werden.

Gleichzeitig wird hier auch mehr auf vergangene Episoden eingegangen, wie beispielsweise Die Abtrünnigen. Es sind dabei kleine Boni für langjährige Zuschauer, die die Anspielungen verstehen, ohne dass das Verständnis hierbei zwingend notwendig ist. Es ist eine gelungene Balance.

Ebenso setzt Entscheidungen auf eine gewisse Parallelität. Denn auf beiden Seiten des Konflikts gibt es Verwundete. Bei der Föderation ist eine Jadzia Dax, deren Symbiont beim Absturz verletzt worden ist, und die deswegen nicht einsatzbereit ist. Auf der Seite des Dominions ist es der Vorta Keevan, der ebenfalls aufgrund von Verwundungen nicht einsatzfähig ist. Und dessen Ketracel White-Vorrat nahezu aufgebraucht ist.

Konflikte, auch moralischer Art

Interessant ist, wie die Folge es dann gegen Ende schafft, bei dessen Charakterisierung eine 180-Grad-Wendung einzulegen. Ging man als Zuschauer über weite Teile der Episode davon aus, dass er schwach ist und keine nennenswerte Gefahr, erweist sich dies am Ende als Täuschung. Dann nämlich, als sich herausstellt, dass er die ganzen Ereignisse manipuliert hat, um selber mit dem Leben davonzukommen. Gruselig der Moment, wo er seelenruhig gesteht, dass es genauso gut hätte geschehen können, dass die Föderation am Ende tot auf dem Schlachtfeld gelegen hätte. Womit er auf einmal als gefährlich intelligent und gerissen dasteht. Er braucht den Vergleich zu Weyoun, nicht zu scheuen.

Doch auch Deep Space Nine kommt in Entscheidungen vor. Hierbei steht vor allem Kira Nerys im Mittelpunkt des Geschehens. Nana Visitor stellt den moralischen Konflikt ihrer Figur hervorragend dar. Wie sie sich aufreibt und das Dominion verteidigt, um einen neuen Aufstand zu vermeiden.

Doch das Heft der Handlung wird ihr dann im Laufe der Folge eindrucksvoll aus der Hand gerissen. Zunächst meldet sich ihr Gewissen in Form von Jake Sisko (Cirroc Lofton), der sie und Odo (René Auberjonois) interviewt und dabei Fragen stellt, die offene Wunden berühren. Und anschließend die Begegnung mit der Vedek, die ihre Entscheidungen anzweifelt.

Da wird einiges geschehen

Was am Ende mit der Vedek geschieht, ist ein Schockmoment, nicht für Nerys sondern auch für den Zuschauer. Und für den Major ist dieses Ereignis ein Weckruf. Eindrucksvoll wird dann gegen Ende gezeigt, wie sie vermehrt wahrnimmt, dass sie sich unter Cardassianern und Jem’Hadar bewegt. Was in ihr den Wunsch erweckt, etwas dagegen zu unternehmen.

Was dann daraus wird, das wird man in der nächsten Folge sehen. Ebenso wie es mit den Föderationsoffizieren und ihrem Gefangenen weitergehen wird. Klar ist, dass die Macher von Deep Space Nine auf diese Art und Weise viel potenzielle Handlungsfäden präpariert haben, was Entscheidungen zu einer weiteren exzellenten Folge macht.

 

Götz Piesbergen
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