Godzilla und die Urweltraupen
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Review: Godzilla und die Urweltraupen (1964)

Lesezeit circa: 8 Minuten

Es sind nicht nur kriechende Insekten, denen der Riesensaurier in Godzilla und die Urweltraupen begegnet.

Eine andere Spezies als Gegner

Fassen wir nochmal zusammen: Mit Die Rückkehr des King Kong wurde die Godzilla-Filmreihe revitalisiert, auch wenn der Film jede Menge Schwächen hatte. Trotzdem war er kommerziell ein voller Erfolg und eine direkte Fortsetzung mit denselben Monstern wurde geplant. Doch aus diversen Gründen sollte daraus nichts werden.

Allerdings war Toho nicht bereit, auf weitere Filmabenteuer mit der Riesenechse zu verzichten. Und statt des Riesengorillas als Gegner wurde der nächste Gegenspieler aus den eigenen Reihen auserkoren. Genauer gesagt war es die Riesenmotte Mothra, die in Godzilla und die Urweltraupen – was übrigens wieder ein reichlich dämlicher deutscher Titel ist – ihre Aufwartung machen sollte.

Mothra war keine neue Figur. Sie konnte ihr Filmdebüt schon 1961 in Mothra bedroht die Welt geben, wo übrigens niemand Geringeres als Ishiro Honda, der bereits bei Godzilla und Die Rückkehr des King Kong Regie führte, auf dem Regiestuhl saß. Eine Tätigkeit, die er auch in Godzilla und die Urweltraupen ausübte.

Bekannter Gesichter, neue Namen

Ursprünglich sollte der Film direkt an die Ereignisse des allerersten Mothra-Streifens anschließen. So sollten die Schurken aus jenem Kinofilm wieder auftauchen. Doch das war nicht das einzige Element des frühen Skripts, das dann beim Dreh verändert wurde. Auch sollte es Godzillas Körper sein, der angespült wird, und nicht das Ei von Mothra.

In Sachen Special Effects gab man sich dieses Mal mehr Mühe. So wurde ein neuer Godzilla-Anzug angefertigt, der deutlich leichter war als die vorherigen Kostüme. Das erleichterte es dem Schauspieler Haruo Nakajima, flüssigere Bewegungen auszuführen und einige Stunts durchzuführen, ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Beim Cast von Godzilla und die Urweltraupen gab es mehrere Rückkehrer zu feiern. Akira Takarada, der bereits im ersten Godzilla-Film mitspielte, übernahm die Hauptrolle. Jedoch war seine Figur eine komplett neue, nämlich der Reporter Ichirō Sakai. Als die ihn begleitende Fotografin Junko Nakanishi wurde Yuriko Hoshi gecastet. Auch Hiroshi Koizumi war ein bekanntes Gesicht, den man schon von Godzilla kehrt zurück her kannte. Doch genau wie Takarada erhielt er ebenfalls eine völlig neue Rolle, nämlich die des Professors Miura. Yū Fujiki wurde zum stets eierhungrigen Reporter Jiro Nakamura. Als die Shobijin, quasi Priesterinnen von Mothra, wurden die Zwillinge The Peanuts angeheuert. Für Kenji Sahara war es die vierte Rolle im vierten Godzilla-Film. Er stellte den korrupten Firmeninhaber Jiro Torahata dar, der am Ende sogar den von Yoshifumi Tajima dargestellten Kumayama reinlegte.

Für die Masse gedreht

Der Film kam am 29. April 1964 in die japanischen Kinos. Er war bewusst so konzipiert, dass er ein breiteres Publikum ansprach, schon allein, um sich gegen das aufkommende Fernsehen durchsetzen zu können.

Nach einem Taifun, der Kurata Beach zerstört hat, wird ein Ei angespült, das die Aufmerksamkeit des Reporters Ichirō Sakai erregt. Doch während er mit seiner Fotografin Junko Nakanishi die Gegend erkundet und Fragen stellt, verkaufen die Dorfbewohner das Ei an den Firmenbesitzer Kumayama, der daraufhin weitere Fragen und Forschungen verbietet.

Es stellt sich heraus, dass dieser insgeheim von den korrupten Jiro Torahata finanziert wurde und die beiden vorhaben, das Ei auszustellen und auszubrüten. Dabei ignorieren sie auch die Bitten der Shobijin, kleine Frauen, die quasi die Priesterinnen der Mothra sind, die sich daraufhin an den Reporter wenden. Sie erzählen ihm, dass das Ei von Mothra stammt, einer Riesenmotte, die wegen den Taten der Menschen im Sterben liegt. Doch die Menschheit braucht ihre Hilfe, als Godzilla wieder auftaucht und erneut sein Zerstörungswerk beginnt.

Merkwürdig gut

Godzilla und die Urweltraupen ist ein merkwürdiger Film. Es ist einer der besten Teile der bisherigen Reihe überhaupt, wenn nicht sogar der beste nach dem allerersten Kinofilm. Allerdings hat er ebenso einige Schwächen, die am Ende normalerweise dafür sorgen würden, dass die Endwertung nicht so prickelnd ausfallen würde.

Mit Grund, wieso dieses Abenteuer einen so begeistert, ist, dass hier mit vielen Konventionen gebrochen wird, die die Reihe bislang ausgezeichnet hat. Mothra ist beispielsweise alles, nur kein böses Monster. Im Gegenteil: Sie wird als eindeutige Heldin dargestellt, die am Ende sogar ihr Leben opfert, um Godzilla so lange aufzuhalten, dass aus ihrem Ei ihr Nachwuchs schlüpfen kann.

Auch wird man hier von menschlichen Dramen verschont! Bitte nicht falsch verstehen: Im allerersten Godzilla-Film sorgten diese mit für Spannung. Doch in den darauffolgenden Teilen bauten diese Plots immer weiter ab und wurden auf Klischeeniveau reduziert. Dass die menschlichen Protagonisten in Godzilla und die Urweltraupen anscheinend nur ihren Beruf als Leben haben und nicht auch noch ablenkende oder gar nervig inszenierte zwischenmenschliche Beziehung pflegen, tut dem Film gut.

Bitte nichts Persönliches

Das hat zwar zur Konsequenz, dass die Figuren charakterlich nicht allzu viel Tiefe erhalten, doch kriegen sie gerade genügend davon, um nicht zu platt zu wirken. Man weiß genau, wer gut und wer böse ist, was garantiert so gewollt war.

Das merkt man vor allem an dem Trio Ichirō, Junko und Miura. Sie sind die Heroen, die sich am meisten bemühen, die Katastrophe aufzuhalten und den Bitten der Shobijin zu entsprechen. Die Männer verlieren dabei nie die Kontenance, derweil die Frau deutlich mehr Gefühle zeigen darf und nach einer emotionalen Rede in Tränen ausbricht und sich an den starken Schultern des Reporters ausheulen darf. Die Emanzipation hat hier Godzilla immer noch nicht vollständig erreicht, die einzige weibliche Hauptdarstellerin ist im Vergleich zu ihren Kollegen schwach, hilfsbedürftig und steht auch manchmal im Weg herum.

Mit Kumayama und Jiro Torahata werden zwei eindeutige Antagonisten vorgestellt, die kein Comedy Relief sind. Beide erhalten einiges an Profil, vor allem der letztgenannte, der sich nicht scheut, seinen Partner in Crime übers Ohr zu hauen. Allerdings: Um eine wichtige Message zu transportieren, erleiden beide ein klischeehaftes Schicksal.

Gier tötet

Für den Comedy Relief sorgt am Ende vor allem Jiro Nakamura. Der, wann immer er auftaucht, ein Ei isst und es dementsprechend eilastige Scherze gibt. Der Humor drängt sich dabei nicht so sehr in den Vordergrund, wie es bei Die Rückkehr des King Kong der Fall war. Er stört nicht, er bietet nur sporadische Aufmunterung.

Alle Charaktere des Films dienen einer klaren Nachricht, dass Gier schlecht ist und die Menschheit nur geeint Katastrophen überstehen kann. Das wird zwar gegen Ende mit dem Holzhammer rübergebracht, aber angesichts der gelungenen allgemeinen Darstellung des Films stört einen das nicht so sehr.

Was eben auch daran liegt, dass Godzilla und die Urweltraupen sich Zeit lässt, ehe die eigentliche Titelfigur auftaucht. Zeit, die vor allem damit verbracht wird, die Story um Mothra und ihr Ei aufzubauen. Die Charakterisierung der Riesenmotte passt perfekt, da sie das Gegenstück zur Riesenechse darstellt. Sie ist gütig und eben nicht auf vollkommene Destruktion aus wie der Titelcharakter.

Don’t panic!

Der hier übrigens auf die Rolle des Gegenspielers reduziert wird. Er ist an der Vernichtung von Mothras Ei interessiert und zerstört nebenbei noch ein paar menschliche Häuser. Doch im Vergleich zu seinen früheren Abenteuern sind dabei die dazugehörigen Dramen, die entsetzte Reaktion auf die von ihm verursachten Zerstörungen deutlich abgemildert worden. Dass am Ende eine Schulklasse in Not gerät, wirkt wie ein kleines Zugeständnis an die frühen Filme, wird aber eher halbherzig inszeniert.

Interessant ist übrigens, dass Godzilla und die Urweltraupen zwar wieder eine amerikanische Fassung erhielt, sich dabei jedoch die Unterschiede zum japanischen Original im Rahmen hielten. Eine der wenigen Differenzen ist eine Szene, in der das US-Militär Japan hilft.

Am Ende ist der Film beste Unterhaltung. Er hat zwar seine Schwächen, wie beispielsweise die Tatsache, dass die Charaktere nur ein Berufsleben haben. Doch die allgemeine Präsentation schafft es, diese Fehler zu übertünchen. Auch die Charakterisierung von Mothra ist eine wohltuende Abwechslung zu den früheren Filmen. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass diese Riesenmotte der Echse einen Besuch abstattet. Doch nebenbei erlebte sie auch eigene Abenteuer, in ihren eigenen Filmen, die sich allerdings vor allem an Kinder orientierten und, genauso wie der vorliegende Film, eine klare, wichtige Message transportierten.

Warpskala

Warpskala
8 10 0 1
8/10
Total Score

Positiv

  • Einer der besten Godzilla-Filme
  • Mothra

Negativ

  • Message des Films wird mit dem Holzhammer nähergebracht
Götz Piesbergen

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