Review: Perry Rhodan NEO 256 – Die Flüsterfürstin

Lesezeit circa: 6 Minuten

Die Invasion der Flüsterfürstin – Schatten über Carat

Die FlüsterfürstinTitel: Die Flüsterfürstin
Autor: Ben Calvin Hary
Titelbild: Dirk Schulz/Horst Gotta
Erschienen: 9. Juli 2021

Zur Handlung

Der Akonenraumer TRAVINOL stürzt 1989 auf dem Planeten Carat innerhalb von Bacor-Kavi ab, als Folge eines Transformeffekts, der alle wichtigen Schiffsbestandteile in Spielzeug verwandelt.

Der Mutter-Sohn-Konflikt zwischen Kommandantin Valkia und dem Piloten Kerbred eskaliert in einer erfolglosen Meuterei. Valkia möchte mit ihren Unterstützern schnellstmöglich den Planeten wieder verlassen, während sich Kerbred und seine Mitverschwörer auf Carat niederlassen wollen. Dazu wollen sie die Druun, eine termitenähnliche Kollektivintelligenz, die in den zahllosen Bernsteinnadeln des Planeten haust, um jeden Preis vernichten. Eine geheimnisvolle Flüsterstimme bittet Valkia eindringlich, den Massengenozid zu verhindern, was ihr durch vorausschauende Verteidigungsmaßnahmen gelingt. Zu einem hohen Preis, denn beim Aufstand sterben sämtliche Ingenieure des Schiffes und eine Rückkehr nach Drorah scheint aussichtslos. Der Schiffsmediker analysiert, dass sich die Druun ins Gehirn der Befallenen fressen und diese schließlich unter den Einfluss der Flüsterfürstin stellen.

Die SOL empfängt im Jahre 2102 ein vermeintliches Notrufsignal, auf dem Weg zur Quantenquelle, und untersucht die Absturzursache. Im Wrack der TRAVINOL finden sie, in einer Puppe versteckt, den Signalgeber und nehmen die Aufzeichnungen mit zurück an Bord der FAIRY. Der Okrill Watson fängt sich auf Carat eine Termite ein, die sein Gehirn infiziert und bringt damit die Seuche auf die SOL. Das Notrufsignal entpuppt sich letztlich als Warnung, den Planeten zu meiden! Die Evakuierung der SOL scheint Perry Rhodan die einzige Möglichkeit, den Rest der Besatzung vor dem feindlichen Befall zu bewahren.

Sie kehren mit der FAIRY nach Carat zurück und finden bei der Leiche von Valkia deren letzte Aufzeichnungen über die Wahrheit des Dramas an Bord der TRAVINOL. Das Singen des überraschend erscheinenden roboterähnlichen Välfouerr zähmt den Quantenschatten, der von der SOL-Besatzung als Flüsterfürstin wahrgenommen wurde. Der Mentor Callibso’s rettet Rhodan und sein Team vor der Vernichtung durch die fremdgesteuerten Druun. Die von ihm fremdgesteuerten Insektoiden hatte das Wesen zu seinen Zwecken missbraucht, Välfouerr steht in geistiger Verbindung mit dem Schatten, der sich im neuronalen Netzwerk der SOL-Positronik einnistet und dadurch von der Beeinflussung der Besatzung ablässt.

Gedanken zu Die Flüsterfürstin

Das Titelbild hat mich sofort an das Computerspiel Battlefield V erinnert. Exakt die gleiche farbliche Gestaltung von Blautönen, übergehend in eine orange-rote Feuersbrunst, erwartet die Leser:innen beim ersten Blick aufs Taschenbuch. Der ursprüngliche Battlefield-Soldat im Vordergrund wird hier durch die Szenerie der abgestürzten TRAVINOL und eine neugierige Schar Druun im Hintergrund ersetzt. Alles in allem eine schöne Reminiszenz für mich, falls das gewollt war. Und das Titelbild ist eine Augenweide, ganz davon ab.

Heute dreh ich den Spieß mal um und fange mit meinen Maulereien an. Die erzwungene Allianz zwischen Sam Breiskoll und Cole Reeves war mir von zu viel Gutglauben und beidseitiger Naivität geprägt. Dass der Bordarzt seinen hilf- und wehrlosen Sohn bereits nach ein paar gewechselten Sätzen in die Obhut eines noch völlig Fremden gibt, um zu einer Mission mit ungewissem Ausgang aufzubrechen … Ich als Familienvater hatte Gänsehaut. Alleine bei dem Gedanken, da hätte ich Perry Rhodan doch ins Vertrauen gezogen und ihn über die ganze Sache aufgeklärt. Breiskoll hat anfangs sogar betont, ihm wäre alles egal, die Geheimnistuerei von NATHAN könne ihn mal kreuzweise. Dann bleib bitte bei deiner Haltung, lieber Sam, und spiel komplett mit offenen Karten. Das ist menschlich und nachvollziehbar! Ein etwas holpriger Romanstart. Das Mutter-Sohn-Drama auf der TRAVINOL hätte für meine Begriffe auch etwas weniger Kitsch vertragen können, die Druun schienen etwas zu übermächtig für die starken Schutzmechanismen der SOL-Besatzung. Alles in allem findet man im Roman einige Kleinigkeiten, an denen man sich aufhängen könnte. Es gibt aber keine ernsthafte Basis für tiefere Kritik, dafür hat das Werk zu viele Stärken und nimmt die Leser:innen mit auf einen sagenhaft düsteren Planeten und seine noch viel düstere Vergangenheit.

Die Rückblenden ins Jahr 1989 fand ich dabei überaus gelungen, der Psychothriller auf Carat hat mich von Anfang bis Ende gefesselt und ich war bei jedem Zeitsprung begierig darauf, mehr darüber zu erfahren, was der Besatzung der TRAVINOL wiederfahren ist. Extra dickes Lob gebührt den enorm einprägsamen Beschreibungen der Planetenoberfläche, die schaurig schöne Bildsprache auf Carat war für mich eine große Stärke des Romans.

Ein lustiges Detail möchte ich nicht unerwähnt lassen. Travinol war in der Frühphase des 20. Jahrhundert noch als medizinisches Produkt erhältlich, nicht auszudenken, wenn statt Bauklötzen und Sammelkarten ausgerechnet dickflüssiger Lebertran für den Planetencrash gesorgt hätte, die Suppe hätte ich nicht auslöffeln wollen! Da wir gerade bei Nostalgie angelangt sind: Der Planetenroman Invasion der Puppen steht hier offenkundig Pate. Mit jeder Zeile fühlte ich mich an die schaurig schöne Geschichte von William Voltz erinnert, der Vergleich drängt sich förmlich auf. Kenner des Romans aus den 1960ern werden die Parallelen nicht überlesen können, auch wenn es letztlich natürlich keine exakte Kopie des Originals ist. Wäre auch nicht NEO, wenn dem so wäre …

Fazit mit Wertung

Die Invasion der Insektoiden gewinnt nach Stolperstart schnell an Tempo und entfaltet stetig ihr enorm düsteres Szenario. Mit perfekter Bildsprache und rasanten erzählerischen Zeitsprüngen. Der von William Voltz inspirierte Roman hat mich voll in seinen Bann gezogen, ohne dass es dabei anstrengend wurde, die erzählerischen Zeitsprünge auseinanderhalten zu können. Zudem gefielen mir beide Handlungsebenen ähnlich gut, bei jedem Schauplatzwechsel fand ich mich sofort wieder voll im Geschehen wieder. Das Romanfinale hatte ich so nicht auf dem Schirm gehabt, ohne großen Knall und Kampf wird am Ende ein weiterer alter Bekannter ins NEOversum adaptiert. Ich bin enorm gespannt zu erfahren, welche Überraschungen uns im Staffelendspurt noch erwarten, bisher hat Die Tiefe ihrem Namen alle Ehre gemacht. Mit achteinhalb von zehn Punkten bedanke ich mich für kurzweilige Stunden hochspannender Unterhaltung.

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