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Bortus sucht Hilfe bei Commander Grayson – er hat Probleme mit seiner Tochter.

Topa (Imani Pullum) hat sich verliebt. Bortus sucht deswegen die Hilfe von Kelly, die für Topa eine Art Mentorin ist. Nach einem Gespräch unter Frauen, fasst sich Topa ein Herz und gesteht ihre Gefühle ihrem Objekt der Begierde – Gordon Malloy (Scott Grimes). Der checkt erst gar nicht, was sie will, und nachdem er es geschnallt hat, weist er sie natürlich zurück.

Schon im Vorfeld wird die starke Bedeutung von Topa für diese Episode deutlich gemacht. Sie hat sich in einen älteren Mann verliebt, was durchaus auch in unserer Welt vorkommt und an und für sich nichts unnormales ist. Bei der anstehenden Inspektion von Heveenas Refugium für weibliche Moclaner ist sie ebenfalls auf Rat von Commander Grayson (Adrianne Palicki) dabei. Dass Admiral Halsey (Victor Garber) ausgerechnet die Orville schickt und Bortus und Kelly das Inspektionsteam sind, ist der Geschichte geschuldet – logisch ist es nicht, denn gerade auf die Orville und Bortus dürften die Moclaner mega sauer sein.

Doppeltes Spiel

Teil des Deals mit Moclus ist es, dass Heveena (Rena Owen) keine neuen weiblich-geborene Moclaner in ihre Zuflucht holt. An diesen Teil hält sie sich natürlich nicht und sie nutzt ihren Stand bei Topa aus, um sie zu rekrutieren. Das bringt das Mädchen in große Gefahr, denn Commander Kodon (Mark Berry) ahnte schon, dass Heveena sich nicht an die Abmachung hielt, und entführt kurzerhand Topa, von der er sich Informationen erhofft.

Die Rekrutierung von Topa muss man Heveena übelnehmen. Sie hat schamlos ihre Stellung als eine Art geistige Führerin der Moclanerinnen ausgenutzt. Man kann es nicht anders sagen, sie hat wissentlich ein kleines Mädchen in Gefahr gebracht, und das schadet leider der Figur. Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel, und so nobel und ethisch korrekt der Wunsch auch ist, weibliche Moclaner vor der Geschlechtsumwandlung zu retten, darf man dabei eben nicht vergessen, dass man auch gegenüber anderen Moclanerinnen eine Verantwortung hat.

Umso schöner allerdings, dass Captain Mercer (Seth MacFarlane) am Ende den Spieß einfach umdreht und (die echte) Dolly Parton präsentiert, die Heveena letzten Endes zum Umdenken bewegt. Dolly ist immerhin ihr Idol und als die Truppe rund um Topa das Domizil der Anführerin betritt, läuft im Hintergrund 9 to 5, welches wir schon vorher bei The Orville hören durften. Und abends gibt es noch eine „unplugged instrumental“-Version von Jolene. Dolly ist überall präsent, kein Wunder, dass eine holographische Version der Sängerin ausreicht um etwas auszulösen.

Geheimes Gefängnis

Topa wird in ein geheimes Gefangenlager zum Verhör gebracht. Dieses ist wie zu erwarten äußerst brutal, die Moclanerin muss ordentlich einstecken. Bortus und Kelly haben allerdings die Verfolgung aufgenommen und sind auf dem Weg, die Tochter des Offiziers zu befreien. Dabei scheinen die beiden sich näher zu kommen, in einer typischen Szene: Die Gesichter nähern sich, man spürt die Anziehung und dann: PIEP! Werden die beiden unterbrochen. Gemein, aber eventuell auch gut so. Jedenfalls geht es weiter, zum Gefängnis, bei dem die beiden Crewmitglieder der Orville etliche Moclaner ausschalten. Als Bortus die schwer misshandelte Topa in seinen Armen hält, brennt eine Sicherung durch und er verprügelt den Folterer derbe.

Ehrlich? Als Vater von zwei Töchtern kann ich die Reaktion komplett nachvollziehen. Die Action hier ist gut genug für einen solchen Plot, denn damit muss man nicht übertreiben. Das Lager erinnerte mich obendrein an Guantanamo, ein Lager der USA auf Kuba, bei denen Gefangene ebenso ohne jegliche Rechte sind. Sicherlich ist die Ähnlichkeit nicht zufällig.

Die Abstimmung

All dies ist natürlich hochpolitisch. Malloy bringt es gut auf den Punkt: Aus Angst davor, schwächer dazustehen, drückt man vor dem ganzen Unsinn der Moclaner beide Augen zu. Nachdem allerdings die von Verletzungen gezeichnete Topa vor dem Rat steht, ist dieser gezwungen, zu handeln. Die Moclaner sind als Lügner überführt, die ihre eigenen Interessen über die der Union stellen. Der Rat handelt und schließt die Moclaner aus. Das Refugium von Heveena wird unter den Schutz der Union gestellt.

An Auswirkungen ist dies aber nicht alles. Klyden kehrt zurück, der durch den Mordversuch an Topa erkannt hat, was für ein Narr er war. Wie ich schon im Review zu Die Geschichte von zwei Topas erwähnte, konnte ich ihn nie wirklich leiden, aber hier hat man ihn dann doch – sagen wir – menschlich gezeichnet. Sein Wiedersehen mit seiner Tochter, seine Worte der Reue – herzzerreißend. Und als wäre dies nicht genug, bittet Klyden (Chad L. Coleman) Commander Grayson an seinen Tisch und bittet sie, mit der Familie zu speisen. Großartig.

Fazit zu Mitternachtsblau

Wieder einmal betritt The Orville einen Bereich, den man so vergeblich bei Star Trek sucht. Ja, wir hatten dort auch Episoden mit Verhören und die waren auch intensiv, aber The Orville geht hier noch einen Schritt weiter. Zum einen haben wir die Verachtung der Moclaner gegenüber Weiblichen, die Geheimniskrämerei gegenüber den eigenen Verbündeten und die Härte des Verhörs. In Star Trek ist vor allem Geheime Mission auf Celtris III im Gedächtnis, hier wurde Picard allerdings von Feinden gefoltert und nicht von Verbündeten auf einem geheimen Stützpunkt.

Humor ist wieder sehr dosiert zu finden, was die Message der Geschichte einfach nochmal unterstreicht. Eigentlich stimmen die Zutaten, aber am Ende fühlt sich die Episode irgendwie nicht rund an. Zu Tränen gerührt hat sie mich und meine Frau aber trotzdem.

Hinweis: Während dem Schreiben dieser Rezension liefen Songs von Dolly Parton.

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Marco Golüke
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