Review: Space: 2063 014 – Auge um Auge

Lesezeit circa: 9 Minuten

Die Folge Auge um Auge entwickelt den Handlungsfaden aus der Folge Abschied für immer weiter. Der geheimnisvolle und offenbar unbesiegbare Alien-Jäger, der von den Piloten den Spitznamen „Chigi von Richthofen“ bekommen hat, lauert noch immer in den Weiten des Alls. Im Zentrum der Folge steht diesmal James Morrisons Figur Lieutenant-Colonel T. C. McQueen. Der Originaltitel The Angriest Angel – übersetzt „Der zornigste Engel“ – bezieht sich auf McQueens ehemalige Einheit, die Angry Angels. Diese Einheit wurde im Pilotfilm der Serie während einer Schlacht – bis auf McQueen – vollständig ausgelöscht. In Auge um Auge wird geklärt, welche Substanz AeroTech am Ende der Folge Folter von Kazbek mitgenommen hat.

Zur Handlung

T. C. McQueen bereitet sich wie ein Besessener auf die unausweichliche Konfrontation mit dem geheimnisvollen Alien-Jäger vor, den die Piloten „Chigi von Richthofen“ genannt haben. Gegenüber seinen Leuten gibt sich McQueen unnahbarer als jemals zuvor. Das bekommt auch die junge Pilotin Kelly Winslow (Tasia Valenza) zu spüren, die an der Bar einen Versuch unternimmt, mit ihm zu flirten. McQueen fährt sie wütend an.

Im Rahmen einer Konferenz auf der Saratoga präsentiert AeroTech-Mann Sewell (Michael Mantell) einen nach im benannten Super-Energieträger. Das Mineral stammt aus den Minen der Welt Kazbek, bei denen die Wild Cards in der Folge Folter interniert waren. Mit dem Sewell-Mineral soll eine Rakete bestückt werden, die in der Lage sein soll, den übermächtigen Chig-Jäger zu vernichten. McQueen bittet darum, den mit der Spezialrakete bestückten Jäger fliegen zu dürfen. Weil er wegen eines Implantats im Ohr für fluguntauglich erklärt wurde, lehnt Commodore Ross (Tucker Smallwood) sein Anliegen ab. McQueen ringt Ross jedoch das Versprechen ab, dass er fliegen darf, wenn er ohne dieses Implantat dazu in der Lage ist.

Plötzlich bricht im Labor, in dem eine Rakete mit dem Sewell-Sprengkopf bestückt werden soll, ein Feuer aus. Sabotage!

Winslow bittet McQueen um eine Aussprache, weil sie sich für ihren Annäherungsversuch entschuldigen möchte. Sie möchte ihm sagen, dass sie größten Respekt für ihn empfindet. Während ihres Gesprächs vertraut ihr McQueen an, was wirklich in ihm vorgeht.

Inzwischen gehen die Arbeiten an der Rakete weiter. Ein Eindringling löst Alarm aus. Es gelingt den Wild Cards, einen Silikanten festzunehmen, der auch für die Sabotage an der Rakete verantwortlich ist. Es ist ein Elroy-Modell (Doug Hutchison). Ein solcher Silikant hat mehrere Folgen zuvor Paul Wang (Joel de la Fuente) brutal gefoltert und zu einem „Geständnis“ gezwungen, in dem sich Paul selbst eines Kriegsverbrechens bezichtigt. Als Elroy während eines Verhörs scheinheilig seine Unschuld beteuert, rastet McQueen aus und malträtiert den Gefangenen mit einem Messer. Elroy verrät ihm daraufhin, dass Chigi von Richthofen auf dem vierten Planeten des Achilles-Systems stationiert ist.

Um sich dem Feind stellen zu können, lässt sich McQueen sein Ohren-Implantat entfernen. Die Folge ist, dass er sich nach der Operation kaum auf den Beinen halten kann, geschweige denn einen Jäger steuern.

Statt seiner startet ein Colonel Schrader mit der 58. Staffel, um den Roten Baron zu stellen. Die Mission wird ein Fehlschlag. Chigi von Richthofen lässt den Wild Cards und Colonel Schrader nicht die Spur einer Chance. Die Rakete explodiert, ohne ihm gefährlich werden zu können. Winslows Hammerhead wird während des Kampfes beschädigt, und sie sprengt sich mit dem Cockpit ab, das ihr als Rettungskapsel dient. Chigi von Richthofen kennt aber keine Gnade. Obwohl Kelly völlig wehrlos ist, wird sie erneut angegriffen und stirbt, als ihr Cockpit nach einem Treffer im All verglüht.

Als Kelly mit militärischen Ehren beigesetzt wird, zieht McQueen auf eigene Faust los, um sie zu rächen und Chigi von Richthofen zu töten. Der Zweikampf zwischen den Feinden ist gnadenlos. McQueen geht schließlich – obwohl arg mitgenommen – aus dem Duell als Sieger hervor.

Interessante Details der Folge Auge um Auge

An der Jagd nach Chigi von Richthofen waren in Abschied für immer 15 Staffeln beteiligt. Nur 13 kehrten aus dem Einsatz zurück.

AeroTech hat mit dem Auftauchen eines neuen Jägertyps der Chigs bereits gerechnet. Sewell hat sogar ein unscharfes Foto der Maschine. Der Jäger ist nach AeroTech-Erkenntnissen ein Prototyp.

Laut AeroTech existieren Vorkommen des Sewell-Minerals nur auf Kazbek. Es ist ein organisches Erz, das dort vor zehn Milliarden Jahren entstanden ist. Sewell beschreibt das Mineral als „lebenden Brennstoff“, der mehr Energie produziert als verbraucht. Als Brennstoff produziert das Mineral keine Schadstoffe und hat nur einen Wärmeausstoß von 0,015 Grad. Eine Handvoll Sewell-Kraftstoff könnte die Saratoga ein Jahr lang mit Energie versorgen.

Kelly Winslow musste sechs Monate auf einen Termin in der Schwerelosigkeits-Kammer warten. Wenn sie damit die Kammer auf der Saratoga meint, muss sie bereits an Bord gewesen sein, bevor sie Teil der Wild Cards geworden ist.

McQueen ist bereits seit 15 Jahren im Marine Corps. Demnach muss er Anfang 2049 eingetreten sein.

McQueen liest Klassiker wie Homers Heldenepos Ilias und hört Musik von Beethoven. McQueen liest aus Ilias eine Passage, in der es um die unvermeidliche Konfrontation zwischen Achilles und Hektor geht. Auf seinem Tisch liegt aber auch ganz profane militärische Literatur wie das Buch Air Combat Manoeuvers and Weapons. Im Anschluss an die Szene in seinem Quertier, in der man dieses Buch sieht, schlägt er den Kommandeuren ein Luftkampfmanöver vor, mit dem man Chigi von Richthofen schlagen könnte.

McQueen trägt ein Reafferenz-Implantat im Innenohr. Er hat wegen einer Kriegsverletzung Gleichgewichtsstörungen. Er hat deswegen Flugverbot. „Bei Reafferenzen handelt es sich um Empfindungen und Wahrnehmungen, die während einer Bewegung oder nach Bewegungsende auftreten“, heißt es auf der Internetseite www.sportbachelor.com. Durch eine Kriegsverletzung ist McQueen zudem steril geworden. Er kann mit keiner Frau Kinder bekommen.

Die Raketen, die von Hammerheads abgefeuert werden, haben einen lasergesteuerten Annäherungszünder.

McQueen war einmal verheiratet. Die Ehe zerbrach an den Anfeindungen gegen ihn als InVitro. Seine Frau lebt in Wilkes-Barre, einer Stadt in Pennsylvania.

Der undurchsichtige AeroTech-Mann Sewell hat in Auge um Auge seinen letzten Auftritt. Er verbrennt im Labor mit dem Sprengkopf nach einem Sabotageakt.

2054 wurde in Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) eine politische Schlussakte der Vereinten Nationen unterzeichnet, die Wesen künstlicher Intelligenz dem Napoleonischen Code unterstellt. Das heißt, sie bekamen unveräußerliche Rechte. A. I. Elroy zitiert Artikel 2, Absatz 4 aus der Schlussakte, um McQueen zu verdeutlichen, dass er nicht gefoltert werden darf. McQueen ignoriert diesen Einwand und rückt dem Gefangenen mit einem Schmetterlingsmesser zu Leibe. Der Code Napoleon entstand schon im 19. Jahrhundert. Auf der Gesamtkodifikation beruht noch heute ein Großteil der globalen Justizkultur.

Laut Elroy wissen die Chigs von der geplanten Großoffensive der irdischen Streitkräfte. Zudem wissen sie – laut Elroy – dass AeroTech von Kazbek Proben des Minerals mitgenommen hat.

Der vierte Planet des Achilles-Systems mit dem Stützpunkt Chigi von Richthofens ist 240 Megasolarkilometer von der gegenwärtigen Position der Saratoga entfernt. Ein MSK sind, wenn man dem Begriff „Mega“ folgt, eine Million Kilometer.

Das Musikstück während der Vortitelszene ist der zweite Satz „Marcia funebre“ aus Ludwig van Beethovens dritter Sinfonie „Eroica“ (Heroische Sinfonie). Es ist ein schwermütiger und zugleich heldenhafter Trauermarsch.

Interessantes für den Filmfan

Das finale Duell zwischen McQueen und Chigi von Richthofen ist durch eine spektakuläre Filmmontage mit der Beisetzung Kelly Winslows verbunden. Zunächst überschneidet sich der Ton. Nach seinem Start hört McQueen in seinem Cockpit den zweiten Satz von Beethovens Sinfonie „Eroica“. Die Musik ist auch während Wilslows Beisetzung zu hören. Zugleich fährt die Stimme des Kaplans auch noch mit ihrer Rede fort, wenn McQueen zu seinem Jäger zu sehen ist. Ähnlich sind die Bilder beider Szenen miteinander verknüpft. Auf die Kommandos „Achtung!“ und „Laden!“ während der Beisetzung sind zuerst McQueens Hammerhead und dann Chigi von Richthovens Jäger zu sehen, wie sie direkt aufeinander zu fliegen. Auf den Befehl „Feuer!“ für die Salutschüsse während der Beisetzung blitzen die Bordkanonen von McQueens Jäger von von Chigi von Richthoven auf. Dadurch wird zunächst der Zusammenhang von Winslows Tod und McQueens Kampf deutlich. Darüber hinaus wird der Raumkampf, verbunden mit den Befehlen „Achtung!“, „Laden!“, Feuer!“, zu einem klassischen ritualisierten Duell aus vergangenen Jahrhunderten. Damit kommt der Kampf dem Ideal, dem auch Piloten aus dem Ersten Weltkrieg noch folgten, sehr nahe: Ein Kampf nicht nur zur Vernichtung einer feindlichen Maschine, sondern ein ritterliches Kräftemessen Mann gegen Mann. Am Ende der Episode erhebt McQueen – zu Ehren seines besiegten Feines – ein Glas Scotch.

Shirley Walker komponierte für Auge um Auge ein McQueen-Motiv. Es erklingt erstmals, als McQueen zum ersten Mal das Foto des Roten Barons erblickt. Es ist erneut zu hören, als MyQueen seine Frage „Who am I?“ („Wer bin ich?“) auf das Foto kritzelt. Eine ganz eigene Größe entfaltet das Stück kurz vor dem finalen Showdown, als „Der zornigste Engel“ in seinen Jäger steigt und startet. Wie schon bei Shanes Rachefeldzug in Kopf oder Zahl nimmt die Musik hier einen bombastischen Klang an, der sicher nicht zufällig an den Klang von Beethovens Musik angelehnt ist. Andersherum wird auf diese Weise Beethovens „Eroica“ nahtlos in die übrige Instrumentalmusik der Folge eingefügt. Das McQueen-Motiv klingt in der letzten Folge Für immer treu noch einmal an, als der Held nach dem Bombenanschlag schwer verletzt am Boden liegt.

Etwas Ähnliches wie Shirley Walker in Auge um Auge machte Komponist Michael Kamen bei seinen Musiken zu den ersten drei Die Hard-Filmen. In Teil 1 arbeitet er „Freude schöner Götterfunken“ von Beethoven in seine Musik mit ein, in Teil 2 „Finlandia“ von Sibelius und in Teil 3 den bekannten amerikanischen Bürgerkriegs-Marsch „When Johnny Comes Marching Home“.

Nach dem Titelvorspann setzt Shirley Walkers Musik mit einer kriegerischen Fanfare ein. Sie ist erneut zu hören, als der Saboteur auf der Saratoga gejagt wird. Später wird daraus das Leitmotiv der Folge Die Vergessenen.

Nach Sewells Landung am Anfang der Episode stimmt das Orchester ein Motiv an, das bereits in Das Trojanische Pferd und Folter zu hören war. Jedes mal im Zusammenhang mit dem AeroTech-Mann Sewell oder mit dem Sewell-Mineral. In Auge um Auge klingt es erneut an, als im Labor das Feuer wütet und die Wissenschaftler tötet.


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