Review: Babylon 5 031 – Schatten am Horizont

Lesezeit circa: 8 Minuten

Die letzte Hoffnung auf Frieden ist gescheitert – ein Krieg bricht aus.

Staffel 2 – Folge 9
Schatten am Horizont / The Coming of Shadows

Die Handlung:

Der Imperator der Centauri Republik (Turhan Bey) will Babylon 5 besuchen. Es geht ihm gesundheitlich nicht gut und er will vor seinem Ende den Frieden sichern. G’Kar (Andreas Katsulas) ist erbost. Er macht die Familie des Imperators für die Gräueltaten an den Narn verantwortlich. Er plant ein Attentat auf den Imperator, wenn dieser seine Rede hält.
Doch gerade auf dem Weg zu seinem Empfang hat der Imperator eine Herzattacke und muss auf die Krankenstation gebracht werden. Er fühlt, dass er nicht mehr lange leben wird und bittet Dr. Franklin (Richard Biggs), eine Botschaft an G’Kar zu senden. Der Imperator möchte sich bei den Narn für alles entschuldigen, was sie ihnen angetan haben. Als Franklin die Nachricht weitergibt, fällt G’Kars Weltbild zusammen. Er ahnt nicht, dass Londo (Peter Jurasik) gerade die wichtigste Intrige seines Lebens spinnt: Morden (Ed Wasser) soll seine Verbündeten dazu bringen, eine Narn-Kolonie anzugreifen. Wenn die Narn besiegt sind, soll Lord Refa (William Forward) mit einer Flotte Centaurischiffe in das System springen, damit die Galaxis denkt, die Centauri hätten die Kolonie zerstört. In dieser Nacht vor dem Angriff hat Londo einen Traum. Er sieht, wie spinnenähnliche Raumschiffe über den Palast von Centauri Prime fliegen. Er sieht, wie er zum Imperator gekrönt wird und wie ein einäugiger G’Kar ihn als alten Mann erwürgt.
Der Imperator liegt jetzt endgültig im Sterben. Mit seinen letzten Worten verflucht er Londo und Refa. Narn und Centauri sind jetzt im Krieg.

Schatten am Horizont

Bei all den bedeutsamen Ereignissen lernt Garibaldi (Jerry Doyle) einen Mann kennen, der ihm eine Nachricht von Jeff Sinclair (Michael O’Hare) bringt. Sinclair, jetzt auf Minbar lebend, ist dort Anführer der „Ranger“ geworden, eine Gruppe von Menschen und Minbari, die als Friedenswächter im Geheimen operieren.

Wo wird das alles enden?
In einem großen Brand!

Schatten am Horizont oder Coming of Shadows ist die Schlüsselfolge der Staffel und gibt ihr auch den Namen. Sie ist eine der besten Folgen der ganzen Serie und erhielt zu Recht dann auch den „Hugo Award for Best Dramatic Presentation“.

Eigentlich ist die Folge viel zu kurz für all das, was in ihr passiert. Und tatsächlich war es ursprünglich geplant, die Ereignisse in verschiedenen Folgen zu behandeln. Der Tod des Imperators sollte ursprünglich der B-Plot in einer nicht realisierten Folge sein. Garibaldis Kontakt mit den Rangern sollte ein C-Plot in Der Gedankenpolizist sein und der Kriegsausbruch zwischen Narn und Centauri mit dem Angriff der Schatten sollte der Schwerpunkt einer eigenen Folge werden.

In der realisierten Form funktionieren die Abläufe aber sehr gut. Einzig der Ranger-Teil wirkt etwas deplatziert und hätte besser in einer anderen Folge behandelt werden können. Der Plot wirkt anfangs etwa störend, da man im ersten Moment befürchtet, es käme wieder einmal ein Attentäter auf die Station, der für Unruhe sorgen würde.

Andreas Katsulas und Peter Jurasik leisten großes Schauspiel. Die Wut von G’Kar, seine Freude über die Nachricht des Imperators und dann wieder die Wut.
Die Abneigung Londos zu Refa, sein schlechtes Gewissen, wenn er G’Kar trifft und seine Arroganz bei der finalen Ratssitzung.
Um die Traumsequenz glaubhaft spielen zu können, wich JMS von seiner Regel ab und informierte Peter Jurasik ganz grob darüber, was es mit den Bildern auf sich hat und wie es dazu kommen wird, wenn Londo Schattenraumschiffe am Himmel von Centauri Prime sieht, oder was die Hintergründe seines Kampfes mit G’Kar sein werden.

Schatten am Horizont

Imperator Turhan

Imperator-Darsteller Turhan Bey wurde in Wien geboren. Er war der Sohn eines türkischen Diplomaten und einer Tschechin und wuchs in Österreich auf. Als Deutschland 1938 Österreich annektierte, flohen seine jüdische Mutter und er in die USA. Noch keine 20 Jahre alt, spielte er ab 1941 in ersten Hollywood-Filmen mit. Er beendete 1953 seine Filmkarriere und zog mit seiner Mutter zurück nach Österreich.
Er kehrte 1993 nach Hollywood zurück und seine erste Rolle war ein Gastauftritt in SeaQuest DSV. Es folgten einige weitere Rollen, bis er 1995 für die Babylon 5-Rolle des Technomagiers Elric vorsprach. Da er für Elric nicht die passende Ausstrahlung hatte, das Produktionsteam von Bey aber begeistert war, schrieb JMS extra für ihn die Rolle des Centauri-Imperators. Irgendwie wurde es versäumt, dem Imperator einen Namen zu geben und wenn in späteren Folgen der alte Imperator erwähnt wird, nennt man ihn nach Bey „Imperator Turhan“.
Turhan Bey kehrte 1998 noch einmal nach Babylon 5 zurück, diesmal als Minbari. Das war dann aber auch seine letzte Rolle überhaupt.

Der Centauri-Premierminister hatte zwar nur einen kurzen Auftritt, aber auch er wird rückblickend immer mit dem Namen des Schauspielers Malachi Throne genannt: Premierminister Malachi.
Der Schauspieler war in diversen Fernsehserien zu Gast. In Star Trek spielte er in der Doppelfolge Talos IV – Tabu Commodore José Mendez und in Star Trek – The Next Generation spielte er im Zweiteiler Wiedervereinigung den romulanischen Senator Pardek.

Schatten am Horizont

“Die Schatten die ich rief – die werd ich nicht mehr los.”

Dass Centauri ihren Tod vorher träumen können, haben wir ja schon in der ersten Staffel erfahren. Jetzt sehen wir, dass Londo sehr viel weitreichendere Bilder der Zukunft sehen kann, denn das, was er sieht, ist nicht einfach ein Traum, um die Aufregung des Tages zu verarbeiten. Londo hat noch nie ein Raumschiff von Mordens „Partner“ gesehen, er weiß also gar nicht, wem diese spinnenähnlichen Schiffe zuzuordnen sind. Über den Ablaufplan des Schattenangriffs müssen wir vielleicht noch ein paar Worte fallen lassen. Man mag sich fragen, wieso die Schatten überhaut vorgeschickt werden, um die Narnkolonie anzugreifen. Warum machen das die Centauri nicht gleich selbst, wenn sie ohnehin am Ende als der Angreifer gelten wollen. Ist die centaurische Flotte zu schwach, um gegen die Narn anzukommen? Man muss hier bedenken, dass die ganze Aktion keine Aktion der Regierung ist. Es ist eben nicht das Centauri-Militär, das an dieser Aktion beteiligt ist, sondern eine Privatarmee von Lord Refa. Und der wäre vermutlich tatsächlich zu schwach gewesen, um die Narn in diesem System zu besiegen. Die centaurische Flotte wird erst dann aktiv werden, wenn die Narn der Republik den Krieg erklären würden. Genau das, was Londo und Refa beabsichtigen. Die Narn erklären den Krieg.  Aus Sicht der Centauri-Öffentlichkeit sind vermutlich die Narn die Angreifer.

Damit alles wie geplant vonstatten gehen kann, sorgt Refa am Ende dafür, dass der Premierminister, der den Friedenskurs des Imperators unterstützt hat, ausgeschaltet wird. Ob der Neffe des Imperators, der nun auf den Thron gesetzt werden soll, wirklich so leicht um den Finger zu wickeln sein wird, wie Refa es sich vorstellt, werden wir sehen.

Man mag sich darüber wundern, warum die Centauri ihren Staat „Republik“ nennen, wo sie doch offensichtlich eine Monarchie sind. Da hat vermutlich das Römische Imperium Pate gestanden. Rom war bis zur Ernennung von Oktavian zum Augustus ohne Zweifel eine Republik. Und das blieb das Reich auch bis zum Ende. Denn der Imperator war eben kein König, sondern „nur“ der oberste Diener der Republik. Auf Lebenszeit und meist mit der Option, seinen Nachfolger zu benennen.
So ähnlich wird das bei den Centauri auch gewesen sein. Auch Londo wird dereinst bestimmen, wer sein Nachfolger als Imperator werden wird.

In dieser Folge sehen wir erstmals Jeff Sinclair wieder. Er war bekanntlich als Botschafter der Erdallianz nach Minbar versetzt worden. Dort muss er mit einer tausendjährigen Organisation in Kontakt gekommen sein, den Rangern, wie man sie bei den Menschen nennt. Sinclair hat diese Gruppe nämlich nicht gegründet. Die Ranger sind in Babylon 5 etwa das, was die Jedi-Ritter in der galaktischen Republik sind, nur ohne PSI-Kräfte.

Dass Sinclair immer noch eine Aufgabe haben wird, wissen wir aus der Folge Babylon Squared / Verloren in der Zeit aus der 1. Staffel. Dort erfährt man, dass die Vorgängerstation Babylon 4 in die Zukunft entführt wird und dass ein gealteter Sinclair darin involviert ist. Und in der Tat – wir werden Sinclair in der 3. Staffel wiedersehen.

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Dirk Wilkens-Hagenkötter
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